Waste Prevention in Hessen Measures and Projects
Made 2023-03 · Text as of 2026-10-01
Public law and official guidance, published as research. Not legal, tax or financial advice.
About this law
- Original title
- Abfallvermeidung in Hessen Maßnahmen und Projekte.
- Language
- German
- Kind
- policy
- Country
- Germany · Hessen
- Subjects
- Environment, Waste and hazardous substances
- Keywords
- protection of environment, business/industry/corporations, circular economy, climate change, emissions, policy/planning, recycling/reuse, sustainable use, waste disposal, waste management, waste prevention
- Categories
- *
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Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ABFALLVERMEIDUNG IN HESSEN Maßnahmen und Projekte 2 3 Vorwort 05 Ausgangslage und Ziele 06 Handlungsfelder 07 2.1 Stärkung der Wiederverwendung 10 2.2 Verlängerung der Nutzungsdauer von Produkten 10 2.3 Stärkung von Sharing-Konzepten 11 2.4 Stärkung des Recyclings 11 2.5 Intensivierung der Kreislaufwirtschaft in Industrie und Gewerbe 12 2.6 Bewusster Umgang mit Lebensmitteln 13 2.7 Bildung / Öffentlichkeitsarbeit / Informationsvermittlung 13 Maßnahmen zur Abfallvermeidung und Schwerpunkte 14 3.1 Aktuelle Maßnahmen 16 3.2 Geplante Maßnahmen und perspektivische Ansätze 34 Quellennachweise 42 Impressum 44 INHALT 01. 02. 03. 4 5 Sehr geehrte Leserinnen und Leser, eine der größten Herausforderungen unse rer Zeit ist der Schutz unseres Klimas. Daher schreibt das neue Klimagesetz für Hessen erstmals die Klimaschutzziele des Landes verbindlich fest und verankert im Klimaplan Hessen 90 verschiedene Maßnahmen zu Kli maschutz und Klimaanpassung. Hierzu zäh len auch die Kreislaufwirtschaft und die Ver meidung von Abfällen. Schließlich wird durch Abfallvermeidung nicht nur die Umwelt ge schont, sondern auch Emissionen, Energie und Ressourcen eingespart. Als Landesregierung sorgen wir dafür, dass die natürlichen Lebensgrundlagen in Hessen krisensicher werden. Im vorliegenden Papier werden die vielfälti gen aktuellen und zukünftigen Maßnahmen des Landes beschrieben, mit denen Hessen die verschiedenen Aspekte der Abfallvermei dung aufgreift. Die sieben Handlungsfelder kategorisieren dabei die Maßnahmen und verdeutlichen die Wirkweisen der Abfallver meidung. Das „Re-Use-Netzwerk Hessen“ zum Beispiel stärkt die Wiederverwendung und Verlänge rung der Nutzungsdauer von Produkten wie Möbeln oder Elektrogeräten durch die Ver netzung lokaler und regionaler Akteurinnen und Akteure. Im Fokus der Vernetzung stehen unter anderem Reparaturinitiativen wie Re pair-Cafés oder Gebrauchtwarenkaufhäuser. Im „Dialogforum RC-Baustoffe“ im Rahmen der Umweltallianz Hessen wiederum werden die Möglichkeiten von Recycling und Auf bereitung von mineralischen Bau- und Ab bruchabfälle diskutiert und Lösungsansätze erarbeitet – damit noch mehr industrielle und gewerbliche Bauabfälle einer Recycling anlage zugeführt werden können. Und im Rahmen des Netzwerks „100KlimaKantinen“ tauschen sich Betreibende von Großküchen aus, die gering verarbeitete, regionale und ökologische Speisen auf den Tisch bringen, auf die Vermeidung von Lebensmittelver schwendung achten und den Verpackungs müll reduzieren. Durch die Einbindung aller Beteiligten – von der Industrie über die Verbraucherinnen und Verbraucher bis hin zur Politik – können wir ein gemeinsames Verständnis für mehr Ab fallvermeidung schaffen und eine nachhaltige Zukunft gestalten. Das trägt langfristig zur Er reichung übergeordneter Ziele bei, wie etwa der angestrebten Klimaneutralität Hessens bis zum Jahr 2045. Unser Ziel ist es langfristige Weichenstellun gen vorzunehmen, die die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft in Hessen unterstützen. Nur ein breites Maßnahmenspektrum wird letztlich den vielfältigen Herausforderungen unserer Zeit gerecht. Hessen kann eine Vor reiterrolle bei der Abfallvermeidung einneh men, indem wir innovative Wege finden, um Abfall zu vermeiden und effizientere Verwer tungs- und Recyclingmethoden zu entwi ckeln. Dabei bleiben wir stets offen für neue Denk- und Handlungsansätze im Zeichen der Abfallvermeidung. Ich bin mir sicher, dass wir gemeinsam einen Unterschied machen und den hessischen Kli maschutz durch verstärkte Abfallvermeidung entscheidend vorantreiben werden. Die vorge stellten Maßnahmen unterstreichen die Bedeu tung und die Notwendigkeit jeder einzelnen Aktion im Land und unterstützen die Entwick lung zu einer echten Kreislaufwirtschaft. Priska Hinz Hessische Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz 6 7 In Zeiten des Klimawandels ist die gesell schaftliche Diskussion über ein abfallarmes Wirtschaften insofern aktueller denn je. Die Abfallvermeidung als breit gefächertes Thema bietet viele Anknüpfungspunkte zu den verschiedensten Lebensbereichen der Menschen. Vom Littering (achtloses Weg werfen von Abfall in die Umgebung) über abfallarme Produktionsprozesse, bewusstem Konsumverhalten hin zu Reparaturinitiativen, trägt das alltägliche Handeln stark zur Abfall menge und zum Ressourcenverbrauch bei. Nicht zuletzt ist dabei auch der Klimaaspekt, d.h. die durch Vermeidung von Abfall einzu sparenden Emissionen zu betrachten und als Hebel auf dem Weg zu einer klimaneutralen Gesellschaft einzusetzen. Der im Jahr 2020 erstellten Potentialstudie zur Abfallvermei dung in Hessen1 zufolge könnten allein durch eine Verminderung der Mengendurchsätze in den Konsumgüterbereichen Kleidung, Le bensmittel, Möbel, Elektro- und Elektronikge räte und Verpackungen um lediglich 5 % eine Reduktion von klimarelevanten Emissionen in Höhe von etwa 350.000 t CO2Äq. pro Jahr er reicht werden. Auch auf europäischer Ebene stellt die Ab fallvermeidung im Rahmen des Green Deals und des Aktionsplans Kreislaufwirtschaft in Verbindung mit dem Ziel der Erreichung der Klimaneutralität in 2050 einen wichti gen Baustein dar. Abfallvermeidung kann jedoch nicht nur durch rechtliche Vorgaben erreicht werden. Vielmehr bedarf es der Ini tiative der verschiedenen Akteurinnen und Akteure, um das Thema voranzutreiben. Mit der Fortschreibung des Abfallvermeidungs programms „Wertschätzen statt Wegwerfen“ des Bundes unter Beteiligung der Länder2 liegt ein umfangreiches Maßnahmenpaket vor, in dem viele Facetten und Möglichkeiten der Abfallvermeidung aufgezeigt werden. Konkrete Aktivitäten und Projekte müssen je doch daraus auf lokaler Ebene entwickelt und in die Wege geleitet werden, um alle Akteu rinnen und Akteure anzusprechen und mitzu nehmen, um die abfallvermeidenden Prakti ken im täglichen Leben zu etablieren. Um den vielschichtigen Prozess der Abfall vermeidung für Hessen gezielt weiterzuent wickeln, sollen die zahlreichen Facetten der Abfallvermeidung durch die Gesamtdarstel lung in einem gemeinsamen Dokument struk turiert werden, so dass ein Gesamtbild der Abfallvermeidung entsteht. Das vorliegende Papier übernimmt insofern auch die Funk tion eines Kompasses, indem es die wichtigs ten Handlungsfelder der Abfallvermeidung und die damit verbundenen Ziele benennt, die Akteurinnen und Akteure anspricht und neben der Darstellung aktueller Aktivitäten des Landes auch weitere Handlungsemp fehlungen und potentielle Möglichkeiten zur Abfallvermeidung einbezieht. Die hier dar gestellten Maßnahmen stehen nicht isoliert. Das Umweltministerium hat zahlreiche Strate gien entwickelt, die einen wichtigen Beitrag zur Abfallvermeidung leisten und die damit die hier dargestellten Maßnahmen flankie ren, so weisen insbesondere die Hessische Ernährungsstrategie3, die Ressourcenschutz strategie Hessen4 und die Plastikvermei dungsstrategie für Hessen5 auch Aspekte der Abfallvermeidung auf. Das vorliegende Papier folgt einem breiten Verständnis von Abfallvermeidung als Reduk tion der insgesamt in Hessen anfallenden Ab fallmengen durch gezielte Stärkung der Ver meidung, der Wiederverwendung und des Recyclings, insbesondere aber die Verringe rung der Restmüllmenge, die dem Recycling nicht mehr zugänglich ist. Die resultierenden Einsparungen an Ressourcen und CO2Äq steuern einen relevanten Beitrag auf dem Weg zur hessischen Klimaneutralität bis zum Jahr 2045 bei. 01. AUSGANGSLAGE UND ZIELE Weltweit sichtbare Umweltveränderun gen und ihre schwerwiegenden Folgen für den Planeten lassen sich auf die Art und Weise unseres Wirtschaftens zurück führen. Unser täglicher Umgang mit Pro dukten ist eine wichtige Stellschraube, um globale Umweltschäden anzugehen. Der Umsetzung europäischer Richtli nien in Ländern und Kommunen in kon krete Maßnahmen zur Abfallvermeidung kommt deshalb eine besondere Bedeu tung zu. https://umwelt.hessen.de/sites/umwelt.hessen.de/files/2021-07/potentialstudie abfallvermeidung.pdf https://umwelt.hessen.de/sites/umwelt.hessen.de/files/2021-07/potentialstudie abfallvermeidung.pdf https://www.bmuv.de/fileadmin/Daten BMU/Download PDF/Abfallwirtschaft/fortschreibung abfallvermeidungsprogramm bund laender bf.pdf https://www.bmuv.de/fileadmin/Daten BMU/Download PDF/Abfallwirtschaft/fortschreibung abfallvermeidungsprogramm bund laender bf.pdf https://www.bmuv.de/fileadmin/Daten BMU/Download PDF/Abfallwirtschaft/fortschreibung abfallvermeidungsprogramm bund laender bf.pdf https://umwelt.hessen.de/sites/umwelt.hessen.de/files/2021-07/die hessische ernaehrungsstrategie.pdf https://umwelt.hessen.de/sites/umwelt.hessen.de/files/2021-07/die hessische ernaehrungsstrategie.pdf https://umwelt.hessen.de/sites/umwelt.hessen.de/files/2021-07/plastikvermeidungsstrategie.pdf https://umwelt.hessen.de/sites/umwelt.hessen.de/files/2021-07/plastikvermeidungsstrategie.pdf 8 9 Die Vermeidung von Abfällen muss in den verschiedensten Lebensbereichen ange gangen werden. Das Papier benennt sieben übergreifende Handlungsfelder, die jeweils einen Teilbereich möglichen Handelns abde cken. Das Handlungsfeld „Bildung / Öffent lichkeitsarbeit / Informationsvermittlung“ übernimmt eine Sonderrolle, da die Integra tion der Abfallvermeidung in das alltägliche Handeln von herausragender Bedeutung für den Erfolg der Abfallvermeidungsansätze ist. Abbildung 1 stellt die Handlungsfelder und ihre dynamischen Überlappungen dar. Allen Handlungsfeldern gemeinsam ist die Wirkung im zentralen Themenfeld der Abfall 02. HANDLUNGSFELDER vermeidung. Nach der Einführung der Hand lungsfelder in allgemeiner und abstrakter Form werden zugehörige, konkrete Maßnah men in Kapitel 3 dargestellt. Die Vielfalt der Möglichkeiten der Abfallver meidung spiegelt sich im Kreis der Akteu rinnen und Akteure wider. Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Kommunen und nicht zuletzt die hessische Landesregierung werden gleichermaßen aufgefordert, in den diversen Handlungsfeldern aktiv zu sein. Im Folgenden werden die verschiedenen Handlungsfelder näher beschrieben. Abbildung 1: Handlungsfelder: Übersicht und Wechselwirkungen Abfall Vermeidung Bildung / PR / Infomations vermittlung Wieder verwendung Verlängerung der Nutzungsdauer Sharing Konzepte KrW in Industrie und Gewerbe Recycling Umgang mit Lebensmitteln 10 11 2.1 Stärkung der Wieder verwendung Die Wiederverwendung von Produkten trägt auf mehreren Ebenen wesentlich zur Vermei dung von Abfällen bei. Selbstverständlich trägt das wiederverwendete Produkt nicht zum Abfallaufkommen bei. Die Wiederver wendung spart außerdem die Emissionen ein, die zur Produktion von Neuware anfallen würden. Hinzu kommt, dass auch kein weite rer Produktionsabfall entsteht. Insofern sind die Strukturen von Gebraucht warenangeboten zu stärken. Von besonderer Bedeutung für die praktische Umsetzung der Wiederverwendung ist das Vorhandensein eines ausreichend großen Angebots, das für Verbraucherinnen und Verbraucher leicht zu gänglich ist. Nur wenn Gebrauchtwaren prä sent sind und als Alternative zur Neuware mit ähnlichem Aufwand gekauft werden können, bieten Sie auch einen Mehrwert im Sinne der Abfallvermeidung. Überdies ist und bleibt die Förderung der Nutzung von Mehrweg als klassische Form der Wiederverwendung im Verpackungsbe reich auch zukünftig eine wichtige Säule die ses Handlungsfeldes. 2.2 Verlängerung der Nutzungs dauer von Produkten Solange ein Produkt genutzt wird, fällt es nicht als Abfall an. Eine erhöhte Nutzungs dauer geht mit einer verringerten Abfall menge einher. Schon durch die Produktion wird auf Herstellerseite entscheidend die Haltbarkeit eines Produktes definiert. Ebenso kann die Produktgestaltung die Möglichkeit einer Reparatur erschweren oder erleichtern. Auch die Konsumentinnen und Konsumenten tragen durch die Art und Weise der Nutzung sowie durch die persönlichen Kaufentschei dungen zur Abfallvermeidung durch verlän gerte Nutzungsdauer bei. Vor diesem Hintergrund sind die Reparaturfä higkeit und die Langlebigkeit von Produkten als Kaufkriterium zu betrachten. Bereits beim Produktdesign müssen diese Komponenten berücksichtigt werden. Die entsprechenden Regelungen für energieverbrauchsrelevante Produkte sind in der europäischen Ökode sign-Richtlinie verankert und mit dem Ener gieverbrauchsrelevante-Produkte-Gesetz (EVPG) in deutsches Recht umgesetzt. Die In halte der Regelungen, die seit März 2021 auch erstmals Anforderungen zur Reparierbarkeit und zur Ersatzteilverfügbarkeit für bestimmte Produktgruppen umfassen, gilt es gezielt zu vermitteln und unter dem Aspekt der verlän gerten Nutzung auf weitere Produktgruppen zu übertragen. Da das Land Hessen in diesem Bereich keine eigenen rechtlichen Regelun gen treffen kann, gilt es entsprechende euro päische Entwicklungen zu unterstützen und deren Umsetzung voranzutreiben. 2.3 Stärkung von Sharing Konzepten Viele Dinge unseres Alltags werden nur wenig genutzt und werden doch eines Tages zu Ab fall. Am Beispiel des Autos, das durchschnitt lich nur ca. 1 Stunde am Tag6 genutzt wird, lässt sich leicht erkennen, dass ein großes Po tenzial, auch zur Abfallvermeidung, in der ge teilten Nutzung von Gegenständen liegt. Angesichts der Einsparmöglichkeiten muss der Sharing-Gedanke weiter etabliert wer den. Insbesondere auf kommunaler Ebene sind alternative Sharing-Konzepte noch zu entwickeln. Umsetzungsoptionen bieten sich im gemeinsamen Nutzen von Werkzeugen, Baustellen- oder Gartengeräten, ähnlich be kannten Angeboten aus Baumärkten. Auch im Verkehr sollten Shared Mobility-Modelle ausgebaut werden. Dies umfasst sowohl Verkehrsmittel, die von mehreren Personen gleichzeitig genutzt werden wie bspw. den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) oder Fahrgemeinschaften, als auch Verkehrs mittel deren Nutzung individuell geteilt wird, wie zum Beispiel Fahrräder, Roller und Autos. 2.4 Stärkung des Recyclings Wenn ein Produkt zu Abfall geworden ist und eine Wiederverwendung nicht (mehr) möglich ist, kommt das Recycling ins Spiel. Recycling ist allerdings kein Selbstzweck. Ziel ist es, die Menge an letztlich zu beseitigendem Abfall durch ein hochwertiges Recycling möglichst gering zu halten. Schon bei der Herstellung von Produkten muss Einfluss auf die zukünf tige Recyclingfähigkeit genommen werden. Als besonders relevante Stoffströme sind hier Kunststoffe und Baustoffe zu nennen. Das Re cycling muss eine echte, konkurrenzfähige Alternative zur Neuware werden. Dazu bedarf es nicht nur der ausreichenden Menge an gü tegesicherten Recyclingprodukten, sondern ebenso auch einer Nachfrage, die vorrangig durch den Preis von Recyclingprodukten be einflusst wird. Die Beschaffung der öffentlichen Hand kann eine Schlüsselrolle spielen. Die in § 7 des Hessischen Ausführungsgesetzes zum Kreis laufwirtschaftsgesetz (HAKrWG) verankerte Pflicht, Recyclingprodukten bei gleicher Eig nung zu bevorzugen, muss noch deutlicher kommuniziert und konsequenter umgesetzt werden. 12 13 2.5 Intensivierung der Kreis laufwirtschaft in Industrie und Gewerbe Bei industriellen Prozessen und im Gewerbe fallen Produkte und Stoffe als Abfälle an, die so weit wie möglich vermieden werden soll ten oder durch vermehrtes Recycling die Ressourceneffizienz stärken und damit einen Beitrag zur Abfallvermeidung leisten können. Ziel ist es daher, den Kreislaufgedanken in sämtlichen Prozessen entlang der Wertschöp fungskette in der Industrie und im Gewerbe weiterzuentwickeln und nicht allein aus öko nomischen Gründen dauerhaft zu etablieren. Ebenso leistet auch eine konsequente Über wachung der vorhandenen rechtlichen Rege lungen einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft. Insbesondere die Getrennthaltungspflicht nach Gewerbeabfallverordnung gilt es zu stärken, so dass auch nachgeschaltete Pro zesse wie zum Beispiel das Recycling von einem intensivierten Vollzug profitieren. 2.6 Bewusster Umgang mit Lebensmitteln Einige der klassischen Ansätze der Abfall vermeidung wie etwa Wiederverwendung, werkstoffliches Recycling oder Sharing sind auf Lebensmittel nicht übertragbar. Daher werden spezifische Herangehensweisen in einem eigenen Handlungsfeld zusammen geführt, um der Bedeutung der Reduzierung der Lebensmittelabfälle gerecht zu werden, da Lebensmittel viel zu oft zu Abfall werden. So wurden in Deutschlands Privathaushalten im Jahr 2015 etwa 75 kg Lebensmittel pro Person weggeworfen7. Aber auch bei der Primärproduktion, bei der Verarbeitung, im Handel und bei der Außer-Haus-Verpflegung entstehen viele Lebensmittelabfälle. Viele Be reiche kommen somit als Umsetzungsort von abfallvermeidenden Maßnahmen in Frage. Gerade im Bereich der Lebensmittel gilt es ein Bewusstsein für die gesamte Wertschöp fungskette von Lebensmitteln zu entwickeln. Die Wertschätzung für Lebensmittel nimmt zu, wenn die aufwendigen Prozesse der landwirt schaftlichen Produktion, der Lebensmittelver arbeitung und –transporte bis hin zum Han del erfahrbar gemacht werden. Schließlich beeinflussen die täglichen Kaufentscheidun gen den Lebensmittelmarkt entscheidend. Die gekaufte Menge sollte idealerweise dem tatsächlichen Verbrauch nicht nur im priva ten Haushalt, sondern auch in Kantinen und Großküchen entsprechen. 2.7 Bildung / Öffentlichkeits arbeit / Informationsver mittlung Dieses Handlungsfeld stellt einen Quer schnittsbereich dar. Die Abfallvermeidung weist viele Facetten auf, oftmals existieren komplexe Wirkmechanismen zwischen öko logischem und ökonomischen Verhalten. Gezielte Aufklärung verbunden mit ent sprechend aufbereiteter Information kann hier Wissenslücken schließen und die Ent scheidung zu abfallvermeidenden Hand lungspraktiken erleichtern. Ebenso muss der Schritt vom Wissen über Abfallvermeidung zur alltäglich gelebten Abfallvermeidung für Bürgerinnen und Bürger, aber auch für Unter nehmen getan werden. Bildungs- und Infor mationskampagnen geben an dieser Stelle den nötigen Impuls, Gewohnheiten wirklich dauerhaft zu verändern und verstärken den Effekt von Abfallvermeidungsaktivitäten. Im Rahmen zahlreicher Abfallvermeidungs maßnahmen stellen Bildungsaktivitäten bzw. die gezielte Vermittlung von Information eine sinnvolle Ergänzung dar. Denkbar sind auch Maßnahmen im Bereich der Öffentlichkeitsar beit, die gezielte, aufbereitete Informationen zur Abfallvermeidung verbreiten und zu klu gen Entscheidungen anstoßen sollen („Nud ging“). Die Aktivitäten dieses Handlungsfelds haben gemeinsam, dass sie über das bloße Anbieten von Informationen hinausgehen. 