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قوانين ألمانيا

Strategies for Food, Agriculture and Rural Areas with Responsibility for a Sustainable Development

صدر في 2019-09 · النص بتاريخ 2026-10-01

القانون العام والإرشادات الرسمية منشورة بوصفها أبحاثاً. ليست مشورة قانونية أو ضريبية أو مالية.

البحث نفسه مكتوب بالإنجليزية. العناوين والوسوم مترجمة؛ أما النتائج والاقتباسات فغير مترجمة.

عن هذا القانون

العنوان الأصلي
Mit Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung Strategien für Ernährung, Landwirtschaft und ländliche Räume.
اللغة
German
النوع
policy
الدولة
ألمانيا
الموضوعات
Agricultural and rural development, Livestock, Environment, Food and nutrition
الكلمات المفتاحية
sustainable development, agricultural development, farming, food security, innovation, policy/planning, rural employment, youth, labour, animal welfare, protection of environment, environmental impact assessment (EIA), international cooperation, climate change, ecological production/organic production, food safety and quality, liability/compensation, nutrition

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  1. Mit Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung Strategien für Ernährung, Landwirtschaft und ländliche Räume Liebe Leserinnen und Leser , das Prinzip der Nachhaltigkeit wurde schon vor über 300 Jahren begründet: Angesichts einer drohenden Rohstoffkrise formulierte im Jahr 1713 der sächsische Oberberg hauptmann Hans Carl von Carlowitz erstmals, dass immer nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie durch planmäßige Aufforstung, durch Säen und Pflanzen nach wachsen kann. ­ ­ Dieses jahrhundertealte Prinzip ist heute noch genauso gültig und fester Bestandteil unseres politischen Handelns. Die Bundesregierung hat sich deshalb ganz konkret zur Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und damit zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung als Maßstab des Regierungshandelns bekannt. Dazu trägt unsere Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie aktiv bei, die wir kontinuierlich und ambi tioniert weiterentwickeln und aktuellen Bedürfnissen anpassen. ­ Unser Ministerium, das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, enga giert sich auf vielfältige Weise, um die Nachhaltigkeitsziele mit Leben zu füllen – natio nal wie international. Denn wir werden in Zukunft mehr Nahrungsmittel mit weniger Ressourceneinsatz erzeugen müssen. Wir können nachwachsende Rohstoffe noch besser nutzen und bestehende Anwendungen nachhaltiger gestalten – vom Agrar bereich über die Fischerei bis zur Waldwirtschaft. ­ ­ ­ Lassen Sie mich das noch bildhafter formulieren. Für mich bedeutet Nachhaltigkeit vor allem, dass unser Handeln enkeltauglich ist. Besonders in der Land­ und Ernährungs wirtschaft ist dieser Anspruch ein hohes Gut, wo Betriebe häufig von Urenkeln der Gründer in vierter oder fünfter Generation geführt werden – hier wird nicht in Quarta len gedacht. Hier werden Ressourcen genutzt und geschützt, damit auch die folgenden Generationen nachhaltig wirtschaften können. ­ ­ Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre! Herzlichst Ihre Julia Klöckner Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft MIT VERANTWORTUNG FÜR EINE NACHHALTIGE ENTWICKLUNG 1 Gemeinsame Ziele für eine nachhaltige Entwicklung Mit der Agenda 2030 haben die Vereinten Nationen einen weltweiten Handlungsrahmen für nachhaltige Entwicklung vorgelegt. Das Herzstück bilden 17 Ziele (Sustainable Development Goals) für das Jahr 2030 – mit insgesamt 169 Unterzielen. Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie orientiert sich an der Agenda 2030 und ergänzt die dort formulierten Ziele. Sie setzt den Rahmen für Maßnahmen mit Wirkung in Deutsch land, aber auch für den deutschen Beitrag zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele in der Welt. Auf Grund lage dessen setzt sich auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) mit zahlreichen Maßnahmen dafür ein, nachhaltige Entwicklung zu fördern – in Deutschland und weltweit. ­ ­ MIT VERANTWORTUNG FÜR EINE NACHHALTIGE ENTWICKLUNG 2 INHALT 1 Wertschätzung für gutes Essen SEITE 4 2 Nachhaltiges Wirtschaften SEITE 8 3 Gut leben auf dem Land SEITE 18 4 Verantwortung in der Welt SEITE 22 5 Digitalisierung als Chance SEITE 28 Schaubild: Unsere Ziele im Überblick SEITE 30 Unser Anspruch SEITE 32 MIT VERANTWORTUNG FÜR EINE NACHHALTIGE ENTWICKLUNG 3 ­ ­ 1 Wertschätzung für gutes Essen Nachhaltige Ernährungspolitik bedeutet, Umwelt und Ressourcen zu schützen und soziale und wirtschaftliche Balance zu fördern: entlang der gesamten Lebensmittelkette. Daher setzt sich das BMEL für die Produktion und Verfüg barkeit gesunder und vielfältiger Lebens mittel in Deutschland ein – auch für kommende Generationen. 1 Wertschätzung für gutes Essen Nachhaltige Ernährungspolitik bedeutet, Umwelt und Ressourcen zu schützen und soziale und wirtschaftliche Balance zu fördern: entlang der gesamten Lebensmittelkette. Daher setzt sich das BMEL für die Produktion und Verfüg barkeit gesunder und vielfältiger Lebens mittel in Deutschland ein – auch für kommende Generationen. Bewusst gesund essen Immer mehr Menschen sind übergewichtig – ein alarmierendes Symptom moderner Wohlstandsgesellschaften. In Deutschland sind rund 47 Prozent der Frauen und 62 Prozent der Männer betroffen, fast ein Fünftel der Erwachsenen ist adipös. Auch Kinder werden immer häufiger übergewichtig. Um hier gegenzusteuern und Folge krankheiten zu mindern, setzt sich das BMEL für eine gesündere Lebensmittelauswahl ein sowie für ein besseres Ernährungsbewusstsein. WENIGER ZUCKER, FETTE UND SALZ 20% weniger Zucker sollen Frühstückscerealien für Kinder bis Ende 2025 enthalten. Mit einer Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie wollen BMEL und Bundesregie rung gemeinsam mit Verbänden und Institutionen aus den Bereichen Ernährung, Gesundheit, Lebensmittelwirtschaft, Verbraucherschutz und Wissenschaft den Anteil von Zucker, bestimmten Fetten und Salz in Fertigprodukten reduzieren. Ziel ist es, für Verbraucherinnen und Verbraucher die gesunde Wahl zur einfachen Wahl zu machen. Das geschieht auf Grund lage von Selbstverpflichtungen der Lebensmittelwirtschaft. Bis Ende 2025 soll sich zum Bei spiel der Anteil von Zucker in Frühstückscerealien für Kinder im Durchschnitt um mindestens 20 Prozent reduzieren. Kinderjoghurts sollen etwa zehn Prozent, Erfrischungsgetränke mindestens 15 Prozent weniger Zucker enthalten. Außerdem wird das Bäckerhandwerk mittels Aufklärungsmaßnahmen für einen sinn- und maßvollen Umgang mit Salz in der Branche werben, um Salzspitzen im Brot zu reduzieren. Auch Tiefkühlpizzen sollen weniger Salz enthalten. Zudem sieht die Strategie vor, dass das Thema auch in die Ausbildung im Lebensmittelhandwerk und -handel einfließt. So lernt der Branchennachwuchs direkt, wie sich Zucker, Fette und Salz reduzieren lassen. Der Erfolg der Strategie wird vom BMEL begleitet und durch ein wissenschaftliches Monitoring überprüft. In zahlreichen Forschungsprojekten fördert das BMEL zudem innovative Ansätze zur Reduk tion von Zucker, Fetten und Salz in verarbeiteten Lebensmitteln sowie für Mahlzeiten in der Außerhaus- und Gemeinschaftsverpflegung. ERNÄHRUNGSBILDUNG FÜR JUNG UND ALT Das BMEL setzt sich für das gesunde Aufwachsen von Kindern und Jugend lichen ein. Die Bundesregierung hat im Jahr 2008 den Nationalen Aktionsplan „IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewe gung“ beschlossen. Ziel ist es, Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten vorzubeugen. Ernährung und Bewegung werden als Einheit, als gleichwertige und entscheidende Bausteine eines gesunden Lebens begriffen. In bereits mehr als 200 Projekten verfolgten die Beteiligten gemeinsam das Ziel, das Ernährungs- und Bewegungsverhalten in Deutschland nachhaltig zu verbessern. So soll Krankheiten entgegengewirkt werden, die mit einem ungesunden Lebensstil zusammenhängen. Ein Schwerpunkt des Aktionsplans ist es, Kompetenzen zu stärken und Wissen zum Thema Ernährung zu vermitteln – in allen Altersklassen, vor allem aber bei Kindern und Jugendlichen. Denn die Basis für eine ausgewogene Ernäh rung beginnt bereits im Kindesalter. Das BMEL setzt sich deshalb für eine starke Ernährungsbildung ein – eng verknüpft mit dem Kita- und Schulessen. WERTSCHÄTZUNG FÜR GUTES ESSEN 5 WENIGER ZUCKER, FETTE UND SALZ ERNÄHRUNGSBILDUNG FÜR JUNG UND ALT Im Jahr 2018 erhielten fast 2,3 Millionen Kinder (von 0 bis 7 Jahren) in Kinder tageseinrichtungen ein Mittagessen. Insbesondere die Zahl der unter Dreijähri gen, die in Kindertageseinrichtungen betreut werden, hat sich von rund 300.000 Kindern im Jahr 2008 auf über 600.000 Kinder im Jahr 2018 mehr als verdoppelt. Im Auftrag des BMEL