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德国的法律

Forest Strategy 2050

颁布于 2021-09 · 文本截至 2026-10-01

以研究形式发布的公开法律与官方指引,不构成法律、税务或金融建议。

研究内容本身以英文撰写。标题和标签已翻译,调查结果和引文未翻译。

关于这部法律

原标题
Wladstrategie 2050.
语言
German
类型
policy
国家
德国
主题
Environment, Forestry, Water, Wild species and ecosystems
关键词
sustainable use, biodiversity, residues, public health, international agreement-implementation, soil conservation/soil improvement, recycling/reuse, risk assessment/management, access-to-information, agro-forestry, climate change, pests/diseases, ecofriendly products/ecofriendly processes, ecosystem conservation, environmental planning, forest management/forest conservation, forestry protection measures, policy/planning, protection forest, timber, forest species, recreational forest, afforestation/reforestation, seeds/planting material, agricultural development, circular economy, water shortage/drought, potable water, water resources management, research, monitoring, hunting/capture, wildlife products

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  1. Waldstrategie 2050 Nachhaltige Waldbewirtschaftung – Herausforderungen und Chancen für Mensch, Natur und Klima http://www.bmel.de INHALTSVERZEICHNIS INHALT Zusammenfassung 4 1 Hintergrund 8 2 Ausgangslage 10 3 Leitbild 2050 16 4 Handlungsfelder und Meilensteine 18 4.1 Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel 19 4.2 Biodiversität und Waldnaturschutz 24 4.3 Holzerzeugung und -verwendung 28 4.4 Erholung, Sport und Gesundheit 34 4.5 Boden und Wasser 38 4.6 Waldentwicklung, nachhaltige Bewirtschaftung und Jagd 43 4.7 Waldeigentum und neue Wertschöpfung 46 4.8 Waldarbeit, Digitalisierung und Technologie 50 4.9 Forschung und Entwicklung 52 4.10 Kommunikation und Information 54 VORWORT 3 unsere Erde wird gerne als „blauer Planet“ bezeichnet. Das stimmt aber nicht ganz. Denn wenn wir unsere Erde betrachten, dann sehen wir neben unseren Ozeanen mit unseren Wäldern das zweite bedeutende Ökosystem. Ganze 30 Prozent der Erdoberfläche sind grün, weil sie von Wald bedeckt sind. Deutschland ist mit einem Waldflächenanteil von rund 32 Prozent (11,4 Millionen Hektar) eines der waldreichsten Länder Europas. In unseren Wäldern wird ein enormer Kohlenstoffvor rat gespeichert und ein erheblicher Prozentsatz unseres CO2-Ausstoßes ständig gebunden. Der Wald in Deutsch land bindet rund 57 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr. Etwa genauso viel setzen alle Nutzfahrzeuge in Deutschland im gleichen Zeitraum frei. Damit ist der Wald unser wichtigster Klimaschützer. In den zurück liegenden Jahren konnten der Wald, seine nachhaltige Bewirtschaftung und die Holzverwendung insgesamt die Treibhausgas-Bilanz in Deutschland um bis zu 14 Prozent verbessern. Der Wald ist aber auch ein wichtiger Hort der heimischen Biodiversität, Ursprung für die Bereitstellung zahlreicher sogenannter Ökosystemleistungen und Arbeitgeber. Der Wald liefert den für das Klima und die Bioökonomie wichtigsten nachwachsenden Rohstoff Holz. Die Ver wendung von Holz schont endliche Ressourcen und ist die Grundlage für eine weitverzweigte Wertschöpfungs kette, die weiter an Bedeutung gewinnen wird. Damit sichern Waldbewirtschaftung und Holzverwendung Ein kommen und Beschäftigung gerade auch in ländlichen Regionen. Und schließlich ist der Wald auch als Natur raum für Erholung, Sport und Gesundheit erlebbar. Liebe Leserinnen und Leser, Unsere Waldlandschaft ist heute geprägt durch ein kleinräumiges Mosaik unterschiedlicher Waldflächen, das seinen Ursprung in der Vielfalt der Standorte und der vielfältigen Bewirtschaftung verschiedener Waldbe sitzformen hat. Die biologische Vielfalt unserer Wälder ist somit Merkmal einer Kulturlandschaft, die sich über mehrere Jahrhunderte entwickelt hat. Doch durch den Klimawandel sind die Wälder massiv geschädigt: Unsere Waldzustandserhebung 2020 bestätigt, dass es den Wäldern in Deutschland so schlecht geht wie seit Jahrzehnten nicht. Dürre, Hitze und Schädlinge machen ihnen besonders in der jüngeren Vergangenheit zu schaffen und bedrohen ihre Leistungsfähigkeit. Um unsere Wälder zu erhalten, müssen wir sie verstärkt zu klimastabilen Mischwäldern umbauen. Und hierfür dürfen wir nicht in Jahren, sondern müssen in Generationen denken. Das Ziel dieser Waldstrategie ist es, die Wälder in Deutschland mit ihren vielfältigen Ökosystemleistungen für den einzelnen Menschen und die Gesellschaft, die Natur sowie die Wirtschaft zu erhalten und an die sich ändernden klimatischen Bedingungen anzupassen. Damit ist sie Ausdruck unserer Verantwortung für den Wald, die Waldbesitzenden und künftige Generationen, die wie wir auf seine Leistungen angewiesen sind. Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre. Herzlichst Ihre Julia Klöckner Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft 4 Zusammenfassung BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 5 Der Wald in Deutschland wächst – aber er braucht Unterstützung Mit einem Waldflächenanteil von rund 32 Prozent ist Deutschland eines der waldreichsten Länder Europas. Seit 1990 konnte die Waldfläche um mehr als 200.000 Hektar ausgeweitet werden. Von den 11,4 Millionen Hektar Wald in Deutschland sind 48 Prozent Privatwald und 19 Prozent im Eigentum von Körperschaften (z. B. Kommunen). Die übrigen Waldflächen sind im Eigentum der Länder (29 Prozent) und des Bundes (4 Prozent). Laubbäume wachsen auf 45 Prozent der Waldfläche; Bu che (16 Prozent) und Eiche (11 Prozent) sind hierbei die wichtigsten Arten. Insbesondere durch den seit Anfang der 1990er-Jahre mit öffentlichen Geldern geförderten Waldumbau hat der Laubbaumanteil stetig zugenom men. Mischwälder prägen mit einem Flächenanteil von 76 Prozent den deutschen Wald. Die jüngeren Wälder (bis ca. 20 Jahre alt) sind zu 85 Prozent aus natürlicher Verjüngung hervorgegangen. Die Extremwetter der Jahre 2017 bis 2020 stellen als Folge des Klimawandels eine deutliche Zäsur in der Wal dentwicklung dar: Stürme und Dürren in Verbindung mit extremer Hitze begünstigten großräumige Massen vermehrungen von Borkenkäfern und anderen Schäd lingen, die die Waldbewirtschaftung beeinträchtigen. Bis Ende des 2. Quartals 2021 sind dadurch ca. 187 Millionen Kubikmeter Schadholz angefallen, 277.000 Hektar sind wiederzubewalden. Der Klimawandel ist eine existenzielle Herausforderung für die Menschheit. Eine ambitionierte Klimaschutz politik zur Minderung der Treibhausgas-Emissionen ist daher von zentraler Bedeutung, nicht nur für den Erhalt der Wälder. Die zentralen Herausforderungen für die Waldpolitik in Deutschland sind: die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wälder und die Waldwirtschaft, die Anpassung der Wälder an den Klimawandel, der Schutz der Biodiversität sowie die nachhaltige Bewirt Zusammenfassung der Waldstrategie 2050 schaftung der Wälder im Klimawandel. Die Folgen des Klimawandels sind nicht nur für den Wald gravierend, sondern auch für die von ihm bereitgestellten Ökosys temleistungen sowie für die Waldbesitzenden. Zur Be wältigung dieser Herausforderungen braucht es die Hilfe von Bund und Ländern für die nachhaltig wirtschaften den Forstbetriebe. Ökosystemleistungen des Waldes Die Wälder in Deutschland – sowie weltweit – sind we gen ihrer vielfältigen Ökosystemleistungen wichtig für das Wohlergehen und die Bedürfnisse der Menschen. Die biologische Vielfalt des Waldes, sowie die Pflege und das Management des Walds durch die Waldbesitzenden und die Forstleute sind die Grundlage für die Sicherung und Bereitstellung der Ökosystemleistungen. Deren Bedeu tung für die Gesellschaft verdeutlichen folgende Zahlen: → Klimaschutz: In den Wäldern Deutschlands sind gegenwärtig 2,6 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in Biomasse, Totholz und Boden gebunden. Die jährliche Kohlenstoffspeicherwirkung des Waldes beläuft sich aktuell auf 57 Millionen Tonnen CO2 und die der stofflich genutzten Holzprodukte auf 4,2 Millionen Tonnen CO2. Bei der Bewertung der Treibhausgas-Minderungspotenziale ist die ganz heitliche Bewertung der Wirkungen von Wald, Waldbewirtschaftung und Holzverwendung in Bezug auf Kohlenstoffspeicherung und Substitution von energieintensiven Materialien und Energieträgern mit nachteiliger Ökobilanz erforderlich. In den zurückliegenden Jahren konnte dadurch die Treib hausgas-Bilanz in Deutschland um bis zu 14 Prozent verbessert werden. Das entspricht knapp 80 Prozent der Emissionen des Straßenverkehrs im Jahre 2016. ZUSAMMENFASSUNG 6 → Nachwachsender Rohstoff Holz: Die Waldwirtschaft in Deutschland konnte im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2019 jährlich rund 73 Millionen Kubikmeter Rohholz zur Verfügung stellen. Auch aufgrund des effizienten Rohstoffeinsatzes von Reststoffen wie etwa Landschaftspflegematerial, Sägenebenproduk ten oder Altholz liegt der gesamte Holzrohstoffein satz mit rund 127 Millionen Kubikmetern pro Jahr deutlich über dem Rohholzeinsatz. Der nachhaltig er zeugte klimafreundliche Rohstoff Holz ist die Grund lage für eine weitverzweigte Wertschöpfungskette mit dem Bausektor als wichtigstem Absatzmarkt. Im Jahr 2018 fanden im Cluster „Wald und Holz“ rund 1 Millionen Menschen Arbeit und Einkommen. → Erholung, Sport und Gesundheit: Über 55 Millionen Menschen, beziehungsweise 70 Prozent der Bevöl kerung, nutzen den Wald zur Erholung mindestens einmal im Jahr aktiv. Im Bevölkerungsdurchschnitt ergeben sich rund 28 Besuche pro Person und Jahr. Jährlich gibt es in Deutschland schätzungsweise 2,3 Milliarden Waldbesuche. Die Bedeutung des Wal des für die physische und psychische Gesundheit der Bevölkerung ist unschätzbar hoch. → Trinkwasser: Über 40 Prozent der Fläche aller Was serschutzgebiete liegen im Wald, das sind rund 2,1 Millionen Hektar Waldfläche (18 Prozent Flä chenanteil). Trinkwasser aus dem Wald ist besonders sauber, 98 Prozent der im Wald gewonnenen Wasser menge hat Trinkwasserqualität. Das Leitbild für den Wald in Deutschland Wälder und ihre nachhaltige Bewirtschaftung sollen auch in Zukunft die für die Gesellschaft wichtigen Leistungen erbringen und dabei einen hohen Grad an biologischer Vielfalt aufweisen. Dies stellt die Waldbesit zenden, die Waldpolitik und die Ressourcenpolitik Holz vor besondere Herausforderungen, die sich durch die Folgen des Klimawandels zusätzlich verschärft haben. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirt schaft (BMEL) setzt sich mit der Waldstrategie 2050 daher für folgendes Leitbild bis zum Jahr 2050 ein: Die Wälder in Deutschland sind mit ihren vielfältigen Ökosystemleistungen für den einzelnen Menschen und die Gesellschaft, die Natur sowie die Wirtschaft erhalten und an die sich weiter ändernden klimatischen Bedingungen angepasst. Sie sind in einer Weise im staatlichen, körper schaftlichen und privaten Waldbesitz weiterentwickelt und integrativ bewirtschaftet, dass ihre Stabilität, ihre biologische Vielfalt, ihre Produktivität und ihre vielfälti gen Schutzleistungen sowie ihre Erlebbarkeit zum Wohl der gesamten Gesellschaft nachhaltig gewährleistet sind. Damit bleiben auch für künftige Generationen die gleichen Chancen und Nutzungsoptionen erhalten. Die Ökosys temleistungen des Waldes werden angemessen von der Gesellschaft honoriert. BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 7 Maßnahmenpläne zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel sowie zum Risiko- und Krisenmanagement liegen vor und werden umgesetzt. Maßnahmen zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel, ihrer naturnahen Bewirtschaftung sowie der Bewältigung der durch Extremwetterereignisse verur sachten Folgen des Klimawandels werden durch Förderprogramme verstärkt unter stützt. Das Risiko- und Krisenmanage ment sind Bestandteile der Förderung.1 Für Wälder, die besonders von Trocken heit bedroht sind (derzeit geschätzt über 2,85 Millionen Hektar), sind Umbaupläne erarbeitet. In einem Drittel davon sind Umbaumaßnahmen bereits eingeleitet. Der kleinstrukturierte Privat- und Körper schaftswald wird durch die Förderung von forstwirtschaftlichen Zusammenschlüs sen und anderen Formen überbetrieb licher Kooperation weiterhin besonders unterstützt. Die Förderung ist auf die Entwicklung und langfristige Sicherung stabiler und leistungsfähiger überbe trieblicher organisatorischer Strukturen ausgerichtet. Der Wald, seine nachhaltige Bewirtschaf tung sowie die Holzverwendung tragen weiterhin zur Erreichung der Klima schutzziele der Bundesregierung bei. Ein Konzept für effizienten Waldnatur schutz ist etabliert und wird umgesetzt. Um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu erhöhen enthält das Konzept konkrete Schwerpunkte, die eine systematische Planung erlauben. Der Trend zu mehr Holz im Wohnungsbau hat sich fortgesetzt; die Holzbauquote im Wohnungsneubau (Genehmigungen mit überwiegend verwendetem Baustoff Holz) erreicht 30 Prozent. Der Holzbedarf wird überwiegend durch Holz aus nach haltiger, heimischer Waldbewirtschaftung gedeckt. Die Verjüngung standortgerechter, arten reicher und klimaresilienter Mischwälder aus Naturverjüngung, Saat und Pflanzung erfolgt im Wesentlichen ohne Schutzmaß nahmen vor dem Verbiss durch Wild. Die biologische Vielfalt im Wald hat sich weiter verbessert. Hierzu gehören die naturnahe Waldbewirtschaftung, ein kleinräumig stark wechselndes Mosaik unterschiedlicher Waldflächen, die Rücksichtnahme auf Habitat- und Lebensraumstrukturen und der Verzicht auf nährstoffzehrende, beziehungsweise bodenschädigende Nutzung. Systeme zur Honorierung der vielfältigen Ökosystemleistungen des Waldes sind etabliert und werden umgesetzt. Dazu gehört die Honorierung des Klimaschut zes, des Waldnaturschutzes sowie der Erholungsnutzung.1 1 9 2 10 3 6 4 7 5 8 1 Zusammenfassung mehrerer Meilensteine. Die Waldstrategie 2050 beschreibt in zehn Handlungs feldern, was zu tun ist, um das „Leitbild Wald 2050“ zu erreichen. Hieraus abgeleitete 59 Meilensteine bilden konkrete Zwischenziele bis 2030 ab. Dies ermöglicht, den Fortschritt zu bewerten, Schlussfolgerungen zu ziehen und das weitere Vorgehen daraus zu entwickeln. Die nachfolgenden zehn zentralen Meilensteine zielen auf die Anpassung der Wälder an den Klimawandel, den Klimaschutz, die nachhaltige Holzerzeugung und -ver wendung, die Biodiversität und den Waldnaturschutz, die Erholungsnutzung sowie die Unterstützung der Waldbesitzenden. Zentrale Meilensteine bis zum Jahr 2030 8 → 1 Hintergrund BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 9 Zentrale Leitlinie für eine nachhaltige Waldpolitik Von der Bundesregierung werden der Wald in Deutsch land und seine Bewirtschaftung unter Beachtung der Gleichrangigkeit der drei Säulen der Nachhaltigkeit (Ökonomie, Ökologie und Soziales) langfristig als wichti ge Landnutzungsform für eine nachhaltige Entwicklung erachtet und als solche in der Deutschen Nachhaltig keitsstrategie gewürdigt. Im Jahr 2011 hat die Bundes regierung daher die erste Nationale Waldstrategie mit einem Zeithorizont bis zum Jahr 2020 verabschiedet. Vor dem Hintergrund der sich stetig ändernden Herausfor derungen zum Erhalt des Waldes und seiner nachhal tigen Bewirtschaftung ist eine Weiterentwicklung der Waldstrategie notwendig. Aufgrund der Langfristigkeit der Entwicklungszyklen in Waldökosystemen hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Strategie weiterentwickelt und die neue Strategie mit dem Zeithorizont bis zum Jahr 2050 angelegt. Die Wald strategie hat, neben der Nachhaltigkeitsstrategie, Schnitt mengen mit zahlreichen anderen nationalen Konzepten und Strategien der Bundesregierung wie insbesondere dem Klimaschutzplan 2050, der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt, der Nationalen Bioökonomiestrate gie und der Charta für Holz 2.0. Aufeinander abgestimmt unterstützen sie gemeinsam den Kurs für eine nachhaltige Entwicklung Deutschlands. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirt schaft zeigt mit der Waldstrategie 2050 auf, was v. a. auf Ebene des Bunds, aber auch anderer für den Wald Verantwortlichen notwendig ist, damit der Wald an den Klimawandel weiter angepasst wird. Dies ist erforderlich, um nachhaltig alle von der Gesellschaft nachgefragten Leistungen zu liefern und den großen Beitrag von Wald, Waldwirtschaft und Holzverwendung, insbesondere für den Schutz des Klimas, zu erhalten und wo möglich zu verbessern. Weitere Veränderungstreiber, die berücksich tigt werden, sind der wachsende Bedarf an Ressourcen, die Globalisierung der Märkte, die Digitalisierung und nicht zuletzt geänderte gesellschaftliche Ansprüche an den Wald. Gesetzlicher Rahmen Das Bundeswaldgesetz gibt im § 1 den Rahmen für die Waldstrategie und die in Deutschland gesetzlich ver ankerte Multifunktionalität der Wälder vor. In diesem Sinne ist der Wald wegen seines wirtschaftlichen Nutzens (Nutzfunktion) und wegen seiner Bedeutung für die Um welt, insbesondere für die dauernde Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes, das Klima, den Wasserhaushalt, die Reinhaltung der Luft, die Bodenfruchtbarkeit, das Land schaftsbild, die Agrar- und Infrastruktur und die Erholung der Bevölkerung (Schutz- und Erholungsfunktion) zu erhalten, erforderlichenfalls zu mehren und seine ord nungsgemäße Bewirtschaftung nachhaltig zu sichern. Darüber hinaus soll die Forstwirtschaft gefördert und ein Ausgleich zwischen dem Interesse der Allgemeinheit und den Belangen der Waldbesitzenden herbeigeführt werden. Weiterhin ist insbesondere das Bundesna turschutzgesetz mit § 5 Absatz 3 für die Waldstrategie von Bedeutung. Dieser gibt vor, dass bei der forstlichen Nutzung des Waldes das Ziel zu verfolgen ist, naturnahe Wälder aufzubauen und diese ohne Kahlschläge nachhal tig zu bewirtschaften. Zudem ist ein hinreichender Anteil standortheimischer Forstpflanzen einzuhalten. Beteiligung von Wissenschaft, Ländern, Verbänden und Zivilgesellschaft Die Entwicklung der vorliegenden Waldstrategie 2050 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft stützt sich auf eine gemeinsame Evaluierung der Wirk samkeit der Waldstrategie 2020 durch Bund und Länder. Analysen und Empfehlungen der Wissenschaft sind über die Begleitung des Prozesses durch das Thünen-Institut und Stellungnahmen des Wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eingeflossen. Zur Beteiligung der Zi vilgesellschaft hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im September und Oktober 2019 vier Anhörungen zur Diskussion möglicher Ziele und Inhalte der Nationalen Waldstrategie 2050 durchgeführt – hierzu waren insgesamt 47 Verbände eingeladen. Außerdem wurden die Ergebnisse des Nationalen Waldgipfels vom 25. September 2019 ausgewertet und die Erkenntnisse aus dem Generationendialog Wald zwischen etablierten Akteuren und jungen Erwachsenen auf fünf Foren zwi schen August 2019 und Januar 2020 aufgegriffen. Im April 2021 wurden Länder und Verbände zudem zum Entwurf der Waldstrategie konsultiert und um Stellungnahme gebeten – die Anmerkungen und Hinweise wurden zur weiteren Überarbeitung genutzt. Nachfolgend werden der Zustand des Waldes und seine Ökosystemleistungen zusammenfassend dargestellt (Kapitel 2). Darauf aufbauend ist das Leitbild zur strategi schen Ausrichtung künftiger Nationaler Waldpolitik 2050 formuliert (Kapitel 3). In zehn Handlungsfeldern sind die Herausforderungen, die mit der Erfüllung des Leitbildes verbunden sind, identifiziert und mit konkreten Meilen steinen als Zwischenschritte bis zum Jahr 2030 untersetzt (Kapitel 4). Die hier beschriebenen Meilensteine haben keine präjudizierende Wirkung für die Planung der öf fentlichen Haushalte. → 10 2 Ausgangslage BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 11 Viertel des Waldes (24 Prozent der Fläche) ist älter als 100 Jahre. Die Hälfte der Waldfläche (51 Prozent) ist mit zuwachskräftigen Bäumen im Alter von 21 bis 80 Jahren bewachsen. Dieser