14 15 03. MASSNAHMEN ZUR ABFALLVERMEIDUNG UND SCHWERPUNKTE Abfallvermeidungsmaßnahmen wirken sich auf die verschiedensten Bereiche aus. Somit weist eine Maßnahme in der Regel Bezugs punkte zu mehreren Handlungsfeldern auf. Eine Fülle an Wirkmechanismen liegt den ver schiedenen Maßnahmen zugrunde. Generell kann nicht nachgewiesen werden, ob der Rückgang der Mengen einzelner Ab fallströme auf die Wirkung von Abfallvermei dungsmaßnahmen zurückzuführen ist, oder Ergebnis von Entwicklungen ist, die außerhalb der Maßnahmen stehen, etwa strukturelle konjunkturelle Entwicklungen8. Abfallvermei dung muss auf einen Multiimpulsansatz von sehr unterschiedlicher Reichweite setzen. Ein verbindender und ganz wesentlicher Aspekt aller aufgeführten Maßnahmen zur Abfallver meidung ist indes die Sensibilisierung der je weiligen Zielgruppen. Dies gilt für Kinder, Ju gendliche und Erwachsene gleichermaßen. Das Land Hessen hat es sich in seinem Kli maschutzplan9 zum Leitmotiv gemacht, Öko nomie und Ökologie zusammenzubringen. Zahlreiche abfallvermeidende Maßnahmen vermeiden gleichermaßen Kosten und Treib hausgase. Sie sind in Hessen seit vielen Jah ren erfolgreich etabliert und werden durch die Initiativen verschiedenster Akteurinnen und Akteure getragen. In Anbetracht stetig neuer Herausforderungen an Gesellschaft und Wirtschaft sind die hier dargestellten Ak tivitäten als offener Prozess gestaltet, der das Wachstum und die Skalierbarkeit der abfall vermeidenden Maßnahmen fördert. Insofern werden die hessischen Initiativen stetig ver bessert, weiterentwickelt oder in neuen Pro grammen umgesetzt. Neben den konkret ge nannten Maßnahmen stehen dem Land durch Aufklärung, Beratung und Unterstützung bei freiwilligen Maßnahmen sowie durch Selbst verpflichtung weitere Instrumente zur Verfü gung, die das Spektrum an Handlungsmög lichkeiten erweitern. 16 17 3.1 Aktuelle Maßnahmen Die vielfältigen derzeit bereits laufenden Maßnahmen aus verschiedensten Bereichen zur Abfallvermeidung auf Landesebene wer den in Tabelle 1 dargestellt und den Hand lungsfeldern zugeordnet. Es wird deutlich, Projekt / Initiative / Aktivität H A N D L U N G S F E L D E R Stärkung der Wieder verwendung Verlängerung der Nutzungs dauer von Produkten Stärkung von Sharing Konzepten Stärkung des Recyclings Kreislauf wirtschaft und Industrie Bewusster Umgang mit Lebensmitteln Bildung / Öffentlichkeits arbeit / Informations vermittlung Re-Use-Netzwerk-Hessen x x Abfallvermeidung bei Berufskleidung x x x x x Dialogforum RC-Baustoffe im Rahmen der Umweltallianz Hessen x x Innovationsförderung – Investitionsförderprogramm zur Reduzierung von CO2-Emissionen in Unternehmen (PIUS-INVEST) x x Förderung zivilgesellschaftliches Engagement x x Kommunikationsprojekt über SocialMedia-Kanäle x Beratungsangebot für Kantinen und Großküchen zur Optimierung des Angebotes x x Netzwerk „100KlimaKantinen“ x x Informationen zu Lebensmittelwertschätzung über die Internetseite VerbraucherFenster Hessen x x Beteiligung an der Initiative „Zu gut für die Tonne!“ des BMEL: • Plattform „Zu gut für die Tonne!“ • 2021: Aktion „Gelbes Band“ • 2022: Aktion „Brot- und Backwaren x x Initiative „Bauernhof als Klassenzimmer“ x x Klimabewusste Ernährungsbildung und Projekt „Klimabewusst essen in Schulen“ x x Umweltschule – Lernen und Handeln für unsere Zukunft x x x x x x Schuljahr der Nachhaltigkeit in Hessen Modul „Abfall und Recycling – vermeiden, wiederverwenden, wiederverwerten“ x x x x x x Beispiele aus dem hessischen Nationalpark x x x Beispiele aus der Landwirtschaft in Hessen x x Kampagne „Sauberhaftes Hessen“ x Hessen will’s messen x x x x dass die zahlreichen Aktivitäten zur Abfallver meidung in allen Fällen in mehreren Hand lungsfeldern verortet sind, aber auch einen jeweiligen Handlungsfeldschwerpunkt auf weisen, der auch in der Tabelle entsprechend hervorgehoben wird. In der Potentialstudie zur Abfallvermeidung10 in Hessen waren die besonders relevanten Produkt- und Abfallströmen aus dem all tagsnahen Konsumentenbereich untersucht worden. Dabei ergab sich, dass durch die Abfallvermeidung im Bereich von Textilien, Lebensmitteln sowie Möbeln ein besonders Tabelle 1: Ausgewählte Projekte des Landes und deren Verortung in Handlungsfeldern wesentliches Handlungsfeld zur Zuordnung der Projekte hohes CO2-Einsparungspotential erreicht werden kann. Abfallvermeidung bei Verpa ckungen ist ebenso sinnvoll, da Verpackun gen meist nur kurz genutzt werden und in vielen Fällen gut zu vermeiden sind. Die nach der Potentialstudie zur Abfallvermeidung als besonders klimarelevant und für eine inten sivierte Abfallvermeidung geeigneten Berei che werden im Rahmen der gelisteten aktu ellen Maßnahmen angegangen und sollen auch zukünftig fester Bestandteil der hessi schen Aktivitäten zur Abfallvermeidung blei ben. Hervorzuheben ist das hessenweite Re-Use Netzwerk Hessen, das auch im Zeichen der Abfallvermeidung auf verschiedenen Ebenen u.a. bei Möbeln und Kleidung den Verbrauch von Primärressourcen reduziert. Erkennbar sind auch die besonders zahlreichen Initia tiven im Bereich der Lebensmittel, die einen weiteren breit gefächerten Schwerpunkt ak tueller Maßnahmen bilden. Abfallvermeidungspotentiale bei der Be schaffung, Nutzung und Entsorgung von Berufskleidung stehen im Fokus eines ge meinsamen Projektes mit hessischen Pilot stellen der öffentlichen Hand. Das speziell auf Jugendliche und junge Erwachsene zuge schnittene Programm zur Abfallvermeidung via SocialMedia transportiert wichtige Inhalte zielgruppenorientiert und regt zum Reflektie ren des persönlichen Konsumverhaltens an. Die nachfolgend in Steckbriefen dargestell ten Maßnahmen veranschaulichen die the matische Vielfalt der aktuellen Aktivitäten des Landes im Bereich Abfallvermeidung. 18 19 Re-Use-Netzwerk Hessen Kurzbeschreibung: Seit Februar 2021 wird an der gemein nützigen Gesellschaft für Wiederverwen dung und Recycling, GWR, das Re-Use Netzwerk Hessen aufgebaut, um die vie len Akteurinnen und Akteure und Initiati ven in Hessen unter einem gemeinsamen Dach zu versammeln. Das Projekt, geför dert durch das Hessische Umweltministe rium und das Umweltamt der Stadt Frank furt, bringt Akteurinnen und Akteure und Initiativen zusammen, die sich für den Aufbau einer starken Kreislaufwirtschaft engagieren. Es bietet eine Plattform für Austausch und Zusammenarbeit, unter stützt und verknüpft bestehende Netz werke und bringt Wiederverwendung in die Mitte der Gesellschaft. Zu den Zielen des Projektes ge hören: Erfassung der relevanten Akteurinnen und Akteure in Hessen (Gebrauchtwa renkaufhäuser, Reparaturzentren, Re paraturinitiativen, öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger…) Erarbeitung eines Konzeptes für eine Organisationsstruktur (Gegenüber stellung gemeinnütziger Verein oder öffentliche Einrichtung) über die Pro jektphase hinaus (mit Finanzierungs modell) Organisation lokaler und regionaler Netzwerkveranstaltungen, Einbindung lokaler Aktivitäten (Repair-Cafés…) Entwicklung von landesweit attraktiver Website und Newsletter Mehr Infos unter: www.re-use-hessen.de Beteiligte Akteurinnen und Akteure: HMUKLV, HLNUG, GWR Frankfurt, Stadt Frankfurt Diese Handlungsfelder werden fokussiert: Stärkung der Wiederverwendung Verlängerung der Nutzungsdauer von Produkten Projekt zur Abfall vermeidung bei Berufs kleidung Kurzbeschreibung: In geeigneten Pilotstellen der öffentli chen Hand sollen die individuellen Be schaffungs-, Nutzungs- und Entsorgungs prozesse näher betrachtet und unter Umweltgesichtspunkten, insbesondere der Abfallvermeidung, weiterentwickelt werden. Ziel ist es, gemeinsam mit den Pilotstellen praxistaugliche, an die jewei ligen Bedürfnisse angepasste Leitplan ken zu entwickeln, anhand derer die Be schaffung, Nutzung und Entsorgung von Berufskleidung durchgeführt werden soll. Beteiligte Akteurinnen und Akteure: HMUKLV, Hessisches Polizeipräsidium für Technik (HPT), Hessen Mobil – Straßen und Verkehrsmanagement, Ökopol Insti tut für Ökologie und Politik GmbH Diese Handlungsfelder werden fokussiert: Stärkung der Wiederverwendung Verlängerung der Nutzungsdauer von Produkten Stärkung von Sharing-Konzepten Stärkung des Recyclings Bildung / Öffentlichkeitsarbeit / Infor mationsvermittlung Dialogforum RC-Baustoffe im Rahmen der Umweltallianz Hessen Kurzbeschreibung: Bau- und Abbruchabfälle stellen den men genmäßig größten Anteil am Abfallaufkom men dar. Auch wenn heute in Hessen be reits über 40 % der entsorgten industriellen und gewerblichen Bauabfälle einer Recyc linganlage zugeführt werden, stellen diese aufbereiteten Sekundärbaustoffe noch deutlich weniger als 20 % der insgesamt im Bausektor eingesetzten mineralischen Ge steinskörungen dar. Je höher die Substitu tion der begrenzt vorhandenen natürlichen Rohstoffe durch hochwertig aufbereitete, beim Rück- und Umbau von Gebäuden und Infrastrukturen anfallenden Materialien ist, umso weniger Abfälle fallen zusätzlich zur Entsorgung an. Mineralische Bau- und Abbruchabfälle kön nen bereits heute in geeigneten Recycling anlagen so hochwertig aufbereitet werden, dass sie wieder für den Wirtschaftskreislauf verfügbar sind. Recycling und hochwertige Kreislaufführung von Rohstoffen tragen damit nachhaltig zur Schonung natürlicher Ressourcen und damit wirksam zur Abfall vermeidung bei. Im Rahmen des Dialogforums werden die rechtlichen und technischen Anforderun gen an ein hochwertiges Recycling und die Bedingungen für eine bessere Akzep tanz und einen verstärkten Einsatz von RC-Baustoffen mit den beteiligten Akteu rinnen und Akteuren aus Wirtschaft und Verwaltung diskutiert und Lösungsansätze erarbeitet. Dabei werden die Themenfel der Qualität und Güteüberwachung, Aus schreibung und Vergabe sowie Ende der Abfalleigenschaft behandelt. Beteiligte Akteurinnen und Akteure: HMUKLV, Umweltallianz Diese Handlungsfelder werden fokussiert: Stärkung des Recyclings Kreislaufwirtschaft und Industrie STECKBRIEFE http://www.re-use-hessen.de 20 21 Innovations förderung – Investitions förderprogramm zur Reduzierung von CO2 Emissionen in Unter nehmen (PIUS-INVEST) Kurzbeschreibung: PIUS steht für das Konzept des Produk tions-Integrierten UmweltSchutzes. Das Fördersystem umfasst die Module Im pulsberatung, PIUS-Beratung, PIUS-In vest und lässt sich mit dem Innovations kredit Hessen kombinieren. Ziel der Module ist es, dass kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) aus den Bereichen Produktion, Handel oder Dienstleistung den Verbrauch an Energie und Material verringern, Abfälle minimieren und den Ausstoß von CO2 senken. Unterstützt werden sowohl Beratungen als auch Investitionen. Die Unterstützung von Investitionen erfolgt u.a. in Abhän gigkeit der jährlichen CO2-Einsparung in Kilogramm je Fördereuro. Nach dem Start des PIUS-Invest-Förder programms in 2017 wurden bisher durch ca. 60 geförderte Investitionsprojekte etwa 22.000 t CO2 eingespart. Im Rah men der aktuellen EFRE-Förderperiode 2021–2027 stehen Fördermittel in Höhe von 20 Millionen Euro zur Verfügung. https://www.youtube.com/ watch?v=fqnYxxamWEs Beteiligte Akteurinnen und Akteure: Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, Hessische Unternehmen Diese Handlungsfelder werden fokussiert: Kreislaufwirtschaft und Industrie Stärkung des Recyclings Förderung zivil gesellschaftliches Engagement Kurzbeschreibung: Eines der geförderten Projekte 2021 war die Entstehung einer 2.000 Quadratme ter großen „PermakulturInsel“ in Frankfurt am Main. Dahinter steht der Verein „BIO NALES - Bürger für regionale Landwirt schaft und Ernährung“, von dem der Er nährungsrat und die GemüseheldInnen getragen werden. Die Insel entstand am Campus Westend, an dem ab sofort Lebensmittel nachhal tig, ökologisch und regional produziert werden. Gleichzeitig stärkt die Perma kulturInsel die Ernährungsbildung und das zivilgesellschaftliche Engagement. Es handelt sich um das dritte derartige Pro jekt in Frankfurt, nach der Grünen Lunge am Günthersburgpark und der essbaren Insel am Riederwald. Im Rahmen der Ernährungsstrategie wer den Projekte zivilgesellschaftlichen Enga gements zur Lebensmittelwertschätzung gefördert. Grundsätzlich besteht auch die Möglichkeit Einzelprojekte (>5000 Euro) zu fördern. Dies allerdings nur in eingeschränktem Ausmaß. Beteiligte Akteurinnen und Akteure: BIONALES – Bürger für regionale Land wirtschaft und Ernährung e. V. Diese Handlungsfelder werden fokussiert: Bewusster Umgang mit Lebens mitteln Bildung / Öffentlichkeitsarbeit / Informationsvermittlung Kommunikations projekt über Social Media-Kanäle Kurzbeschreibung: Mit dem Ziel der Reflektion des eigenen Konsumverhaltens führt das HMUKLV eine Kampagne zur Abfallvermeidung durch, die sich vorrangig an Jugendliche und junge Erwachsene richtet. In kurzweiligen Beiträgen via Social-Media werden neben den ökologischen Effekten der Abfallver meidung auch die finanziellen Vorteile öko logischen Handelns hervorgehoben. Die unmittelbaren Vorteile abfallvermeidender Handlungsweisen auf die Zielgruppe wer den herausgearbeitet. Gerade junge Menschen lassen sich durch die Veröffentlichung von Inhalten in den neuen Medien besonders gut erreichen und bieten ein großes Potential hinsichtlich der Sensibilisierung des individuellen Le bensstils. Mit Tipps und einfachen Hand lungsempfehlungen wird die Bedeutung der Abfallvermeidung in den Themenbe reichen Lebensmittel, Textilien, Möbel und Elektrogeräte vermittelt, so dass die Hürde zum ökologischen Handeln herabgesetzt und die Lücke zwischen Wissen und Han deln, die sogenannte „mind behaviour gap“, verkleinert wird. Die Inhalte der Beiträge werden an aktu elle Entwicklungen der Kreislaufwirtschaft geknüpft, saisonal angepasst und durch ein professionelles Monitoring begleitet. Beteiligte Akteurinnen und Akteure: HMUKLV Diese Handlungsfelder werden fokussiert: Bildung / Öffentlichkeitsarbeit / Informationsvermittlung STECKBRIEFE https://www.youtube.com/watch?v=fqnYxxamWEs https://www.youtube.com/watch?v=fqnYxxamWEs 22 23 Beratungsangebot für Kantinen und Groß küchen zur Optimierung des Angebotes Kurzbeschreibung: Um eine Großküche klimafreundlich umzu stellen, bedarf es teilweise einer sehr indivi duellen Anpassung komplexer Abläufe wie des Wareneinkaufs, der Warenlogistik bzw. lagerung oder der Erstellung angepasster Speisepläne. Wenn große Veränderungen der betrieblichen Organisation und Logis tik zu mehr Nachhaltigkeit anstehen, brau chen gerade kleine und mittlere Kantinen Unterstützung durch externe Expertise. An diesem Punkt setzt das Beratungsan gebot für Kantinen und Großküchen an. Im Rahmen einer individuellen und mehrtäti gen Beratung soll eine Bestandsaufnahme der betrieblichen Ist-Situation erfolgen und potentielle Veränderungen in den Be reichen Speiseplangestaltung, Rezepturen und Kücheninventar erarbeitet werden. Netzwerk „100KlimaKantinen“ Kurzbeschreibung: Hessenweit engagieren sich bereits heute zahlreiche Kantinen und Großküchen für mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Die ses Engagement soll gezielt unterstützt und mit dem Netzwerk „100 KlimaKanti nen“ Raum für einen Informations- und Er fahrungsaustausch geboten werden. Eine Mitgliedschaft im Netzwerk ist für private und öffentliche Kantinen, Mensen und Betriebsrestaurants möglich. Voraus setzung ist, dass acht Maßnahmen aus einem Maßnahmenkatalog umgesetzt werden. Im Netzwerk der „100 KlimaKan tinen“ können zum Beispiel Großküchen Mitglied werden, die gering verarbeitete, regionale und ökologische Speisen auf den Tisch bringen, auf die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung achten und den Verpackungsmüll reduzieren. Die 100 KlimaKantinen können gegen seitig voneinander lernen, sie werden Vorbild für andere Einrichtungen der Gemeinschaftsgastronomie sein und sie werden mit ihrer Teilnahme den Gästen zeigen können, dass bei ihnen eine kli mabewusste Ernährung gelebt wird. Das Programm wurde im Oktober 2020 durch Ministerin Hinz der Öffentlichkeit vorgestellt. Seither umfasst das Netzwerk ca. 30 Mitgliedskantinen. Netzwerktref fen greifen inhaltlich den rückgemelde ten Bedarf der Netzwerkmitglieder auf. Als aktuelle Themen werden die Verwen dung von Mehrweggeschirr inkl. Pfand systemen benannt. Beteiligte Akteurinnen und Akteure: HMUKLV Hessische Kantinen und Großküchen Diese Handlungsfelder werden fokussiert: Verlängerung der Nutzungsdauer von Produkten Bewusster Umgang mit Lebens mitteln Bildung / Öffentlichkeitsarbeit / Informationsvermittlung Informationen zu Lebensmittelwert schätzung über die Internetseite Verbraucher Fenster Hessen Kurzbeschreibung: Im VerbraucherFenster Hessen werden beispielsweise Möglichkeiten zur cleve ren Resteverwertung aufgezeigt, Apps als Helfer beim Kampf gegen Lebensmittel verschwendung vorgestellt oder Tipps zum Haltbarmachen von Lebensmitteln gegeben. Im Rahmen einer Schwerpunktwoche im Herbst 2021 wurde das Thema Lebens mittelwertschätzung und die Vermei dung von Lebensmittelverschwendung eine Woche lang in den Fokus gerückt. Verbraucherinnen und Verbraucher kön nen sich weiterhin darüber informieren, was Mindesthaltbarkeitsdatum und Ver brauchsdatum unterscheidet, wie einfach überprüft werden kann, ob ein Lebensmit tel noch genießbar ist oder wie Produkte so gelagert werden, dass sie möglichst lange haltbar sind. Auch über die Aktionswoche „Gelbes Band“, den 5. Hessischen Verbrauchertag 2021 sowie Aktionen zivilgesellschaftli cher Initiativen wie Essbare Städten oder PermakulturInseln wurde informiert. Im Informationsportal VerbraucherFenster greifen zahlreiche Artikel das Thema der Lebensmittelwertschätzung im Alltag auf. Beteiligte Akteurinnen und Akteure: VerbraucherFenster Hessen (LLH) Diese Handlungsfelder werden fokussiert: Verlängerung der Nutzungsdauer von Produkten Bewusster Umgang mit Lebens mitteln Bildung / Öffentlichkeitsarbeit / Informationsvermittlung Auch die Kundeninformation, die Umstel lung auf einen höheren Frischkostanteil und Verringerung des Verpackungsabfalls oder die Reduzierung des anfallenden Le bensmittelabfalls können Bestandteil der Beratung sein. Kantinen bzw. Großküchen können auch auf dem Weg in das Netzwerk der 100 KlimaKantinen eine solche betriebsindi viduelle Beratung in Anspruch nehmen. Das Beratungsangebot ist für die Küchen kostenlos. Beteiligte Akteurinnen und Akteure: HMUKLV Hessische Kantinen und Großküchen Diese Handlungsfelder werden fokussiert: Verlängerung der Nutzungsdauer von Produkten Bewusster Umgang mit Lebens mitteln Bildung / Öffentlichkeitsarbeit / Informationsvermittlung STECKBRIEFE 24 25 Plattform „Zu gut für die Tonne!“ (ehemals Lebensmittel wertschätzen.de) Kurzbeschreibung: Die Internet-Plattform „Zu gut für die Tonne!“ (ehemals lebensmittelwertschät zen.de) zeigt auf, was bereits gegen die Lebensmittelverschwendung in den ver schiedenen Bereichen von Produktion über Handel, Außer-Haus-Verpflegung und Gesellschaft in Deutschland getan wird und stellt diese Aktivitäten, Initiati ven und Projekte vor. Gelistet sind Tools, die Küchenpersonal dabei unterstützen, im Restaurantbe trieb Küchenabfälle zu erkennen und zu reduzieren sowie Maßnahmen engagier ter Verpflegungsdienstleister gegen Le bensmittelverschwendung in der Außer Haus-Verpflegung. Hessen war 2021 auf der Plattform mit 19 Maßnahmen (Stand: 03.12.2021) gelistet. Darunter beispielsweise das Projekt „Es sen in Hessen“, Tausch-Apps für Lebens mittel, Rezeptdatenbanken und -bücher für die Resteküche, Lern- und Informati onsmaterialien, die „Solidarmöhre“ oder die Maßnahmen des Vereins EfA (Essen für Alle), der unverkäufliche Lebensmittel in Märkten abholt und an karitative Ein richtungen verteilt. Ein Aufruf an die hessischen Akteurinnen und Akteure erfolgt in den nächsten Wo chen, sodass auch 2023 wieder bundes weit auf hessische Aktionen aufmerksam gemacht werden soll. Beteiligte Akteurinnen und Akteure: Bund (BMEL) und Länder Diese Handlungsfelder werden fokussiert: Verlängerung der Nutzungsdauer von Produkten Bewusster Umgang mit Lebens mitteln Bildung / Öffentlichkeitsarbeit / Informationsvermittlung Beteiligung an Aktionswoche „Deutsch land rettet Lebensmittel“ Kurzbeschreibung: Hessen beteiligt sich am Bund-Länder-Gre mium zur Nationalen Strategie zur Redu zierung der Lebensmittelverschwendung sowie an der Aktionswoche „Deutschland rettet Lebensmittel“ im Rahmen der Ar beitsgemeinschaft der Initiative „Zu gut für die Tonne!