wurden Materialien entwickelt, um verschiedenen Alters gruppen Wissen über Ernährung zu vermitteln. Den Ernährungsführerschein für die Grundschulen haben mittlerweile mehr als eine Million Kinder absolviert. Gemeinsam mit den Ländern wurden Vernetzungsstellen für Schul- und Kitaver pflegung eingerichtet. Diese unterstützen die Einrichtungen dabei, ein gesundes Verpflegungsangebot zu gestalten. Auch für Seniorinnen und Senioren sind solche Vernetzungsstellen geplant. Ihre Aufgabe: durch Wissensvermittlung die Ernährungskompetenz älterer Menschen verbessern und einen Beitrag zur Förderung der sozialen Teilhabe leisten. Denn die Themen Seniorenernährung und Fitness im Alter gewinnen angesichts des demografischen Wandels zunehmend an Bedeutung. Im Jahr 2050, so die Pro gnosen, gehört bereits jeder Dritte in Deutschland zur „Generation 60 plus“. DARAN WIRD GEFORSCHT: WAS KINDER BRAUCHEN Das von Bundesministerin Julia Klöckner neu eröff nete Institut für Kinder ernährung am Max­Rub ner­Institut widmet sich dem Ernährungs­ und Essverhalten von Schul kindern und Jugendlichen. Zudem untersuchen die Expertinnen und Experten gesundheitliche Auswir kungen der Ernährung in der Schwangerschaft und frühen Kindheit. Das Institut ist im Bereich der Kinderernährung ein Leuchtturm für die For schung – in Deutschland sowie international. Verantwortungsvoll produzieren und konsumieren Rund 12 Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland jährlich auf dem Müll. In allen Stufen der Lebensmittel versorgungskette wird Essen verschwendet, der Großteil der Lebensmittelabfälle entsteht in privaten Haushalten. Mit Blick auf weltweit mehr als 800 Millionen hungernde Menschen ist dies ethisch untragbar und eine Verschwendung nicht nur von Geld, sondern auch von Umweltressourcen: sauberer Luft und Wasser, fruchtbarem Boden und Energie. Das BMEL will die Wertschätzung für Nahrungsmittel in allen Bereichen der Lebensmittelversorgungskette steigern und setzt sich deshalb gegen Verschwendung und für nachhaltigen Konsum ein. MEHR WERTSCHÄTZUNG FÜR LEBENSMITTEL Im Einklang mit der Agenda 2030 möchte das BMEL bis 2030 die Lebensmittelverschwendung pro Kopf in Deutschland halbieren – im Einzelhandel sowie bei Verbraucherinnen und Verbrauchern. Zudem will das Ministerium Lebensmittel verschwendung verringern, die entlang der Produktions- und Lieferkette entsteht. Das gilt auch für Nachernteverluste. Die Bundesregierung hat dazu im Februar 2019 die Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwen dung beschlossen. Diese zeigt mögliche Ursachen, Herausforderungen und Handlungsfelder auf, um Lebensmittel verschwendung entlang der gesamten Versorgungskette zu reduzieren. Ziel ist es dabei, ein gesellschaftliches Umdenken hin zu mehr Wertschätzung für Lebensmittel zu erreichen. Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft legen konkrete Maßnahmen und Zielmarken fest. Dazu gehört, dass auch krummes Gemüse geerntet und verwertet wird. Unternehmen sollen bedarfsgerechte Bestellgrößen anbieten und Lebensmittel häufiger zwischen den Filialen umverteilen. Auch das Abgabesystem zwischen Handel und gemein nützigen Hilfsorganisationen wird optimiert. Die Maßnahmen müssen überprüfbar sein. Deshalb entwickelt eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe im Rahmen der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie einen Indikator, mit dem Lebensmittelabfälle über alle Stufen der Lebens mittelversorgungskette gemessen werden sollen. ­ ­ ­ ­ ­ ­ WERTSCHÄTZUNG FÜR GUTES ESSEN 6 MEHR WERTSCHÄTZUNG FÜR LEBENSMITTEL NATIONALES PROGRAMM FÜR NACHHALTIGEN KONSUM Die Bundesregierung hat 2016 das „Nationale Programm für nachhal tigen Konsum“ beschlossen. Es soll dazu beitragen, die breite Öffent lichkeit für das Thema zu sensibilisieren und die Konsumkompetenz von Verbraucherinnen und Verbrauchern zu steigern. Ein zentraler Baustein des Programms ist das seit 2017 bestehende BMEL-Projekt „Nachhaltiges konsumieren – biologische Vielfalt erleben“. Es zeigt Möglichkeiten auf, wie Produzenten, Handel und Konsumentinnen und Konsumenten zusammen zum Erhalt der biologischen Vielfalt beitra gen können – durch eine nachhaltigere Landwirtschaft und bewusstere Kaufentscheidungen. Darüber hinaus umfasst das Programm eine Vielzahl weiterer Projekte in den Bereichen Ernährung und Landwirtschaft. Sie alle verfolgen das Ziel, eine gesunde, tierwohlgerechte und umweltschonende Ernäh rung zu ermöglichen – finanziell für alle tragbar und im Alltag um setzbar. Um regionale Produkte zu stärken, hat das BMEL bereits im Jahr 2014 das Regionalfenster unter einem privaten Trägerverein initiiert. Es zeigt Verbraucherinnen und Verbrauchern auf einen Blick, wo Produkte erzeugt und verarbeitet wurden. So lässt sich schnell überprüfen, wie regional Produkte sind. DARAN WIRD GEFORSCHT: STARKES NETZWERK GEGEN VERSCHWENDUNG 2015 wurde beim Meeting of Agriculture Chief Scientists (MACS) der G20­Staaten beschlos sen, Forschungs­ und Politikberatungskapa zitäten zu bündeln und eine Initiative zur Redu zierung der Lebensmittel verschwendung zu grün den. Deutschland über nahm die Federführung. Das Thünen­Institut koordiniert seit 2016 ein globales Forschungsnetz werk (MACS­G20 Initiative gegen Lebensmittelver luste und ­abfälle). Hier können sich Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen treffen und nach Partnern sowie For schungsarbeiten suchen. ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ Mit der Initiative „Zu gut für die Tonne!“ sensibilisiert das BMEL die Öffentlichkeit, Verbraucherinnen und Verbraucher sowie die Gastronomie dafür, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Die Initiative wird im Rahmen der Strategie als Dachmarke ausgebaut und umfasst zukünftig alle Sektoren der Lebensmittelversorgungskette. Deshalb zeichnet das BMEL mit einem Bundeswettbewerb Projekte aus, die sich vorbildlich gegen Lebensmittelverschwendung engagieren. WERTSCHÄTZUNG FÜR GUTES ESSEN 7 NATIONALES PROGRAMM FÜR NACHHALTIGEN KONSUM ­ ­ 2 Nachhaltiges Wirtschaften Über 80 Prozent der Fläche Deutsch lands werden land­ und forstwirtschaft lich genutzt: für die Versorgung mit Lebensmitteln und Rohstoffen. Wie Land­ und Forstwirtschaft betrieben werden, hat großen Einfluss auf Natur und Umwelt. Das BMEL setzt sich mit hoher Priorität dafür ein, natürliche Ressourcen schonend zu nutzen und Umwelt und Klima zu schützen. 2 Nachhaltiges Wirtschaften Über 80 Prozent der Fläche Deutsch lands werden land­ und forstwirtschaft lich genutzt: für die Versorgung mit Lebensmitteln und Rohstoffen. Wie Land­ und Forstwirtschaft betrieben werden, hat großen Einfluss auf Natur und Umwelt. Das BMEL setzt sich mit hoher Priorität dafür ein, natürliche Ressourcen schonend zu nutzen und Umwelt und Klima zu schützen. Ressourcen schonen Natürliche Ressourcen wie Boden, Wasser, Luft sowie die biologische Vielfalt bilden die wichtigsten Grundlagen der Er nährungs-, Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft. Ein nachhaltiger Umgang mit diesen Ressourcen ist notwendig, um auch künftig die Erzeugung hochwertiger Lebensmittel sicherzustellen. Hierbei gibt es noch viel zu tun. Ein Beispiel: Bis 2019 wurden in Gebieten mit starker landwirtschaftlicher Nutzung an 28 Prozent der Grundwassermessstellen die geltenden Nitratgrenzwerte nicht eingehalten. Das BMEL richtet deshalb seine Strategien konsequent darauf aus, nachhaltige Bewirtschaftungsformen weiter zu fördern. Mit ihrer Bioökonomiestrategie verfolgt die Bundesregierung zudem das Ziel, Ökonomie und Ökologie für ein nachhaltiges Wirtschaften zu verbinden. Der ganzheitliche Ansatz der Bioökonomie umfasst die Erschließung, Verbesserung und Nutzung biologischer Ressourcen, Prozesse und Systeme, sei es in der Land und Forstwirtschaft, in der Lebensmittelherstellung oder im Dienstleistungsbereich. LANDWIRTSCHAFT MIT VERANTWORTUNG Mineraldünger sowie Wirtschaftsdünger, insbesondere Gülle, Biogasgärreste und Jauche, verursachen in vielen Regionen einen Stickstoffüberschuss. Dieser belastet vor allem in Form von Nitrat Böden und Grundwasser. In der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie wurde das Ziel festgelegt, den Stickstoffüberschuss auf landwirt schaftlich genutzten Flächen bis 2030 auf 70 Kilogramm pro Hektar zu senken. In den vergangenen Jahren schwankte der Wert zwischen 80 und 100 Kilogramm pro Hektar. Um den Düngereinsatz auf ein vertretbares Maß zu reduzieren, wurde das Düngerecht bereits 2017 verschärft. Damit soll erreicht werden, dass nur noch so viel gedüngt wird, wie die Pflanzen aufnehmen können. Um die verschärften Ziele der EU-Nitratrichtlinie zu erreichen, werden 2019 weitere Maßnahmen ergriffen. Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union soll eine nachhaltige Entwicklung der Landwirt schaft in ganz Europa fördern. Bäuerinnen und Bauern müssen schon seit Langem eine Reihe von Auflagen erfüllen, um den guten landwirtschaftlichen und ökologischen Status der von ihnen bewirtschafteten Flächen zu erhalten und zu verbessern. EU-Agrarzahlungen werden an Verpflichtungen gebunden: Diese betreffen etwa Umweltschutz, Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze sowie Tierschutz. Zudem sind Standards einzuhalten, mit denen Erosion reduziert, die Landschaftselemente geschützt, Flächen begrünt und Gewäs ser geschützt werden. Für die Zeit nach 2020 soll die GAP weiterentwickelt werden. Hierbei setzt sich die Bundesregierung dafür ein, ein höheres Umweltniveau durch sogenannte „grüne Architektur“ zu erreichen. Gemeint ist damit das Zusammenspiel von Grundanforderungen für die Bewirtschaftung, Ökoregelungen und freiwilligen, ergänzenden Maßnahmen des Agrarumwelt- und Klimaschutzes. Mit verschiedenen Maß nahmen soll sichergestellt werden, dass die GAP einen größeren Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz leistet und dabei Anreize für Landwirtinnen und Landwirte bietet. Bei den Grundanforderungen soll etwa ein EU-weit einheitlicher, substanzieller Mindestanteil an Fläche festgesetzt werden, der für Elemente wie Hecken, Feuchtgebiete und Brachen reserviert ist. ZUKUNFT FÜR DEN ÖKOLANDBAU Im Jahr 2018 wurden in Deutschland 9,1 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirt schaftet – eine Wirtschaftsform, die besonders ressourcenschonend und umweltverträglich ist. Daher hat sich die Bundesregierung in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie zum Ziel gesetzt, den Anteil des Ökolandbaus bis 2030 auf 20 Prozent zu erhöhen. Die „Zukunftsstrategie ökologischer Landbau“ unterstützt die Entwicklung mit 24 Maßnahmenkonzepten. Dazu gehören unter anderem: → die Weiterentwicklung der europäischen Rechtsvorschriften für Bioprodukte → die Unterstützung der Züchtung und Erzeugung von Saatgut → die Förderung von Biowertschöpfungsketten → die Steigerung des Bioanteils in der Außerhausverpflegung → die Stärkung der Forschungsförderung für den ökologischen Landbau NACHHALTIGES WIRTSCHAFTEN 9 LANDWIRTSCHAFT MIT VERANTWORTUNG ZUKUNFT FÜR DEN ÖKOLANDBAU Dafür stellt das BMEL im Rahmen des „Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN)“ jährlich Mittel in Höhe von 30 Millionen Euro bereit. Außerdem fördert der Bund über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrar struktur und des Küstenschutzes“ (GAK) die Einführung und Beibehaltung ökologischer Anbauverfahren. WIN-WIN-SITUATION DURCH ERBSEN UND BOHNEN Eiweißpflanzen haben eine positive Wirkung auf Umwelt und Agrarökosysteme. Das gilt insbesondere für Leguminosen wie Ackerbohnen, Erbsen, Sojabohnen und Lupinen. Mithilfe von Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln binden sie Luftstickstoff, nutzen diesen als Nährstoff und stellen ihn auch der Folgekultur zur Verfügung. Das spart Stickstoffdüngemittel. Der Anbau von Leguminosen, auch Hülsenfrüchte genannt, lockert zudem relativ enge Fruchtfolgen auf: So treten weniger Schadorganismen auf und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kann reduziert werden. Blühende Leguminosen bieten zudem eine ausgezeich nete Nahrungsgrundlage für Nektar sammelnde, bestäubende Insekten. Das BMEL setzt im Rahmen der Eiweißpflanzenstrategie Anreize, neben Getreide und Ölsaaten auch Leguminosen anzubauen und zu nutzen. Die Anbauflächen für Leguminosen zur Körnergewinnung stiegen von rund 82.000 Hektar im Jahr 2012 auf fast 192.000 Hektar im Jahr 2018. FRUCHTBARE BÖDEN Auf fast 192 Tsd. Hektar wurden 2018 Hülsenfrüchte zur Körnergewinnung angebaut. In Deutschland sind die Böden überwiegend sehr fruchtbar. Landwirtschaftliche Betriebe ernten hier etwa dreimal so viele Lebensmittel auf der gleichen Fläche wie Betriebe außerhalb Europas. Eine nicht nachhaltige Bewirtschaftung wirkt sich jedoch negativ auf die Bodenfruchtbarkeit sowie auf Umwelt, Klima und Biodiversität aus. Die sogenannte „gute fachliche Praxis“ umfasst daher unter anderem Grundsätze zum Schutz des Bodens bei Anbau und Ernte der Pflanzen, die im Bundes-Bodenschutzgesetz festgelegt sind. Um der besonderen Bedeu tung der Böden Rechnung zu tragen, wird aktuell im Rahmen der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie ein neuer Indikator zum Bodenschutz erarbeitet. Der Boden ist zudem ein Schwerpunkt der kommenden Ackerbaustrategie. Mit ihr setzt das BMEL den Rahmen, um die Erzeugung von Lebensmitteln, Futtermitteln und pflanzlichen Rohstoffen in Zukunft besser mit dem Schutz der natürlichen Ressourcen Boden, Wasser und Luft in Einklang zu bringen. Zur Umsetzung soll unter anderem ein Netzwerk „Leitbetriebe Pflanzenbau“ geschaffen werden. Teilnehmende Betriebe sollen wesentliche Elemente der Ackerbaustrategie umsetzen und diese gezielt der Öffentlichkeit demonstrieren. Umwelt und Klima schützen Zwischen Umwelt- und Klimaschutz, Ernährungssicherung und nachhaltiger Rohstoffverfügbarkeit besteht eine enge Wechselwirkung. Land- und Forstwirtschaft sind – ebenso wie Fischerei und Aquakultur – von natürlichen Bedingungen abhängig und deshalb besonders vom Klimawandel betroffen. Die Landwirtschaft verursacht Treibhausgase, ist aber auch Teil der Lösung: Landwirtschaftlich genutzte Böden in Deutschland speichern zweieinhalb Milliarden Tonnen Kohlen stoff. Auch der Wald bindet jährlich etwa 127 Millionen Tonnen CO ² Äquivalente. Das BMEL unterstützt die Land- und Forstwirtschaft dabei, weniger Emissionen zu verursachen und sich besser an die Folgen des Klimawandels anzupassen. NACHHALTIGES WIRTSCHAFTEN 10 WIN-WIN-SITUATION DURCH ERBSEN UND BOHNEN FRUCHTBARE BÖDEN WENIGER EMISSIONEN Die Klimaschutzziele der Bundesregierung aus dem Klimaschutzplan 2050 sehen für die Landwirtschaft vor, ihre jährlichen Emissionen bis 2030 gegenüber 2014 um 11 bis 14 Millionen Tonnen CO ² Äquivalente zu reduzieren. Im Vergleich zu 1990 sind die Treibhausgasemissionen bereits von 90 auf 72 Millionen Ton nen CO ² Äquivalente und somit um rund 20 Prozent zurückgegangen. Besonderes Einsparpotenzial liegt in den nachfolgend dargestellten Bereichen. Um das in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie festgelegte Ziel zur Begrenzung von Stickstoffüberschüs sen zu erreichen, hat das BMEL das Düngerecht seit 2017 wesentlich geändert. Damit werden Düngemittel künftig emissionsärmer und am Pflanzenbedarf orientiert verwendet, sodass geringere Stickstoffüber schüsse und damit entsprechend weniger klimaschädliches Lachgas (Distickstoffmonoxid) entstehen. Dadurch können Treibhausgase in Höhe von mindestens 1,9 Millionen Tonnen CO ² Äquivalente vermie den werden. Die von den Vereinten Nationen geschaffene Einheit „CO ² Äquivalente“ gibt an, wie viel ein Gas zur Erderwärmung beiträgt – umgerechnet auf die äquivalente Menge an CO ² . Auch Wirtschaftsdünger verursachen hohe Treibhausgasemissionen. Die Lagerung von Wirtschaftsdüngern (außer Festmist) in geschlossenen Behältern ist daher bereits heute eine Bedingung bei Stallneubauten. Werden Gülle und Festmist vor dem Einsatz als Dünger zunächst energetisch genutzt, verbessert sich die Klimabilanz erheblich. Durch diese Praxis werden aktuell circa 2,19 Millionen Tonnen CO ² Äquivalente eingespart. Durch die Substitution fossiler Energieträger ergeben sich weitere Einsparungen. Das Natio nale Luftreinhalteprogramm wird mit verschiedenen Maßnahmen ebenfalls zur Minderung von Emissio nen beitragen. DARAN WIRD GEFORSCHT: FUTTER BESTMÖGLICH EINSETZEN Im Bereich der Tierernäh rung werden Forschungs vorhaben gefördert, die untersuchen, wie Futtermittelnährstoffe in größtmöglichem Um fang und emissionsärmer verwertet werden können. Dazu zählen unter ande rem Fütterungsstrategien für Wiederkäuer, die dazu beitragen, dass über die Ausscheidungen weniger Stickstoffverbindungen (wie zum Beispiel Ammo niak) freigesetzt werden. ­ ­ ­ ­ ­ EFFIZIENTE ENERGIENUTZUNG Über das Bundesprogramm zur Steigerung der Energieeffizienz in der Land wirtschaft und im Gartenbau werden Beratungs- und Energieeinsparmaßnah men in landwirtschaftlichen Unternehmen gefördert. Das gilt etwa für Gewächs häuser, die wesentlich weniger Energie verbrauchen. Auch der Einbau von mo dernen, besonders energieeffizienten Pumpen und Ventilatoren wird gefördert. Von 2019 bis 2021 stehen dafür Mittel in Höhe von 81 Millionen Euro bereit. Das Programm soll dazu beitragen, dass bei der direkten Energienutzung in der Landwirtschaft bis zum Jahr 2030 eine Treibhausgasminderung von 1,1 Millionen Tonnen CO ² Äquivalenten im Jahr erreicht wird. ANPASSUNG AN DEN KLIMAWANDEL Um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen, hat die Bundes regierung 2008 