Flächenanteil reduzierte sich seit 2012 um 7 Prozent. Dagegen stieg der Flächenanteil von Bäumen im Alter über 120 Jahre und abnehmendem Zuwachs um 12 Prozent. Der Holzvorrat in den Wäldern Deutschlands hatte 2017 mit 3,9 Milliarden Kubikmetern oder 358 Kubikmetern pro Hektar einen neuen historischen Höchststand erreicht. Der Totholzvorrat ist zwischen den Jahren 2012 und 2017 um 14 Prozent auf 22,2 Kubik meter pro Hektar angestiegen. Die Extremwetter der Jahre 2017 bis 2020 stellen als Folge des Klimawandels eine deutliche Zäsur in der Waldent wicklung dar: Nach den Stürmen und Dürren in Verbin dung mit extremer Hitze und einer dadurch begünstigten großräumigen Vermehrung von Borkenkäfern sowie von weiteren die Waldbewirtschaftung beeinträchtigenden Schädlingen sind bis zum Ende des 2. Quartals 2021 ca. 187 Millionen Kubikmeter Schadholz angefallen, auf rund 277.000 Hektar ist der Wald wiederherzustellen. Vielerorts sind Bäume vertrocknet und ganze Waldflächen abgestor ben. Hauptsächlich sind Fichten betroffen. Es zeichnet sich derzeit jedoch ab, dass neben weiteren Nadelbaumar ten auch Laubbäume durch die fortdauernde Trockenheit beeinträchtigt sind. Der Wassermangel hat aber auch darüber hinaus zu deutlichen Zuwachsverlusten und geringer Vitalität der Bäume in ganz Deutschland geführt. Wald in Deutschland Mit einem Waldflächenanteil von rund 32 Prozent (11,4 Millionen Hektar) ist Deutschland eines der wald reichsten Länder Europas. Seit 1990 konnte die Wald fläche um mehr als 200.000 Hektar ausgeweitet werden. Von den 11,4 Millionen Hektar Wald in Deutschland sind 48 Prozent Privatwald und 19 Prozent im Eigentum von Körperschaften (z. B. Kommunen). Die übrigen Waldflä chen sind im Eigentum der Länder (29 Prozent) und des Bundes (4 Prozent). Insgesamt gibt es in Deutschland ca. 1,8 Millionen private Waldbesitzende. Die meisten davon sind sogenannte Kleinstprivatwaldbesitzende mit einer durchschnittlichen Waldfläche von rund 2,5 Hektar. Auf mehr als der Hälfte der Waldfläche wachsen Nadel bäume, wobei Fichte (25 Prozent) und Kiefer (23 Prozent) den größten Anteil haben. Laubbäume finden sich auf 45 Prozent der Waldfläche, Buche (16 Prozent) und Eiche (11 Prozent) sind die wichtigsten Arten (Thünen Institut 2019). Insbesondere durch den seit Anfang der 1990er-Jahre mit öffentlichen Geldern geförderten Waldumbau hat der Laubbaumanteil stetig zugenom men. Zwischen den Jahren 2012 und 2017 ist der Laub waldanteil durch Waldumbau um 0,4 Prozent-Punkte weiter angestiegen. Mischwälder prägen mit einem Flächenanteil von 76 Prozent den deutschen Wald. Die jüngeren Wälder (bis ca. 20 Jahre alt) sind zu 85 Prozent aus natürlicher Verjüngung hervorgegangen. Knapp ein WALDFLÄCHEN NACH EIGENTUMSART 2012 Quelle: BWI3 (2014) © FNR 2019 Staatswald Bund 403.464 ha Körperschaftswald 2.220.445 ha Staatswald Land 3.309.537 ha Privatwald 5.485.679 ha 4 % 19 % 29 % 48 % gesamt 11.419.124 ha Treuhandwald 2 % > 1.000 ha 13 % 500–1.000 ha 6 % 200–500 ha 8 % 100–200 ha 6 % 50–100 ha 6 % 20–50 ha 10 % < 20 ha 50 % HAUPTBAUMARTEN 2017 Waldfläche 32 % 11,4 Mio. ha Die häufigsten Baumarten im deutschen Wald (bezogen auf die Holzbodenfläche) 25,3 % Fichte 22,9 % Kiefer 18,1 % sonstige Laubbaumarten 16,1 % Buche 10,5 % Eiche 7,1 % sonstige Nadelbaumarten Quelle: KI (2019) © FNR 2021 Gesamtfläche Deutschland AUSGANGSLAGE 12 Die Bedeutung der Ökosystemleistungen des Waldes für die Gesellschaft verdeutlichen folgende ausgewählte Kennzahlen: → Klimaschutz: In den Wäldern Deutschlands sind gegenwärtig 2,6 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in Biomasse, Totholz und Boden gebunden. Die jährli che Kohlenstoffspeicherwirkung des Waldes beläuft sich aktuell auf 57 Millionen Tonnen CO2 und die der stofflich genutzten Holzprodukte auf 4,2 Millionen Tonnen CO2. Waldbewirtschaftung und Holzverwen dung, insbesondere bei langlebigen Produkten und einschließlich Substitution, verbessern die Treibhaus gas-Bilanz Deutschlands somit um bis zu 14 Prozent. → Nachwachsender Rohstoff Holz: Die Waldwirtschaft in Deutschland konnte, nach Berechnungen des Thünen-Instituts, im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2019 jährlich rund 73 Millionen Kubikmeter Rohholz zur Verfügung stellen. Auch aufgrund des effizienten Rohstoffeinsatzes von Reststoffen, wie z. B. Land schaftspflegematerial, Sägenebenprodukte oder Alt holz liegt der gesamte Holzrohstoffeinsatz mit rund 127 Millionen Kubikmeter pro Jahr jedoch deutlich über dem Rohholzeinsatz. Der nachhaltig erzeugte, klimafreundliche Rohstoff Holz ist die Grundlage für eine weitverzweigte Wertschöpfungskette mit dem Bausektor als wichtigstem Absatzmarkt. Im Jahr 2018 fanden im Cluster „Wald und Holz“ rund 1 Millionen Menschen Arbeit und Einkommen. → Erholung, Sport und Gesundheit: Über 55 Millionen Menschen bzw. 70 Prozent der Bevölkerung nutzen den Wald für Erholung mindestens einmal im Jahr aktiv. Im Bevölkerungsdurchschnitt ergeben sich rund 28 Besuche pro Person und Jahr; jährlich gibt es in Deutschland schätzungsweise 2,3 Milliarden Waldbe suche. Die Bedeutung des Waldes für die physische und psychische Gesundheit der Bevölkerung ist unschätz bar hoch. → Trinkwasser: Über 40 Prozent der Fläche aller Was serschutzgebiete liegen im Wald, das sind rund 2,1 Millionen Hektar Waldfläche (18 Prozent Flächen anteil). Trinkwasser aus dem Wald ist besonders sauber, 98 Prozent der im Wald gewonnenen Wasser menge hat Trinkwasserqualität. Herausforderung Klimawandel Der Klimawandel ist eine existenzielle Herausforderung für die gesamte Menschheit. Eine ambitionierte Klima schutzpolitik zur Minderung der Treibhausgas-Emissionen ist daher von zentraler Bedeutung, nicht nur für den Erhalt der Wälder. Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wälder, der Schutz der Biodiversität sowie die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder im Klimawandel sind die zen tralen Herausforderungen für die Waldpolitik in Deutsch land. Der fortschreitende Klimawandel und damit der Er halt bzw. der Ausbau des Beitrags von Wald und Holz zum Klimaschutz werden die Waldentwicklung und damit auch die Nutzung voraussichtlich für die nächsten Jahrzehnte entscheidend prägen. Daher ist es von übergeordnetem Interesse, dass der Klimaschutzplan 2050 der Bundesre gierung umgesetzt wird und die Reduktionsziele für die Begrenzung der Treibhausgas-Emissionen erreicht werden. Die Folgen des Klimawandels sind nicht nur für den Wald gravierend, sondern auch für die von ihm bereitgestellten Ökosystemleistungen und für die Waldbesitzenden. Vor diesem Hintergrund und im Rahmen der vorliegenden Strategie wird Forstwirtschaft in Deutschland umfassen der – im Sinne von Waldwirtschaft – verstanden. Ökosystemleistungen des Waldes Die Wälder in Deutschland – sowie weltweit – sind wegen ihrer vielfältigen Ökosystemleistungen wichtig für das Wohlergehen und die Bedürfnisse der Menschen. Hierzu gehören: → „Basisleistungen“ wie der Nährstoffkreislauf und die Bodenbildung; → „Versorgungsleistungen“ wie die erneuerbaren Res sourcen, welche Wälder liefern (v. a. Holz, Trinkwas ser, Wildfleisch); → „Regulationsleistungen“ – typischerweise Schutzleis tungen – wie der Klimaschutz, der Schutz des Men schen vor Stürmen und Hitze, Überflutungen, Lawinen, Geröllschlag, Lärm sowie Luftverschmutzung und → „kulturelle Leistungen”, mit denen Wälder zum Wohlbefinden von Menschen beitragen, wie die un mittelbare Nutzung der Wälder für Erholung, Sport und Gesundheit, kontemplative, ästhetische und spi rituelle Naturerfahrungen bis hin zum Bildungsort. BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 13 Die biologische Vielfalt des Waldes, d. h. die Vielfalt der Ökosysteme, die Vielfalt der Arten und die genetische Vielfalt innerhalb der jeweiligen (Wild-)Tier-, Pflanzen und Pilzarten sowie die Pflege des Waldes und das Ma nagement der Waldbesitzenden sind die Grundlage für die Sicherung und Bereitstellung der Ökosystemleistungen. Die meisten Leistungen des Waldes werden von der Allge meinheit i. d. R. kostenfrei direkt oder indirekt genutzt – wie beispielsweise als Naturgenuss, für individuellen Sport im Wald oder in der Nutzung von Trinkwasser. Gleichwohl sind oft konkrete zusätzliche Aktivitäten der Waldbesitzenden nötig, um die Leistungen sicherzustel len und für Dritte zugänglich und nutzbar zu machen: Z. B. ist bei der Anpassung der Wälder an den Klimawan del die natürliche Verjüngung eine wichtige Grundlage. Aber oftmals ist ein aktives Lenken der Waldentwick lung und Ressourcennutzung durch gezielte Holzern temaßnahmen und das Einbringen klimaresilienter Baumarten und -herkünfte durch Saat oder Pflanzung notwendig. Gleiches gilt für die Pflege bestimmter schüt zenswerter Wälder, wie z. B. den Erhalt von Eichenwäl dern. Auch können viele Holzprodukte in der stofflichen Verwendung nur höherwertig eingesetzt werden, wenn die geernteten Bäume spezifische Eigenschaften und Qualitäten aufweisen, die nur die nur über die gezielte Entwicklung eines bestimmten Waldaufbaus und lang jährige Pflege zu erreichen sind. Schließlich ermöglicht erst die Anlage von Wegen den Waldbesuch. Im dicht besiedelten Deutschland sind die vielfälti gen Ansprüche der Gesellschaft an die ökonomischen, ökologischen und sozialen Leistungen des Waldes und damit auch an die Waldbesitzenden in den letzten Jahren gestiegen und unterliegen einem ständigen Entwick lungsprozess. Die Ansprüche der Gesellschaft an den Wald und seine Ökosystemleistungen sind allerdings nicht immer kongruent, sondern teilweise mit Zielkon flikten verbunden. Die zentrale Aufgabe einer langfristig tragfähigen Strategie für die Waldpolitik in Deutschland ist es daher, auch eine Balance zwischen den unter schiedlichen Ansprüchen aufzuzeigen. GESAMTER KOHLENSTOFFVORRAT IN WALD UND WALDBODEN IN DEUTSCHLAND Quelle: Thünen-Institut, Kohlenstoffinventur (2019); Grünebeberg et al., Kohlenstoffvorräte und -vorratsänderungen in Waldböden (2019) © FNR 2021 in Mio. t (bez. auf Gesamtwaldfläche Deutschlands) oberirdische Biomasse Totholz und Humusschicht Mineralboden und unterirdische Biomasse oberirdische Biomasse Totholz und Humusschicht Mineralboden und unterirdische Biomasse Zweite Bodenzustandserhebung (2012*) 2.500 2.000 1.500 1.000 500 0 gesamt 2.599 1.230 34 1.335 * Für den Boden auf das Jahr 2012 hochgerechnet, für den Bestand gemessen. AUSGANGSLAGE 14 ÖKOSYSTEMLEISTUNGEN DES WALDES Dargestellt sind die Leistungen, die der Wald in Deutschland pro Hektar erbringt. Insgesamt ist ein Drittel Deutschlands (11,4 Mio. Hektar) bewaldet. Versorgungsleistungen 8 Holzzuwachs 9 Stoffliche Holznutzung 10 Energieholz 11 Pilze & Beeren 12 Wildfleisch 13 Trinkwasserschutzgebiet Quellen: BMEL, Thünen-Institut © FNR 2020 fnr.de Basisleistungen 1 Photosynthese 2 Sauerstoffproduktion 3 Kohlenstoffspeicher Biomasse 4 Holzvorrat 5 Biodiversität 6 Bodenbildung 7 Kohlenstoffspeicher Waldboden http://fnr.de BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 15 Regulationsleistungen 14 Luftfilter 15 Klimaschutz 16 Wasserfilter 17 Bodenschutz 18 Biotopfläche 19 Totholz Kulturelle Leistungen 20 Arbeitsplatz 21 Forschung & Bildung 22 Wirtschaft 23 Tourismus 24 Gesundheit & Erholung 25 Bestattung 22 16 → 3 Leitbild 2050 BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 17 Aktuelle Herausforderungen und schwer vorhersehbare zukünftige Entwicklungen erfordern ein adaptives Vorgehen, das auf aktuelle Entwicklungen reagiert, neue Erkenntnisse und Notwendigkeiten aufgreift sowie – falls erforderlich – Ziele nachjustiert. Die waldpolitische Umsetzung eines langfristigen „Leitbildes für 2050“ wird zu diesem Zweck in Handlungsfelder gegliedert. Der Fortschritt in der Umsetzung soll im Jahr 2030 anhand von Meilensteinen überprüft und darauf aufbauend weitere Umsetzungsschritte geplant werden (Grafik: Leitbild). Die Überprüfung des Fortschritts wird auch vom Wissenschaftlichen Beirat für Waldpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft unterstützt. Der Beirat ist mit Vertretern verschiede ner wissenschaftlicher Fachdisziplinen besetzt, die die gesellschaftlichen Anforderungen an den Wald w Klimaschutz und Klimaanpassung Waldentwicklung, nachhaltige Bewirtschaftung und Jagd Biodiversität und Waldnaturschutz Erholung, Sport und Gesundheit Boden und Wasser Kommunikation und Information Waldarbeit, Digitalisierung und Technologie Eigentum und neue Wertschöpfung Forschung und Entwicklung Holzerzeugung und Holzver wendung übergreifende Instrumente Forschungs förderung Förderung, Honorierung Rahmen bedingungen w eiterentwickelt et ab lie rt ME ILEN STEINE BIS 2030 au sg eb au t verstetigt HAN DLUNGSFELDER LEITB ILD FÜR 2050 Erhalt und Stabilisierung der W älder H on or ie ru ng v on Ö ko sy st em le is tu ng en Bereitstellung aller Ökosystem leistu nge n iderspiegeln . Der Beirat prüft die Ziele und Grundsätze der nationalen und internationalen Waldpolitik. Er unterbreitet Vorschläge für die Weiterentwicklung der waldpolitischen Rahmenbedingungen und der Instrumen te zur Umsetzung der Waldstrategie. Die Waldstrategie 2050 orientiert sich an einem Leitbild, das aus heutiger Sicht angemessen und plausibel erscheint. Sie muss die verschiedenen Ansprüche an den Erhalt und die nachhaltige Nutzung der Wälder in Einklang bringen und dabei sich ändernde externe Faktoren auf greifen. Dafür wird eine möglichst naturnahe Waldbe wirtschaftung angestrebt, die alle Ökosystemleistungen bereitstellt. Damit unterstützt das Leitbild der Waldstra tegie das Ziel für die nachhaltige Entwicklung 15 (auf Englisch: Sustainable Development Goal, abgekürzt: SDG) der Vereinten Nationen, insbesondere im Zusam menhang mit der Förderung der nachhaltigen Bewirt schaftung der Wälder, der Wiederherstellung geschädig ter Wälder sowie der Waldmehrung. Verschiedene Entwicklungen mit Bezug zum Wald sind bis zum Jahr 2050 weder verlässlich vorhersehbar noch konkret planbar. Dies betrifft beispielsweise die Ent wicklung der gesellschaftlichen Bedürfnisse, aber auch den globalen Wandel mit dem weiter fortschreitenden Klimawandel sowie die sich verändernden globalen Wirtschaftsbedingungen und Rohstoffverfügbarkeiten. Zudem ist die deutsche Waldpolitik eingebunden in internationale und europäische Verpflichtungen zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung, zur Eindämmung des Klimawandels und zur Erhaltung der biologischen Vielfalt. Politikentscheidungen für die Wälder, mit ihren langen Entwicklungszyklen, müssen daher ausreichend flexibel sein, um auf die sich ändernden Bedingungen angemessen reagieren zu können. Mit Blick auf diese Unwägbarkeiten wurde deshalb der Detaillierungsgrad des Leitbildes für 2050 so gewählt, dass dabei eine ausrei chende Flexibilität gewahrt bleibt. LEITBILD WALD 2050 Die Wälder in Deutschland sind mit ihren vielfältigen Ökosystemleistungen für den einzelnen Menschen und die Gesellschaft, die Natur sowie die Wirt schaft erhalten und an die sich weiter ändernden klimatischen Bedingungen angepasst. Sie sind in einer Weise im staatlichen, körperschaftlichen und privaten Waldbesitz weiterentwickelt und integrativ bewirtschaftet, dass ihre Stabilität, ihre biologische Vielfalt, ihre Produktivität und ihre vielfältigen Schutzleistungen sowie ihre Erlebbarkeit zum Wohl der gesamten Gesellschaft nachhaltig gewährleistet sind. Damit bleiben auch für künftige Generationen die gleichen Chancen und Nutzungsoptionen erhal ten. Die Ökosystemleistungen des Waldes werden angemessen von der Gesellschaft honoriert. → 18 4 Handlungsfelder und Meilensteine BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 19 4.1 Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel Klimaschutz durch nachhaltige Waldbewirtschaftung Die Klimaschutzleistung des Waldes umfasst die Ele mente Waldspeicher, Waldbewirtschaftung und Holz verwendung, die in gegenseitiger Wechselwirkung stehen und daher immer im Zusammenhang zu sehen sind. Dies wirkt sich zudem auf die Schonung endlicher Ressourcen und die Sicherung von Beschäftigung und Wertschöpfung aus. Durch Bewirtschaftung des Waldes und die Verwendung von Holz, insbesondere in langle bigen Holzprodukten, kann der Kohlenstoffspeicher des Waldes um den der Holzprodukte (z. B. beim Bauen mit Holz oder in Möbelstücken) erweitert werden. Zu sätzliche Klimaschutzeffekte werden durch die stoff liche Substitution energieaufwendig herzustellender Bau- und Werkstoffe auf Basis endlicher Rohstoffe mit vergleichsweise nachteiliger Ökobilanz und durch die energetische Substitution fossiler Brennstoffe erreicht. Waldbewirtschaftung und Holzverwendung verbessern die Treibhausgas-Bilanz Deutschlands zurzeit um etwa 11 bis 14 Prozent. Wälder binden durch die Photosynthese der Bäume das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) und speichern dieses als Kohlenstoff (C) in der Biomasse, d. h. überwiegend im Holz und in Böden (Waldspeicher) und setzen dabei Sauerstoff frei. Sterben Bäume im natürlichen Prozess ab, wird der Kohlenstoff der Biomasse durch Zersetzung wieder als CO2 der Atmosphäre zugeführt. Die Bilanz dieser beiden Prozesse bestimmt, ob der Wald eine Das Leitbild soll durch spezifische Handlungsfelder, die mit Meilensteinen untersetzt sind, erreicht werden. Die Handlungsfelder und Meilensteine sind gemeinsam auf die Erreichung des Leitbildes gerichtet, sie ergänzen sich gegenseitig und können aufgrund ihrer engen Vernet zung nicht losgelöst voneinander betrachtet werden. Im Entwicklungsprozess der Waldstrategie 2050 wurden zehn Handlungsfelder identifiziert, die für eine möglichst operationale Umsetzung der Strategie notwendig sind. Die Meilensteine, im Sinne von Etappenzielen, sind als „Ist-Zustand“ für das Jahr 2030 formuliert, ermöglichen auf ein konkretes Ziel ausgerichtetes Handeln sowie die Überprüfung des Fortschritts. Die Meilensteine sind kei ne abschließende Aufzählung, beeinflussen sich häufig gegenseitig und können auch für mehrere Handlungs felder relevant sein. Ein Teil der waldrelevanten Belange in Deutschland liegt in der Zuständigkeit des Bundes, ein anderer in der Ver antwortung der Länder. Diese Aufgabenteilung zwischen Bund und den Ländern im Bereich der Waldpolitik hat sich bewährt und wird durch die Waldstrategie 2050 nicht berührt. Neben Bund und Ländern richtet sich die Strategie aber auch an die übrigen waldrelevanten gesellschaftlichen Akteure und hier im Speziellen an die körperschaftlichen und privaten Waldbesitzenden. Der Beitrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft liegt dabei – unter jeweiliger Berücksichtigung der finanzverfassungsrechtlichen, haushaltsrechtlichen und beihilferechtlichen Vorga ben – insbesondere in der Verbesserung der Rahmen bedingungen, der Honorierung von Leistungen, der unterstützenden Förderung der körperschaftlichen und privaten Waldbesitzenden, der Forschungsförderung sowie dem Einsatz übergreifender Instrumente. Zu Letzterem zählen beispielsweise die Zusammenarbeit des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirt schaft mit den Ländern, europäische und internationale Zusammenarbeit, Maßnahmen zur Kommunikation und für einen Dialog mit gesellschaftlichen Gruppen, Bereitstellung von Fachinformationen, Maßnahmen zur Förderung von Qualifikation und Fachkräften sowie die Fortführung und ggf. Anpassung oder Einführung von Monitoring-Systemen. In den folgenden Abschnitten werden die Herausfor derungen in den einzelnen Handlungsfeldern näher beschrieben sowie prioritäre Meilensteine und Verant wortlichkeiten benannt, um bestehende Bedarfe anzuge hen. Mit der Reihenfolge der Handlungsfelder ist keine Schwerpunktsetzung oder Priorisierung verbunden. HANDLUNGSFELDER UND MEILENSTEINE 20 Quelle oder Senke für CO2 ist. Der Wald in Deutsch land hat zwischen den Jahren 2012 und 2017 weiter an Vorrat zugenommen und war damit eine CO2-Senke. Der deutsche