“ des Bundesministeriums für Er nährung und Landwirtschaft (BMEL). Im Rahmen der Aktionswoche Deutsch land rettet Lebensmittel! 2022 wird mit der bundesweiten Aktion „Brot- und Backwa ren“ gemeinsam mit den Ministerien der Länder für eine Reduzierung der Lebens mittelverschwendung und für mehr Wert schätzung von Lebensmitteln sensibilisiert. Dafür werden Bäckertüten gefertigt, die von hessischen Bäckereien kostenfrei be stellt und verteilt werden können. Auf den Bäckertüten wird auf die Aktionswoche hingewiesen und ein Rezept für Croutons aus Brotresten abgedruckt. Die Verbraucherzentrale Hessen e. V. wird im Rahmen des Projekts „Brot und Backwaren retten“ mittels Öffentlichkeitsarbeit in Form von Kurzvideos und der Veranstaltung von Workshops während des Aktionszeitraums auf die Thematik aufmerksam machen. Ziel der Maßnahmen ist es, Verbraucherin nen und Verbraucher kompakt und leicht verständlich über Wissenswertes, Einkaufs planung, richtige Lagerung, Haltbarkeit und Resteverwertung von Brot und Back waren zu informieren und dafür zu sensibi lisieren weniger davon wegzuwerfen. Beteiligte Akteurinnen und Akteure: Verbraucherzentrale Hessen e. V.; Hessi sche Verbraucherinnen und Verbraucher Diese Handlungsfelder werden fokussiert: Verlängerung der Nutzungsdauer von Produkten Bewusster Umgang mit Lebens mitteln Bildung / Öffentlichkeitsarbeit / Informationsvermittlung Aktion „Gelbes Band“ Kurzbeschreibung: Hessen beteiligt sich am Bund-Länder-Gre mium zur Nationalen Strategie zur Reduzie rung der Lebensmittelverschwendung so wie an der AG der Initiative „Zu gut für die Tonne!“ des Bundesministeriums für Ernäh rung und Landwirtschaft (BMEL). Diese hat im Rahmen der Aktionswoche Deutschland rettet Lebensmittel! 2021 mit der bundes weiten Aktion „Gelbes Band“ gemeinsam mit den Ministerien der Länder für eine Reduzierung der Lebensmittelverschwen dung und für mehr Wertschätzung regiona ler Lebensmittel sensibilisiert. Hessen kooperierte im Rahmen der Aktion mit den hessischen Tafeln, die aktionsbe gleitend Kochaktionen durchführten. Da rüber hinaus wurden hessenweit in vielen Landkreisen gelbe Bänder an Obstbäumen und -sträuchern angebracht. Diese signali sierten, dass Bäume, die nicht selbst durch die Besitzerinnen und Besitzer abgeerntet werden konnten, für die Ernte freigegeben waren. Auf diese Weise wurde wertvolles Obst vor dem Verderb gerettet. Die Stand orte aller zur Ernte freigegebener Bäume und Sträucher sowie weitere Aktionen zum Thema Lebensmittelwertschätzung wurden für Verbraucherinnen und Verbraucher in einer digitalen Karte vermerkt. Aufgeführt waren u.a. auch ein Wettbewerb für Schü lerinnen und Schüler der Vernetzungs stelle Schulverpflegung Hessen sowie eine FoodSaverChallenge der Verbraucherzent rale Hessen e. V.. In 2022 beteiligten sich fünf Landkreise und zwei Städte an dem Projekt zudem hatten sich 6 Beratungsstellen des DHB Netzwerkes beteiligt. So konnten 62 Rol len gelbes Band und 1820 Flyer durch das HMUKLV an die teilnehmenden Institutio nen ausgeteilt werden. Die Aktion soll fort geführt werden. Denkbar wäre hier eine Kooperation mit den Kirchen in Hessen, da diese über nennenswertes Grundeigen tum verfügen und über die Gemeinden an gesprochen werden können. Beteiligte Akteurinnen und Akteure: Tafeln Hessen e.V., Landwirtschaftsämter, Privatpersonen, weitere Initiativen und Ver eine (evtl. Kirchen in Hessen) Diese Handlungsfelder werden fokussiert: Bewusster Umgang mit Lebens mitteln Bildung / Öffentlichkeitsarbeit / Informationsvermittlung STECKBRIEFE 26 27 Initiative „Bauernhof als Klassenzimmer“ Kurzbeschreibung: Der Bauernhof als außerschulischer Lern ort verfügt über ideale Bedingungen für einen praxisorientierten, projektbezo genen Unterricht: Auf einem Bauernhof werden Landwirtschaft und deren Zusam menhänge anschaulich und somit besser begreifbar. Vor Ort erfahren und erleben Kinder und Jugendliche hautnah, woher unsere Lebensmittel kommen, wie Ge treide gesät, Kartoffeln geerntet oder wie Tiere auf dem Hof gehalten werden. Hofführungen und Hoferkundungen, zum Teil auch mehrtägige Aufenthalte bis hin zu jahresbegleitenden Projekten wer den bei der Initiative „Bauernhof als Klas senzimmer“ angeboten. Dabei steht die Sensibilisierung für das eigene Handeln im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) im Mittelpunkt. Die Vermittlung von praxisnahem Wis sen rund und frische Produkte und de ren Herkunft fördert die Lebensmittel wertschätzung und hilft Kindern und Jugendlichen, ihre Ernährungs- und Konsumentscheidungen mit Blick auf die Verringerung von Lebensmittelabfall und Verpackungsmüll zu reflektieren. Die Initiative wird seit 22 Jahren erfolg reich umgesetzt. Sie unterstützt das im Koalitionsvertrag Hessen festgeschrie bene Vorhaben, dass jedes Grundschul kind mindestens einmal auf einem land wirtschaftlichen Betrieb gewesen sein soll. Beteiligte Akteurinnen und Akteure: Verein für Landvolkbildung e.V., landwirt schaftliche Betriebe in Hessen, Schulen und Kindertagesstätten Diese Handlungsfelder werden fokussiert: Bewusster Umgang mit Lebens mitteln Bildung / Öffentlichkeitsarbeit / Informationsvermittlung Klimabewusste Ernährungsbildung und Projekt Klimabewusst es sen in Schulen Kurzbeschreibung: Die Kinder-Kochkurse des Landfrauenver bandes Hessen e.V. richten sich an 8- bis 11-Jährige in einem außerschulischen Um feld. Unter Anleitung hessischer Landfrauen kochen Kinder gemeinsam und erfahren vieles über regionale Lebensmittel und wie man sie verarbeitet. Dabei stehen auch im mer die Regionalität und Saisonalität der Lebensmittel und die Verwertung von Res ten im Vordergrund. Der Ernährungsführerschein des Bundes zentrums für Ernährung (BZfE) ist ein An gebot zur praktischen Ernährungsbildung an Grundschulen im non-formalen Bereich. Er wird von Multiplikatorinnen und Multi plikatoren des Landfrauenverbands Hessen e.V. gemeinsam mit den Lehrkräften durch geführt und vermittelt Kompetenzen für ein gesundes und klimaneutrales Ernährungs verhalten. Die „Werkstatt Ernährung“ ist ein erleb nis- und handlungsorientiertes Konzept zur Ernährungsbildung in der Sekundarstufe I, das vom Hessischen Verbraucherschutz ministerium in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Kultusministerium und verschie denen hessischen Institutionen und Verbän den aus dem Ernährungsbereich entwickelt wurde. Für die Umsetzung können die Schu len kostenfrei Unterstützung durch speziell geschulte Ernährungsfachkräfte des Land frauenverbandes Hessen e.V. erhalten. Ein wichtiger Aspekt im Baustein „Ernährung und nachhaltige Entwicklung“ ist die Vermei dung von Lebensmittelverschwendung, wo bei auch die Vorratshaltung, Haltbarkeit von Lebensmitteln, die Resteverwertung thema tisiert werden. Die Verbraucherzentrale Hessen e.V. hat das Projekt „Klimabewusst essen in Schu len“ entwickelt. In mehreren Projektteilen (KlimaFrühstück, KlimaSnackbar und kli masmarter Schulkiosk) wird Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften und Mul tiplikatorinnen und Multplikatoren der Zu sammenhang zwischen Ernährung und Klimaschutz aufgezeigt. Je mehr Schülerin nen und Schüler über die Zusammenhänge zwischen Klimaschutz und Ernährung wis sen, umso leichter wird es ihnen fallen, kli mabewusste Konsum- und Ernährungsent scheidungen in und außerhalb der Schule zu treffen. Den Wert, den die jungen Men schen dabei den Lebensmitteln beimessen, hilft der Lebensmittelverschwendung im Privathaushalt und in der Außer-Haus-Ver pflegung (Schulessen) entgegenzuwirken. Beteiligte Akteurinnen und Akteure: Landfrauenverband Hessen e.V., Verbrau cherzentrale Hessen e.V., Kinder und Ju gendliche, Kindertagesstätten, Schulen Diese Handlungsfelder werden fokussiert: Verlängerung der Nutzungsdauer von Produkten Bewusster Umgang mit Lebens mitteln Bildung / Öffentlichkeitsarbeit / Infor mationsvermittlung STECKBRIEFE 28 29 Umweltschule – Lernen und Handeln für unsere Zukunft Kurzbeschreibung: Umweltschulen zeichnen sich durch ein be sonderes Engagement in der Umsetzung der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) aus. Die Ausschreibung ermöglicht es den teilnehmenden Schulen, mit konkreten Zielen für den Teilnahmezeitraum von zwei Jahren ausgewählte Handlungsbereiche zu bearbeiten und dabei gleichzeitig Struktu ren im Schulalltag aufzubauen, die das BNE Engagement langfristig steuern und stützen können. Dazu gehört die Integration der Vor haben in Unterricht und Schulcurriculum, in Schulleben und Schulkultur. Durch eine kon tinuierliche Teilnahme am Programm kann eine Schule so immer weiter Umfang und Qualität ihrer BNE-Umsetzung verbessern. Die Handlungsbereiche, die sich die teilneh menden Schulen frei wählen, haben ein gro ßes Themenspektrum von Naturschutz und Naturerlebnis, wie z. B. der ökologischen Gestaltung des Schulgeländes über Um weltschutzthemen wie Klimaschutz, Energie gewinnung, Abfallvermeidung, Ernährung, Konsum bis hin zum globalen Lernen, wie z. B. Fairer Handel. Abfall, Recycling und res sourcenschonende Schulbewirtschaftung wurden in den vergangenen Jahren regel mäßig von 20–35 % der Schulen als Hand lungsbereich bearbeitet, z. B. durch müll arme Schulveranstaltungen, plastikfreier