die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) beschlossen. Dazu wurden bereits zwei Aktionspläne erstellt, ein dritter ist in Vorbereitung. Damit verfolgt die Regierung das Ziel, die Verletzlichkeit von Natur, Gesellschaft und Wirtschaft gegenüber den Folgen des Klimawandels zu verrin gern und ihre Anpassungsfähigkeit zu steigern. NACHHALTIGES WIRTSCHAFTEN 11 WENIGER EMISSIONEN EFFIZIENTE ENERGIENUTZUNG ANPASSUNG AN DEN KLIMAWANDEL Das BMEL erarbeitet gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium (BMU) und den Ländern auf Grundlage der DAS eine Agenda. Bund und Länder werden Maßnahmen ergreifen, um Betrieben aus Land- und Forstwirt schaft sowie Fischerei und Aquakultur zu helfen, sich vorsorglich und effizient an den Klimawandel anzu passen. Dabei sind Nachhaltigkeitsziele wie Tierwohl, Gewässer- und Bodenschutz, Schutz der Biodiversität, Luftreinhaltung, Einkommenssicherung, Stärkung des ländlichen Raums, des integrierten Pflanzenbaus oder des ökologischen Landbaus gleichermaßen zu berücksichtigen. Biologische Vielfalt erhalten In Deutschland gelten über 30 Prozent der Pflanzenarten, rund 36 Prozent aller Tierarten und 70 Prozent der Fische im Süßwasser als gefährdet. Zudem weisen rund 65 Prozent der Lebensräume (Biotoptype) ein hohes Verlustrisiko auf – also das Risiko, dass diese Lebensräume in Deutschland vollständig verschwinden. Gefährdet ist auch die Vielfalt unserer Nutzpflanzen und -tiere – also der genetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft. Das BMEL setzt sich dafür ein, die biologische Vielfalt sowie die landschaftliche Strukturvielfalt im Agrarraum zu verbessern. Dabei gilt die Devise „Erhalt durch Nutzung“. RAUM FÜR BEDROHTE ARTEN NACHHALTIGES WIRTSCHAFTEN 12 15.400 ha Land lassen Landwirtinnen und Landwirte in Deutschland bewusst brachliegen, um Raum für bienenfreundliche Pflanzen zu schaffen. Landwirtschaft kann einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern. Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) schafft hierfür Anreize: Fünf Prozent der Ackerfläche sind als ökologische Vorrangflächen im Umweltinteresse zu nutzen. Die Bundesregierung fördert Flächentypen wie Brachen, Blühstreifen, Pufferstreifen zu Gewässern oder Hecken. Darüber hinaus unterstützt das BMEL über die Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK) die Länder bei einer Vielzahl regionaltypischer Fördermaßnahmen, um gefährdete einheimische Pflanzen sorten und Tierrassen zu erhalten. Insbesondere für den Bienenschutz können bestimmte Flächentypen gefördert werden. 2018 haben landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland bereits circa 15.400 Hektar „für Honigpflanzen genutztes brachliegendes Land“ angemeldet. Auch produktive Nutzungen landwirt schaftlicher Flächen, etwa durch Anbau von Zwischenfrüchten und Leguminosen, werden gefördert. Die BMEL-Strategie „Agrobiodiversität erhalten, Potenziale der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft erschließen und nachhaltig nutzen“ setzt wichtige Akzente zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Mit circa drei Millionen Euro jährlich fördert das BMEL Projekte mit unterschiedlichen Herangehensweisen: → On-farm-Bewirtschaftung: Erhalt von Kulturpflanzen und Nutztieren mit gleichzeitiger Anpassung an sich ändernde Umweltbedingungen und Nutzungsansprüche → In-situ-Maßnahmen: Erhalt und Wiedereingliederung von potenziell für Ernährung und Landwirtschaft nutzbaren Wildpflanzen und -tieren in ihrer natürlichen Umgebung → Ex-situ-Maßnahmen: Erhalt von Pflanzenarten und -sorten sowie Tierrassen durch Einlagerung genetischer Ressourcen in Genbanken Zur Umsetzung dieser Strategie tragen auch die Fachprogramme für pflanzen-, tier-, forst- und aquatische genetische Ressourcen bei. Das BMEL unterstützt die Strategie aus unterschiedlichen Fördertiteln, durch seine Ressortforschung und nachgeordnete Behörden. So wird etwa die Deutsche Genbank Obst durch das Julius-Kühn-Institut (JKI) und die Deutsche Genbank Zierpflanzen durch das Bundessortenamt (BSA) koordiniert. Der Bund bringt hier auch eigene Pflanzen sammlungen ein. Bundesweit koordiniert das Informations- und Koordinations zentrum für Biologische Vielfalt (IBV) alle Erhaltungs- und Nutzungsmaßnahmen. Es gehört zur Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). RAUM FÜR BEDROHTE ARTEN BETRIEBE ALS PARTNER Wichtig ist dem BMEL zudem, den Naturschutz über intensive Beratung betriebsindividuell und kooperativ zu fördern. Ein Beispiel ist das 2017 gestartete F.R.A.N.Z-Projekt (Für Res sourcen, Agrarwirtschaft und Naturschutz mit Zukunft). Es ist auf mehrere Jahre angelegt, wird vom Deutschen Bauernverband sowie der Umweltstiftung Michael Otto durchgeführt und von BMEL, BMU und der landwirtschaftlichen Rentenbank gefördert. Dabei entwickeln Naturschutzorganisationen sowie Landwirtinnen und Landwirte gemeinsam Konzepte, die die Natur schützen und zugleich für den jeweiligen Betrieb umsetzbar und wirtschaftlich rentabel sind. An dem Projekt beteiligen sich konventionell wirtschaftende Betriebe. Die dabei gesammelten Erfahrungen sollen in die Gestaltung von Agrarumweltprogrammen einfließen. Tierwohl verbessern Zu nachhaltiger Landwirtschaft gehört auch eine tiergerechte Haltung. Die gesellschaftlichen Vorstellungen und die moderne landwirtschaftliche Praxis liegen hier teils weit auseinander. In der Öffentlichkeit wird die Haltung von Nutztieren zunehmend kritisch hinterfragt: 81 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher wünschen sich eine staat liche Tierwohlkennzeichnung. Das BMEL verfolgt das Ziel einer Nutztierhaltung, die sich durch ein hohes Maß an Tierwohl auszeichnet, breite Zustimmung in der Gesellschaft findet und ökonomisch gut aufgestellt ist. GEMEINSAM FÜR MEHR TIERSCHUTZ Mit der Nutztierstrategie hat das BMEL den Rahmen gesetzt, um den hoch entwickelten Sektor weiterhin zu ver bessern. Kriterien sind dabei Tier- und Umweltschutz genauso wie Qualität bei der Produktion und Marktorientie rung. Im Rahmen der Strategie wird etwa getestet, wie neue Ställe aussehen könnten. Dazu werden Erfahrungen aus sogenannten Modell- und Demonstrationsvorhaben ausgewertet. Fachleute sowie Landwirtinnen und Landwirte unterstützen diese Vorhaben mit ihrer Expertise. Teil der Strategie ist auch die geplante staatliche Tierwohlkennzeichnung. Das Bundeskabinett hat den Gesetz entwurf zur Einführung eines Tierwohlkennzeichens beschlossen. Das dreistufige Tierwohlkennzeichen hilft Ver braucherinnen und Verbrauchern, Produkte zu erkennen, bei deren Erzeugung höhere Standards eingehalten wer den als gesetzlich vorgeschrieben. Gleichzeitig eröffnet es Betrieben neue, zukunftsgerichtete Marktperspektiven. Die Kriterien wurden gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Branchenverbänden sowie Tierschutz- und Verbraucherschutzverbänden erarbeitet. Sie umfassen die gesamte Wertschöpfungskette – von der Geburt bis zur Schlachtung der Tiere. Neben den Haltungsbedingungen und der Tiergesundheit berücksichtigt das Tierwohlkennzeichen auch managementbezogene Aspekte. Nach Abschluss des Rechtssetzungsverfahrens kann mit der Produktion nach den Standards des Tierwohlkennzeichens begonnen werden. Zunächst wird überprüft, ob ein Betrieb die höheren Anforderungen an Haltung, Transport und Schlachtung für eine bestimmte Stufe erfüllt. Trifft dies zu, kann er am Tierwohlkennzeichen teilnehmen. Das Kennzeichen soll zunächst für Schweine gelten. Danach folgt eine Ausweitung auf andere Nutztierarten. BESSERES TIERWOHL DURCH NEUE LÖSUNGEN Das BMEL setzt auch auf die Eigeninitiative der Wirtschaft nach dem Prinzip der „freiwilligen Verbindlichkeit“. Wo freiwilliges Engagement nicht zu den notwendigen Verbesserungen führt, kann aber auch eine Änderung des Rechtsrahmens erforderlich sein. Für die Legehennenhal tung konnten in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft Lösungen für wesentliche Tierschutzpro NACHHALTIGES WIRTSCHAFTEN 13 BESSERES TIERWOHL DURCH NEUE LÖSUNGEN GEMEINSAM FÜR MEHR TIERSCHUTZ BETRIEBE ALS PARTNER bleme vorangetrieben werden. In den Brütereien werden bei Küken, die für die deutsche Lege hennenproduktion vorgesehen sind, schon seit Anfang 2017 keine Schnäbel mehr kupiert. Erste Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei wurden in die Praxis eingeführt. Durch sie lässt sich das Töten männlicher Küken vermeiden. Für andere Bereiche fehlen bislang freiwillige Vereinbarungen. Um ein Ende der betäubungslosen Ferkelkastration zu erreichen, setzt das BMEL alles daran, Alternativen weiterzuentwickeln. Wichtig ist dabei, dass diese in der Praxis gut umzusetzen sind. Das BMEL hat bereits mehrere Millionen Euro in Forschung investiert. Im Oktober 2018 ist etwa ein vom BMEL finanziertes Forschungsprojekt zur Lokalanästhesie gestartet. Seit Sommer 2017 führen zwei Modell- und Demonstrationsvorhaben die Ferkelkastration unter Betäubung durch. Mittelfristig soll auf alle sogenannten nicht kurativen Eingriffe wie das Schwänzekupieren in der Nutztierhaltung weitestgehend verzichtet werden. Fischerei nachhaltig gestalten Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO ist weltweit rund ein Drittel der wirtschaftlich genutzten Fisch bestände überfischt. Auch wichtige Bestände der EU wurden in der Vergangenheit nicht nachhaltig bewirtschaftet, etwa der Kabeljau in der Nordsee oder der Dorsch in der Ostsee. Seit Jahren setzt sich das BMEL gemeinsam mit der EU nach drücklich dafür ein, künftig alle Fischbestände auf Basis wissenschaftlicher Empfehlungen nachhaltig zu bewirtschaften. FANGQUOTEN GEGEN ÜBERFISCHUNG ­ ­ ­ ­ Die Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik legt fest, dass in den EU-Gewässern bis spätestens 2020 alle Fischbestände nachhaltig be wirtschaftet werden müssen – ein wichtiger Meilenstein. Bei EU-Be schlüssen über die jährlichen Fangquoten wurden durch die Reform bereits große Fortschritte erzielt. 