Wald hat die Atmosphäre jährlich seit dem Jahr 2012 um durchschnittlich 62 Millionen Tonnen CO2 entlastet. Damit kompensieren die Wälder sieben Prozent der Emissionen in Deutschland. Diese Zuwachs verhältnisse wurden insbesondere durch die großflächi gen, zuwachsstarken Nachkriegsaufforstungen (insbe sondere mit der Fichte) hergestellt. Diese Waldflächen sind allerdings bald erntereif. Damit verliert der Wald Zuwachs und CO2-Bindungskraft, die in der Folge erst nach Jahrzehnten wieder ausgeglichen werden können. Eine Verwendung in dauerhaften Holzprodukten kom pensiert den Verlust von CO2 im Waldspeicher. Substitu tionseffekte schlagen sich in anderen Bereichen, wie bei spielsweise in der Bauwirtschaft, klimawirksam nieder. Fichten erweisen sich allerdings als zunehmend anfällig gegen Dürre, Windwurf und Borkenkäfer. Vielfach müs sen sie vorzeitig und außerplanmäßig genutzt werden. Dies kann zu einem erhöhten Aufwand und Wertverlust für die Waldbesitzenden sowie einer geringeren Klima schutzleistung führen, indem Waldstrukturen beein trächtigt und im Waldboden Umsetzungsprozesse von Humus aktiviert werden sowie wenn Holz dadurch in weniger langlebigen Produkten verwendet wird. mit hoher Lebensdauer (z. B. Buche und Eiche) auf den meisten Standorten naturnäher und enthält eine höhere biologische Vielfalt, dies kann aber auch zu einer Reduk tion des durchschnittlichen Zuwachses bzw. der zusätzli chen Kohlenstoffbindung führen. Für die Klimaschutzpolitik und die Anrechnung von Klimaschutzleistungen ist entscheidend, welche zusätz lichen Erfolge in der Treibhausgas-Minderung erzielt werden. Dies regeln in der EU die Verordnung zur Lastenteilung und die Verordnung zur Einbeziehung der Emissionen und zu Einbindungen von Treibhausgasen aus Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Wald wirtschaft (auf Englisch: Land use, Land-Use Change and Forestry, abgekürzt: LULUCF). Die LULUCF-Verordnung setzt das Ziel, dass der Sektor nicht zur Quelle von Treib hausgasen werden darf. Für die Anrechnung der Waldbi lanz werden die tatsächlichen Treibhausgas-Emissionen oder -Einbindungen mit der gedachten Fortsetzung der Bewirtschaftung der Jahre 2000 bis 2009 als Referenz zeitraum verglichen. Es werden Gut- und Lastschrif ten aus bewirtschaftetem Wald berechnet, indem die tatsächlichen Treibhausgas-Bilanzen von der Referenz abgezogen werden. Ist mehr Kohlenstoff eingebunden worden, als die Referenz vorhergesehen hat, entstehen Gutschriften, im anderen Fall entstehen Lastschriften. LULUCF-Gut- und Lastschriften können sowohl durch Wälder als auch durch Holzprodukte veranlasst werden. Die Klimaschutzeffekte durch die stoffliche und energe tische Verwendung von Holz werden in den Bereichen Industrie und Energie bilanziert. Dies zeigt, dass bei einer ganzheitlichen Bewertung der Wald-Klimaschutz-Leis tung alle Sektoren berücksichtigt werden müssen. Dieser Hintergrund ist für die Verfolgung der Ziele des Klima schutzplans 2050, aber auch für die Honorierung von Klimaschutzleistungen des Waldes wichtig. Wald & Holz im Klimaschutzplan 2050 Im Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung ist fest gehalten, dass der Sektor LULUCF mit weiteren Maßnah men – u. a. zum Erhalt des Waldes als CO2-Senke – gesi chert werden soll. Mit seinem Beschluss vom 2.10.2019 über die Finanzierung der im Klimaschutzpro gramm vereinbarten Maßnahmen hat das Bundeska binett den Bedarf an zusätzlichen öffentlichen Mitteln für den Erhalt und die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder sowie der Holzverwendung zum Erhalt ihres Klimaschutzbeitrags anerkannt. Mit der am 24.06.2021 vom Bundestag beschlossenen Änderung des Klimaschutz-Gesetzes wird das Ziel der Klimaneutralität um fünf Jahre auf das Jahr 2045 vorge zogen. Der Weg dahin wird mit verbindlichen Zielen für die 20er- und 30er-Jahre festgelegt. Das Zwischenziel für KOHLENSTOFFSPEICHERWIRKUNG VON WALD UND HOLZ Quelle: Umweltbundesamt (2021), Nationaler Inventarbericht zum Deutschen Treibhausgas-Inventar 1990–2019, EU-Submission, 90 S. © FNR 2021 Waldspeicher 57,5 Mio. t CO 2 /Jahr Holzproduktespeicher 4,2 Mio. t CO 2 /Jahr 62 Mio. Tonnen CO 2 /Jahr Als CO2-Senke sind Waldspeicher, Waldbewirtschaftung und Holzverwendung wichtige Faktoren beim Klima schutz. Diese Elemente sind daher auch Teil des Klima schutzplans 2050 der Bundesregierung. Zur Erreichung der Klimaschutzziele werden strukturreiche Wälder mit einem hinreichenden Anteil standortheimischer und klimatoleranter Baumarten angestrebt. Ökologische, ökonomische und soziale Zielkonflikte bestehen bei spielsweise in der Abwägung von Klima- und Biodiver sitätszielen. So ist ein steigender Anteil an Laubbäumen BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 21 das Jahr 2030 wird von derzeit 55 auf 65 Prozent Treib hausgas-Minderung gegenüber dem Jahr 1990 erhöht. Für das Jahr 2040 gilt ein neues Zwischenziel von 88 Prozent Minderung. Neu ist eine Zielvorgabe für den Erhalt und den Ausbau der sogenannten natürlichen Senken wie Wälder und Moore. Die Bundesregierung hat im Rahmen des Haushalts 2022 ein Klimaschutz-Sofortprogramm be schlossen, das erste Weichenstellungen für die Umsetzung des neuen Ziels vornimmt. Mit den zunehmenden klimawandelbedingten Schäden im Wald und ihren wirtschaftlichen Folgen einerseits so wie der Einführung der CO2-Bepreisung über das Brenn stoffemissionshandelsgesetz andererseits steigt die Not wendigkeit einer Honorierung der Klimaschutzleistungen der Wälder in Deutschland. Diese würde es mit ermög lichen, die entsprechenden Ökosystemleistungen wei terhin dem Gemeinwohl im erforderlichen Umfang zur Verfügung zu stellen. Je nach Marktlage und Betroffenheit der einzelnen Betriebe wird die Finanzierung zusätzlicher Leistungen des Waldes aus dem Verkauf von Holz deutlich erschwert. Zudem erfordert ihre Bereitstellung eine län gerfristige aufwendige Waldpflege zur Existenzsicherung des Waldes, die über die gesetzlichen Verpflichtungen und die Sozialbindung des Waldeigentums hinausgehen kann. Diese Pflegemaßnahmen werden derzeit unzureichend durch bestehende Förderinstrumente abgedeckt. Sowohl der Klimaschutz als auch der nachhaltige Umbau unseres Energiesystems auf der Erzeugungs- wie auf der Verbrauchsseite sind für unsere Gesellschaft drängende Zukunftsfragen, aber auch von eminenter Bedeutung für die Zukunft von Wald und Waldwirtschaft. Bund und Länder streben daher im Einklang mit den klimaschutz politischen Zielen des Paris-Abkommens, der EU und des Bundesklimaschutzgesetzes ambitionierte Ausbauziele für erneuerbare Energien an. Hierzu soll insbesondere auch die Windenergie einen wesentlichen Beitrag leisten. Die Errichtung von Windenergieanlagen (WEA) erfolgt bisher vorrangig offshore sowie im Offenland. Gleichwohl kann dies aber auch in küstenfernen und waldreichen Regionen durch den Einbezug von Windenergiestandorten im Wald erfolgen, zumal nach Abzug aller Ausschlussflächen (z. B. Siedlungsbereiche inkl. Mindestabstand, Naturschutz gebiete und Einflugschneisen) häufig nur noch relativ wenige Flächen überhaupt als geeignete, windhöffige Standorte für WEA in Frage kommen. Die Entscheidung, ob Windenergieanlagen (WEA) im Wald zulässig sind, liegt in der alleinigen Verantwortung der Länder. Die Zustän digkeiten für die Ausweisung von Vorranggebieten für die Windenergie und die Durchführung der Planungsverfah ren sind den jeweiligen Planungsträgern in den Ländern zugewiesen. Die Genehmigungsverfahren führen die Länder durch. Anpassung der Wälder an den Klimawandel Der Wald hat nicht nur in der öffentlichen Wahrneh mung, sondern auch faktisch eine zentrale Bedeutung für die Bindung von CO2 aus der Atmosphäre und die entsprechende Speicherung des Kohlenstoffes in der Bio masse, um einen Beitrag zur Begrenzung des Klimawan dels zu leisten. Allerdings ist der Waldspeicher, der sich in Bäume, Totholz und den Waldboden untergliedern lässt, ein fragiler Speicher. Die zu beobachtende Zunahme der Störungen (z. B. durch Windwurf, Trockenheit, Borken käferbefall) führt vermehrt zum Absterben von Bäumen. Sofern einzelne Baumarten (z. B. Esche) von Störungen betroffen sind, kann dies außerdem zu einer Entmischung strukturreicher Wälder führen und unter Umständen zur Abnahme von Populationsdichten der an bestimmte Baumarten und Strukturen gebundenen Organismen. Betroffene Waldflächen können dadurch zeitweise zu einer CO2-Quelle werden. Zudem zeigen die aktuellen Ergebnisse der Waldzustandserfassung die geringere Vitalität der Bäume mit einem Alter über 60 Jahre. Ältere Bäume sind von den Auswirkungen des Klimawandels offensichtlich deutlich stärker betroffen als jüngere Bäu me. Einige Baumarten könnten in Regionen mit starker klimatischer Änderung ihr potenzielles Lebensalter nicht mehr erreichen. Deswegen nimmt mit zunehmendem Alter und zunehmenden Holzvorräten im Wald das Risiko von Schäden zu. Darüber hinaus könnte der Anwuchser folg bei der Wiederbewaldung durch Pflanzung, Saat und Naturverjüngung unter dem zunehmenden Einfluss von Extremwetterlagen weiter abnehmen. Für die Anpassung an den Klimawandel ist es aufgrund bestehender Unsicherheiten erforderlich, den Zustand der Waldökosysteme periodisch zu prüfen und mit wald politischen Zielen abzugleichen. Die laufenden und z. T. unvorhersehbaren Entwicklungen werden die Anpassung der Wälder zu einer Daueraufgabe im Sinne eines adap tiven Managements machen. Die mit dem Klimawandel verbundenen Prozesse verändern die Standorte sowie die auf den Wald und seine Entwicklung einwirkenden Faktoren und können auch das bisher vertraute Waldbild ändern. Dies stellt eine große Herausforderung für die Waldwirtschaft, die Waldpolitik sowie die Kommuni kation zwischen Waldwirtschaft und Gesellschaft dar. Abiotische und biotische Störungen, Anpassungen und ökologische Resilienz prägen seit jeher das Bild des Walds und dieses wird zukünftig noch stärker durch die Zunah me von klimabedingten Störungen beeinflusst werden. Zudem ist der Öffentlichkeit die Bedeutung nachhaltiger Waldbewirtschaftung und der Verwendung von Holz als klimafreundlichem Rohstoff und Kohlenstoffspeicher oft kaum bekannt oder bewusst. HANDLUNGSFELDER UND MEILENSTEINE 22 Meilensteine bis zum Jahr 2030Konsequenzen aus den Dürrejahren Die Dürre der Jahre 2017 bis 2020 hat gezeigt, wie sehr der Klimawandel bereits jetzt den Waldumbau und eine Erhaltung der Waldflächen erschwert. Waldbewirtschaf tung wird durch den Klimawandel risikoreicher und steht dabei vor großen Herausforderungen: Die Wälder sollten so an den Klimawandel angepasst werden, dass sie auch künftig vitale und resiliente Kohlenstoffsenken bleiben. Deutschlandweite Studien des Thünen-Instituts zu den Risiken und zum zukünftigen Bedarf an Waldanpassung und Waldumbau schätzen Fläche und regionale Schwer punkte. Insbesondere für fichtendominierte Waldflächen unter 600 m ü. NN und buchendominierte Waldflächen auf Standorten mit für die Buche zu stark eingeschränkter Bodenwasserspeicherkapazität besteht ein hohes Risiko durch Trockenheit und Schaderreger. Die Studien kön nen wegen ihres Übersichtscharakters aber keine lokalen Empfehlungen zur Baumartenwahl und Bewirtschaftung auf konkreten Waldflächen geben. Wichtige Ansätze hier zu sind u. a. die Auswahl von standortgerechten, überwie gend heimischen Baumarten und geeigneten Herkünften mit nach heutigem Wissen entsprechender Klimavari abilität, die Erhaltung und Entwicklung strukturreicher Mischwälder sowie die individuelle Stabilisierung der Einzelbäume. Differenzierte regionale und lokale Infor mationen zu Standort, Klima und Baumarteneignung sind erforderlich, an denen derzeit die Länder arbeiten. Diese Informationen sind eine wesentliche Voraussetzung für Maßnahmenpläne auf Forstbetriebsebene, um die Waldbesitzenden dabei zu unterstützen, die Wälder an den Klimawandel anzupassen. Die Entwicklung und Pflege klimaresilienter Wälder muss den Aspekt der Risikovorsorge verstärkt berück sichtigen und Abwägungen zur Baumartenwahl und die differenzierte Anpassung von Zieldurchmessern und dimensionen einbeziehen. Seit Anfang der 1990er-Jahre fördert der Bund gemeinsam mit den Ländern über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) die naturnahe Waldbe wirtschaftung. Hierzu gehört insbesondere der Umbau von Reinbeständen und von nicht standortgerechten oder nicht anpassungsfähigen Waldflächen in stabilere Mischwälder. Infolge der Waldschäden hat der Bund die Mittel zur Anpassung an den Klimawandel ab dem Jahr 2020 beträchtlich erhöht. Die Auswirkung der klima wandelbedingten Schäden auf den Wald und den Holz markt werfen dennoch weiter Fragen nach der künftigen Finanzierung des Waldumbaus und der Waldpflege, der Eignung von Baumarten und der notwendigen Wissens vermittlung von Erkenntnissen der Forschung an die Waldbesitzenden auf. 1.1 Der Klimaschutzbeitrag von Wald und Holz ist erhalten und ausgebaut: Der Klimaschutzbeitrag durch den Wald, seine nachhaltige Bewirtschaf tung und die Holzverwendung aus nachhaltiger, heimischer Waldwirtschaft ist ausgebaut und wird kontinuierlich dokumentiert. Dadurch tragen Wald und Holz zur Erreichung der Klimaschutzziele der Bundesregierung weiterhin bei. 1.2 Holzverwendung aus heimischer Waldwirtschaft ist ausgebaut: Die verstärkte stoffliche Verwen dung von Holz insbesondere beim Neubau und der Modernisierung von Gebäuden nimmt eine wichtige Rolle ein. Die öffentliche Hand erfüllt ihre Vorbildfunktion beim Klima- und Ressourcen schutz im besonderen Maße. Effizienzsteigerungen durch vermehrte Kreislauf- und Kaskadennutzung, die verstärkte stoffliche Verwendung von Laub holz einschließlich der Nutzung in der chemischen Industrie sowie die Substitution fossiler Ener gieträger durch die energetische Holznutzung spielen eine zentrale Rolle. Die Verwendung neuer Technologien, insbesondere aus dem Bereich der Digitalisierung, trägt zur Weiterentwicklung der Wertschöpfungskette bei. 1.3 Modell zur Honorierung von Klimaschutzleistun gen ist etabliert: Ein nationales Modell zur wissens basierten und ergebnisorientierten Honorierung der Klimaschutzleistung des Waldes in Deutschland ist im Rahmen der finanzverfassungsrechtlichen, haus hälterischen und beihilferechtlichen Möglichkeiten entwickelt und umgesetzt. Die Honorierung soll so wohl auf den Erhalt und die verstärkte Entwicklung klimaresilienter Wälder (Anpassung) als auch auf die CO2-Bindungsleistung im Wald sowie in stofflich verwendeten Holzprodukten durch entsprechende Maßnahmen abzielen. Dabei soll eine bundesweit einheitliche Honorierung umgesetzt werden, die für die Waldbesitzenden einkommenswirksam ist. Ein privater Markt für die Inwertsetzung der Klima schutzleistung des Waldes ist etabliert und ergänzt das staatliche Modell. Klimaschutz BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 23 1.5 Maßnahmenpläne zur Anpassung der Wälder sind umgesetzt: Maßnahmenpläne zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel sowie zum Risiko- und Krisenmanagement liegen vor und werden umge setzt. Die Risikovorsorge umfasst waldbauliche An passungsmaßnahmen zur Reduzierung und Vertei lung von Risiken sowie ein Risikomanagement mit den Aspekten Identifikation, Analyse, Bewertung, Vorbeugung und Bewältigung von Risiken. Dazu zählt zudem eine funktionelle Infrastruktur zur Waldbrandbekämpfung sowie eine entsprechende Logistikinfrastruktur von Waldwegen und Lager platzsystemen. Die Entwicklung von Instrumenten des Risiko- und Krisenmanagements ist durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirt schaft und die Länder unter Einbeziehung der rele vanten Akteure des Clusters „Wald und Holz“ weiter vorangetrieben. 1.4 Windenergieanlagen im Wald tragen zur Ener gieversorgung bei: Windenergieanlagen (WEA) im Wald tragen – abhängig von landesspezifi schen Besonderheiten – an geeigneten (z. B. in Mittelgebirgslagen) und verträglichen Standorten zur Sicherung der treibhausgasneutralen, um weltverträglichen Energieversorgung und damit zum Klimaschutz bei. Darüber hinaus führen sie zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation (z. B. durch Gestattungs- und Pachtentgelte) von Forstbetrieben. Unerwünschte Begleitfolgen von Windenergieanlagen (WEA) im Wald (z. B. Wald flächenverluste, Waldbrandgefährdung, Gefähr dung bestimmter Tierarten) werden im Genehmi gungsverfahren geprüft und durch entsprechende Auflagen zu Ausgleich und Ersatz berücksichtigt. Insbesondere der Waldflächenverlust wird zum Ausgleich der nachteiligen Wirkungen für die Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes so wie zur Erhaltung der Waldfläche als langfristiger Kohlenstoffspeicher ausgeglichen. 1.6 Der Waldumbau ist verstärkt: Für Wälder, die beson ders von Trockenheit bedroht sind (derzeit geschätzt über 2,85 Millionen Hektar), sind Umbaupläne erarbeitet. In einem Drittel davon sind Umbaumaß nahmen bereits eingeleitet. 1.7 Maßnahmen zur Anpassung der Wälder und zum Waldumbau werden verstärkt unterstützt: Bera tung, Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel, ihrer naturnahen Bewirtschaftung und zum Risiko- und Krisenmanagement werden im körperschaftlichen und privaten Waldbesitz durch Förderprogramme verstärkt unterstützt. Diese Unterstützung über die forstliche Förderung ist effizient organisiert und an aktuelle Entwicklungen und Erfordernisse (z. B. fort schreitender Klimawandel) angepasst. 