Schulalltag oder Upcycling-AGs. Die Auszeichnung „Umweltschule - Lernen und Handeln für unsere Zukunft“ wird seit 2010 an hessische Schulen aller Schulfor men verliehen und gilt für zwei Jahre. Aktu ell gibt es 208 Umweltschulen. Beteiligte Akteurinnen und Akteure: Die Auszeichnung wird vom Hessischen Kultusministerium und dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Land wirtschaft und Verbraucherschutz verge ben. Eine von beiden Ministerien getragene Landeskoordinierungsstelle unterstützt die Schulen zusammen mit elf für BNE zertifi zierten regionalen Umweltzentren. Abge ordnete Lehrkräfte an den Umweltzentren beraten die Schulen in der Durchführung ihrer Umweltschulprojekte. Das Netzwerk der Umweltschulen wurde mehrfach von der Deutschen UNESCO-Kommission und dem Bundesbildungsministerium ausgezeichnet. Diese Handlungsfelder werden fokussiert: Stärkung der Wiederverwendung Verlängerung der Nutzungsdauer von Produkten Stärkung von Sharing-Konzepten Stärkung des Recyclings Bewusster Umgang mit Lebensmitteln Bildung / Öffentlichkeitsarbeit / Informationsvermittlung Schuljahr der Nachhaltigkeit in Hessen Kurzbeschreibung: Mit dem Schuljahr der Nachhaltigkeit (SdN) soll Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) an hessischen Grundschulen ver ankert werden. In thematischen Modulen erfahren die Grundschulkinder, was nach haltige Entwicklung für ihre eigene und die Lebenswelt anderer Menschen rund um den Globus bedeutet. Mithilfe anschaulicher Materialien u.a. zu Abfall, Klima, Wasser, Er nährung, Biodiversität oder Kinderrechten und Konsum entwickeln Grundschulkinder Handlungsoptionen für eine nachhaltigere Welt. Durch Beratungs-, Fortbildungs- und Austauschangebote wird die gesamte Schulgemeinde auf dem Weg zur nachhal tigen Schule unterstützt. Das Schuljahr der Nachhaltigkeit wird in Hes sen seit 2014 umgesetzt und soll bis 2024 an mindestens 10 % der hessischen Grund schulen (120 Schulen) eingeführt werden. Das Themenmodul „Abfall und Recycling – vermeiden, wiederverwenden, wieder verwerten“ legt seinen Schwerpunkt auf einen umfassenden Ressourcenschutz mit Mülltrennung, Recycling, Mikroplastik, Wie der- und Weiterverwendung sowie Müllver meidung. Im Hinblick auf die Globale Ge rechtigkeit wird das Thema „Leben im Müll“ ebenso beleuchtet wie z. B. Arbeitsbedin gungen von Minenarbeitern im Coltan-Ab bau. Die Kinder entwickeln eigene Ideen, wie sie ihren persönlichen Alltag müllarm gestalten können. Das Themenmodul „Ernährung – fair und kli mafreundlich“ legt seinen Schwerpunkt auf den Alltagsbezug für Kinder, denn sie sind an Einkauf und Konsum von Lebensmitteln vielfältig beteiligt. Kinder erhalten die Mög lichkeit ihre Ernährungsgewohnheiten kri tisch zu hinterfragen und abfallarme Alterna tiven kennenzulernen, z. B. unverpackte oder plastikarm verpackte Pausenverpflegung für die Schultasche. Dabei werden Bezüge zum Themenmodul „Abfall und Recycling“ her gestellt. Im Hinblick auf den Klimaschutz werden CO2-Bilanzen von Lebensmitteln verglichen sowie saisonales und regionales Obst und Gemüse thematisiert. Beteiligte Akteurinnen und Akteure: Das Schuljahr der Nachhaltigkeit ist ein Pro jekt des HMUKLV und wird von der Arbeits gemeinschaft Natur- und Umweltbildung Hessen e.V. hessenweit mit Einbindung von elf vom Land Hessen für BNE-zertifizierte Umweltzentren koordiniert. Qualifizierte Multiplikatorinnen und Multiplikatoren füh ren die Themenmodule, Beratungen und Fortbildungen durch. Ihr Netzwerk wurde mehrfach von der Deutschen UNESCO Kommission und dem Bundesbildungsmi nisterium ausgezeichnet. Diese Handlungsfelder werden fokussiert: Stärkung der Wiederverwendung Verlängerung der Nutzungsdauer von Produkten Stärkung von Sharing-Konzepten Stärkung des Recyclings Bewusster Umgang mit Lebensmitteln Bildung / Öffentlichkeitsarbeit / Informationsvermittlung STECKBRIEFE 30 31 Beispielhafte Abfallvermeidungs aktivitäten im hessischen Nationalpark Kellerwald Edersee Kurzbeschreibung: Auch im Betrieb des Nationalparks Kel lerwald-Edersee tragen verschiedene pragmatische Maßnahmen zur Abfallver meidung bei. So werden Verpackungs materialien, die bei der Lieferung von Ver brauchsgütern und Shop-Artikeln anfallen, im Verkauf von zerbrechlichen Waren wie derverwendet. Der konsequente Einsatz von Handtuchrollen aus Baumwolle, die mit dem Blauen Engel zertifiziert sind, vermei det den Abfall von Papierhandtüchern im Nationalparkamt. Die Gäste des Nationalparks sollen zur Ab fallvermeidung animiert werden. Um die Abfallmengen des NationalparkZentrums Beispielhafte Abfallvermeidungs aktivitäten in der hessi schen Landwirtschaft Kurzbeschreibung: Im Rahmen der Primärproduktion wird generell sehr stark darauf hingewirkt, Ab fälle zu vermeiden, diese zu verwerten bzw. diese besonderen Sammel- und Re cyclingsystemen zuzuführen. Organische Abfälle werden i.d.R. getrennt gesammelt, ggf. kompostiert und als hochwertige Wirt schaftsdünger eingesetzt. Landwirtschaft liche Folien (z.B. aus dem Erdbeer- und Spargelanbau) oder Verpackungen von Pflanzenschutzmitteln werden ebenfalls ge trennt erfasst und recycelt. Die Information der Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter zu den vorgenannten Aktivitäten ist regulä rer Inhalt der landwirtschaftlichen Offizial beratung. Ein wesentlicher Beitrag zur Abfallvermei dung wird auch durch die Direktvermark Kellerwald zu verringern und dem Littering entgegenzuwirken, werden Müllbehälter an nur wenigen, für die Infrastruktur be deutsamen Standorten aufgestellt. Auch die Wahl kleiner Behältergrößen soll die Vermeidung von Abfällen unterstützen. Zudem wird im Rahmen der Bildungsarbeit des Nationalparks Kellerwald-Edersee, ins besondere mit Kindergärten und Schulen, das Themenfeld „Abfallvermeidung“ ver mittelt und nähergebracht. Beteiligte Akteurinnen und Akteure: Hessische Nationalparkverwaltung Diese Handlungsfelder werden fokussiert: Verlängerung der Nutzungsdauer von Produkten Stärkung der Wiederverwendung Bildung / Öffentlichkeitsarbeit / Informationsvermittlung tung landwirtschaftlicher Erzeugnisse ab Hof bzw. ab Feld geleistet, z. B. durch den weitestgehenden Wegfall von Transport und Endverpackungen. Synergieeffekte bestehen zu den bereits laufenden Aktivitäten im Rahmen der Plas tikvermeidungsstrategie. In diesem Zu sammenhang wird derzeit eine Reduzie rung der Verwendung von Kunststoffen im Gartenbau verfolgt (insb. Folien und Vliese zur Qualitätssicherung im Freiland, Kultur gefäße (Töpfe und Container für Pflanzen) und Trays (Trägertabletts) für Vermarktung von Topfpflanzen). Insofern wird hierüber auch ein Beitrag zur Abfallvermeidung ge leistet. Beteiligte Akteurinnen und Akteure: Hessische Landwirtschaftsbetriebe Diese Handlungsfelder werden fokussiert: Stärkung der Wiederverwendung Stärkung des Recyclings STECKBRIEFE 32 33 Kampagne „Sauberhaftes Hessen“ Kurzbeschreibung: Neben klassischen Sammelaktionen vor allem durch KiTa-Kinder, Schülerinnen und Schüler soll eine Reflektion des eigenen Handelns erfolgen und das Bewusstsein für Umwelt, Abfallvermeidung und Ressour censchutz sensibilisiert werden. Daneben werden Informationen zu Mehr wegsystemen und Abfallvermeidung beim Einkaufen etc. zur Verfügung gestellt. Ein Projekt der Kampagne ist u.a. seit 2020 das Netzwerk / die Plattform Plastikvermeidung im Handel, mit dem die hessische Plastik vermeidungsstrategie unterstützt wird. Hessen will’s messen Kurzbeschreibung: Abfallvermeidung kann substantiell zur Schonung der natürlichen Ressourcen bei tragen. Mit der von der hessischen Landesre gierung im Jahr 2018 verabschiedeten Ressourcenschutzstrategie Hessen wer den Handlungsfelder zum ganzheitlichen Schutz von Umwelt und Natur definiert. Ein wesentlicher Baustein dieser Strategie ist der Schutz der natürlichen Ressourcen durch die Weiterentwicklung der Abfallver meidung. Ziel des Projekts „Hessen will‘s messen“ ist es, eine Datenbank aufzubauen, welche die Abfallvermeidungsaktivitäten in Hessen zu sammenfassend darstellt und die Daten in Form einer Webseite der Öffentlichkeit zu gänglich zu macht. Mit einer interaktiven Karte sollen Verbrau cherinnen und Verbraucher auf die unter Die Initiative „Sauberhaftes Hessen“ (https://sauberhaftes-hessen.de/) startete vor 20 Jahren und ist damit die älteste ak tive Anti-Littering-Kampagne in Deutsch land und der Europäischen Union. Beteiligte Akteurinnen und Akteure: HMUKLV, Förderverein „Sauberhaftes Hessen“ e.V., Handel Diese Handlungsfelder werden fokussiert: Bildung / Öffentlichkeitsarbeit / Informationsvermittlung schiedlichen Möglichkeiten, nachhaltig aktiv zu werden, aufmerksam gemacht werden (z. B. über Reparatur-, Leih-, und Tauschangebote) und darüber hinaus über interessante Abfallvermeidungsansätze verschiedener Akteurinnen und Akteure informiert werden (z. B. zu Umweltmanage mentsystemen in Unternehmen). Auch für andere Akteurinnen und Akteure, wie etwa Unternehmen oder Kommunen, dient die Karte als Ideengeber und bietet vielfältige Vernetzungs- und Kontaktmöglichkeiten. Beteiligte Akteurinnen und Akteure: HLNUG Diese Handlungsfelder werden fokussiert: Bildung / Öffentlichkeitsarbeit / Infor mationsvermittlung Stärkung der Wiederverwendung Verlängerung der Nutzungsdauer von Produkten Stärkung von Sharing-Konzepten STECKBRIEFE https://sauberhaftes-hessen.de/ 34 35 3.2 Geplante Maßnahmen und perspektivische Ansätze Das vorliegende Konzept zur Abfallvermei dung in Hessen ist als offener Prozess ausge staltet und insofern einer andauernden An passung und Weiterentwicklung unterworfen. Wie aus den in Kapitel 3.1 dargestellten aktu ellen Maßnahmen erkennbar, laufen in Hessen bereits zahlreiche Aktivitäten zur Vermeidung von Abfällen, insbesondere im Bereich der