2019 werden voraussichtlich schon weit mehr als 70 Prozent der Bestände im Nordostatlantik nachhaltig bewirtschaftet. Bezogen auf die von Fischerinnen und Fischern tat sächlich an Land gebrachten Mengen stammen aktuell sogar bereits 98 Prozent der Fische aus nachhaltig bewirtschafteten Beständen. Denn fast alle großen kommerziellen Bestände wie Hering, Kabeljau oder Seelachs werden bereits nachhaltig bewirtschaftet. Die Mengen dieser gefangenen Fische sind um ein Vielfaches größer als die von den kleineren Beständen, die noch überfischt sind. Grund für die positive Entwicklung sind strenge Fangquoten. Für die nach EU-Recht ausgewiesenen Meeresschutzgebiete in deut schen Gewässern werden konkrete Maßnahmen zur Regelung der Fischerei mit Anrainerstaaten erarbeitet. Vorschläge für die Nordsee sehen etwa den Schutz von Riffen und Sandbänken sowie Schweins walen und Seevögeln vor. Um ihn zu gewährleisten, sollen in der Nord see die Fischerei mit bodenberührenden Geräten sowie die Stellnetz fischerei reguliert werden. DARAN WIRD GEFORSCHT: FANGQUOTEN FÜR DIE TOP FÜNF Hering, Dorsch, Scholle, Sprotte und Lachs – vor allem diese Fischarten sind in der Ostsee ökono misch relevant. Um sie zu schützen, werden jährliche Fangquoten festgelegt: auf Basis von Empfehlungen des Internationalen Rats für Meeresforschung ICES, an denen auch die im Ge schäftsbereich des BMEL liegenden Thünen­Insti tute für Seefischerei und Ostseefischerei mitwirken. Die Prognosen und Be wertungen basieren unter anderem auf Daten aus Forschungsreisen sowie Fangdaten der Fischerei. NACHHALTIGES WIRTSCHAFTEN 14 FANGQUOTEN GEGEN ÜBERFISCHUNG AUSBAU NACHHALTIGER AQUAKULTUREN Aquakultur ist der weltweit am stärksten wachsende Sektor der Lebensmittelerzeu gung. Wird sie nachhaltig betrieben, kann sie maßgeblich zur Ernährungssicherung künftiger Generationen beitragen. Im Vergleich zu anderen Verfahren, in denen tierisches Eiweiß erzeugt wird, hat Aquakultur die beste Ökobilanz. Zudem kann sie aufgrund der noch ungenutzten Ressourcen weiter wachsen. Wie eine nachhaltige Aquakultur in Deutschland ausgebaut werden kann, beschreibt der gemeinsame Stra tegieplan Aquakultur von Bund und Ländern. So sollen etwa auf dem Gebiet erfahrene Fachleute helfen, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Wälder gut bewirtschaften Deutschland ist mit 11,4 Millionen Hektar zu einem Drittel bewaldet – es gibt mehr Holz als in jedem anderen Land der Europäischen Union. Der deutsche Wald gewinnt sowohl für den Natur- und Artenschutz als auch als Freizeit- und Erholungsraum an Bedeutung. Zudem steigt der Stellenwert von Holz als Roh-, Bau- und Werkstoff – auch vor dem Hintergrund der Energie- und Klimaziele der Bundesregierung. Doch Klimawandel, extreme Trockenheit und einherge hende Schädlingskalamitäten schaden dem Wald derzeit erheblich. Das stellt die Forstwirtschaft vor neue Herausforde rungen. Das BMEL unternimmt große Anstrengungen, die aktuellen Schäden zu bewältigen und die deutschen Wälder zum Beispiel durch standortangepasste Anpflanzungen insgesamt stärker an den Klimawandel anzupassen. ALLE ANSPRÜCHE IM BLICK: WALDSTRATEGIE 2020 NACHHALTIGES WIRTSCHAFTEN 15 138 Mio. m3 Holzrohstoffe wurden 2017 stofflich und energetisch ge nutzt, davon rund 93 Millionen Kubikmeter aus primärer Biomasse wie Waldholz, Rinde und Landschaftspflege holz. Der Rest stammt im Wesentlichen aus Industrie rest­ und Altholz. ­ ­ ­ Mit der Waldstrategie 2020 unter Federführung des BMEL adressiert die Bundes regierung die komplexen Zusammenhänge und unterschiedlichen Ansprüche. Darin beschreibt sie, wie die Wälder an den Klimawandel angepasst werden können. Ein Kernelement ist dabei der Waldumbau. Nach dem Zweiten Welt krieg sind, aus der Not geboren, in großem Umfang Reinbestände entstanden. Ihre Weiterentwicklung zu anpassungsfähigen Mischbeständen aus Laub- und Nadelbäumen wird fortgesetzt. Wie der Rohstoff Holz effizient und wertschöp fend genutzt werden kann, ist ebenfalls Teil der Waldstrategie. Mit der Charta für Holz 2.0 wird die Strategie im Hinblick auf die Verwendung von Holz aus nachhal tiger Forstwirtschaft konkretisiert. Die Charta ist ein Meilenstein des Klimaschutz plans 2050 der Bundesregierung. Die Waldstrategie wird zu einer langfristigen Strategie für den Wald der Zukunft fortentwickelt (Waldstrategie 2050). Ange sichts der Häufung von Extremwetterereignissen wird die verstärkte Anpassung der Wälder an den Klimawandel ein Schwerpunkt sein. Die Politik der Bundesregierung für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung trägt Früchte. Trotz steigenden Verbrauchs hat sich von 2002 bis 2012 der Holzvorrat in Deutschland um sieben Prozent erhöht: auf 3,7 Milliarden Kubik meter Holz. Im Jahr 2014 hat die nachhaltige Waldbewirtschaftung und die damit AUSBAU NACHHALTIGER AQUAKULTUREN ALLE ANSPRÜCHE IM BLICK: WALDSTRATEGIE 2020 verbundene Holznutzung in Deutschland rund 127 Millionen Tonnen CO ² Äquivalente gebunden und damit den CO ² Ausstoß um rund 14 Prozent gemindert. 90 Milliarden alte und junge Fichten, Kiefern, Buchen, Eichen und seltenere Baumarten prägen das Gesicht des deutschen Waldes. Der Anteil der Laubbäume steigt. Laub- und Mischwälder nehmen inzwischen 73 Prozent der Waldfläche ein – eine wichtige Grundlage für Biodiversität. Nachhaltige Forstwirtschaft stärkt zudem die Wertschöpfung im ländlichen Raum. Rund 1,1 Millionen Beschäftigte arbeiten in etwa 125.000 Unternehmen der Branche und erwirtschaften über 180 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. DIALOGE RUND UM HOLZ 2.0 Unter dem Motto „Klima schützen – Werte schaffen – Ressourcen effizient nutzen“ hat das BMEL mit der „Charta für Holz 2.0“ einen von Bund, Ländern, Wirtschaft und Wissenschaft getragenen Dialogprozess auf den Weg gebracht. Damit will das BMEL den Klimaschutz stärken und endliche Ressourcen schonen. Zudem lassen sich so die Wertschöpfung und die Wettbewerbsfähigkeit des Clusters Forst und Holz erhalten und ausbauen. Nachwachsende Rohstoffe sinnvoll einsetzen Wirtschaftliches Wachstum und technologischer Fortschritt basierten bisher überwiegend auf dem Verbrauch fossiler Rohstoffe. Diese stehen in Zukunft nicht mehr in ausreichendem Maße zur Verfügung. Eine nachhaltige Politik muss deshalb neue, nachwachsende Rohstoffquellen erschließen, ohne dabei die Sicherung der Ernährung zu gefährden. NEUE CHANCEN DURCH BIOMASSE Bis zu 60% Gewichtseinsparung bieten Bioverbund werkstoffe im Ver gleich zu Stahl. Wenn fossile Rohstoffe durch Biomasse ersetzt werden, entsteht deutlich weniger CO . ² Biomasse kann stofflich zur Herstellung von Chemikalien, Werkstoffen und anderen biobasierten Produkten genutzt werden. Zudem lässt sie sich in Wärme, Strom oder Kraft stoffe umwandeln. Gerade für ländliche Räume ist Biomasse eine wichtige Wertschöp fungsquelle. Das BMEL hat daher das „Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe“ entwickelt. Darüber fördert es Forschungs- und Entwicklungsvorhaben im Bereich der stofflichen und der energetischen Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Im Haushalt des BMEL stehen dafür mehr als 80 Millionen Euro bereit. Rund 3,7 Millionen Tonnen nachwachsende Rohstoffe wurden im Jahr 2017 in Deutsch land stofflich verwendet. Das Produktspektrum reicht von Baustoffen über Papier und Pappe, Werkstoffe, Schmierstoffe, Zwischenprodukte für die chemische Industrie bis hin zu Arzneimitteln, Kosmetika, Lacken, Textilien und vielem mehr. Dabei machen Kohlenhy drate (Stärke, Zucker, Zellstoff) mit fast 50 Prozent den überwiegenden Anteil aus. Rund drei Viertel der