1.8 Ein Monitoring des Klimawandels ist etabliert: Aufbauend auf den bestehenden Walderhebun gen der Länder und des Bundes ist ein Monitoring des Klimawandels und seiner Folgen für den Wald etabliert und wird an sich ändernde Anforderungen stetig angepasst, ohne die Konsistenz der Zeitreihe zu gefährden. Anpassung der Wälder an den Klimawandel HANDLUNGSFELDER UND MEILENSTEINE 24 4.2 Biodiversität und Waldnaturschutz Die Vielfalt der Wälder in Deutschland ist durch die Variabilität der Standorteigenschaften wie Geologie, Böden, Geländeausprägung und regionale Klimabedin gungen gekennzeichnet. Darauf aufbauend sind die sich natürlich einstellende Vielfalt oder die gezielte Auswahl der Baumarten waldprägend. Zudem haben die Wälder eine individuelle, sie auszeichnende Nutzungsgeschichte, die viele Jahrhunderte zurückreichen kann. Divers und gleichermaßen waldprägend ist aber auch die Vielfalt der Waldbesitzenden mit ihren unterschiedlichen Einstel lungen, Zielen, waldbaulichen Konzepten und Waldnut zungen. Letztendlich ist es die Vielfalt der Waldflächen, die sich aufgrund der damit verbundenen zahlreichen ökologischen Nischen insgesamt positiv auf die Arten vielfalt auswirkt und damit Heimat für zahlreiche (Wild-) Tier-, Pflanzen- und Pilzarten ist. Seit den 1980er-Jahren werden die Wälder in Deutsch land zunehmend nach den Prinzipien einer naturnahen Waldbewirtschaftung gemanagt. Dabei werden auch naturschutzfachliche Zielsetzungen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt auf der ganzen Fläche in die Nut zung der Wirtschaftswälder integriert. So ergeben sich auf großer Fläche viele Synergien zur Erhaltung der biologi schen Vielfalt. Dies wird unterstützt durch waldbauliches Handeln der Waldbesitzenden und Maßnahmen zur Erhaltung der forstlichen Genressourcen – beides wird durch die Förderpolitik der EU, des Bundes und der Län der unterstützt. Im Ergebnis hat sich der ökologische Wert der Wälder in Deutschland in den letzten Jahrzehnten verbessert. Weitere Verbesserungen brauchen allerdings aufgrund der komplexen und langfristigen Prozesse im Waldökosystem auch Zeit. Zunahme der Naturnähe Der Anteil von zwei- und mehrschichtigen sowie plenter waldähnlichen Wäldern als wichtiger Aspekt der ökologi schen Wertigkeit hat insgesamt zugenommen (von 54 Prozent im Jahr 2002 auf 68 Prozent im Jahr 2012). Die Fläche im Wald, die aufgrund ihrer Baumartenzusam mensetzung als sehr naturnah, naturnah oder zumindest bedingt naturnah eingestuft ist, hat in den letzten zehn Jahren erheblich zugenommen und beträgt mittlerweile über 76 Prozent. Einen sehr wichtigen Beitrag zur Unter stützung der Biodiversität leistet in diesem Zusammen hang auch der Totholzvorrat; er wurde weiter angehoben und liegt inzwischen bei mehr als 22 Kubikmetern pro Hektar. Beim Indikator „Artenvielfalt und Landschafts qualität“ der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt erreicht der Teilindikator für Wälder im Jahr 2016 mit 88 Prozent des Zielwertes den höchsten Wert aller Teil indikatoren. Zugleich ist es der einzige Teilindikator mit einem signifikant positiven Trend und der einzige, bei dem die aktuellen Werte deutlich über den historischen Vergleichswerten für 1970 bzw. 1975 liegen. Maßgeblich hierfür sind v. a. die großflächige Anwendung einer natur näheren Waldbewirtschaftung, der vermehrte Umbau von reinen Nadelwäldern zu stabileren und artenreicheren Mischwäldern und die gezielte Erhaltung und Förderung spezifischer Waldstrukturen. Zu diesen spezifischen Wald strukturen zählen beispielsweise wertvolle Mikrohabitate oder im Wald liegende Offenflächen sowie Waldinnen und Waldaußenränder. Gleichwohl enthalten die aktuel len Roten Listen weiterhin eine Reihe waldgebundener Arten, die es zu erhalten gilt und die ihre Hauptverbrei tungsgebiete im Wirtschaftswald haben. TOTHOLZVORRAT NACH TOTHOLZTYP Quelle: INFRO e. K. (2018) © FNR 2018 stehend 0 2 4 6 8 10 12 in m3/ha liegend Wurzelstock Abfuhrrest 4,74 9,95 5,71 0,21 5,28 10,64 6,18 0,08 2012 (Gesamt: 20,6 m3/ha) 2017 (Gesamt: 22,2 m3/ha) Erhalt der biologischen Vielfalt Die biologische Vielfalt bildet eine wichtige Grundlage für die Stabilität und Anpassungsfähigkeit der Wälder an die sich ändernden Umweltbedingungen. Die genetische Vielfalt der gesamten Flora und Fauna spielt eine Schlüs selrolle für Anpassungsprozesse. Arten-, Lebensraum und Strukturvielfalt sowie genetische Vielfalt sind daher wichtige Komponenten in der Risikominimierung der nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Die Erfassung und Ausweisung von Waldflächen, Baumgruppen und Einzel bäumen als Generhaltungseinheiten in den Wäldern sind die Grundlage für eine an Erhaltungszielen ausgerichtete Bewirtschaftung sowie für die Durchführung von wei teren Maßnahmen zur weitgehenden und dauerhaften Erhaltung der waldbaulichen Genressourcen. Die Bedeutung der biologischen Vielfalt wird aktuell u. a. unterlegt durch den Bericht des Weltbiodiversitätsrats BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 25 (auf Englisch: Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, abgekürzt: IPBES) über die biologische Vielfalt und Ökosystemleistungen aus dem Jahr 2019, der einen ungebremsten Artenverlust weltweit konstatiert, sowie die Erkenntnisse in Deutsch land zum Insektensterben. Im Rahmen des Internatio nalen Übereinkommens über die biologische Vielfalt (auf Englisch: Convention on Biological Diversity, abgekürzt: CBD) wird daher 2021 die Entscheidung über einen neuen globalen Maßnahmenrahmen zur Erhaltung der biologi schen Vielfalt erwartet, mit weitreichenden Beschlüssen für alle Landnutzungsarten. Das nationale Aktionspro gramm Insektenschutz 2019 der Bundesregierung sowie die EU-Biodiversitätsstrategie 2030 der Europäischen Kommission sind sichtbare Reaktionen der Politik, zu dem auch die nachhaltige Waldbewirtschaftung ihren Beitrag leisten soll. Schutz natürlicher Prozesse In Deutschland stehen alle Wälder unter dem Schutz des Bundeswaldgesetzes und der Landeswaldgesetze. Hinzu kommen nennenswerte Flächenanteile unter besonde rem waldgesetzlichen Schutz wie Bannwälder, Schutz wälder, Naturwaldreservate oder Naturwälder. Darüber hinaus ist ein großer Teil (insgesamt rund 2/3) der Wälder wegen seiner besonderen Bedeutung für den Natur haushalt mit einem zusätzlichen Schutzstatus nach dem Bundesnaturschutzgesetz versehen; die Schutzgebietska tegorien können sich z. T. gegenseitig überlagern. Im Rah men der EU-Biodiversitätsstrategie 2030 besteht das Ziel, künftig mehr Landesfläche unter Naturschutz und davon auch einen bedeutenden Teil unter strengen Schutz zu stellen. Insbesondere alte Wälder sollen streng geschützt werden. Bei der Umsetzung und der Bewertung von deren Wirksamkeit sollen auch bestehende regionale Programme, wie z. B. Konzepte der Länder zu Alt- und Totholz, eine wichtige Rolle spielen. Zudem ist vorgese hen, degradierte Ökosysteme im Rahmen verbindlicher Ziele EU-weit wiederherzustellen. Waldflächen ohne holzwirtschaftliche Nutzung ergänzen bereits den Wirtschaftswald und die Schutzgebiete um weitere wichtige Rückzugsräume und zur Stabilisierung der Populationsentwicklung für bestimmte Arten der Flora und Fauna. Der Flächenanteil von nutzungsfreien Wäldern, die für eine natürliche Entwicklung dauerhaft rechtlich gesichert sind, liegt aktuell bei 3,1 Prozent und wird sich voraussichtlich im Lauf des nächsten Jahrzehnts auf 4 Prozent erhöhen (Stand: Ende des Jahres 2020). Mit diesen entstehenden Naturwäldern sollen nicht nur seltene (Wild-)Tiere, Pflanzen und Pilze, sondern auch der Ablauf natürlicher Prozesse, die sich oft erst über einen längeren Zeitraum entfalten, besonders geschützt werden. Daneben leisten auch nutzungsfreie Waldflächen ohne einen dauerhaften rechtlichen Schutzstatus einen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität im Wald. Nach wissen schaftlichen Schätzungen sind derzeit unter Einbezug nicht begehbarer Waldflächen bis zu 5,6 Prozent der Waldfläche Deutschlands nutzungsfrei. Hinzu kommen ungenutzte Kleinflächen, die mosaikartig über die Wald fläche verteilt vorhanden, aber nur schwer erfassbar sind. Waldnaturschutz durch integrative Bewirtschaftung Die Dynamik der Umweltbedingungen hat eine wesent liche Wirkung auf die Waldstandorte und ökologische Prozessen in Wäldern, auf ökonomische Leistungen und somit auf die Erfüllung heutiger und zukünftiger Waldökosystemleistungen insgesamt. Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Öffentlichkeit benötigen verlässliche und WALDFLÄCHEN IN SCHUTZGEBIETEN Quelle: BMEL (2017) © FNR 2021 0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 in 1.000 ha in Prozent Gesamtfläche davon Wald 54 La nd sc ha ft ss ch ut zg eb ie te 43 N at ur pa rk e 100 ge sc hü tz te W al db io to pe 56 ... d av on m it F FH Le be ns ra um ty pe n 61 FF H G eb ie te 41 V og el sc hu tz ge bi et e 52 N at ur sc hu tz ge bi et e 33 B io sp hä re nr es er va te 63 N at io na lp ar ke Die Schutzgebietskategorien können sich gegenseitig großflächig überschneiden. HANDLUNGSFELDER UND MEILENSTEINE 26 aktuelle Daten über den Wald. Dieser Informationsbedarf wird größtenteils durch die Bundeswaldinventur und die Erhebungen zum forstlichen Umwelt-Monitoring ge deckt. Die dazugehörigen Wald- und Bodenzustandserhe bungen liefern Daten und Erkenntnisse über Zustand und Entwicklung der Wälder. Dennoch ist die Datengrundlage im Bereich biologische Artenvielfalt im Wald unvollstän dig. Die effiziente Umsetzung von Konzepten erfordert von den waldrelevanten Akteuren differenzierte Kennt nisse über die Vorkommen, Erhaltungszustände und Habitatbedürfnisse der jeweiligen Naturgüter. Werkzeuge wie der im Netzwerk INTEGRATE erarbeitete Katalog von Mikrohabitaten sind daher wichtige Instrumente und Hilfestellungen für die Umsetzung von Waldnaturschutz zielen im Rahmen der Waldbewirtschaftung. Der Schutz und die gezielte Entwicklung von der Biodi versität im Wald ist ein gesellschaftliches Ziel. Die Um setzung dieses Ziels ist für Waldbesitzende häufig mit dem Verzicht auf mögliche Nutzungen bzw. mit relevan ten Nutzungseinschränkungen und organisatorischen Erschwernissen verbunden, die durch Mindererlöse bzw. erhöhte Aufwendungen zu wirtschaftlichen Nachteilen führen. Für die Natura 2000-Gebietskulisse z. B. wird der Finanzbedarf für die Umsetzung allein der bisherigen Na tura 2000-Vorgaben für Waldflächen in Deutschland auf rund 117 Millionen Euro pro Jahr bzw. rund 43 Euro pro Hektar und Jahr geschätzt (Umweltbundesamt & Bundes amt für Naturschutz, 2020; Waldbericht, 2017). Meilensteine bis zum Jahr 2030 2.1 Die biologische Vielfalt im Wald ist verbessert: Die biologische Vielfalt im Wald hat sich weiter verbessert. Hierzu gehören die naturnahe Waldbe wirtschaftung, ein kleinräumig stark wechselndes Mosaik unterschiedlicher Waldflächen, die Rück sichtnahme auf Habitat- und Lebensraumstrukturen sowie der Verzicht auf nährstoffzehrende bezie hungsweise bodenschädigende Nutzung. 2.2 Ein Konzept für Waldnaturschutz ist umgesetzt: Ein Konzept für effizienten Waldnaturschutz mit Schwerpunktsetzung und systematischer Planung ist etabliert und wird umgesetzt. Um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu erhöhen, enthält das Konzept konkrete Schwerpunkte, die eine systematische Planung erlauben. Dabei werden alle räumlichen und zeitlichen Skalen bedient und diese evidenzbasiert hinsichtlich ihrer Wirksamkeit kombiniert. Hierzu gehört auch die Umsetzung der waldbezogenen Zie le der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt und der von der Bundesregierung für Deutschland übernommenen Ziele der EU-Biodiversitätsstrategie 2030 sowie die Weiterentwicklung der Integration von Biodiversität und Naturschutz in die Waldbe wirtschaftung. Auf Kohärenz mit den Zielen der künftigen EU-Waldstrategie und den Anforderungen an eine nachhaltige und integrative Waldbewirt schaftung sowie die nötige Anpassung der Wälder an den Klimawandel wird geachtet. Biodiversität und Waldnaturschutz BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 27 2.3 Ein Monitoring für Biodiversitätsentwicklung ist etabliert: Mit dem Ziel einer besseren Nachverfol gung der Biodiversitätsentwicklung im Wald und insbesondere von Waldnaturschutzmaßnahmen und einem auf höhere Effizienz ausgerichteten Einsatz von finanziellen Mitteln ist mit Berücksich tigung der Programme der Länder ein Monitoring der Biodiversitätsentwicklung im Wald etabliert. Dazu sind die bestehenden Inventuren evaluiert. Zielzu stände zur Biodiversität und sogenannte Artenkörbe (im Sinne von Tier-, Pflanzen- und Pilzartengruppen) sind als Monitoring-Instrument entwickelt und abgestimmt. Damit lassen sich Fortschritte und bestehende Defizite beim Schutz der biologischen Vielfalt im Wald aufzeigen, um somit auch wichtige Grundlagen für die Planung, z. B. von Fördermaßnahmen, zu erhalten. Die Um setzung von Natura 2000 und die Erfüllung von rechtsverpflichtenden Anforderungen, die aus der EU-Biodiversitätsstrategie abgeleitet werden, sind Bestandteile des Monitorings. 2.4 Die Zusammenarbeit bei Waldbiodiversität und naturschutz ist gestärkt: Die Zusammenarbeit zwischen dem Bundesministerium für Landwirt schaft und Ernährung und den Ländern ist gestärkt, um die Waldbiodiversität und den Waldnaturschutz weiterzuentwickeln, Synergien zu befördern (z. B. bei der wissenschaftlichen Unterstützung und in der forstlichen Ausbildung) und das Monitoring der Ergebnisse zu verbessern. Dabei sind auch die Aktivitäten und Erfahrungen der Landesforstverwal tungen eingebunden. 2.5 Das Netzwerk INTEGRATE wird verstärkt genutzt: Mit dem Ziel, durch einen integrativen Ansatz im Sinne der nachhaltigen Waldbewirtschaftung sta bile Wälder zu erhalten und die Bereitstellung von Ökosystemleistungen zu verbessern, ist das euro paweite, mit Mitteln des Bundes eingerichtete und geförderte Netzwerk INTEGRATE verstärkt genutzt. Das Netzwerk dient vorrangig als Plattform und fördert den grenzüberschreitenden Austausch von Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Waldbewirtschaftung. Die Umsetzungsstadien der einschlägigen Wald- und Biodiversitätsstrategien in den Mitgliedsländern werden veranschaulicht. Auf Bundesebene werden der Austausch und die Ver netzung zwischen den Ländern, z. B. durch Kontakt gruppen und Exkursionen, unterstützt. Das bereits eingerichtete Netzwerk von Demonstrationsflächen (sogenannte Marteloskope) ist weiter ausgebaut, für Schulungen von Wald- und Naturschutzexperten, Waldbesitzenden sowie die Öffentlichkeitsarbeit her angezogen und konzeptionell stetig weiterentwickelt. 2.6 Die Honorierung von Maßnahmen im Naturschutz und zur Erhaltung der Waldbiodiversität ist etab liert: Waldbesitzende sind gegenüber Maßnahmen zur Erhaltung der natürlichen Waldbiodiversität sowie Naturschutzmaßnahmen im Wald i. d. R. positiv einge stellt und viele in diesem Zusammenhang sehr aktiv. Die Honorierung dieser Maßnahmen ist durch ein entsprechendes System etabliert. Damit werden die Erhaltung der biologischen Vielfalt und die Wiederher stellung von Lebensräumen auch unabhängiger von der finanziellen Leistungsfähigkeit der Forstbetriebe. 2.7 Externe Faktoren der Gefährdung der biologischen Vielfalt im Wald sind begrenzt: Die Bundesregie rung hat gemeinsam mit den Ländern die Gefähr dung für die biologische Vielfalt der Wälder durch Faktoren außerhalb des Clusters „Wald und Holz“, durch geeignete Instrumente begrenzt. Zu diesen Faktoren gehören der Klimawandel, die Einträge von Luftverunreinigungen und Nährstoffen oder die zu nehmende Zerschneidung von zusammenhängen den Waldflächen durch waldferne Infrastrukturen (z. B. Straßenbau, Energietrassen) sowie wasserzeh rende Eingriffe in den Wasserhaushalt der Wälder. Demonstrationsfläche für Schulungen auf Wald- und Naturschutzflächen (Marteloskop Jägerhäusen, Bonn) HANDLUNGSFELDER UND MEILENSTEINE 28 4.3 Holzerzeugung und -verwendung Der Vorrat an Holz im Wald ist auf 3,9 Milliarden Kubik meter angewachsen, das entspricht durchschnittlich rund 358 Kubikmetern pro Hektar Holzbodenfläche (gemeint ist die Fläche, auf der tatsächlich Waldbäume stehen). Laut Kohlenstoffinventur 2017 ist der Vorrat um 3,8 Kubikme ter pro Hektar und Jahr gestiegen und somit stärker als in der letzten Periode (Jahre 2002 bis 2012) der Bundes waldinventur. Holznutzung und natürliches Absterben von Bäumen erreichten in der Periode 2012 bis 2017 nur 76 Prozent des Zuwachses. Im Durchschnitt konnte die nachhaltige Waldwirtschaft der Gesellschaft jährlich rund 73 Millionen Kubikmeter Holz nachhaltig zur Verfügung stellen. Der Bedarf und die Nachfrage der Gesellschaft nach (re gionalen) Produkten aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz werden für die unterschiedlichsten Verwendungsbe reiche (vom Bausektor über Möbel und Alltagsgegenstän de, der Verwendung im Außenbereich bis hin zu Verpa ckungen und Papier) weiter steigen. Gerade das Bauen mit Holz, insbesondere im mehrgeschossigen Wohnungsbau, erfährt aufgrund seiner positiven Wirkungen für den Kli maschutz (langfristige Kohlenstoffspeicherung und Subs titution) und als Alternative zu fossilen, energieintensiven Ausgangsstoffen zunehmend politische und gesellschaft liche Bedeutung. Ebenso werden sich die bisherigen Ver wertungspfade auf Basis fossiler Rohstoffe hin zu alterna tiven, regenerativen sowie regionalen Verwertungspfaden im Rahmen der Bioökonomie (insbesondere im Sinne einer Abkehr von endlichen, fossilen Rohstoffen) weiter entwickeln. Dies betrifft beispielsweise die Nutzung von Holz als Chemierohstoff, im Leichtbau, als Textilrohstoff oder in der Anwendung für kosmetische, medizinische und pharmazeutische Produkte. Die Bioökonomie bietet damit die Chance, die Vermarktungsmöglichkeiten von Holz für Waldbesitzende zu erweitern. Weitere Effizienz steigerungen werden in der Holzverwendung durch die beiden Ansätze Kreislaufwirtschaft und Kaskadennutzung weiter vorangetrieben. Die Relevanz eines umfassenden Nachhaltigkeitsbegriffs wird für Verbraucher und Gesell schaft im Zusammenhang mit der Wald- und Holzwirt schaft sowie deren Produkte weiter steigen. Unter Berücksichtigung von Ein- und Ausfuhren liegt die Holzrohstoffverwendung insgesamt bei ca. 127 Millionen Kubikmetern pro Jahr und übersteigt damit deutlich die Menge an Holz, die direkt aus dem Wald bezogen wird. Dies liegt v. a. daran, dass die Holzwirtschaft als Teil der Kreislaufwirtschaft den Rohstoff effizient nutzt und einen Großteil der Reststoffe wie z. B. Sägenebenprodukte und Altholz in den Produktionskreislauf zurückführt. Stoffliche und energetische Verwendung Bezogen auf die gesamte inländische Holzrohstoffver wendung liegen die stoffliche und energetische Holznut zung mengenmäßig etwa gleichauf. Getrennt nach den Holzsortimenten gibt es deutliche Unterschiede. Wird ausschließlich Waldholz betrachtet, ist die energetische Nutzung mit etwa 30 Prozent deutlich geringer. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen Laub- und Nadelholz. Während von den rund 50 Millionen Kubikmetern Na delholz in der ersten Verarbeitungsstufe etwa 90 Prozent stofflich genutzt werden, ist es bei den rund 22 Millionen Kubikmetern Laubholz umgekehrt; hier werden ca. 60 Prozent unmittelbar energetisch genutzt. Demgegen über basiert die Produktion von Pellets in Deutschland zu 95 Prozent auf Sägenebenprodukten. Mit dieser Form der Bereitstellung von Energieträgern können fossile Ener gieträger für die Erzeugung von Wärme und Strom ersetzt werden. Zudem wird durch die Wiederverwendung von Holzreststoffen die Kreislaufwirtschaft gestärkt. Dabei Quelle: INFRO e. K. (2018) © FNR 2018 AUFKOMMEN DER VERWENDETEN HOLZROHSTOFFE 2016 11,5 % Altholz 3,3 % Holzpellets und Holzbriketts 0,9 % Aufkommen unbekannter Quellen 28,5 % Sägestammholz 23,95 % sonst. Derbholz 3,0 % Schwarzlauge 4,3 % Landschaftspflegeholz 13,1 % Sägenebenprodukte 3,4 % Rinde (lose) 5,8 % Waldrestholz 2,3 % sonstiges Industrie-Restholz gesamt 127,2 Mio. m3 BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 29 gilt der Grundsatz, dass die stoffliche Verwendung, wo möglich und sinnvoll, einen Vorrang vor der energeti schen Verwendung hat. Wirtschaftliche Bedeutung des Clusters „Wald und Holz“ In der inländischen Waldwirtschaft erwirtschaften rund 90.000 Beschäftigte einen Jahresumsatz von rund 7 Milliarden Euro und eine Bruttowertschöpfung von ca. 3,8 Milliarden Euro. Damit wird die wirtschaftliche Entwicklung in oftmals strukturschwachen, ländlichen Räumen unterstützt. Obwohl die Waldwirtschaft im Vergleich zum gesamten Cluster „Forst und Holz“ den deutlich geringeren Anteil zur Wertschöpfung und Beschäftigung beiträgt, bildet sie doch mit der Bereitstel CLUSTER „FORST UND HOLZ“ IN DEUTSCHLAND 2018 Branchengruppe Umsatz [Mrd. Euro] Bruttowertschöpfung [Mrd. Euro] Unternehmen Gesamtbeschäftigte Forstwirtschaft 6,94 3,79 33.717 90.374 Holzbearbeitendes Gewerbe 13,29 2,69 3.010 44.740 Holzverarbeitendes Gewerbe 37,67 11,43 22.366 229.400 Holz im Baugewerbe 23,33 8,56 40.012 220.350 Papiergewerbe 44,28 11,51 2.101 131.958 Verlags- u. Druckgewerbe 51,81 18,95 17.357 310.489 Holzhandel 10,13 1,53 2.353 17.637 Cluster Forst & Holz ohne Druck und Verlage 135,64 39,50 103.559 734.459 Cluster Forst & Holz gesamt 187,44 58,46 120.916 1.044.948 Quellen: Thünen-Institut für Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie (2020), Cluster-Statistik „Forst und Holz“ 2018 lung des Rohstoffes Holz die essenzielle Grundlage des gesamten Sektors. Das gesamte Cluster „Forst und Holz“, das gemäß EU-Definition Handel, Druckerei und Verlagswesen ein schließt, erwirtschaftete im Jahr 2018 mit rund 1 Million Beschäftigen in rund 121.000 klein- und mittelständi schen Betrieben einen Umsatz von 187 Milliarden Euro und eine Bruttowertschöpfung von rund 58 Milliarden Euro. Betrachtet man die Forst- und Holzwirtschaft im engeren Sinne, ohne Druckerei und Verlagswesen, werden für das Jahr 2018 rund 735.000 Beschäftigte, die einen Jahresumsatz von rund 135 Milliarden Euro und eine Bruttowertschöpfung von rund 40 Milliarden Euro erwirtschaften, ausgewiesen. HANDLUNGSFELDER UND MEILENSTEINE 30 Hauptabnehmer des Holzes aus der heimischen Wald wirtschaft sind die Sägeindustrie (im Jahr 2019: 52 Prozent), die Holzwerkstoffindustrie (im Jahr 2019: 9 