Kleidung, Möbel und Lebensmittel, die nach der Potentialstudie zur Abfallvermeidung in Hessen als besonders relevante Produkt- und Abfallströme aus dem alltagsnahen Konsu mentenbereich identifiziert wurden. Die Ab fallvermeidung in diesen Bereichen wird im Wesentlichen durch das Nutzungsverhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher be einflusst, welches von den entsprechenden Angeboten und verfügbaren Informationen abhängt. Vielfältige Initiativen zur Abfall vermeidung aus dem alltagsnahen Konsu mentenbereich können auf kommunaler Ebene – auch unter Ein b e z i e hung der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger – durchgeführt werden. Daher soll einer der Schwerpunkte zukünftig in der Stärkung die ser kommunalen Aktivitäten liegen. Darüber hinaus gilt es aber auch weitere Ab fallströme in den Blick zu nehmen. Hier ist insbesondere der mengenmäßig besonders große Stoffstrom der Bauabfälle zu nennen, sodass auch hier zukünftig weitere Aktivitäten in Angriff genommen werden müssen, um z. B. den Einsatz von Recyclingbaustoffen zu fördern und damit Abfälle zu vermeiden. Schließlich besteht überdies in Industrie und Gewerbe ein erhebliches Potential bereits in der Produktion Abfälle zu vermeiden, nicht vermeidbare Abfälle soweit als möglich dem Recycling zuzuführen, aber auch durch den Einsatz von Rezyklaten zur Abfallvermeidung beizutragen. Insofern ist der Dialog mit der Wirtschaft sowie die Zusammenarbeit des Umwelt- mit dem Wirtschaftsressorts als wei terer Schwerpunkt anzusehen. Weiterhin ist ein wichtiger Baustein auch die Nutzung des Einflusses des Landes auf rechtliche Regelungen, um dort abfallver meidende Aspekte zunehmend zu verankern. Da abfallrechtliche Regelungen auf Landes ebene nicht möglich sind, gilt es im Rahmen der Gesetzgebung auf Bundesebene für ent sprechende Vorgaben einzutreten. Im Folgenden werden die verschiedenen geplanten Projekte zur Abfallvermeidung in Hessen in Form von Steckbriefen dargestellt, die künftig neben der Fortführung der in Kapitel 3.1 dargestellten Maßnahmen ange gangen werden sollen. Die Skalierbarkeit der nachfolgend aufgeführten zukünftigen Akti vitäten für eine verstärkte Abfallvermeidung stellt ein gemeinsames Schlüsselelement der Maßnahmen dar. Dabei erhebt die Liste kei nen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll vielmehr modellhaft darstellen, in wel chen Aktivitäten im Sinne der Abfallvermei dung in Hessen besonderes Potential gese hen wird. Die Unterschiedlichkeit der Ansätze spiegelt das breite Spektrum an Möglichkei ten zur Stärkung der Abfallvermeidung wider. Die Offenheit für weitere interessante Um setzungsideen wird durch die regelmäßige Fortschreibung des vorliegenden Konzepts unterstrichen. Intensivierter Austausch mit der Wirtschaft zu Themen der Abfallvermeidung Kurzbeschreibung: Das Land plant den verstärkten direkten Austausch mit der Wirtschaft zu The men der Abfallvermeidung im unter nehmerischen Umfeld. Insbesondere der Anspruch an eine verlängerte Nut zungsdauer von Produkten kann in der Diskussion eine Sonderstellung einneh men. Vorhandene Gesprächsforen, ins besondere die hessische Wirtschafts initiative Nachhaltigkeit (WIN), sollen genutzt werden, um die Entwicklung zu einer Kreislaufwirtschaft, die sowohl öko logische als auch ökonomische Aspekte berücksichtigt, zu beschleunigen. Akteurinnen und Akteure: HMUKLV, Hessische Wirtschafts-Initiative Nachhaltigkeit (WIN), Hessische Unter nehmen Handlungsfeld: Kreislaufwirtschaft und Industrie Initiative gegen über der Bundesregierung Kurzbeschreibung: Nach der erfolgreichen Einrichtung einer Förderung von Reparaturen in Thüringen „Reparaturbonus“ strebt Hessen eine Ein führung einer angepassten Fördermög lichkeit auf Bundesebene an. Auf der Grundlage bisheriger Erfahrungen soll auch die Möglichkeit der steuerlichen Absetzbarkeit von Reparaturen geprüft werden, um einen Anreiz für Reparatu ren trotz oft beträchtlicher Lohnkosten zu schaffen. Ebenso wird im Rahmen der Verbrau cheraufklärung ein Fokus auf den von der EU geplanten Reparierbarkeitsindex nach französischem Vorbild gelegt, der inhaltlich mitgestaltet und kommuniziert werden soll. Akteurinnen und Akteure: HMUKLV, Bundesregierung Handlungsfeld: Verlängerung der Nutzungsdauer von Produkten MAßNAHMEN 36 37 Zusammenarbeit mit dem Wirtschafts ressort Kurzbeschreibung: Insbesondere zur Stärkung des Recyc lings in Unternehmen wird die Zusam menarbeit mit dem hessischen Ministe rium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen intensiviert. Ein „Recyclingbo nus“ als Förderbonus für Unternehmen, welche durch den Einsatz von hochwer tigen Rezyklaten, besonders ressourcen schonend und abfallvermeidend wirt schaften, kann den Markt für Rezyklate weiterentwickeln. Durch den Aufbau auf bereits existierende Förderstrukturen bzw. die Möglichkeit der Kombination mit aktuellen Förderprogrammen sollen Unternehmen einen effizient gestalteten Zugang zu den für sie geeigneten För dermitteln erhalten. Akteurinnen und Akteure: HMWEVW, HMUKLV, Hessische Unter nehmen Handlungsfeld: Stärkung des Recyclings Initiative zur Abfallvermeidung auf kommunaler Ebene Kurzbeschreibung: Viele Ideen und Aktivitäten zur Umset zung abfallvermeidender Maßnahmen existieren bereits in zahlreichen Kommu nen. Um diese Aktivtäten zu fördern und weiterzuentwickeln wird das HMUKLV eine Initiative zur Platzierung der Abfall vermeidung im landesweiten Netzwerk der Klima-Kommunen sowie im Rahmen des Schwerpunktthemas des Hessischen Bündnis für Nachhaltigkeit „Nachhaltige Entwicklung in Kommunen“ angehen. Zum einen sollen dort bereits umge setzte gut funktionierende Maßnahmen zur Abfallvermeidung als best practice Beispiele erläutert und Lösungen für eventuelle Hindernisse dargestellt wer den. Dies wird im Nachhaltigkeitsbau kasten (hessen-nachhaltig.de) dokumen tiert. Zum anderen sollen auch weitere Ideen gesammelt und im Austausch mit einander weiterentwickelt werden. Wei terhin kann die Initiative eine Basis für gemeinsame über die Grenzen einzel ner Kommunen hinausgehende Projekte und Maßnahmen bilden. Der Austausch der Kommunen untereinander kann die Weitergabe von funktionalen Ideen zur Abfallvermeidung erleichtern und damit auch Inspiration für ein weiteres, gemein sames Handeln bieten. Akteurinnen und Akteure: HMUKLV, Kommunen Handlungsfeld: alle Abfallvermeidung bei der Beschaffung durch die öffentliche Hand / RC Baustoffe Kurzbeschreibung: Das Land nutzt seine Vorbildfunktion als großer Auftraggeber und verankert die Grundsätze der Abfallvermeidung im Rah men der Beschaffung. Hierzu zählen nicht nur Aspekte der bedarfsgerechten Beschaf fung, sondern z. B. auch die besondere Be rücksichtigung von Recyclingmaterialien, da durch die Verwendung von Sekundär rohstoffen der Einsatz von Primärrohstoffen reduziert wird. Die Etablierung einer Praxis, die grundsätzlich die Ressourcenschonung und Abfallvermeidung in den Vordergrund von Beschaffungen der öffentlichen Hand stellt, ist eine der großen Herausforderun gen der Kreislaufwirtschaft. Als eine zentrale Produktwertschöpfungs kette betrachtet der Aktionsplan Kreislauf wirtschaft der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2020 die Bauwirtschaft. Die Ziele aus den einschlägigen Bereichen Klima, Energie- und Ressourceneffizienz und Bewirtschaftung von Bau- und Ab bruchabfällen sollen zur Steigerung der Materialeffizienz im Gebäudesektor in ei ner neuen europäischen Strategie für eine nachhaltige bauliche Umwelt gebündelt werden. Eine Weiterführung und Weiter entwicklung der Landesaktivitäten hinsicht lich des Einsatzes von Recyclingbaustoffen ist auch vor diesem Hintergrund vorgese hen. So soll im Rahmen einer Untersuchung das Klimaschutzpotential von Recycling baustoffen in räumlicher und qualitativer Abhängigkeit von Rückbau, Aufbereitung, Wiederverwendung und Recycling näher betrachtet werden. Auch die Konzeption einer hessischen Sekundärbaustoffbörse ist vorgesehen, um Angebot und Nachfrage möglichst regional unter Einbindung be stehender Netzwerke zu verknüpfen. Auch die Digitalisierung der hessischen Landesverwaltung bietet großes Poten zial zur gezielten Abfallvermeidung: Eine Vereinbarung zur verlängerten Nutzungs dauer der Hardware (sog. HessenPC) an ca. 70.000 IT-Arbeitsplätzen, wird angestrebt. Akteurinnen und Akteure: HMUKLV, Hessische Bauwirtschaft Handlungsfeld: Stärkung des Recyclings Stärkung der Wiederverwendung Verlängerung der Nutzungsdauer von Produkten MAßNAHMEN 38 39 Maßnahmen zur Steigerung der Erfas sungsmenge der Bioab fälle aus Haushalten Kurzbeschreibung: Noch immer bestehen circa 30 Prozent des Restmülls aus Bioabfällen, die somit nicht verwertet werden. Durch eine Erhö hung der Sammelmenge an Bioabfällen werden diese dem Restmüll entzogen und können einer Verwertung zugeführt werden. In Zusammenarbeit mit den öf fentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern wird ein Maßnahmenpaket zur Steige rung der Erfassungsmenge bei guter Qualität der haushaltsnah gesammelten Bioabfälle erarbeitet. Akteurinnen und Akteure: HMUKLV, öffentlich-rechtliche Entsor gungsträger Handlungsfeld: Stärkung des Recyclings Einfluss des Landes auf die rechtlichen Entwicklungen im Abfallrecht nutzen Kurzbeschreibung: In alle Planungen und Aktivitäten Hessens sind auch die Entwicklungen auf der euro päischen Ebene einzubeziehen. Verschie dene Initiativen der EU forcieren nicht nur die Kreislaufwirtschaft, sondern auch die Abfallvermeidung. Die in der vom Land beauftragten Potentialstudie zur Abfallver meidung im Jahr 2020 identifizierten Pro dukt- und Abfallströme Kleidung, Lebens mittel und Möbel werden weiterhin eine zentrale Rolle bei der Kreislauforientierung als Voraussetzung für