Gesamtverwendungsmenge nachwachsender Rohstoffe werden in der chemischen Industrie verarbeitet. Das BMEL fördert neue Einsatzbereiche für biobasierte Produkte sowie innovative Methoden und Prozesse für eine Serienproduktion. Ein Bei NACHHALTIGES WIRTSCHAFTEN 16 ­ ­ DIALOGE RUND UM HOLZ 2.0 NEUE CHANCEN DURCH BIOMASSE spiel: das Projekt Bioconcept-Car. Ziel ist die Weiterentwicklung nachhaltigen Leichtbaus mit Pflanzenfasern für eine zukunftsweisende Mobilität. Hierfür werden innovative Werkstoffkonzepte erprobt, die einen mög lichst hohen Anteil von nachwachsenden Rohstoffen berücksichtigen. Denn Bioverbundwerkstoffe bieten im Vergleich zu Stahl eine enorme Gewichtseinsparung – bis zu 60 Prozent. ENERGIEQUELLEN, DIE NACHWACHSEN Die speicherfähige Biomasse spielt neben Wind-, Wasser- und Sonnenenergie eine besonders wich tige Rolle als erneuerbare Quelle. Sie ist vielseitig und kann sowohl in Wärme und Strom umgewan delt werden als auch Kraftstoffe ersetzen. Bioenergie verringert den Ausstoß von Treibhausgasen, weil nur maximal so viel Kohlendioxid freigesetzt wird, wie zuvor von den Pflanzen aufgenommen wurde. Biomasse leistete 2018 mit einem Anteil von 60 Prozent den größten Beitrag zur Energienutzung aus erneuerbaren Energien, vor Windkraft (22 Prozent) und Sonnenenergie (10 Prozent). Damit ländliche Regionen von der Entwicklung profitieren, zeichnet das BMEL Kommunen mit Vor bildcharakter für eine innovative und nachhaltige Nutzung von Bioenergie im Rahmen des Bundeswett bewerbs Bioenergie-Kommunen aus. Auch wenn vereinzelt Kritik am Anbau von Energiepflanzen geäußert wird, bleibt festzuhalten, dass in Deutschland für den Anbau von Energiepflanzen ausreichend Flächen zur Verfügung stehen. Der überpro portional hohe Anbau von Mais für die Biogasnutzung, der in einigen Regionen aufgetreten ist, wurde nach der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wieder zurückgefahren. Bioenergie wird aber nicht nur aus nachwachsenden Rohstoffen bereitgestellt, sondern auch aus biogenen Rest- und Abfallstof fen. Diese Stoffströme sind weltweit in großer Menge vorhanden. Das BMEL setzt sich dafür ein, dass die ungenutzten Potenziale insbesondere bei Waldrestholz, Stroh, Gülle und Mist künftig in besonde rem Maße erschlossen werden. Dazu fördert das BMEL etwa das Projekt „AG BioRestMon“, das eine umfassende Datenbasis der biogenen Rest- und Abfallstoffpotenziale in Deutschland erarbeitet. Energiepflanzen in Deutschland Mais 40 % Raps 26 % Getreide 22 % Gräser und Miscanthus 9 % Zuckerrüben und andere 3 % NACHHALTIGES WIRTSCHAFTEN 17 ENERGIEQUELLEN, DIE NACHWACHSEN ­ 3 Gut leben auf dem Land Damit ländliche Räume wettbewerbs fähig sind, braucht es attraktive Arbeitsplätze, flächendeckende Versorgung und Anbindung an die moderne Infrastruktur. Für all das setzt sich das BMEL ein – und baut dabei auf das vielfältige Engagement der Menschen in der Region. 3 Gut leben auf dem Land Damit ländliche Räume wettbewerbs fähig sind, braucht es attraktive Arbeitsplätze, flächendeckende Versorgung und Anbindung an die moderne Infrastruktur. Für all das setzt sich das BMEL ein – und baut dabei auf das vielfältige Engagement der Menschen in der Region. Entwicklung fördern Rund 90 Prozent der Fläche Deutschlands sind ländlich geprägt. Mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung lebt auf dem Land, der überwiegende Teil der mittelständischen Wirtschaft ist hier angesiedelt. Aber ländliche Regionen stehen vor großen Herausforderungen: Der demografische Wandel, Lücken in der Grundversorgung und der Trend zur Abwanderung in die Städte prägen vielerorts den Alltag. Mit seiner Politik verfolgt das BMEL ein klares Ziel: Ländliche Räume sollen lebens wert und fit für die Zukunft sein. DÖRFER MIT ZUKUNFT Die „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) ist in Deutschland das wichtigste Förderinstrument für die Entwicklung ländlicher Räume. Mit dem Förderbereich „Integrierte ländliche Entwicklung“ (ILE) unterstützen Bund und Länder die ländlichen Regionen in Deutschland. Mehr als 465 Millionen Euro stehen 2019 dafür insgesamt zur Verfügung. Gefördert werden unter anderem Maßnah men zur Dorfentwicklung und zur Gestaltung des ländlichen Raums, wie etwa die Vernetzungen von Biotopen oder der Ausbau von Breitbandnetzen. Auch Kleinstunternehmen werden unterstützt. Gemeinden können als Teil der Dorfentwicklung auch ehemalige Schulhäuser oder leer stehende Gebäude erwerben und umbauen. So entstehen neue Räumlichkeiten zur Belebung und Pflege der Dorfkultur. Gesucht werden keine Lösungen für einzelne Sektoren, sondern integrierende Ansätze, die dem Gemeinwesen dienen – auf lokaler, kommu naler oder interkommunaler Ebene. Gemeinden arbeiten zusammen, um mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern Netzwerke zu bilden: Diese können zum Beispiel Generationen ins Gespräch bringen, Hilfe im Alltag bieten oder Flüchtlinge unterstützen. Viele Gemeinden nutzen die Chance, im Rahmen der Dorferneuerung leer stehende Gebäude sowie Baulücken für neue Bauplätze nutzbar zu machen. Dadurch nimmt auch der Bedarf an neuen Siedlungsflächen am Orts rand ab. Auch die übrigen Projekte der ILE verfolgen einen integrierenden Ansatz, indem sie soziale, kulturelle, ökologische und wirtschaftliche Ansprüche in Einklang bringen. Besonders wichtig ist dabei, weniger Flächen für Siedlungen und Verkehr in Anspruch zu nehmen, um zusammenhängende Agrarökosysteme zu schützen. SCHONENDE FLÄCHENNUTZUNG Wofür werden Flächen genutzt? Das ist eine zentrale Frage der integrierten ländlichen Entwicklung. Die Bundesregie rung hat in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie das Ziel festge legt, bis 2030 den Anstieg der Siedlungs- und Verkehrs fläche auf maximal 30 Hektar pro Tag zu verringern. Dabei gilt der Grundsatz „Innen- vor Außenentwicklung“. Insbesondere der Verlust von landwirtschaftlichen Flächen muss begrenzt werden. Das BMEL setzt dabei auf den Grundsatz „Innen- vor Außenentwicklung“. Alle durch die GAK geförderten Maßnahmen müssen Wirkungen auf die Flächeninanspruchnahme berücksichtigen. Erste Erfolge sind bereits zu verzeichnen. Von 1996 bis 2017 hat sich der Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsfläche halbiert: von etwa 120 auf 58 Hektar pro Tag. Flächennutzung in Deutschland Fläche Deutschlands 357.580 km² Wasserfläche 2,3 % Siedlungs- und Verkehrsfläche 13,8 % Sonstige Flächen einschl. Abbauland, Unland und Gehölz 3,2 % Landwirtschaftsfläche 51,1 % Waldfläche 29,7 % GUT LEBEN AUF DEM LAND 19 DÖRFER MIT ZUKUNFT SCHONENDE FLÄCHENNUTZUNG 1.500 Projekte wurden bereits durch das Bundesprogramm Ländliche Entwicklung (BULE) gefördert: vom Mehrfunktionenhaus bis zu neuen Lösungen für flexibles Arbeiten. Das Bundesprogramm Ländliche Entwicklung (BULE) fördert seit 2015 modellhafte Projekte, um so Erkenntnisse zu gewinnen, die auch auf andere Regionen übertragbar sind. Hierzu gehören Projekte, die die regionale Wirtschaftskraft stärken und die Grundversorgung in ländlichen Räumen sichern. Auch Nahversorgungsnetzwerke, Maßnah men zur sozialen Dorfentwicklung und Mehrfunktionshäuser werden gefördert. Zudem unterstützt BULE die Entwicklung digitaler Lösun gen für ländliche Räume, die etwa neue Möglichkeiten zum flexiblen Arbeiten bieten oder die Nahversorgung und die Vernetzung des öffentlichen Nahverkehrs verbessern. Mit Mitteln aus dem BULE werden bundesweit über 1.500 Projekte unterstützt und umgesetzt. Die bis heute dafür ausgegebenen Mittel belaufen sich auf rund 45 Millionen Euro. Mit dem Modellvorhaben „Land(auf)Schwung“ unterstützt das BMEL 13 ausgewählte Landkreise in strukturschwachen ländlichen Regionen. Diese erhalten ein eigen ständiges Regionalbudget, um mit wissenschaftlicher Begleitung und mithilfe der Menschen vor Ort dem demografischen Wandel aktiv zu begegnen, die regionale Wertschöpfung zu erhöhen und die Beschäfti gung im ländlichen Raum zu sichern. Perspektiven schaffen Landwirtschaftliche Betriebe spielen immer noch eine wichtige Rolle für ländliche Gebiete – wirtschaftlich wie sozial. Doch Globalisierung und technischer Fortschritt beschleunigen den Strukturwandel: Während die durch schnittliche Betriebsgröße stetig zunimmt, ist die Zahl landwirtschaftlicher Betriebe seit 1991 um 60 Prozent gesun ken. Das BMEL setzt sich dafür ein, die Vielfalt landwirtschaftlicher Betriebsformen zu erhalten und insbesondere familiengeführten Betrieben eine Perspektive zu geben. SOZIALE SICHERUNG MIT ZUKUNFT Das BMEL steht für den Erhalt einer eigenständigen landwirtschaftlichen Sozialversicherung. Diese bietet selbstständigen Landwirtinnen und Landwirten sowie ihren Familien finanziellen Schutz, etwa bei Krank heit, Pflegebedürftigkeit, Arbeitsunfällen oder im Alter. Die landwirtschaftliche Sozialversicherung trägt dazu bei, den Strukturwandel in der Landwirtschaft sozial zu flankieren. Dies unterstützt das BMEL mit rund vier Milliarden Euro im Jahr. Durch fortlaufende Reformen wird das System zukunftsfähig gestaltet. Auch für Junglandwirtinnen und -landwirte bestehen Förderungsmöglichkeiten. Diese erhalten für die ersten fünf Jahre nach der Niederlassung eine zusätzliche Prämie von maximal 4.000 Euro im Jahr. Finan zielle Unterstützung bietet ihnen zudem das Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP). Darüber wurden zum Beispiel im Jahr 2018 rund 31 Millionen Euro aus Mitteln des Bundes, der Länder und der EU zur Förderung investiver Maßnahmen von Junglandwirtinnen und Junglandwirten bereitgestellt. Auch Bera tungsleistungen werden gefördert. Diese können Landwirtinnen und Landwirte etwa in Anspruch nehmen, wenn sie Fragen zu Finanzierung oder Wirtschaftlichkeit haben. GUT LEBEN AUF DEM LAND 20 SOZIALE SICHERUNG MIT ZUKUNFT ATTRAKTIVE GRÜNE BERUFE 32.900 junge Menschen befanden sich 2017 in einem Agrar beruf in Ausbildung. Landwirtschaftliche Berufe erfreuen sich trotz der demogra fischen Entwicklung noch einer stabilen Nachfrage. 