Prozent) sowie Holzschliff- und Zellstoffindustrie (im Jahr 2019: 7 Prozent). Die Nachfrage der Gesellschaft nach Holzprodukten zur stofflichen Nutzung wird durch die Holzwirtschaft in Deutschland derzeit zu etwa 90 Prozent durch Nadelrohholz gedeckt. Dieser hohe Anteil ist in den technischen Eigenschaften des Nadelholzes, seiner guten Be- und Verarbeitbarkeit, der damit verbundenen wirt schaftlichen Wettbewerbsfähigkeit und der Verfügbarkeit begründet. Die Sägeindustrie hat sich mithilfe effektiver Technologien auf die Verarbeitung von schwachem bis mittelstarkem Nadelholz eingestellt, das sie zu wettbe werbsfähigen Preisen verarbeiten kann. Die Papier- und Holzwerkstoffindustrie verwendet im Wesentlichen Schwachholz. Die Vorräte dieser Dimensionen haben im Inland mit dem Älterwerden der Nachkriegsaufforstun gen abgenommen. Angesichts des zunehmenden Laub holzanteils im Zuge des Waldumbaus der vergangenen 30 Jahre und den derzeitigen großflächigen Schäden im Wald (insbesondere an der Fichte) ist bei einer dauerhaften Fortsetzung dieser Entwicklung und ohne die Berücksich tigung alternativer, klimaresilienter Nadelbaumarten mit tel- bis langfristig mit einem Rückgang des heimischen, regionalen Nadelholzangebotes zu rechnen. Insgesamt besteht eine hohe Nachfrage nach Produkten der international wettbewerbsfähigen deutschen Holz industrie. Insbesondere Nadelholz ist als Rohstoff dafür weiterhin stark nachgefragt. Über einen langen Zeitraum betrachtet, hat sich Deutschland zunächst von einem Nettoexporteur zu einem Nettoimporteur von Nadelroh holz entwickelt. Demnach sind die Nadelrohholzimporte (Netto) von jährlich 0,2 Millionen (Jahre 2003 bis 2012) auf 5,5 Millionen Kubikmeter (Jahre 2013 bis 2017) gestiegen. Nach den großflächigen Schadereignissen und als Reakti on auf das Überangebot an Rohholz wurde Deutschland im Jahr 2019 erneut zu einem Nettoexporteur von Roh und Restholz. Herausforderungen in der Laubholz verwendung Aus heutiger Perspektive wird Laubholz die bisherige Nachfrage nach Nadelholz zur Verwendung in Holzpro dukten, insbesondere im mengenmäßig bedeutendsten Bausektor und dem Verpackungsbereich, vermutlich nur ergänzen, aber weder quantitativ (z. B. Massenprodukte im Baubereich) noch qualitativ (z. B. aufgrund technischer Verwendungseigenschaften) zu wettbewerbsfähigen Bedingungen ersetzen können. Setzt sich der Trend des vermehrten Laubholzanbaus der letzten 30 Jahre fort und werden klimaresilientere Nadelbaumarten als Alternative zu regional nicht mehr standortgerechten fichtendomi nierten Waldflächen künftig nicht ausreichend berück sichtigt, dürfte sich der Beitrag der heimischen Waldwirt schaft zur steigenden Nachfrage nach klimaverträglichen Bauweisen und Baustoffen rückläufig entwickeln. Der Bedarf wird über zusätzliche Importe sowie durch not wendige Optimierungen im Bereich des effizienteren Rohstoff- und Materialeinsatzes (z. B. Steigerung Altholz mobilisierung und -einsatz) gedeckt werden müssen. Folgenabschätzung und Handlungsbedarf Bei der Zunahme an Holzimporten sind sogenannte Verlagerungseffekte bzw. Marktverschiebungen nicht nur bei der Wertschöpfung für die heimische Wirtschaft (u. a. durch Standortverlagerung der Industrie), sondern auch in Bezug auf den Klimaschutz (u. a. durch die ersatzweise Verwendung von Materialien mit nachteiliger Ökobilanz oder durch größere Transportentfernungen) sowie beim Schutz der Biodiversität (z. B. durch Bezug von Holz aus nicht nachhaltiger Waldwirtschaft oder Plantagenwirt schaft) zu erwarten. Die Entwicklung verstärkt sich, wenn zusätzliche Flächen des Waldes – sei es aus Gründen des Biodiversitätsschutzes oder abweichender Zielsetzungen und Motivationen der Waldbesitzenden – aus der Holz nutzung ausgenommen werden. Holzhaus in Leipzig-Lindenau BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 31 Die Holzwirtschaft in Deutschland steht vor der Her ausforderung, sich an das sich ändernde (inländische) Rohstoffangebot nach Baumart und Menge über Techno logieentwicklung, veränderte Verarbeitungs- und Verwen dungsmöglichkeiten, Vermarktungsstrategien und Anpas sung der Beschaffungsmärkte sowie einen effizienteren Ressourceneinsatz (Stärkung der Kreislaufwirtschaft) aktiv anzupassen. Die Holzwirtschaft wird in Zukunft sehr wahrscheinlich weiterhin mit einem unregelmäßig hohen Aufkommen an Schadholz aus dem In- und Ausland konfrontiert. Technologische Entwicklungen wirken sich unterschiedlich auf die Nachfragestruktur nach holzba sierten Produkten aus. Ein verändertes Mediennutzungs verhalten führt zu einem Rückgang an z. B. grafischen Papieren, neuere Holzbauprodukte bewirken eine stärkere Nachfrage im Bauwesen, die Weiterentwicklung von Bio raffinerien wird zu neuem industriellem Holzverbrauch und veränderten Anwendungen führen. Neben Herausforderungen bei Innovation, Produktent wicklung sowie administrativen Hürden für das Bauen mit Holz ist die nationale Wettbewerbsfähigkeit der ersten HANDLUNGSFELDER UND MEILENSTEINE 32 Meilensteine bis zum Jahr 2030 3.1 Der Anbau standortgerechter Baumarten wird weiter unterstützt: Im Sinne nachhaltiger und inte grativer Waldwirtschaft unterstützen der Bund und die Länder den Anbau standortgerechter Baumarten mit einem hinreichenden Anteil standortheimischer und klimatoleranter Baumarten, um auch künftig die Ökosystemleistungen des Waldes angemessen bereitzustellen, wie z. B. den regionalen Holzbedarf durch heimische Produktion zu decken. 3.2 Der Dialogprozess Charta für Holz 2.0 ist gestärkt: Im Sinne der Charta-Ziele „Klima schützen – Werte schaffen – Ressourcen effizient nutzen“ wird Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft ressourcenscho nend und überwiegend regional verwendet. Es ist als Alternative zu Produkten auf Basis fossiler, endlicher Ressourcen anerkannt und wird entsprechend un terstützt. Der aus dem im Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung abgeleitete Dialogprozess Charta für Holz 2.0 ist als wichtiges Instrument einer verant wortlichen Ressourcenpolitik weiter gestärkt. 3.3 Die Holzbauquote ist erhöht: Der Trend zu mehr Holzbau im Wohnungsbau hat sich fortgesetzt; die Holzbauquote im Wohnungsneubau (Genehmigun gen mit überwiegend verwendetem Baustoff Holz) erreicht 30 Prozent. Die öffentliche Hand erfüllt ihre Vorbildfunktion beim klimafreundlichen Bauen mit Holz und bei der öffentlichen Beschaffung. Unberechtigte rechtliche Hemmnisse der Holzver wendung im Bauwesen und Defizite im Bereich der Hochschulbildung sowie der Planungs- und Ausfüh rungskette sind abgebaut. Holzerzeugung und -verwendungVerarbeitungsstufe von Holz eng mit den Rohstoffkosten verknüpft. In diesem Zusammenhang ist es sehr wahr scheinlich, dass sich die Anpassungskosten der Holz- und Papierindustrie an Laubholz als Rohstoff bei gegebenen Weltmarktpreisen der Produkte kurz- und mittelfristig nicht decken lassen und daher die Produktion im Cluster „Forst und Holz“ in Deutschland sich künftig zunächst verringert. Hohe Nadelholzpotenziale, v. a. in der borealen Zone, und die Intensivierung der globalen Holzhandels beziehungen mit Ostasien lassen in der Folge eher Einfuh ren entsprechender Halb- und Fertigprodukte erwarten. Bei dieser Entwicklung sind weitere Verlagerungseffekte zu erwarten. BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 33 3.5 Das Wissen über Holzerzeugung und -verwendung ist gestärkt: Die Erreichung der Klimaschutzziele hängt maßgeblich vom klimabewussten Verhalten der Verbraucher ab. Gemäß den Vorgaben aus dem Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung sind In formation, Aufklärung und Wissenstransfer über die nachhaltige Waldbewirtschaftung und intelligente Holzverwendung in den unterschiedlichsten Ein satzbereichen verstärkt und über geeignete Medien zielgruppenorientiert vermittelt. 3.6 Regionale Wertschöpfungs- und Lieferketten der Ressource Holz sind gestärkt: Die Bundesregierung unterstützt die Schaffung verlässlicher Rahmenbe dingungen für das Cluster „Forst und Holz“ mit dem Ziel, die Rohstoffversorgung aus heimischen Wäl dern nachhaltig und effizient zu sichern. Regionale Wertschöpfungs- und Lieferketten sind gestärkt. Die Beschäftigung in den ländlichen Räumen ist gesi chert und die gesellschaftliche Transformation zur Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft bedient den Bedarf der Gesellschaft an natürlichen, heimischen Produkten mit vorteilhafter Ökobilanz. 3.7 Die ressourceneffiziente Holzverwertung ist gestärkt: Die Bundesregierung hat die weitere Ent wicklung der ressourceneffizienten Holzverwertung, insbesondere durch Förderung der Kaskadennut zung und Kreislaufwirtschaft, bei allen Rohholzsor timenten unterstützt und die Innovationstätigkeit im Cluster „Forst und Holz“, insbesondere in der stofflichen Laubholzverwendung, gestärkt. 3.4 Die Ressourcenpolitik mit Holz ist ausgebaut: Die Bundesregierung hat die auf Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit ausgerichtete Ressourcenpolitik Holz als Beitrag zu Klimaschutz, Ressourcenscho nung und Erhalt der Wertschöpfung weiter ausge baut. Die konkrete Umsetzung der Ziele der Charta für Holz 2.0 wird mit einer Stärkung der Förderung von Forschung und Entwicklung sowie dem Ausbau des Wissenstransfers und derFach- und Verbrauche rinformation unterstützt. Die Verwendungsmöglich keiten von Holz in einer holzbasierten Bioökonomie sind ausgebaut und die Forschung nachhaltig gestärkt. Zudem tragen innovative Produkte im Bereich der stofflichen Verwendung von Laubholz zu mehr Klimaschutz und höherer Wertschöp fung bei. Im Rahmen der Kreislaufwirtschaft und Kaskadennutzung ist die effiziente Holznutzung und -verwendung weiter ausgebaut. Dabei leistet eine moderne und effiziente energetische Holzver wendung, möglichst am Ende langer Nutzungskas kaden, einen wichtigen Beitrag zur Energiewende. Als Alternative zu Produkten aus fossilen, endlichen Rohstoffen nutzt die Gesellschaft verstärkt Pro dukte aus nachhaltiger, heimischer Waldwirtschaft. Für künftige Generationen ist die Versorgung der Gesellschaft mit Produkten aus überwiegend heimi scher, nachhaltiger Waldbewirtschaftung gesichert. HANDLUNGSFELDER UND MEILENSTEINE 34 4.4 Erholung, Sport und Gesundheit In Deutschland kann der Wald im Rahmen gesetzlicher Regelungen zum Zwecke der Erholung unentgeltlich betreten werden. Dies schließt eine natur- und land schaftsverträgliche sowie nicht kommerzielle Sportaus übung ausdrücklich ein. Das Bundeswaldgesetz sowie die jeweiligen Landeswaldgesetze und Schutzgebiets verordnungen regeln das Betreten des Waldes und seine Nutzungsmöglichkeiten durch die Öffentlichkeit. Die Ansprüche der Erholungssuchenden können besonders in stark frequentierten bzw. ökologisch sensiblen Are alen untereinander und mit denen der Waldwirtschaft, des Naturschutzes und der Jagd kollidieren. Deshalb schränken das Bundes- und die Landeswaldgesetze sowie die Naturschutz- und Jagdgesetze das Betretungs recht ein. Insbesondere Sportaktive wie Wanderer oder Radfahrer sind jedoch vielfach mobil und bewegen sich teilweise auch über die Landes- und Eigentumsgrenzen hinweg. Sie werden mit einer Vielfalt unterschiedlicher, landesspezifischer Bestimmungen konfrontiert. Infol ge des Föderalismus gelten in verschiedenen Ländern vielfach unterschiedliche Regelungen für die sportliche Betätigung und die Erholungsnutzung im Wald. Wald: Unverzichtbar für die Erholung Das Ökosystem Wald ist ein prägendes und unverzicht bares Element der ländlichen Regionen und Kultur landschaften in Deutschland, aber auch vieler Städte. Menschen betreten den Wald gerne als Ort der Erholung, der Regeneration und des mentalen Ausgleichs. Knapp drei Viertel der Bevölkerung in Deutschland nutzen den Wald mindestens einmal im Jahr aktiv; im Durch schnitt ergeben sich rund 28 Waldbesuche pro Person und Jahr. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie hat die Bedeutung der Wälder als nahe gelegenen Aufent haltsort und „Lebens-Raum“ nachdrücklich gezeigt. Der geschätzte Wert der Erholungsleistung für die Gesell schaft allein für Waldbesuche im Wohnumfeld liegt bei rund 2,4 Milliarden Euro pro Jahr (Thünen Report Nr. 79, 2020). Der Wald als für jedermann zugänglicher Erleb nis- und Erholungsraum trägt damit in hohem Maße zur Lebensqualität in Deutschland bei. Für Erholung, Sport und Gesundheit und die touristische Nachfrage sind v. a. solche Wälder von besonderer Attraktivität, die durch eine gemischte Baumartenzusammensetzung und abwechslungsreiche Wald- und Wegeinfrastruktur einen facettenreichen Sport- und Erholungsraum bieten. Nicht zuletzt bietet die Waldinfrastruktur den Waldbesuchen den ein Gefühl der Sicherheit und Orientierung. Darüber hinaus sind Wälder zur Sicherung eines guten Biokli mas und einer ausreichenden Luftqualität von großer Bedeutung für die Gesundheit. Insoweit spielen Wälder auch eine erhebliche Rolle bei der Wahl von ländlichen Regionen als Urlaubsziel und sind damit ein Faktor für die Wertschöpfung – insbesondere in sonst eher struk turschwachen ländlichen Räumen. Die Menschen nutzen den Wald in ihrer Freizeit bei spielsweise für Spaziergänge, Naturbeobachtungen und sportliche Aktivitäten wie Wandern, Reiten, Moun tainbiking, Wintersport und Geocaching. Die gesund heitsfördernden Wirkungen des Waldes finden sich in Angeboten zu waldtherapeutischen Anwendungen, Gesundheitswandern, Kur-/Heilwäldern und Ange boten zum Waldbaden wieder. Wälder sind für unsere Gesellschaft auch zunehmend Orte der sensiblen und spirituellen Wahrnehmung, der achtsamen Erholung sowie des stillen Gedenkens (z. B. in ausgewiesenen Bestattungswäldern). Die Intensität der Waldnutzung für FREIZEITAKTIVITÄTEN IM WALD Im Durchschnitt dauert ein Waldbesuch knapp zwei Stunden. Im gewogenen Mittel kommt jeder Deutsche jährlich auf rund 28 Waldbesuche zur Erholung. In den Wald gehen 68 % mindestens einmal im Monat und 29 % mindestens dreimal im Monat. Quelle: BMEL (2017) © FNR 2021 davon Spazierengehen/Wandern 82 % Naturbeobachtung 45 % Walderleben mit Kindern 17 % Hundausführen 17 % Radfahren 17 % Sonstiges (Geocaching, Reiten etc.) 12 % Sammeln von Pilzen/Beeren 26 % Joggen/Laufen 20 % mind. 3 Besuche im Monat29 % mind. 1 Besuch im Monat68 % BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 35 HANDLUNGSFELDER UND MEILENSTEINE 36 Erholungs-, Sport- und Gesundheitszwecke hängt maß geblich von der jeweiligen Lage zu Ballungsräumen, der landeskulturellen Bedeutung sowie der individuellen Er reichbarkeit ab. Waldbesitzende erfahren den schnellen Wechsel diverser Erholungstrends direkt. Sie beschrei ben dabei eine nicht ausreichende Rücksichtnahme auf ihre Belange und streben in Zusammenarbeit mit den Verbänden verstärkt nach einem Ausgleich unterschied licher Interessen. Sport im Wald gehört zum Natursport. Er hat eine gesundheitsfördernde Wirkung und trägt, da häufig in kleinen Gruppen und von Menschen in allen Altersgrup pen betrieben, zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei. In vielen deutschen Erholungs- und Ferienregionen gehören im Wald betriebene Sportarten zum etablierten Angebotsspektrum für Naherholung und Tourismus. Natursport im Wald ist daher auch ein bedeutender Wirtschafts-, Tourismus- und Arbeitsplatzfaktor, gerade auch in den ländlichen Räumen. Zudem werden vielfach Erholungsangebote mit Umweltbildungsaspekten sowie mit einem Engagement für den Wald verknüpft. Daher ist der Wald für Aktive und deren Organisationen mehr als nur eine Kulisse. Waldbesitzende schaffen Voraussetzung Eine nachhaltige Waldwirtschaft durch die Waldbesit zenden steht somit u. a. vor der Herausforderung, die Ansprüche der Gesellschaft an die Erholungsleistung des Waldes – im Einklang mit den Ansprüchen an die ökonomischen und ökologischen Waldleistungen – zu erfüllen. Diese Herausforderung stellt sich besonders in urbanen Regionen, wo der Wald als Erholungs- und Natursportraum besonders stark nachgefragt wird. Wander- wie Sportorganisationen und darin organi sierte Aktive erkennen i. d. R. den Wert und die Not wendigkeit waldwirtschaftlichen Handelns an. Ihnen ist bewusst, dass ein relevanter Teil von Sport im Wald waldwirtschaftliche Aktivitäten und Leistungen voraus setzt (z. B. Entwicklung eines bestimmten Waldaufbaus, Waldwegebau, Waldwegepflege) bzw. die entsprechen de Infrastruktur (z. B. Waldwege, Rettungspunkte im Wald) zur Ausübung des Natursportes mit genutzt wird. Besucherlenkung durch markierte, attraktive naturbe lassene Wanderwege und weitere Wanderinfrastruktur unterstützt das Miteinander in der Nutzung des Waldes. Dies erfordert jedoch die Abstimmung mit den Waldbe sitzenden – insbesondere für spezielle Erholungsleistun gen, die über die Nutzung der bestehenden forstlichen Infrastruktur hinausgehen. Der gemeinwohlorientierte Natursport setzt sich darüber hinaus dafür ein, dass Natursportaktive und deren Organisationen ein gutes Miteinander mit Waldbesitzenden, Forstleuten und wei teren Waldexperten als kompetente Ansprechpartnerin nen und Ansprechpartner in allen Waldfragen schätzen sowie pflegen. Die Nutzung der Wälder für kommerzielle Zwecke der Gesundheitsförderung hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Zahl an privatwirtschaftlichen Angeboten beispielsweise zum „Waldbaden“ oder der ganzheitlichen Naturerfahrung im Wald sowie die Aus weisung von Kur- und Heilwäldern nehmen zu. Einige gewerbliche Anbieter solcher Nutzungsformen sind sich nicht bewusst, dass derartige kommerzielle Waldnutzun gen vom freien Betretungsrecht gemäß Bundeswaldge setz nicht gedeckt sind und daher einer Zustimmung des jeweiligen Waldbesitzenden benötigen. Im Sinne eines fairen Interessenausgleichs sollte hier ein Austausch zwi schen beiden Seiten angestrebt und rechtssichere Ver einbarungen über diese spezielle Form der Waldnutzung sowie die damit verbundenen jeweiligen Rechte und Pflichten getroffen werden. Es fehlen aber auch einfach zugängliche Möglichkeiten, eine privatwirtschaftliche Nutzung im Wald anzumelden. So ist es oftmals kaum möglich, den Waldbesitzenden ausfindig zu machen und es fehlt an einheitlichen (Online-)Systemen zur Anmel dung der Nutzung. BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 37 Meilensteine bis zum Jahr 2030 4.1 Regelungen zu Sport und Erholung im Wald sind weitgehend harmonisiert: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat gemeinsam mit den Ländern eine Vereinfachung und Harmo nisierung der Regelungen zur Waldnutzung für die Sportaktiven und Erholungssuchenden erreicht. Dabei wurden die Empfehlungen der „Bundesplatt form Wald – Sport, Erholung, Gesundheit“ (WaSEG) berücksichtigt. 4.2 Die Honorierung von Ökosystemleistungen im Bereich Natursport, Erholung und Gesundheit ist ausgebaut: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft stellt mit den Empfehlungen der „Bundesplattform Wald – Sport, Erholung, Gesundheit“ (WaSEG) auch Grundlagen zur besse ren Bewertung und Inwertsetzung von Freizeit- und Erholungsaktivitäten bereit und hat die Honorierung von Ökosystemleistungen in den Bereichen Na tursport, Erholung und Gesundheit eingeführt und ausgebaut. 4.3 Ein Konzept für Sport, Erholung und Gesundheit im Wald ist erstellt: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat mit der „Bun desplattform Wald – Sport, Erholung, Gesundheit“ (WaSEG) die Rollen und Gestaltungsmöglichkei ten der verschiedenen Akteure (einschließlich der organisierten und der ehrenamtlichen), die bei der Nutzung von Wäldern zu Erholungs-, Sport- und Gesundheitszwecken relevant sind, in einem um setzungsfähigen Konzept aufbereitet. Dies schließt Empfehlungen zur besseren Unterstützung von regionalen Dialogprozessen, zur Ausgestaltung von (regionalen) Kooperationsvereinbarungen und zur Entwicklung gemeinsam umzusetzender Kommuni kationskonzepte ein. Aspekte, die ein hohes Kon fliktpotenzial bergen (z. B. individuelle Erholung und Wildruhebereiche, naturschutzfachliche Anforde rungen und Sicherheit des Waldbetretens, gebiets übergreifende Erholungsnutzung bei komplexen und räumlich unterschiedlichen rechtlichen Vorga ben zur Waldnutzung, vom freien Betretungsrecht nicht gedeckte kommerzielle Veranstaltungen), sind in besonderem Maße berücksichtigt. 