Klimaneutralität über nehmen. So ist die im März 2022 vorgeschlagene Ökodesign-Verordnung ein zentraler Bau stein für umweltfreundlichere und kreis lauforientierte Produkte, die weit über die derzeit geltende Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG hinausgeht. Vorgesehen ist die Festlegung zahlreicher Anforderungen, u.a. in Bezug auf die Haltbarkeit, Wieder verwendbarkeit, Nachrüstbarkeit und Re parierbarkeit und Recyclinganteil für eine Vielzahl an Produktengruppen, aber auch Informationspflichten einschließlich eines digitalen Produktpasses. Intensivierte Verbraucheraufklärung Kurzbeschreibung: Eine gezielte Aufklärung sowohl zu Repa raturmöglichkeiten, Herstellerangeboten zu Ersatzteilen und Energieeffizienz bei Elektrogeräten als auch zu Verbraucher rechten und Garantieansprüchen kön nen einen Beitrag zur Abfallvermeidung leisten, da Haltbarkeit und damit längere Nutzungsdauer als Kaufargumente ge nutzt werden können. Das Land wird deshalb seine Anstrengungen in diesen Bereichen intensivieren und das beste hende Informationsangebot mit beson derem Augenmerk auf das Thema Abfall vermeidung ausbauen. Akteurinnen und Akteure: HMUKLV Handlungsfeld: Bildung / Öffentlichkeitsarbeit / Informationsvermittlung Insbesondere im Textil- und Bekleidungs sektor werden sich in den kommenden Jahren im Zuge der im März 2022 veröf fentlichten EU-Textilstrategie große Ent wicklungsmöglichkeiten für die Abfall vermeidung bieten. Um den Pfad des linearen Wirtschaftens in diesem Bereich schneller zu verlassen, sollen im Textilsek tor im Einklang mit den Zielen des euro päischen Green Deals kreislauforientierte und widerstandsfähige Wertschöpfungs ketten etabliert werden. Mit entsprechend langlebigen und hochwertigen Produkten soll ein Gegenentwurf zum aktuellen Fast fashion-Trend entwickelt werden, der ein Faser-zu-Faser-Recycling ermöglicht und die Verbrennung und Deponierung von Textilien auf ein Minimum reduziert. Hessen wird sich dafür einsetzen, dass auf europäischer Ebene ambitionierte Ziele in die entsprechenden Regelungen aufge nommen werden, aber auch auf Bundes ebene bei der Umsetzung der Vorgaben Aspekte der Abfallvermeidung in ange messener Weise Beachtung finden. Akteurinnen und Akteure: HMUKLV Handlungsfeld: alle MAßNAHMEN 40 41 Wissenschaftliche Begleitung des Pilot projektes Mehrweg Modell Stadt Kurzbeschreibung: Ein Konsortium verschiedener Unterneh men, verschiedene Dienstleister sowie Ver bände und Organisationen plant vor dem Hintergrund der seit 01.01.2023 geltenden Mehrwegangebotspflicht für die Außer Haus- Verpflegung die Durchführung eines Pilotprojekts. Ziel dieses Pilotprojekts ist die Etablierung einer neutralen übergeordne ten Organisations- und Informationsstruk tur, die eine Rückführung von Mehrweg verpackungen über verschiedene Anbieter und Dienstleister im Wettbewerb in stan dardisierten Prozessen ermöglicht. Die ses Vorhaben soll in den beiden Städten Wiesbaden und Mainz und unter Nutzung bereits existierender Strukturen modellhaft in einem „Mehrweg Modell Stadt“ realisiert und in der Realität erprobt werden. Jede Endverbraucherin und jeder Endverbrau cher soll die Mehrweg To-Go-Verpackun gen in „Armeslänge“ an möglichst vielen Rückgabepunkten und -automaten zurück geben können. Damit soll eine verbrau cherfreundliche Ausgestaltung der Mehr wegsysteme erreicht werden, um deren Akzeptanz bei den Bürgerinnen und Bür gern zu verbessern. Das System lässt einen zeitnahen, einfa chen und schnellen Aufbau in weiteren Kommunen zu. Die Teilnahme steht für alle interessierten Akteure offen. Durch eine wissenschaftliche Begleitung des Pilotprojekts kann der Nutzen einer sol chen Organisationsform unabhängig ge messen, in einem Abschlussbericht darge stellt und ausgewertet werden. Eine solche Begleitung soll durch die beiden Landes umweltministerien Hessen und Rheinland Pfalz erfolgen. Akteurinnen und Akteure: HMUKLV, Ministerium für Klimaschutz, Um welt, Energie und Mobilität des Landes, Rheinland-Pfalz, Stadt Mainz, diverse Unter nehmen MAßNAHMEN 42 43 QUELLENNACHWEISE 1. Ökopol / ISIconsult (2020): Abfallvermeidung in Hessen – Potentiale und mögliche Maßnahmen; Studie im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Wiesbaden, Hamburg. https://umwelt.hessen.de/sites/umwelt.hessen.de/files/2021-07/poten tialstudie abfallvermeidung.pdf 2. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) (2020): Abfallvermeidungsprogramm des Bundes unter Beteili gung der Länder – Fortschreibung. Bonn. https://www.bmuv.de/fileadmin/Daten BMU/Download PDF/Abfall wirtschaft/fortschreibung abfallvermeidungsprogramm bund laender bf.pdf 3. Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Ver braucherschutz (HMUKLV) (2020): Hessische Ernährungsstrategie https://umwelt.hessen.de/sites/umwelt.hessen.de/files/2021-07/die hessische ernaehrungsstrategie.pdf 4. Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Ver braucherschutz (HMUKLV) (2018): Ressourcenschutzstrategie Hessen https://umwelt.hessen.de/sites/umwelt.hessen.de/files/2021-09/res sourcenschutzstrategie hessen nicht barrierefrei.pdf 5. Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Ver braucherschutz (HMUKLV) (2019): Plastikvermeidungsstrategie für Hessen https://umwelt.hessen.de/sites/umwelt.hessen.de/files/2021-07/plas tikvermeidungsstrategie.pdf 6. Nobis, Claudia und Kuhnimhof, Tobias (2018): Mobilität in Deutschland – MiD Ergebnisbericht von infas, DLR, IVT und infas 360 im Auftrag des Bun desministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (FE-Nr. 70.904/15). Bonn, Berlin. www.mobilitaet-in-deutschland.de 7. Johann Heinrich von Thünen-Institut (2019): Thünen Report 71, Lebens mittelabfälle in Deutschland – Baseline 2015. Braunschweig. https://www.thuenen.de/media/publikationen/thuenen-report/Thue nen Report 71.pdf 8. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) (2013): Abfallvermeidungsprogramm des Bundes unter Beteiligung der Länder. Bonn. https://www.bmuv.de/fileadmin/Daten BMU/Pools/Broschueren/abfall vermeidungsprogramm bf.pdf 9. Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Ver braucherschutz (HMUKLV) (2017): Integrierter Klimaschutzplan Hessen 2025. https://www.klimaplan-hessen.de/die-vorgaenger?file=files/iksp/con tent/bilder/KP%20NEU/Integrierter klimaschutzplan Hessen 2025.pdf https://umwelt.hessen.de/sites/umwelt.hessen.de/files/2021-07/potentialstudie abfallvermeidung.pdf https://umwelt.hessen.de/sites/umwelt.hessen.de/files/2021-07/potentialstudie abfallvermeidung.pdf https://www.bmuv.de/fileadmin/Daten BMU/Download PDF/Abfallwirtschaft/fortschreibung abfallvermeidungsprogramm bund laender bf.pdf https://www.bmuv.de/fileadmin/Daten BMU/Download PDF/Abfallwirtschaft/fortschreibung abfallvermeidungsprogramm bund laender bf.pdf https://www.bmuv.de/fileadmin/Daten BMU/Download PDF/Abfallwirtschaft/fortschreibung abfallvermeidungsprogramm bund laender bf.pdf https://umwelt.hessen.de/sites/umwelt.hessen.de/files/2021-07/die hessische ernaehrungsstrategie.pdf https://umwelt.hessen.de/sites/umwelt.hessen.de/files/2021-07/die hessische ernaehrungsstrategie.pdf https://umwelt.hessen.de/sites/umwelt.hessen.de/files/2021-09/ressourcenschutzstrategie hessen nicht barrierefrei.pdf https://umwelt.hessen.de/sites/umwelt.hessen.de/files/2021-09/ressourcenschutzstrategie hessen nicht barrierefrei.pdf https://umwelt.hessen.de/sites/umwelt.hessen.de/files/2021-07/plastikvermeidungsstrategie.pdf https://umwelt.hessen.de/sites/umwelt.hessen.de/files/2021-07/plastikvermeidungsstrategie.pdf http://www.mobilitaet-in-deutschland.de https://www.thuenen.de/media/publikationen/thuenen-report/Thuenen Report 71.pdf https://www.thuenen.de/media/publikationen/thuenen-report/Thuenen Report 71.pdf https://www.bmuv.de/fileadmin/Daten BMU/Pools/Broschueren/abfallvermeidungsprogramm bf.pdf https://www.bmuv.de/fileadmin/Daten BMU/Pools/Broschueren/abfallvermeidungsprogramm bf.pdf https://www.klimaplan-hessen.de/die-vorgaenger?file=files/iksp/content/bilder/KP%20NEU/Integrierter klimaschutzplan Hessen 2025.pdf https://www.klimaplan-hessen.de/die-vorgaenger?file=files/iksp/content/bilder/KP%20NEU/Integrierter klimaschutzplan Hessen 2025.pdf 44 Herausgeber Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Mainzer Straße 80 65189 Wiesbaden umwelt.hessen.de Gestaltung design.idee, büro für gestaltung, Erfurt www.design-idee.net Druck JVA Darmstadt Marienburgstraße 74 64297 Darmstadt Gedruckt auf Recyclingpapier aus 100 % Altpapier (Blauer Engel) Erscheinungsdatum März 2023 ISBN 978-3-89274-447-4 Hinweis Diese Druckschrift wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit der Hessischen Landesregierung herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von Wahlbewerbern oder Wahlhelfern während eines Wahlkampfes zum Zwe cke der Wahlwerbung verwendet werden. Dies gilt für Landtags-, Bundestags- und Kommunalwahlen sowie Wahlen zum Europaparlament. Missbräuchlich ist insbesondere die Verteilung auf Wahlveranstaltungen, an In formationsständen der Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken oder Aufkleben parteipolitischer Informationen oder Werbemittel. Untersagt ist gleichfalls die Weitergabe an Dritte zum Zwecke der Wahlwerbung. Auch ohne zeitlichen Bezug zu einer bevorstehenden Wahl darf die Druckschrift nicht in einer Weise verwendet werden, die als Parteinahme der Landesregierung zugunsten einzelner politischer Gruppen verstanden werden könnte. Die genannten Beschränkungen gelten unabhängig davon, auf welchem Wege und in welcher Anzahl diese Druck schrift dem Empfänger zugegangen ist. Den Parteien ist es jedoch gestattet, die Druckschrift zur Unterrichtung ihrer eigenen Mitglieder zu verwenden. 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