4.4 Kommunikationskonzepte zur „Nutzung des Waldes für Erholung, Sport und Gesundheit” sind entwickelt: Kommunikationskonzepte sind gemein sam mit den Akteuren im Sektor (weiter)entwickelt. Dazu zählen gemeinsame Veranstaltungsforma te, interessenspezifische Kommunikationskanäle und Empfehlungen zur „Nutzung des Waldes für Erholung, Sport und Gesundheit“ (z. B. für den respektvollen Waldbesuch, Eckpunkte zur Gesund heitsnutzung). Erholung, Sport und Gesundheit Ehrenamtliches Engagement Rund um den Wald erbringen viele Akteure als Netz werkpartnerinnen und Netzwerkpartner unentgeltlich bürgerschaftliches Engagement, um den Wald zu er halten und als Erholungsort mitzugestalten. Sie pflegen Wanderwege, Mountainbike-Trails, Reitwege oder Fit ness-Parcours und helfen, Wissen um Wald und Wald bewirtschaftung zu vermitteln (z. B. Informationstafeln, Mitgliederinformation, Schulung von Touren-Füh rerinnen und -Führern). Kommunikationsprobleme, beispielsweise aufgrund unbekannter Ansprechpartner innen und Ansprechpartner, haben sich besonders durch Kooperationsmodelle erheblich verbessert. Trotzdem bestehen weiterhin Konflikte zwischen Waldbesuchen den untereinander und auch mit Waldbesitzenden, Naturschutzvertreterinnen und -vertretern oder Jagd ausübungsberechtigten, insbesondere dort, wo der Wald intensiv besucht wird. HANDLUNGSFELDER UND MEILENSTEINE 38 4.5 Boden und Wasser Boden Der Waldboden mit seiner typischen Humusauflage ist für die Waldökosysteme, seine zahlreichen Ökosys temleistungen und für die forstliche Produktion von zentraler Bedeutung. Er ist Wurzelraum für Waldbäu me und die zugehörige Flora, Lebensraum für Boden organismen und die Mykorrhiza, die mit den Bäumen eine komplex vernetzte Lebensgemeinschaft bilden. Der Waldboden ist zudem Reaktionsraum für Stoffum wandlungen, Nährstoff- und Wasserspeicher, CO2-Spei cher und -Senke zugleich. Wälder schützen den Boden vor Erosion. Laub- bzw. Nadelstreu und Totholzreste bilden eine Humusauflage, diese schützt den Boden vor Austrocknung. Bodenorganismen und die Mykor rhizza zersetzen Pflanzenreste und wandeln sie in Humusstoffe um. Diese werden von Bodenlebewesen als Nahrungs- und Energiequelle genutzt. Der Zustand des Waldbodens in seiner physikalischen, chemischen und mikrobiologischen Beschaffenheit und das pflan zenverfügbare Wasserangebot prägen maßgeblich die Vitalität, Leistungsfähigkeit und Resilienz der Wälder. Die Erhaltung der Waldfläche und der Schutz der Wäl der vor Umwandlung in eine andere Nutzungsart ist im dicht besiedelten Deutschland ein essenzieller Beitrag zum Wald- und Bodenschutz. Bodenschonende Waldbewirtschaftung Die Waldwirtschaft trägt maßgeblich Verantwortung für den Schutz der Waldböden bei der Waldbewirt schaftung; dies betrifft verschiedene Aspekte. Durch den Einsatz von Großmaschinen wird der Bodenschutz zunehmend wichtiger. V. a. ist darauf zu achten, dass Forstmaschinen bodenschonend eingesetzt werden; ein unsachgemäßer Einsatz von schweren Forstmaschinen kann den Waldboden und seine Funktionen langfris tig beeinträchtigen. Daher wird ein unzureichender Bodenschutz von der Bevölkerung kritisch gesehen und beeinflusst die Wahrnehmung der Waldwirtschaft allgemein. Weitere Ansatzpunkte für eine bodenschonende Wald wirtschaft ergeben sich bei der Wahl der Baumarten und ihrer Mischung, bei der Wahl der Verjüngungs verfahren (z. B. Naturverjüngung, Verzicht auf Kahl schläge), beim integrierten Pflanzenschutz (minimaler Einsatz von Pflanzenschutzmitteln) sowie bei der Be achtung der Nährstoffnachhaltigkeit bei der Holzernte (u. a. Verzicht auf überproportional nährstoffzehrende oder bodenschädliche Nutzungen). Die Kenntnis der standortspezifischen Bodeneigenschaften ist eine un verzichtbare Grundlage für forstliche Entscheidungen. Um Risiken rechtzeitig zu erkennen, ist die Weiterfüh rung einer langfristigen Beobachtung unverzichtbar. Luftverunreinigungen reduzieren Trotz umfangreicher Luftreinhaltemaßnahmen in den letzten Jahrzehnten sind die Waldböden in Deutsch land nach wie vor durch Luftverunreinigungen gefähr det. Durch Schwefel- und Stickstoffeinträge verursach te Prozesse (wie z. B. Versauerung und Eutrophierung bei gleichzeitiger Austragung basischer Nährstoffe) sind viele Waldböden bereits tiefgreifend verändert. Dies hat Folgen für die forstliche Produktion, die Stabilität der Wälder und die Ökosystemleistungen des Waldes sowie auch für die Biodiversität und den Bodenwasser körper. Viele Waldökosysteme sind an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Nach wie vor sind Luftverunreinigungen für zahlreiche Probleme im Wald und eine anhaltende Belastung der Waldböden verantwortlich. Eine weitere Reduzierung luftgetragener Einträge von Schadstoffen und Stickstoff ist daher dringend geboten. Auf ver sauerungsempfindlichen Waldböden kann die Boden schutzkalkung einen wichtigen Betrag zur Abmilde rung von Säureeinträgen leisten, allerdings stellt dies nur eine flankierende Behelfsmaßnahme dar. Große Risiken ergeben sich für Waldböden aus den geänderten klimatischen Bedingungen in Kombination mit dem erwarteten gehäuften Auftreten von Störun gen, Kalamitätsnutzungen und der damit verbundenen Reduzierung der Überschirmung des Bodens durch das Kronendach der Bäume. Dies wirkt sich u. a. ungüns tig auf den Kohlenstoffhaushalt des Waldes und des Bodens aus: Die kalamitätsbedingte Auflichtung vieler Waldflächen zusammen mit der Klimaerwärmung aktiviert im Waldboden den mikrobiellen Abbau der Laub- bzw. Nadelstreu und der Humusauflage. In der Folge sind im Boden höhere Umsetzungsraten von Hu mus zu verzeichnen, was wiederum zu entsprechenden Verlusten an beispielsweise Kohlenstoff und Stickstoff im Boden führt. Der Waldboden kann sich so von einer CO2-Senke zur CO2-Quelle entwickeln. Dieser Effekt kann durch ein Belassen von Totholz bzw. den Verzicht auf flächige Räumungen gemindert werden. BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 39 HANDLUNGSFELDER UND MEILENSTEINE 40 Wasser Der Waldboden spielt eine besondere Rolle in den lokalen Wasserkreisläufen, im Landschaftswasserhaus halt und für die Trinkwassergewinnung. Wie kaum ein anderes Ökosystem hat der Waldboden die besondere Fähigkeit, Niederschläge zu speichern (u. a. Hochwas serschutz, Überbrückung von Dürreperioden) und zu reinigen. Die Filter- und Pufferwirkung der Böden gewährleistet eine hohe Wasserqualität und effizientes Hochwasserrückhaltevermögen. In Deutschland liegen über 40 Prozent der Fläche aller Wasserschutzgebiete im Wald, das sind rund 2,1 Millionen Hektar Waldfläche (18 Prozent Flächenanteil). Nicht zuletzt ist die Was serversorgung der Waldbäume entscheidend für deren Vitalität und Resilienz, insbesondere gegenüber Witte rungsstress und Schaderregern (z. B. Borkenkäfern). Quellen: StBA (2020), DWD (2019), UFZ (2020) © FNR 2020 DÜRRE IM WALD Die Dürrekalamitäten in den Jahren 2017 bis 2020 haben gezeigt, dass die Waldwirtschaft die Erhaltung und Verbesserung der Wasserrückhaltung des Waldes, die Förderung des Mikroklimas, aber auch die Sicher stellung genügender Sickerwasserausträge künftig verstärkt einbeziehen muss. Dies ist erforderlich, um die Wälder besser vor den Folgen des Klimawandels zu schützen, ihre Betroffenheit vor Dürreereignissen zu mindern und die Trinkwasserversorgung aus dem Wald sicherzustellen. Grundwasserneubildungsrate und Wasserverfügbarkeit sind in Mischwäldern höher als in Nadelwäldern. Dies verringert die Gefahr von Trockenstress und verbessert die Resilienz der Waldflä chen. Angesichts des Klimawandels und unausweichli cher Standortveränderungen gewinnen zudem besser trocken- und hitzeresistentere Baumarten und eine an den Klimawandel angepasste Waldbewirtschaftung an Bedeutung. BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 41 Waldfläche erhalten Die Waldfläche in Deutschland ist seit Jahrzehnten stabil und unterliegt in der Summe nur geringen Änderungen. Die gesamte Waldfläche ist in ihrem Bestand durch die Waldgesetze des Bundes und der Länder geschützt. Rodung und Umwandlung in andere Nutzungsarten sind nur mit behördlicher Genehmi gung zulässig. Unvermeidbare Waldverluste, z. B. durch neue Straßen, Siedlungs- oder Gewerbegebiete, werden aufgrund der waldrechtlich vorgesehenen Ausgleichs pflicht i. d. R. durch entsprechende Ersatzaufforstung anderer Flächen kompensiert. Dennoch sind Wälder in Deutschland, das mit 233 Ein wohnern je Quadratkilometer eines der am dichtesten besiedelten Länder Europas ist, immer wieder einem Druck ausgesetzt, sie zugunsten von Siedlung, Verkehr oder Landwirtschaft zu roden, umzuwandeln oder zu zerschneiden. Die Fragmentierung und Zerschneidung von Waldgebieten durch Siedlungs- und Verkehrsflä chen kann ein Problem für die biologische Vielfalt darstellen. Durch Rodungen bzw. Umwandlung fällt der Wald mit allen seinen Ökosystemleistungen flächig aus. Keine andere Landnutzungsart kann diese komplexen Leistungen, z. B. in den Bereichen Sauerstoff- und Bio masseproduktion, Speicher und Senke für Kohlenstoff, Filter und Speicher für Wasser, adäquat ersetzen. Die Bevölkerung verliert mit jeder Rodung einen Teil des frei zugänglichen Erholungs- und Naturerlebnisraumes „Wald“ und wild lebende Tier-, Pflanzen- und Pilzarten verlieren ihre lokalen Habitate und Lebensräume. Die Walderhaltung ist daher das oberste Ziel und eine Dau eraufgabe der Waldpolitik und dient unmittelbar auch dem Bodenschutz. HANDLUNGSFELDER UND MEILENSTEINE 42 Meilensteine bis zum Jahr 2030 5.1 Umwandlungen von Wald in andere Landnut zungsarten nehmen nicht zu: Flächenverbrauch und Fragmentierung durch Waldumwandlung blei ben auf dem gegenwärtigen niedrigen Niveau und nehmen nicht zu. Die entsprechenden Bestimmun gen der Waldgesetze des Bundes und der Länder zum Schutz der Waldfläche sind weiterhin in Kraft und ggf. verstärkt, um dem zunehmenden Druck auf die Wälder durch Umwandlung in eine andere Nutzungsart effizient zu begegnen. 5.5 Wälder sind in Konzepte zum Landschaftswas serhaushalt integriert: Bei Konzepten zum Land schaftswasserhaushalt ist die zentrale Bedeutung des Wassers für die Vitalität der Wälder angemessen berücksichtigt und die Folgen des fortschreitenden Klimawandels einbezogen. 5.6 Forstliche Entscheidungen berücksichtigen verstärkt die Bedeutung von Wasser: Das Bun desministerium für Ernährung und Landwirtschaft unterstützt den verstärkten Einbezug der Aspekte „Landschaftswasserhaushalt“ und „Wasserrückhalt“ in forstbetriebliche, waldbauliche und waldpoliti sche Entscheidungen und ist wichtiger Bestandteil der Maßnahmenpläne zum Risikomanagement. 5.4 Schädliche Einträge in Waldböden sind reduziert: Atmosphärische Einträge von Stickstoff und Säu ren, die die wichtigen Funktionen der Waldböden für die Vitalität der Wälder, den Klimaschutz und die Biodiversität gefährden, sind Schritt für Schritt reduziert worden. Die Bodenschutzkalkung wird als flankierende Maßnahme zur Abmilderung von Säureeinträgen weiterhin gefördert. 5.2 Die Informationsgrundlage zu Waldböden ist aus gebaut: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat gemeinsam mit den Waldbe sitzenden und der Wissenschaft die Informations grundlage über die Gefährdung und Vitalisierung von Böden ausgebaut. 5.3 Der Bodenschutz im Wald ist gestärkt: Bei der Bewirtschaftung des Waldes werden Belange des Bodenschutzes verstärkt einbezogen und berück sichtigt. Dies betrifft insbesondere die Walderschlie ßung und Befahrung, den weitgehenden Verzicht auf Kahlschläge, den Verzicht auf überproportional nährstoffzehrende oder bodenschädliche Nut zungen (z. B. Vollbaumernte oder Rodung von Wurzelstöcken und den Erhalt von Totholz) sowie die Beachtung der Nährstoffnachhaltigkeit bei der Holzernte. Boden Wasser BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 43 4.6 Waldentwicklung, nachhaltige Bewirtschaftung und Jagd Gemischte, strukturreiche Wälder mit standortgerech ten, überwiegend standortheimischen und klimatole ranten Baumarten, einem an die standörtlichen Gege benheiten angepassten Holzernteverfahren sowie ein ausgewogenes Jagdmanagement sind am besten geeig net, vielfältige Ökosystemleistungen zu erbringen, die Anpassungsfähigkeit der Wälder zu gewährleisten und damit dem „Leitbild 2050“ zu entsprechen. Waldentwicklung Die größte waldbauliche Herausforderung besteht in der Erhaltung, Etablierung und Entwicklung ökologisch stabiler und zugleich produktiver Wälder, die die viel fältigen Waldökosystemleistungen auch künftig bereit stellen. Die Erreichung dieses Ziels wird derzeit insbe sondere durch das Ausmaß und die Geschwindigkeit des Klimawandels durch Luftverunreinigungen, Eingriffe in den Wasserhaushalt sowie durch Krankheiten und Schaderreger sowie damit einhergehende Störungen gefährdet. Zur Sicherung aller Waldökosystemleistungen ist daher eine aktive Steuerung der Waldentwicklung hin zu klimaresilienten Wäldern unabdingbar. Geschädigte Wälder sind so wiederherzustellen, dass sie dem „Leitbild 2050“ entsprechen. Dabei sind immer die standörtlichen Gegebenheiten zu berücksichtigen. Das Konzept der „heutigen potenziell natürlichen Vege tation“ ist angesichts der sich ändernden standörtlichen Faktoren zu überprüfen. So muss mit hoher Wahrschein lichkeit davon ausgegangen werden, dass sich die Stand orte durch Einträge aus der Luft und den anhaltenden Klimawandel so verändernd sodass eine andere Baum artenzusammensetzung zukünftig als natürlich und klimaangepasst anzusehen ist. Dies ist insofern eine Her ausforderung, da sich die Konzepte in der Vergangenheit auf die Annahme stützten, dass die Umweltbedingungen (Klima, Boden, Wasser) konstant bleiben. V. a. der Klima wandel macht nun aber eine flexiblere Planung mit der Möglichkeit der Anpassung an sich ändernde Bedingun gen und Ziele erforderlich. Gleichzeitig macht dies eine Evaluierung und ein Überdenken bisheriger Kriterien und Zielvorstellungen auch im Bereich der biologischen Vielfalt und des Waldnaturschutzes erforderlich. Nachhaltige Bewirtschaftung Die Anpassung der Waldbewirtschaftung an den Kli mawandel und eine ausreichende Berücksichtigung standortgerechter, stabiler und zugleich produktiver und gemischter Wälder ist für die Erreichung der unter schiedlichen Ziele, insbesondere im Zusammenhang mit dem Klimaschutz, von besonderer Relevanz. In Folge des Klimawandels können die Risiken für den Wald in Deutschland (z. B. Absterben von Bäumen), wie die Waldschadenereignisse der Jahre 2018 bis 2020 gezeigt haben, zunehmen. Ein Risikomanagement, um diese Risiken beherrschbarer zu machen und ihre Aus wirkungen auf die Nachhaltigkeit zu minimieren, sollte gestärkt werden. Für einen Walderhalt im Klimawandel und damit zum Erhalt der Klimaschutzleistung des Waldes bedarf es des integrierten Waldschutzes mit den Maßnahmen in seiner gesamten Breite. Dabei sind die vorbeugenden Maßnahmen, die auf den Erhalt der Vitalität und den Schutz der Biodiversität ausgerichtet sind, prioritär, da sie die Eintrittswahrscheinlichkeit von Waldstörungen verringern können. Vitale Wälder mit hoher Resilienz sind das Ziel dieser Maßnahmen. Dennoch können in Einzelfällen auch zukünftig – als Ultima Ratio – kurative Maßnahmen zum Walderhalt und zur Sicherung seiner Leistungen erforderlich werden. Diese beinhalten neben den biologischen, biologisch-technischen und mecha nischen Maßnahmen auch den Einsatz von Pflanzen schutzmitteln. Jagd Wild lebende Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen (Wild), sind wichtiger Bestandteil der Waldökosysteme. Als Teil der Fauna unterliegen diese Wildtiere jagdrecht lichen Bestimmungen. Der Jagd auf Wildtiere kommt bei der Waldverjüngung, der Wiederbewaldung der Schad flächen und dem Umbau der Wälder eine besondere Bedeutung zu. So können überhöhte Vorkommen von wiederkäuendem Schalenwild die Biodiversität in den Wäldern und den Erfolg waldbaulicher Maßnahmen (v. a. Baumartenreichtum, Qualität, Eignung und Wert des Holzes, Schaffung von wald- und wildökologisch günstigen Waldstrukturen) in Abhängigkeit von örtli chen Gegebenheiten gefährden. Der Umfang des Ver HANDLUNGSFELDER UND MEILENSTEINE 44 bisses an Waldverjüngung und Bodenflora sowie Fege-, Schlag- und Schälschäden sind Hinweise auf ökologische bzw. ökonomische Auswirkungen der Wildbestände im Wald. Der Fähigkeit der Waldökosysteme, sich durch natürliche Verjüngung zu entwickeln, kommt in Zei ten des Klimawandels eine entscheidende Bedeutung zu. Wo sich gemischte, natürlich verjüngte Baumarten oder Saaten und Pflanzungen nicht im Wesentlichen ohne Schutz vor dem Verbiss (einschließlich Fegen und Schälen) des wiederkäuenden Schalenwildes etablieren können, ist die Fähigkeit des Waldökosystems für eine angemessene Bereitstellung der Ökosystemleistungen i. d. R. nicht mehr gegeben und die Tragfähigkeit für Tier populationen dieser Wildarten überschritten. Die Populationsdichten einiger Schalenwildarten haben durch häufigere Mastjahre bei Eiche und Buche und den Anbau energiereicher Kulturpflanzen in der Landwirt schaft in den letzten Jahrzehnten insgesamt kontinu ierlich zugenommen. Zusätzlich haben mildere Winter und längere Vegetationszeiten eine geringere natürliche Sterberate bzw. höhere Überlebensrate zur Folge. Die Schalenwildpopulationen nehmen daher insbesonde re beim Rehwild und Schwarzwild derzeit weiter zu. Zugleich bewirkt der regelmäßige Verlust der Deckung durch die Ernte im Offenland (d. h. auf Ackerfläche und Grünland), dass sich Schalenwild saisonal verstärkt in die Wälder zurückzieht. Es wird von allen waldrelevanten Akteuren – und darü ber hinaus – anerkannt: Wald und Wild gehören zusam men. Wald ist Lebensraum für viele Tierarten einschließ lich der dem Jagdrecht unterliegenden Wildarten. Die Jagd trägt im Rahmen jagdgesetzlicher Bestimmungen v. a. durch die Regulierung der Wildbestände zu einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung bei. Dabei sollte die Jagd einen gesunden, artenreichen, den landeskulturel len Verhältnissen angepassten Wildbestand erhalten, seine Lebensgrundlagen pflegen und sichern und eine Verjüngung des Waldes im Wesentlichen ohne Schutz maßnahmen ermöglichen. Die Jagdstrecken bei den flächenmäßig häufigsten Schalenwildarten sind in den letzten fast 50 Jahren stark angestiegen. Um allerdings die Ökosystemleistungen des Waldes und die Bedürf nisse des Wildes in Einklang zu halten oder zu bringen, bedarf es an die jeweilige Wildart und an die waldbauli che Situation vor Ort angepasste Jagdstrategien als Teil waldbaulicher Konzepte. Dafür sind wissenschaftliche Daten über die Wildpopulationen und die Tragfähigkeit von Waldökosystemen erforderlich. Dabei können neben dem Zustand der Waldvegetation (z. B. Verbissgutachten) als zentralem Weiser für die Angepasstheit der Wildpo pulationen an ihre Lebensräume auch weitere Analysen des Lebensraumes des Wildes zweckmäßig sein. Gewon nene Kenntnisse dienen als Grundlage, um Einflussfak toren, wie Verlust an Lebensraum in der Feldflur oder zunehmende Erholungsnutzung, durch gezielte flankie rende Maßnahmen entgegenwirken zu können. BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 45 6.4 Verfahren der nachhaltigen Waldbewirtschaftung sind weiterentwickelt: Mit Unterstützung des Bun desministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sind die Verfahren in der nachhaltigen Waldbewirt schaftung von der Baumartenwahl über Pflege- und Nutzungskonzepte bis hin zur Wahl der Bodenbear beitungs- und Holzernteverfahren im Hinblick auf die CO2-Speicherung und Wasserhaltekapazität in den Waldböden weiterentwickelt. 6.5 Jagdrechtliche Regelungen berücksichtigen Wald und Wild: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat sich für jagdrechtliche Regelungen eingesetzt, die die großen Herausforde rungen bezüglich der Waldverjüngung, der Wieder bewaldung von Schadflächen und den Umbau zu klimaresilienten Wäldern unterstützen und gleich zeitig den Wert wild lebender Schalenwildarten in unseren Kultur- und Naturlandschaften als Teil der biologischen Vielfalt respektieren. 6.6 Das Bundesjagdgesetz ist hinsichtlich Wald und Wild angepasst: Die Verjüngung standortgerechter, artenreicher Mischwälder aus Naturverjüngung, Saat und Pflanzung erfolgt im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen vor dem Verbiss des Wildes. Dazu ist das Bundesjagdgesetz entsprechend angepasst. Im Mittelpunkt der Anpassung steht, die vorhandenen Schäden auf Grundlage einer wissenschaftlichen Methodik zu erfassen und zu dokumentieren, den Lebensraum des Wildes wo notwendig zu analysieren sowie die Verantwortung der Betroffenen vor Ort zu stärken. 6.7 Lösungsansätze sind zur Vermeidung übermäßi ger Wildschäden umgesetzt: Lösungsansätze zur Vermeidung übermäßiger Wildschäden im Wald und zur Implementierung und Umsetzung einer Mindestabschussplanung sind in vom Bundesminis terium für Ernährung und Landwirtschaft initiierten Dialogforen mit den wichtigsten Akteuren (z. B. run de Tische auf den verschiedenen Entscheidungsebe nen) gemeinsam erarbeitet und werden umgesetzt. 6.8 Leitlinien für die Bewertung von Wildschäden sind entwickelt: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat gemeinsam mit den Akteu ren bundeseinheitliche Leitlinien und Kriterien zur Erfassung und Bewertung von Wildschäden sowie zur Lebensraumanalyse bezüglich Schalenwildarten entwi ckelt. Dieses Konzept soll unter Beteiligung der Wald und Jagdseite einerseits die gemeinsame Erarbeitung lokal angepasster Lösungsstrategien erleichtern und andererseits eine Schadenprävention fördern. Jagd 6.3 Empfehlungen für klimawandelangepasste Baum artenwahl sind ermöglicht: Durch die Unter stützung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sind Empfehlungen für eine klimawandelangepasste Baumartenwahl möglich, die auf Forschungsergebnissen zur Entwicklung der Standortfaktoren in Deutschland im Vergleich mit anderen Waldregionen der Welt beruhen. Meilensteine bis zum Jahr 2030 6.1 Monitoring-Systeme für Wälder sind weiterent wickelt: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat Monitoring-Systeme weiterge führt, weiterentwickelt und ggf. etabliert, die die Wal dentwicklung in Deutschland beobachten, bewerten und Empfehlungen ermöglichen. 6.2 Ein koordiniertes Waldschutz-Monitoring ist aufgebaut: Zur Unterstützung eines harmonisierten Waldschutzmeldewesens der Länder und für einen besseren Informationsfluss über akute Waldschäden ist ein national koordiniertes Waldschutz-Monitoring, als zentraler Baustein für das Risiko- und Krisenma nagement aufgebaut. Mit Unterstützung des Bundes ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft und der Länder sind weitere einzelbetriebliche Maßnah men des Risikomanagements unter Beteiligung aller Akteure entwickelt, um die notwendige Akzeptanz und Verbindlichkeit zu erzielen. Waldentwicklung und nachhaltige Bewirtschaftung HANDLUNGSFELDER UND MEILENSTEINE 46 4.7 Waldeigentum und neue Wertschöpfung Waldeigentum Die Wälder in Deutschland erbringen im Zuge der nachhaltigen Waldbewirtschaftung vielfältige Ökosys temleistungen, deren Nutzung durch die Gesellschaft bislang überwiegend kostenlos erfolgt. Den Erhalt dieser Leistungen sichern staatliche, körperschaftliche und private Waldbesitzende bzw. Betriebe mit großem En gagement. Damit ist auch ein signifikanter betrieblicher und finanzieller Aufwand verbunden, der im körper schaftlichen und privaten Waldbesitz fast ausschließlich aus dem Holzverkauf getragen wird. Dabei haben die angewandten Grundsätze der nachhaltigen Waldbe wirtschaftung erheblich zur positiven Entwicklung in der Bereitstellung der Ökosystemleistungen der letzten Jahrzehnte beigetragen. Das Management der Wälder in Deutschland liegt in den Händen von staatlichem, körperschaftlichem und priva tem Waldbesitz. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 1,8 Millionen private Waldbesitzende; sie bewirtschaften etwa 48 Prozent der Waldfläche. Der Körperschaftswald umfasst etwa 19 Prozent, der Staatswald etwa 33 Prozent der Waldfläche. Diese Verteilung der Eigentumsarten trägt unmittelbar auch zur biologischen Vielfalt der Wälder in Deutschland bei. Auch das Eigentum am Wald genießt verfassungsmäßi gen Schutz. Gleichzeitig unterliegt es aufgrund der So zialpflichtigkeit des Eigentums rechtlichen Bindungen. Dies betrifft beispielsweise das Waldrecht, Naturschutz recht, Pflanzenschutzrecht, Wasser- und Bodenschutz recht und Jagdrecht. Große Teile dieser rechtlichen Bestimmungen und insbesondere naturschutzrechtliche Vorgaben im Wald werden von den Ländern vorrangig durch ordnungsrechtliche Maßnahmen umgesetzt. Für betroffene Waldbesitzende bzw. Betriebe können insbesondere die naturschutzrechtlichen Bindungen zu Einschränkungen der Waldnutzung führen – bislang meist ohne oder nur mit geringer finanzieller Kompen sation. Die Waldfläche, die ohne naturschutzrechtliche Auflagen nachhaltig bewirtschaftet werden kann, hat dabei abgenommen. Hinzu kommt, dass naturschutz fachliche Anforderungen an die Waldbewirtschaf tung insbesondere auf den Flächen des europaweiten Schutzgebietsnetzes Natura 2000 durch Entscheidun gen europäischer und nationaler Instanzen sukzessive immer weiter angehoben werden. Darüber hinaus sind insbesondere artenschutzrechtliche Vorgaben auf der gesamten Waldfläche zu beachten. Holzerlöse stellen für die Waldbesitzenden die wesentli che Einnahmequelle dar. In der jüngeren Vergangenheit haben die aus einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung erzielbaren Holzerlöse einschließlich der vorhandenen Förderung für Waldbesitzende i. d. R. ausgereicht, die Lasten des Waldschutzes, der Wiederaufforstungspflicht und der Verkehrssicherungspflicht zu tragen sowie gleichzeitig die vielfältigen gesellschaftlichen Anfor derungen an den Wald unentgeltlich, ohne direkte Honorierung zu erbringen. Zwischenzeitlich haben sich die Rahmenbedingungen allerdings deutlich verändert. Die klimawandelbedingten großflächigen Waldschäden der letzten Jahre haben das Betriebskapital von Wald besitzenden vielfach erheblich gemindert. Stark betrof fene Betriebe haben auf Jahrzehnte hinaus kaum noch Holzerlöse zu erwarten. Über die nicht vermeidbaren Ausgaben hinaus (z. B. für Unfallversicherung und Ge wässerverbände) sind weiter steigende Aufwendungen für die Wiederbewaldung, die Waldpflege, die Erfüllung von Verkehrssicherungspflichten und die Anpassung der Wälder an den Klimawandel zu tragen. Hinzu kommt, dass auf ganzer Fläche die gesellschaftlichen Anforde rungen und Erwartungen an den Wald und die Waldbe wirtschaftung insgesamt und insbesondere hinsichtlich Natur-, Arten- und Bodenschutz erheblich gestiegen sind. Neue Wertschöpfung Die mit den Anforderungen und Erwartungen verbun denen Mehraufwendungen bzw. Mindererträge belasten alle Waldbesitzenden stark. Insbesondere der körper schaftliche und private Waldbesitz ist dabei derzeit fast ausschließlich auf die Erlöse aus dem Holzverkauf als Einkommensquelle angewiesen. Die Waldpolitik steht daher vor der Herausforderung, die Rentabilität einer notwendigen und gesellschaftlich erwünschten Wald bewirtschaftung unter den sich ändernden Rahmen bedingungen weiterhin zu gewährleisten und somit die Bereitstellung der Ökosystemleistungen der Wälder in Deutschland zu erhalten und ggf. zu verbessern. Es scheint zukünftig notwendig, die Möglichkeiten für „neue Wertschöpfung“ im Wald auszubauen, um damit Erhalt, Pflege und Entwicklung der Wälder auf eine BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 47 an den forstbetrieblichen Maßnahmen ansetzt und an das Ziel geknüpft ist, die Wirtschaftlichkeit der Forst betriebe zu stärken. Die Bereitstellung der Ökosystem leistungen an sich wird demgegenüber nur ansatzweise gefördert. Weiterhin zielt die Förderung auf einzelne Maßnahmen, von denen jeweils nur ein Teil der Kosten übernommen wird. Dies bietet den Waldbesitzenden u. U. nicht ausreichend Anreiz, um sich um den Wald zu kümmern und für den Erfolg der von ihnen eingeleite ten Maßnahmen einzustehen. Die bestehende Förderung ist zwar für eine Veränderung unbefriedigender Wald zustände geeignet, aber nur wenig für den Erhalt bereits bestehender, erwünschter Zustände, die u. U. keiner akti ven Maßnahmen, sondern der Unterlassungen bedürfen. Langfristige Planungen finden darin strukturbedingt nur unzureichend Berücksichtigung. breitere Basis zu stellen. Die bewährte staatliche Förde rung wird hierbei auch weiterhin als Partner des körper schaftlichen und privaten Waldeigentums eine flankie rende, wesentliche Rolle einnehmen. Forstliche Förderung Die zentralen Instrumente zur finanziellen Förderung der Waldwirtschaft sind bislang die Gemeinschaftsaufga be zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küsten schutzes (GAK) sowie der Europäische Landwirtschafts fonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Die europäischen und nationalen Förderprogramme und jene der Länder ergänzen sich. Eine Herausforderung ist, dass diese finanzielle staatliche Förderung überwiegend Walderhalt, -pflege und -nutzung sind generationsüber greifende Aufgaben. HANDLUNGSFELDER UND MEILENSTEINE 48 Die steigenden Ansprüche der Gesellschaft betreffen den gesamten Wald in Deutschland. Aufgrund seiner flächenmäßigen Bedeutung steht insbesondere auch der Wald in körperschaftlichem und privatem Eigentum (rd. 67 Prozent) zur Befriedigung der gesellschaftlichen Anforderungen im Fokus. Körperschaftliche und private Waldbesitzende werden deshalb kostenfrei beraten. Staatliche Beratungsleistungen bilden das Gegenstück zur verdichteten Sozialpflichtigkeit des nicht staatlichen Waldeigentums und entspringen damit einer staatlichen Garantenpflicht sowohl gegenüber den nicht staatlichen Waldbesitzenden als auch gegenüber den im Interesse des Gemeinwohls verfolgten Zielen. Weiterentwicklung der Beratung und Betreuung Bis etwa zum Ende der zweiten Dekade dieses Jahrhun derts haben viele Länder körperschaftliche und private Waldbesitzende durch staatliche Betreuungsangebote unterstützt. Diese bestehen in Teilen weiter. In den meis ten Ländern ist bzw. war dieses staatliche Angebot für viele körperschaftliche und private Waldbesitzende eine wichtige Unterstützung bei der Waldbewirtschaftung. Die Entwicklungen in der staatlichen Beratung und Betreuung haben mit dazu beigetragen, dass Personal kapazitäten bei den staatlichen Forstverwaltungen nicht ausgebaut wurden. Ziele zur Umgestaltung hin zu klima resilienten Wäldern werden aber nur mit hinreichendem und qualifiziertem Fachpersonal über alle Ebenen von den Forstwirtinnen und Forstwirten bis zu den Betriebs leiterinnen und Betriebsleitern erreichbar sein, und es liegt in der Zuständigkeit der Länder, für eine entspre chende Personalausstattung Sorge zu tragen. Die Umstellungen in der staatlichen Beratung sind be sonders herausfordernd für Waldbesitzende des Klein privatwaldes mit kleinen Waldflächen, die zudem oft auf mehrere Waldparzellen verteilt sind. So entfallen rund 95 Prozent des privaten Waldbesitzes und etwa 25 Prozent der Waldfläche in Deutschland auf Besitz größen unter 20 Hektar. Die notwendige Anpassung der Wälder an den Klimawandel (u. a. Waldschutz, Baumar tenwahl, Waldpflege) wie auch die gestiegenen Heraus forderungen im Waldnaturschutz lassen künftig einen zusätzlichen und höheren Aufwand für die Beratung und Betreuung, gerade im Kleinprivatwald, erwarten. Das Angebot privater Forstdienstleistungsunterneh men am Markt konnte sich bisher nicht ausreichend entwickeln und muss weiter erhöht werden, damit der bestehende Beratungs- und Betreuungsbedarf vollstän dig bedient werden kann. Kooperationsmodelle für den Kleinprivatwald Es ist zu erwarten, dass Maßnahmen zur Pflege, Nutzung und Verjüngung sowie zum Schutz der Wälder v. a. für viele Kleinprivatwaldbesitzende wirtschaftlich zuneh mend nicht mehr darstellbar sind und deshalb immer häufiger unterlassen werden. Dazu gehören auch die wichtigen Maßnahmen zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel. Zur Überwindung der dafür im We sentlichen verantwortlichen ungünstigen kleinflächigen Struktur können weiter professionalisierte forstwirt schaftliche Zusammenschlüsse, wie forstwirtschaftliche Vereinigungen und Forstbetriebsgemeinschaften, aber auch andere Kooperationsmodelle (z. B. Genossenschaf ten, Zweckverbände) zukünftig einen Beitrag leisten, die strukturellen Nachteile zu überwinden bzw. so weit wie möglich auszugleichen. Dabei ist zu beachten, dass gerade Waldbesitzende mit einer eher geringen Wald flächengröße eine zunehmend urbane Lebenssituation haben. Bei dieser Gruppe der Waldbesitzenden besteht häufig eine verminderte Möglichkeit und finanzielle Notwendigkeit, das Eigentum kontinuierlich wirtschaft lich zur Holzerzeugung zu nutzen. Hier entsteht somit ein Anpassungsbedarf der forstwirtschaftlichen Zusam menschlüsse an die sich verändernden Strukturen und Bedürfnisse der Waldbesitzenden im demografischen Wandel. BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 49 Meilensteine bis zum Jahr 2030 7.1 Die Vielfalt des Waldeigentums ist erhalten: Die Vielfalt aus staatlichem, körperschaftlichem und pri vatem Eigentum am Wald ist für die Bereitstellung der Ökosystemleistungen von zentraler Bedeutung und durch geeignete Maßnahmen zu erhalten. 7.4 Die forstliche Förderung ist weiterentwickelt: Das be stehende System an forstlicher Förderung und fiskali schen Entlastungen für Forstbetriebe ist unter beson derer Berücksichtigung der Selbsthilfeorganisationen des Privatwaldes, der forstwirtschaftlichen Zusammen schlüsse, vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sowie den Ländern überprüft und – falls nötig – weiterentwickelt. Dabei sind insbesondere die Effektivität und Effizienz der verschiedenen Instrumen te berücksichtigt, um den zukünftigen waldpolitischen Herausforderungen zu begegnen. 7.5 Überbetriebliche Kooperationen sind gefördert: Die Förderung der forstwirtschaftlichen Zusammen schlüsse und anderer Formen überbetrieblicher Ko operation im kleinstrukturierten Körperschafts- und Privatwald ist auf die Entwicklung und langfristige Sicherung stabiler und leistungsfähiger überbetriebli cher organisatorischer Strukturen ausgerichtet. 7.6 Alternative Instrumente zur überbetrieblichen Ko operation sind unterstützt: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und die Länder ha ben die (Weiter-)Entwicklung alternativer Instrumente zur überbetrieblichen Kooperation unterstützt, um v. a. Waldbesitzende mit Kleinprivatwald zu erreichen und bei der Implementierung der Waldwirtschaft zu begleiten. In gleichem Maße setzt sich das Bundes ministerium für Ernährung und Landwirtschaft dafür ein, dass die beihilferechtlichen Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung für die Waldbesitzenden und ihre betrieblichen Kooperati onsstrukturen ausgebaut sind. 7.2 Die personelle Stärke des Forstpersonals in den öffentlichen Verwaltungen ist den Aufgaben ange passt: Für die Erfüllung der hoheitlichen sowie der Beratungsaufgaben der öffentlichen Verwaltung im Waldbereich steht gut ausgebildetes Forstpersonal in angemessenem Umfang zur Verfügung. 7.3 Die Honorierung für Ökosystemleistungen des Waldes ist etabliert: Zusätzlich zu den bestehenden Angeboten der Förderung setzt sich das Bundes ministerium für Ernährung und Landwirtschaft dafür ein, dass Instrumente zur Honorierung von Ökosystemleistungen, die direkt oder indirekt dem Gemeinwohl dienen, im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten etabliert sind. Hierbei sind vorrangig eine Honorierung der Klimaschutzleistungen durch die Bewirtschaftung von Wäldern, eine gezieltere Ausrichtung und bessere finanzielle Ausstattung v. a. beim Erhalt der biologischen Vielfalt sowie eine Anpassung von Einrichtungen und Angeboten für die Erbringung von Leistungen im Bereich Erholung, Natursport und Gesundheit berücksichtigt. Waldeigentum und neue Wertschöpfung HANDLUNGSFELDER UND MEILENSTEINE 50 4.8 Waldarbeit, Digitalisierung und Technologie Waldarbeit Die Arbeit im Wald hat sich gewandelt. Neben der klas sischen Waldarbeit, die v. a. aus der Holzernte mit der Motorsäge und der Pflanzung mit der Hand besteht, hat der technische Fortschritt zunehmend den Einsatz kom plexer und hochtechnisierter Maschinen ermöglicht. Für beide Bereiche werden differenziert ausgebildete Fach kräfte benötigt. Gleichzeitig wird es zunehmend schwie riger, kompetente und motivierte Nachwuchskräfte für die Branche zu interessieren. Besonders herausfordernd stellt sich das Nachwuchsproblem im Bereich der klas sischen Waldarbeit dar, das zudem durch die allgemeine demografische Entwicklung verschärft wird. Es handelt sich dabei um eine körperlich belastende und gefährli che Arbeit mit begrenzten beruflichen Entwicklungs chancen. Zudem ist die gesellschaftliche Anerkennung eher gering. Zunehmend digitalisierte Arbeitsplätze stellen neue Anforderungen an das Bedienpersonal in der operativen Holzernte. Handwerkliche Anforderungen werden zu nehmend durch Kenntnisse im Bereich der Integration, Produktion, Verarbeitung und Weitergabe von digitalen Daten über standardisierte Schnittstellen und Da tenstandards zur Prozessoptimierung ergänzt. Eine breit aufgestellte Ausbildung in den unterschiedlichen Berei chen der Waldarbeit hebt die Potenziale der Digitalisie rung und verbindet diese mit etablierten und weiterhin erforderlichen Kenntnissen und Fähigkeiten. Auf dieser Basis können innovative technische Entwicklungen zielgerichtet zu einer Steigerung der Effizienz, Umwelt verträglichkeit und zur Verbesserung der Arbeitsorgani sation und der Arbeitsbedingungen genutzt werden. Digitalisierung Digitale Daten sind in allen Bereichen der Waldwirt schaft, z. B. für das Monitoring, in zunehmendem Maße von großer Bedeutung. Für die Forstwirtschaft sind sie insbesondere von Bedeutung an den Schnittstellen zu den weiterverarbeitenden Betrieben der Holzwirtschaft sowie eine zentrale Grundlage für besseres betriebliches Management und die Optimierung der holzgebundenen Wertschöpfungsketten vom Wald über das Werk zum Kunden. Ihre Erfassung und ihr effizienter Austausch haben große Bedeutung für die technische Entwicklung zur Automatisierung und Vernetzung von Prozessen über Unternehmens- und Sektorengrenzen hinweg. Digitale Daten helfen beispielsweise auch, die Biodiversität im Wald sowie die Qualität und die Nutzung von Erholungs infrastruktur sowie Rettungspunkten zu erfassen. Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung in der Ar beitswelt gibt es unter der Bezeichnung „Forstwirtschaft 4.0“ innovative Entwicklungen, um digitale Daten und Dienste verstärkt in der Waldplanung und -inventur zu nutzen. Weitere Anwendungen finden auch bereits in der operativen Holzernte, bei Waldschutzmaßnahmen und allen Prozessen in der Logistikkette Wald und Holz sowie in der betrieblichen Maßnahmenverbuchung und der verbesserten Dokumentation, im Sinne einer Kontrollkette, statt. Für den größten Teil der erzeugten Datenmengen stehen jedoch ihre höhere Integration, Auswertung und Verwendung als Grundlage großer Innovationen noch am Anfang. Technologie Eine weitere Herausforderung liegt in der Entwicklung und dem Einsatz neuer Technologien, die insbesonde re von der Digitalisierung profitieren. Die Nutzung der Potenziale, die eine verstärkte Digitalisierung im Wald bieten, setzt voraus, dass eine flächendeckende Netz abdeckung auch in Wäldern gegeben ist. Ebenfalls ist es erforderlich, dass ein freier Zugang zu zahlreichen digitalen Datenquellen (z. B. aus Satellitendaten) gewährt wird, soweit dadurch keine individuellen Datenschutzan sprüche verletzt werden. Darüber hinaus sind vielfältige Entwicklungsarbeiten zu leisten, um nutzerfreundliche Anwendungen, standardisierte Schnittstellen und neue Geschäftsmodelle zu schaffen. Der Breitband- und Mobilfunkausbau in den ländlichen Räumen ist die Grundvoraussetzung für den Einsatz digitaler Lösungen. Für den Breitbandausbau setzt sich die Bundesregierung bereits ein. Eine flächendeckende Ver sorgung mit gigabitfähigen Breitbandnetzen wird bis zum Jahr 2025 angestrebt. In dem sogenannten „Graue-Flecken BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 51 Meilensteine bis zum Jahr 2030 8.1 Die Entwicklung von Qualifizierungsstandards ist unterstützt: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat die relevanten Akteure dabei unterstützt, die für die künftigen Anforderungen benötigten Qualifizierungsstandards zu entwickeln, die auch in differenzierten Befähigungsnachweisen aufgenommen werden können. Dabei wurde auf die besonderen Anforderungen von Arbeitssicherheit in strukturreichen Wäldern und von stärker digitalisier ten Arbeitsplätzen eingegangen. 8.3 Die Hemmnisse der Digitalisierung im Waldbereich sind abgebaut und Potenziale genutzt: In Abstim mung mit den relevanten Akteuren sind unter der Federführung des Bundesministeriums für Ernäh rung und Landwirtschaft bestehende Hemmnisse abgebaut, Potenziale für eine breite Digitalisie rungsanwendung identifiziert und durch geeignete Förderungs-, Pilotierungs- oder Umsetzungsvor haben genutzt. Dabei sind auch die Bedarfe forst wirtschaftlicher Zusammenschlüsse für ihre weitere Professionalisierung adressiert. 8.2 Die Digitalisierung im Cluster „Wald und Holz“ ist ausgebaut: Digitalisierungsanwendungen, Datenstandards und Schnittstellen sind in allen Be reichen des Clusters „Wald und Holz“ (z. B. Waldma nagement, Monitoring, digitale Karten, Navigation, Erholungsnutzung, Besucherlenkung, Kommunika tion, Rettungsketten, nachhaltige Ressourcennut zung) ausgebaut, wo nötig entwickelt, vernetzt und datenschutzgerecht verbreitet. 8.4 Der Ausbau des Breitband- und Mobilfunks im Wald ist umgesetzt: Die Bundesregierung hat die Strategien zum Breitband- und Mobilfunkausbau so weit umgesetzt, dass die notwendigen Voraus setzungen für die Anwendungen im Wald, insbe sondere durch den flächendeckenden Ausbau des Mobilfunknetzes, geschaffen sind. 8.5 Die Digitalisierung der gesamten Produkt- und Wertschöpfungskette ist unterstützt: Digitale Lösungen leisten einen Beitrag zur besseren Vernet zung und Transparenz der gesamten Produkt- und Wertschöpfungskette, die von der Waldbewirtschaf tung und der Holzernte über die Holzverarbeitung bis zum Endnutzer reicht. Durch die Digitalisierung von Verarbeitungsprozessen ist zudem die effizi ente und kreislauforientierte Holznutzung weiter verbessert. Waldarbeit und Digitalisierung Technologie Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK). Die schnel le mobile Datenübertragung im Wald wird unterstützt durch die Mobilfunkstrategie der Bundesregierung. Sie zielt auf eine flächendeckende Versorgung mit mindes tens LTE (auf Englisch: (Long Term Evolution)-Mobil funk-Standard ab. Das flächendeckende Netz mit mindes tens LTE stellt die Basis für den Ausbau des 5G-Netzes im Rahmen der 5G-Strategie der Bundesregierung dar. Programm“ wird flankierend zum privatwirtschaftlich unternommenen Ausbau von gigabitfähigen Breitband netzen im Rahmen einer neuen Förderrichtlinie auch in Gebieten unter 100 Mbit/s und in sozioökonomischen Schwerpunkten ohne Aufgreifschwelle vom Bund ge fördert. Darüber hinaus fördern Bund und Länder den Breitbandausbau in unterversorgten ländlichen Gebieten im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der HANDLUNGSFELDER UND MEILENSTEINE 52 4.9 Forschung und Entwicklung Die deutsche Wald- und Holzforschung wird in mehr als 40 Einrichtungen des Bundes, der Länder sowie weite rer Träger mit jeweils unterschiedlichen Zielsetzungen, Kapazitäten und Ressourcen betrieben. Vor dem Hinter grund der vielfältigen Herausforderungen an die Wald und Holzwirtschaft sind Forschung und Wissenschaft mehr denn je gefragt, um Risiken abzuschätzen und langfristig tragfähige Ansätze und Wege für die Erhal tung und nachhaltige Nutzung der Wälder in Deutsch land aufzuzeigen. In diesem Zusammenhang ist von besonderem Interesse, wissensbasiert darzulegen, welche Möglichkeiten es gibt, auf effektive und effiziente Weise den Wald als Klimaschützer, Naturraum und Rohstoff lieferanten zu erhalten, diese Leistungen zu verbessern sowie den Wald an den fortschreitenden Klimawandel entsprechend anzupassen. Dabei stellt der Wald mit seinen unterschiedlichen Standorten, den komplexen Ökosystem-Wechselwirkungen verbunden mit den langen Zeiträumen für Wachstum und Produktion sowie den vielen gesellschaftlichen Ansprüchen ein vielschich tiges und herausforderndes Forschungsobjekt dar. Au ßerdem gehen viele Forschungsfragen und -ansätze über den Wald im engeren Sinne hinaus und betreffen auch Aspekte der biologischen Vielfalt außerhalb des Waldes, der Wasserkreisläufe ebenso wie Fragen einer boden schonenden Forsttechnik, der Nutzung und Verwendung von Holz in unterschiedlichsten Einsatzbereichen als dem bedeutendsten regionalen und nachwachsenden Rohstoff sowie der Erholungsnutzung des Waldes. Prioritäre Themenfelder für die Wald- und Holzforschung Zur Bewältigung der Herausforderungen sind belastba re und fundierte Konzepte erforderlich, die neben der Anpassung der Wälder und der Waldwirtschaft an den Klimawandel auch Biodiversität, Klimaschutz, globale Ressourcenknappheit und Bioökonomie im Blick haben müssen. Wichtige Themen für die Waldforschung sind: → Veränderung von Waldökosystemen im Klimawandel einschließlich der waldtypischen Flora und Fauna sowie der Waldböden; → Verwendung von Baumarten und -herkünften (z. B. Anpassungspotenzial und Klimaresilienz von Wald bäumen und ihren Populationen, Forstpflanzenzüch tung und Herkunftsversuche); → angepasstes Waldmanagement im Klimawandel einschließlich Wassermanagement sowie Interes sensausgleich zwischen unterschiedlichen gesell schaftlichen Ansprüchen (z. B. Waldbau, Waldpflege, Standorterkundung, Optimierung der Kohlenstoffbi lanz, Bodenschutz, Waldnaturschutz und Biodiversi tät, Wildökologie sowie Erholungsnutzung); → Krisen- und Risikomanagement (z. B. Eintrittswahr scheinlichkeit und Ausmaß verschiedener Risiken, Wechselwirkungen zwischen Standortbedingungen und Betriebspraktiken, Sensitivität und Elastizität von Waldökosystemen in Bezug auf Risikominimie rung, Reaktionen auf Störungen und Nachsorge); → Anpassung von Waldarbeit, Forsttechnologie und Arbeitsverfahren im Klimawandel (u. a. Arbeitswis senschaften in Waldflächenbegründung, Waldpflege und Holzernte, Bodenschutz, Arbeitssicherheit und Unfallverhütung) sowie → Weiterentwicklung des forstlichen Monitorings entsprechend den Anforderungen aus den o. g. Be reichen unter Einbezug neuer Entwicklungen (z. B. Fernerkundung und Drohnentechnik). Im Bereich der Holzverwendung werden in Anleh nung an die Charta für Holz 2.0 die Themen Holzbau, Kaskadennutzung, Holz in der Kreislaufwirtschaft, Bioökonomie einschließlich neuer Technologien für die Verarbeitung und Verwendung von Holz (z. B. Laub holzverwendung, neue Einsatzbereiche von Holz und holzbasierten Reststoffen, energetische Nutzung, Grund stoffe für die chemische Industrie) weiter an Bedeutung gewinnen. Leistungsfähigere Strukturen schaffen Für eine Stärkung der nationalen und internationalen Wald- und Holzforschung sind leistungsfähige Struktu ren und Strategien sowie eine verbesserte Zusammenar beit und Vernetzung (unter Berücksichtigung regionaler Cluster aus den von den Ländern grundfinanzierten Forschungseinrichtungen) untereinander (z. B. natio nale und internationale Plattformen zum Datenaus tausch, gemeinsame Verbundversuche) und mit anderen Disziplinen, z. B. aus den Bereichen Biologie, Ökologie, BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 53 Naturschutz, Geografie, Geologie, Wirtschafts-, Sozial-, Arbeits- und Kommunikationswissenschaften, neu zu etablieren oder fortzuentwickeln. Damit generiertes Wissen der Praxis in geeigneter Weise zur Verfügung gestellt werden kann, sind Praxispartner im Rahmen transdisziplinärer Forschungsprogramme einzubinden, um von vornherein entsprechende Transferkonzepte zu entwickeln. Das beinhaltet u. a. das Open-Access-Ange bot von Forschungsdaten und Informationen, welches es zu verbessern gilt. Die strategische Nachwuchsförderung, die Sicherung des wissenschaftlichen Mittelbaus und die Wissenschaftskommunikation müssen weiter ausgebaut werden. Langfristige Perspektiven sowie eine koordi nierte Vernetzung sind erforderlich und können nur durch eine zukunftsorientierte, stärker koordinierte und abgestimmte Förderung von Forschungsinfrastrukturen erreicht werden. Forschungsprogramme, die lediglich auf die Förderung von relativ kurzfristigen Projekten setzen, sind nicht geeignet, die Kapazitäten der Wald- und Holzforschung dauerhaft zu verbessern und zukunftsfähig zu gestalten. Um den vielfältigen Anforderungen gerecht zu werden und Lücken zu schließen, sind vermehrt interdiszipli näre, langfristige Forschungsverbünde zu etablieren, in denen die wesentlichen Steuerungsfaktoren und Kausalitäten untersucht werden können. Forschungsver bünde und Einzelprojekte sollten sich möglichst in eine inter- und transdisziplinäre Gesamtstrategie einfügen. Strukturelle Anpassungen der Forschungslandschaft sind erforderlich, um dabei die neuen Möglichkeiten (z. B. Digitalisierung) voll ausschöpfen zu können. Forstliches Umwelt-Monitoring: Streufall-, Depositions- und Niederschlagssammler. Meilensteine bis zum Jahr 2030 9.1 Monitoring- und Forschungsprogramme sind aus gebaut: Waldrelevante Monitoring- und Forschungs programme sind von Bund und Ländern fortgeführt, ausgebaut und das Wissen ist in die Praxis transfe riert. Waldrelevante Forschungsprogramme – insbesondere der Waldklimafonds – sind von der Bundesregierung fortgeführt und ausgebaut. Die For schungsvernetzung (auch international) ist verbessert. Das Kompetenz- und Informationszentrum Wald und Holz (KIWUH) sichert den Transfer von generiertem Wissen in die Praxis, damit beispielsweise Waldbesit zende und Verwaltung es nutzen können. 9.2 Das Konzept zur Vernetzung der Wald- und Holzfor schung ist umgesetzt: Ein Konzept zur Verstärkung und besseren Vernetzung der Wald- und Holzfor schung auf nationaler Ebene ist von den verantwort lichen Bundes- und Landesressorts beschlossen und umgesetzt. Dabei wurden die Empfehlungen der unabhängigen Arbeitsgruppe der Wald- und Holzfor schung (AGWUHF) einbezogen, die von den Bundes ministerien für Ernährung und Landwirtschaft und für Bildung und Forschung (BMBF) unter Beteiligung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) initiiert wurde. Das Konzept soll auch der gezielteren Ausrichtung von Forschungsmitteln auf abgestimmte Forschungsthe men und -prioritäten dienen. Forschung und Entwicklung HANDLUNGSFELDER UND MEILENSTEINE 54 4.10 Kommunikation und Information Der Wald hat große Bedeutung für Mensch, Natur und Klima; entsprechend hoch und berechtigt ist das Inter esse daran, wie es dem Wald geht, was mit ihm passiert und was die Waldbesitzenden bzw. die Waldwirtschaft mit ihm machen. Dabei haben die verschiedenen gesell schaftlichen Gruppen je nach ihrem Bezug zum Wald jeweils unterschiedliche Fragen, Interessen und Pers pektiven. Zudem spielen ehrenamtliche Initiativen für den Wald eine immer stärkere Rolle und leisten einen wichtigen Beitrag zum Dialog der Akteure. Die Kommu nikation und die Bereitstellung entsprechend, fundierter Informationen zu den unterschiedlichen Themen und Leistungen des Walds – von der Klimawirkung über die Holzverwendung bis zur Biodiversität – sind daher ein integraler und unverzichtbarer Teil der Waldpolitik des Bundes und der Länder. In Deutschland lebt ein wachsender Anteil der Bevölke rung in den Städten. Immer weniger Menschen arbeiten in direktem Kontakt mit der Natur, bzw. verdienen dar aus ihren Lebensunterhalt. Dadurch gehen der Bezug zu den ländlichen Räumen, das Wissen über die Notwen digkeit und Zusammenhänge nachhaltiger Land- und Naturnutzung sowie die Leistungen einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung für die Gesellschaft immer mehr verloren. So besteht in Teilen der Gesellschaft die Sorge, dass die für den Wald verantwortlichen Akteure wichtige Aspekte z. B. der Nachhaltigkeit, des Klimawandels, der biologischen Vielfalt und des persönlichen Walderle bens nicht immer ausreichend beachten. Deshalb gilt es, das Verständnis für die Waldökosysteme und für die in ihnen ablaufenden dynamischen Prozesse, aber auch für die Leistungen einer nachhaltigen Waldbewirtschaf tung sowie für den effizienten Einsatz nachwachsender Rohstoffe und für die Verantwortung des staatlichen, körperschaftlichen und privaten Waldbesitzes durch entsprechende Kommunikations- und Informationsan gebote zu fördern. Zudem haben Entscheidungsträger in Politik und Fachbehörden sowie auch die Waldbesitzenden und die in der Wald- und Holzwirtschaft tätigen Betriebe und Personen ihrerseits spezifische Informationsbedarfe und Fragen an die Waldpolitik, die entsprechende Kommuni kations- und Informationsangebote erfordern. Entschei dungsträger und Akteure der Wald- und Holzwirtschaft können ihrer Verantwortung für den Wald nur gerecht werden, wenn sie einen umfassenden und aktuellen In formations- und Kenntnisstand über neue Forschungs ergebnisse und waldpolitisch relevante Entwicklungen haben. Dies erfordert eine Kommunikation, die an der jeweili gen Situation bzw. Lebenswirklichkeit der unterschied lichen gesellschaftlichen Gruppen anknüpft. Akteure auf allen Ebenen sind aufgerufen, faktenbasiert Infor mationen und Wissen über den Wald in Deutschland und seine vielfältigen Leistungen sowie über seine nachhaltige Nutzung bedarfsgerecht bereitzustellen und diese zielgruppenorientiert zu vermitteln. Die sehr unterschiedlichen und verstärkt digitalen Kommuni kationswege bieten eine Chance für die Entwicklung bedarfsgerechter Informations- und Bildungsangebote und stellen gleichzeitig eine Herausforderung dar. Dieser Herausforderung gerecht zu werden, erfordert noch stärkere Professionalisierung und Koordination der Informationsbereitstellung sowie die Adaption an die unterschiedlichen Kommunikationswege. BMEL-WALDSTRATEGIE 2050 55 Meilensteine bis zum Jahr 2030 10.1 Das Wissen in der Gesellschaft über den Wald und seine Ökosystemleistungen sind gestärkt: Das Bewusstsein in der Gesellschaft über die Leistun gen des Waldes, der Waldbewirtschaftung, des Waldeigentums sowie den Beitrag zur Bioökonomie durch die stoffliche und energetische Holznutzung ist gestärkt. Der Dialog zwischen den für den Wald Verantwortlichen und den verschiedenen Waldnut zenden ist sachlich, konstruktiv lösungsorientiert und getragen von gegenseitigem Verständnis und Wertschätzung. Das Verständnis für eine naturnahe, nachhaltige und den vielfältigen Leistungen gerecht werdende Bewirtschaftung des Waldes trifft dabei zudem auf eine hohe Sympathie für den Einsatz von Holz als besonders regenerativem Bau-, Werkstoff und Energieträger. 10.4 Die Bereitstellung von Fach- und Verbraucherin formationen ist ausgebaut: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat die Bereit stellung von Fach- und Verbraucherinformationen sowie den Wissenstransfer von der Forschung in die Praxis gestärkt. Hierbei leisten insbesondere das Kompetenz- und Informationszentrum Wald und Holz (KIWUH) und die Ressortforschungseinrich tungen des Bundes wesentliche Beiträge. 10.5 Der Dialog über die Bedeutung des Waldes ist gestärkt: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und die Länder haben den gesellschaftlichen Dialog über die Bedeutung des Waldes und die Nutzung seiner vielfältigen und lebensnotwendigen Ökosystemleistungen mit ihren Kommunikations- und Informationsangeboten gestärkt. Zudem sind weitere moderierte Dialogpro zesse initiiert (z. B. zu Naturschutz im Wald und zur Anpassung des Waldes an den Klimawandel) und eingeführte Formate verstetigt (wie die Bundes plattform „Wald – Sport, Erholung, Gesundheit“, die Deutschen Waldtage und der Generationendialog Wald). Neue bzw. weiterentwickelte Dialogprozesse unterstützen die gleichberechtigte gesellschaftliche Anerkennung und Förderung der Ökosystemleistun gen des Waldes in den drei Säulen der Nachhaltig keit (Ökonomie, Ökologie und Soziales). 10.6 Angebote zur Bildung und Waldpädagogik sind ausgebaut: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und die Länder haben ihre waldbezogenen Angebote zur Bildung und Waldpä dagogik ausgebaut und verstetigt. Die Länder sind aufgerufen, die Waldthemen stärker in Lehrplänen zu berücksichtigen, um der nationalen und interna tionalen Bedeutung dieses Ökosystems gerecht zu werden. 10.2 Kommunikations- und Informationsangebote zum Wald sind bereitgestellt: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und die Länder haben hierzu mit ihren Kommunikations- und Infor mationsangeboten über die Bedeutung des Waldes, seine nachhaltige Nutzung und den nachwach senden Rohstoff Holz eine wesentliche Grundlage bereitgestellt. Dies umfasst zum einen insbesondere auch Kommunikations- und Informationsangebote für die Waldbesitzenden sowie für die in der Wald und Holzwirtschaft tätigen Betriebe und Personen und zum anderen auch Materialien für waldpäda gogische Informationsangebote, die den qualifizier ten Waldpädagoginnen und Waldpädagogen zur Verfügung stehen. 10.3 Die Datengrundlage über das Wissen in der Ge sellschaft zum Wald ist ausgebaut: Eine bessere Datengrundlage über das Wissen in der Gesellschaft (einschließlich der Waldbesitzenden) zur Bedeutung des Waldes, über seine Ökosystemleistungen sowie seine nachhaltige Bewirtschaftung ist durch das Bun desministerium für Ernährung und Landwirtschaft etabliert und die Informationsbereitstellung daran ausgerichtet. Kommunikation und Information Weitere Informationen unter www.bmel.de @bmel Lebensministerium HERAUSGEBER Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) Referat 513 Nationale Waldpolitik, Jagd, Kompetenzzentrum Wald und Holz Rochusstraße 1, 53123 Bonn STAND September 2021 GESTALTUNG Serviceplan Solutions 1 GmbH & Co. KG, München TEX T BMEL DRUCK BMEL BESTELLINFORMATIONEN Diese und weitere Publikationen können Sie kostenlos bestellen: Internet: www.bmel.de/publikationen Email: publikationen@bundesregierung.de Tel.: +49 (0)30 18 272 2721 Fax: +49 (0)30 1810 272 2721 Schriftlich: Publikationsversand der Bundesregierung Postfach 48 10 09, 18132 Rostock BILDNACHWEISE Cover/Rücktitel: Stefan Schurr – stock.adobe.com Seite 3: Bundesregierung SteffenKugler Seite 4: Corri Seizinger – stock.adobe.com Seite 6: Piotr Krzeslak – stock.adobe.com Seite 8: ON-Photography – stock.adobe.com Seite 10: K I Photography – stock.adobe.com Seite 16: mirkomedia – stock.adobe.com Seite 18: naturenow – stock.adobe.com Seite 19: ferkelraggae – stock.adobe.com Seite 23: Milan – stock.adobe.com Seite 25: cedric33 – stock.adobe.com Seite 26: dieter76 – stock.adobe.com Seite 31: Peter Eichler, Bundeswettbewerb HolzbauPlus 2020 Seite 32: FNR/Michael Nast Seite 35: DZiegler – stock.adobe.com Seite 39: jonnysek – stock.adobe.com Seite 44: JRG – stock.adobe.com Seite 47: Maria Sbytova – stock.adobe.com Seite 48: Tobias Hase, StMELF Seite 54/55: Westend61 – stock.adobe.com Diese Publikation wird vom BMEL unentgeltlich abgegeben. 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