2017 befanden sich rund 32.900 junge Menschen in einem Agrar beruf in Ausbildung. Auf sie kommen viele Chancen, aber auch einige Herausforderungen zu. Arbeitsprozesse werden zunehmend automatisiert und digital. Gleichzeitig gilt es, den vielfältigen gesellschaftlichen Erwartungen in Bezug auf Verbraucherschutz, Tierwohl und Biodiversität gerecht zu werden. Die Qualifikationsprofile für die zukünftigen Fach- und Führungskräfte werden daher in enger Zusam menarbeit mit der Aus-, Fort- und Weiterbildung laufend überprüft und angepasst. Aktuell gibt es 14 sogenannte Grüne Berufe: von Revierjäger/in über Landwirt/in und Winzer/in bis Fischwirt/in. VORRANG FÜR MENSCHEN AUS DER REGION Die aktuellen Entwicklungen auf dem Bodenmarkt laufen den Zielen des BMEL für die ländlichen Räume entgegen. Viele Flächen befinden sich in den Händen überregionaler Investoren, was nicht selten mit dem Abfluss von Wertschöpfung aus strukturschwachen ländlichen Räumen einhergeht. Ein breit gestreutes Eigentum an Boden kann hingegen dazu beitragen, regional verankerte Produk tion und Beschäftigung zu erhalten. Bei Kauf und Verpachtung landwirtschaftlicher Flächen sollen Länder dafür eintreten, dass regional verankerte Landwirtinnen und Landwirte Vorrang haben. Dabei helfen ihnen das bodenrechtliche Instrumentarium aus dem Grundstückverkehrsgesetz sowie das Gesetz über die Anzeige und Beanstandung von Landpachtverträgen. Diese Gesetze sollen überprüft und an neue Entwicklungen angepasst werden. Bei der Novellierung der bodenrechtlichen Vorgaben unterstützt das BMEL die Bundesländer. Ziel ist dabei, eine ausge wogene Agrarstruktur zu fördern und außerlandwirtschaftliche Investitionen abzuwehren. GUT LEBEN AUF DEM LAND ­ 21 ATTRAKTIVE GRÜNE BERUFE VORRANG FÜR MENSCHEN AUS DER REGION ­ ­ ­ 4 Verantwortung in der Welt Nachhaltige Entwicklung gelingt nur, wenn sie global und gemeinsam voran getrieben wird. Daher setzt das BMEL auf Weitblick, engagiert sich in inter nationalen Netzwerken und entwickelt Maßnahmen, um Ernährung für alle zu sichern sowie Meere und Wälder welt weit zu schützen. 4 Verantwortung in der Welt Nachhaltige Entwicklung gelingt nur, wenn sie global und gemeinsam voran getrieben wird. Daher setzt das BMEL auf Weitblick, engagiert sich in inter nationalen Netzwerken und entwickelt Maßnahmen, um Ernährung für alle zu sichern sowie Meere und Wälder welt weit zu schützen. Ernährung weltweit sichern Bewaffnete Konflikte, Wirtschaftskrisen und klimatische Veränderungen haben in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass die Zahl der Hungernden wieder leicht steigt: auf 821 Millionen Menschen weltweit. Zudem leiden etwa zwei Milliarden Menschen an einer mangelhaften Versorgung mit Mikronährstoffen wie etwa Vitaminen oder Spurenelemen ten. Das BMEL unterstützt mit verschiedenen Maßnahmen das Ziel der Agenda 2030, weltweit den Hunger zu beenden und allen Menschen eine vielfältige, ausgewogene und sichere Ernährung zu ermöglichen. GEZIELTE BERATUNG Um das Menschenrecht auf angemessene Nahrung zu verwirklichen, stellt das BMEL in seinem „Konzept Welternährung“ die Mitarbeit an völkerrechtlichen Normen und Leitlinien ins Zentrum. Dazu unterstützt das Ministerium insbesondere die Arbeit der Ernährungs- und Landwirtschafts organisation der Vereinten Nationen (FAO) sowie deren Ausschuss für Welternährungssicherung (Committee on World Food Security, CFS) unter anderem dabei, die „Freiwilligen Leitlinien zum Recht auf Nahrung“, die „Prinzipien für verantwortliche Investitionen in der Landwirtschaft“ sowie die „Freiwilligen Leitlinien Land“ anzuwenden. So hat das BMEL beispielsweise eine Landpartner schaft mit Sierra Leone beschlossen. Es unterstützt die dortige Regierung etwa dabei, die Voraus setzungen für den Zugang zu Land und für verantwortliche Agrarinvestitionen zu schaffen. UNTERSTÜTZUNG FÜR DIE MENSCHEN VOR ORT Mit seinem bilateralen Kooperationsprogramm hilft das BMEL insbesondere Schwellenländern bei der Entwicklung einer pro duktiven und ressourcenschonenden Land- und Ernährungs wirtschaft. So werden zum Beispiel in Demonstrations- und Trainingsprojekten Mitarbeitende von Betrieben, Lehrkräfte und Studierende zu Themen wie Fruchtfolgen, Düngung und Pflan zenschutz, Bodenbearbeitung, kraftstoffsparender Maschinen nutzung sowie der Verringerung von Ernteverlusten geschult. Die Arbeit der FAO unterstützt das BMEL auch über einen eige nen Bilateralen Treuhandfonds (BTF) mit zusätzlichen Projekt mitteln in Höhe von jährlich zehn Millionen Euro. Damit fördert es Projekte, die zum Beispiel den sicheren Zugang zu Land und natürlichen Ressourcen zum Ziel haben oder eine ausgewogene Ernährung, ländliche Entwicklung und nachhaltige Landwirt schaft fördern. In Äthiopien unterstützt das BMEL zum Beispiel Menschen in ländlichen Regionen, denen nur wenige Ressourcen zur Verfügung stehen. Um den Ertrag und Konsum von Obst und Gemüse zu erhöhen, kommt dabei unter anderem verbesserte Nacherntetechnik zum Einsatz. MEHR WISSEN ÜBER LEBENSMITTEL Das BMEL fördert gezielt internationale Forschungs kooperationen zum Thema Ernährungssiche rung. Ein Beispiel hierfür ist das Projekt „Scaling­up Nutrition“ in Tansania. Es umfasst unter anderem Kurse in ländlichen Haus gemeinschaften und Schulen. Diese vermitteln Wissen zu Ernährung und dem Anbau von Nahrungs mitteln. Außerdem lernen die Teilnehmenden digitale Anwendungen kennen, mit denen sich Lebensmittel vermarkten lassen. ­ ­ ­ ­ VERANTWORTUNG IN DER WELT 23 GEZIELTE BERATUNG UNTERSTÜTZUNG FÜR DIE MENSCHEN VOR ORT Wälder nachhaltig nutzen Die Weltbevölkerung wächst – und damit auch ihr Bedarf an Nahrung, Wohnraum, Energie und Rohstoffen. Gleich zeitig gilt es, Klima und Umwelt zu schützen. Umso wichtiger ist es, Wälder weltweit zu erhalten. Rund 30 Prozent der Landoberfläche auf der Erde sind noch mit Wäldern bedeckt – knapp vier Milliarden Hektar. Die Waldfläche nimmt jedoch weltweit kontinuierlich ab, wenngleich langsamer als in den vergangenen Jahren. Das BMEL setzt sich auf verschiedenen Ebenen dafür ein, die Waldzerstörung zu stoppen. KNOW-HOW FÜR DIE WALDWIRTSCHAFT 1.391 Prüfaufträge zur Bestimmung der Holzart gingen allein 2018 beim Thünen­Kompe tenzzentrum Holzherkünfte ein. Das BMEL unterstützt über internationale Vereinbarungen und durch konkrete Projekte in wichtigen Partnerländern weltweit eine nachhaltige Waldwirtschaft. Der „Strate gische Plan der Vereinten Nationen für Wälder“ von 2017 hält unter anderem fest, was für eine moderne, nachhaltige und multifunktional ausgerichtete Waldbewirtschaftung notwendig ist: Dazu zählen gesicherter Landbesitz, forstberufliche Bildung, ein funk tionierendes Forstinformationssystem und forstbetriebliche Planung. In Verhandlun gen bei den Vereinten Nationen sowie dem Ministerprozess zum Schutz der Wälder in Europa (FOREST EUROPE) wurden Kriterien zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung entwickelt und regelmäßig verbessert. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) kontrolliert in Deutschland, ob Holzimporteure die Vorschriften der EU gegen illegalen Einschlag einhalten. Zwischen 2013 und 2018 wurden unter anderem die 200 größten Unternehmen ge prüft, die für 70 Prozent des Gesamtimports der Holzprodukte in die EU verantwortlich sind. Viele Importeure haben daraufhin ihr System verbessert. Im Jahr 2013 hat das BMEL das Thünen-Kompetenzzentrum Holzherkünfte eingerichtet. Es informiert über die Bestimmung von Holzarten, Herkunftsnachweise, Holzhandelsströme und Legalitätsprüfungen. Somit unterstützt das Zentrum den Holzhandel dabei, Importe besser zu kontrollieren. Der Bedarf an Informationen steigt kontinuierlich: Im Jahr 2018 gingen allein zur Bestimmung der Holzart 1.391 Prüfaufträge ein. KONTROLLIERTER ANBAU VON PALMÖL, SOJA UND KAKAO Nicht nachhaltige Landwirtschaft ist der größte Treiber von Waldzer störungen weltweit. Die Umwandlung von Wäldern für landwirtschaft liche Nutzung ist für etwa 80 Prozent der weltweiten Waldzerstörung verantwortlich. Um dies zu beenden, fördert das BMEL unter anderem das Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP) und das Forum Nachhaltiger Kakao (FNK), die sich für die Verwendung von nachhaltig zertifizierten Rohstoffen einsetzen. Grundlage für die Zertifizierung sind internationa le Nachhaltigkeitsstandards. Ziel ist es, Erzeugerländern von Palmöl und Kakao Anreize zu geben, den Wald zu erhalten und Flächen nachhaltig zu nutzen. Seit 2014 wird auf Initiative des BMEL im nationalen Dialogforum „Nachhaltigere Eiweißfuttermittel“ diskutiert, wie ähnliche Maßnahmen für FORUM NACHHALTIGES PALMÖL (FONAP) Das BMEL hat sich mit Unternehmen, Nichtregie rungsorganisationen und Verbänden zusammenge schlossen, um die Anbau praktiken im Palmölsek tor zu verbessern. Alle Mitgliedsunternehmen des FONAP haben eine öffent liche Selbstverpflichtung abgegeben, nur noch nachhaltig zertifiziertes Palmöl einzusetzen. Das BMEL erwartet, dass alle Palmöl nutzenden Betrie be in Deutschland diesem Beispiel folgen. ­ ­ ­ ­ ­ ­ VERANTWORTUNG IN DER WELT 24 ­ KNOW-HOW FÜR DIE WALDWIRTSCHAFT KONTROLLIERTER ANBAU VON PALMÖL, SOJA UND KAKAO Soja greifen können. In der „Amsterdam-Partnerschaft“ hat sich Deutschland mit sechs weiteren euro päischen Staaten zusammengeschlossen. Die Länder repräsentieren etwa 70 Prozent der Abnehmer des gesamteuropäischen Imports von Palmöl, Soja und Kakao. Gemeinsam wollen die Partnerländer bis 2020 nachhaltige und entwaldungsfreie Lieferketten für diese wichtigen Agrargüter erreichen. Lebendige Meere erhalten Die Ozeane sind für viele Menschen eine der zentralen Lebensgrundlagen. Rund 3,2 Milliarden Menschen decken etwa 20 Prozent ihres Bedarfs an tierischem Eiweiß mit Produkten aus der Fischerei und Aquakultur. Damit die Ozeane die Menschen auch künftig ernähren können, wird der Schutz maritimer Ökosysteme immer wichtiger. Doch die Weltmeere sind verschmutzt und allgemein übernutzt. Knapp ein Drittel der Fischbestände ist überfischt. Das BMEL engagiert sich daher international für die nachhaltige Bewirtschaftung von Meeresressourcen sowie für den Schutz von See gebieten und Meeressäugern REGELN FÜR EINE NACHHALTIGE FISCHEREI Der Fischereiausschuss der FAO ist weltweit das maßgebliche Gremium für Fragen der internationalen Fischerei und Aquakultur. Das BMEL tritt seit Langem für verbindliche Regeln als Grundlage einer nach haltigen Fischerei ein. Wegweisend sind hier zum Beispiel: → die Vereinbarung über Erhaltungs- und Bewirtschaftungsmaßnahmen (1993) → der Verhaltenskodex für verantwortungsvolle Fischerei (1995) → der internationale Aktionsplan zur Verhinderung und Eliminierung der illegalen Fischerei (2001) → das Übereinkommen über Hafenstaatmaßnahmen zur Verhinderung, Bekämpfung und Unterbindung der illegalen, ungemeldeten und unregulierten Fischerei (2009) Mit diesen Abkommen wurden wichtige Impulse für die Neuausrichtung der Fischereipolitik in den FAO Mitgliedstaaten und für die Bewirtschaftung der Fischbestände im Rahmen regionaler Fischereiorganisationen gegeben. Die EU hat diese Beschlüsse unter maßgeblicher Beteiligung Deutschlands mit der Reform der Ge meinsamen Fischereipolitik 2002 und 2013 sowie der Verordnung über die Bekämpfung der illegalen Fischerei (2008) konsequent umgesetzt. DARAN WIRD GEFORSCHT: PLASTIKMÜLL IM MEER Das Forschungsvorhaben des BMEL „Plastikmüll und Meeresfische“ unter sucht den Umfang und die Auswirkungen von Mikro plastik in Meeresfischen der Nord­ und Ostsee. Ziel ist es, das gesundheitliche Risiko für Fische sowie für Verbraucherinnen und Verbraucher besser bewer ten zu können. EINRICHTUNG VON MEERESSCHUTZGEBIETEN Schutzgebiete können einen wichtigen Beitrag leisten, um Lebensräume und Artenvielfalt zu bewahren – gerade in der Hochsee. Dort existieren weltweit jedoch nur neun solcher Schutzgebiete. Im Südpolarmeer soll nun ein repräsentatives Netzwerk mariner Schutzgebiete entstehen. Dafür engagiert sich unter anderem die Kommission zur Erhaltung der leben den Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR). Ihre Bestrebungen sind ein wichtiger Schritt der internationalen Staatengemeinschaft, den Schutz der Meeresumwelt und gleichzeitig die nachhaltige Nutzung der Meeres ressourcen zu regeln. ­ ­ ­ VERANTWORTUNG IN DER WELT 25 REGELN FÜR EINE NACHHALTIGE FISCHEREI EINRICHTUNG VON MEERESSCHUTZGEBIETEN Das BMEL setzt sich nachdrücklich dafür ein, weitere Meeresschutzgebiete in der Antarktis auszuweisen, und legt auch konkrete Vorschläge vor: So soll etwa ein Teil des Weddell meeres unter Schutz gestellt werden. Der Vorschlag beruht auf Forschungsergebnissen des Alfred-Wegner-Instituts (AWI) und umfasst ein Gebiet mit einer Fläche von rund 1,8 Millionen Quadratkilometern – fünfmal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland. Damit wäre es das mit Abstand größte Meeresschutzgebiet der Welt. Auch für Meeressäuger engagiert sich das BMEL. In der Internationalen Walfang-Kom mission (IWC) tritt das BMEL seit Langem für einen umfassenden Schutz der Wale ein und lehnt den kommerziellen Walfang entschieden ab. Gleiches gilt für den sogenannten wissenschaftlichen Walfang, der in der Vergangenheit insbesondere von Japan betrieben wurde. Das seit 1986 geltende Moratorium für den kommerziellen Walfang hat sich sehr günstig auf die Entwicklung einiger Großwalarten ausgewirkt. Es verbietet jeglichen Wal fang und sieht lediglich für indigene Völker Ausnahmen vor. Fairen Handel unterstützen Landwirtschaftliche Bewirtschaftung und der Ertrag daraus sind auf der Welt ungleich verteilt. So hatten die am wenigsten entwickelten Länder 2016 nur einen Anteil von knapp 1,5 Prozent am weltweiten Agrarhandel, obwohl sie 16 Prozent der Agrarfläche bewirtschafteten. Es gilt, alle Länder in den globalen Handel für Güter der Agrar- und Ernährungswirt schaft, der nachhaltigen Waldwirtschaft und der Fischerei einzubinden. Nur so können Wachstum und Entwicklung nachhaltig gefördert werden. Das BMEL unterstützt daher offene Märkte und einen regelbasierten Handel, der den spezifischen Bedürfnissen der Entwicklungsländer Rechnung trägt. AGRARHANDEL ALS CHANCE GEGEN ARMUT Der Handel mit Agrargütern wird in Zukunft noch stärker an Bedeutung gewinnen. Denn er schafft einen Ausgleich von Angebot und Nachfrage bei fortschreitendem Klimawandel, einer wachsenden Bevölke rung und schwindenden Ressourcen an Boden, Wasser und Biodiversität. Zugleich sorgt Handel für wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung und Stabilität, insbesondere in den armen und ärmsten Ländern der Welt. Er bietet diesen Ländern die Möglichkeit, Devisen einzunehmen und Armut gezielt zu bekämpfen. Agrarhandel kann außerdem dazu beitragen, die Ernährung weltweit zu sichern. Um nachhaltige Handelsregeln zu schaffen, ist es besonders wichtig, das auch in der Agenda 2030 ange strebte Verbot für Exporterstattungen weltweit umzusetzen. Zudem müssen vergleichbare Exportförder maßnahmen abgeschafft und handelsverzerrende Subventionen abgebaut werden, um Länder im inter nationalen Wettbewerb nicht zu benachteiligen. Das BMEL unterstützt diese Ziele auch innerhalb der EU. Hierzu gehören die Reform der gemeinsamen Agrarpolitik sowie Vorschläge der EU, Subventionen in der Welthandelsorganisation (WTO) zu begrenzen und globale Handelsregeln fortzuentwickeln. VERANTWORTUNG IN DER WELT 26 AGRARHANDEL ALS CHANCE GEGEN ARMUT Bei bilateralen Handelsabkommen setzt sich das BMEL dafür ein, dass Nachhaltigkeit ein wichtiger Bestandteil ist. So trägt das Ministerium dazu bei, dass internationale Vereinba rungen zum Schutz natürlicher Ressourcen und zentrale Sozialstandards umgesetzt werden. Durch bilaterale Abkommen zur Wirtschaftspartnerschaft mit der EU erhalten Entwick lungsländer die Chance auf einen ungehinderten Zugang zum EU-Markt – und zugleich die notwendige Flexibilität, um ihre Agrarmärkte durch lange Übergangsfristen oder weitgehen de Ausnahmen abzusichern. PARTNERSCHAFTEN MIT VERANTWORTUNG In modernen Handelsabkommen mit der EU verpflichten sich beide Partner dazu: → die eigenen Umwelt- und Arbeitsgesetze effektiv umzusetzen → das Schutzniveau von Vorschriften im Bereich Umwelt und Arbeit nicht abzusenken, um sich Vorteile im Handel oder bei Investitionen zu verschaffen → natürliche Ressourcen wie Holz und Fisch für den Handel nachhaltig zu gewinnen → Handel mit Umweltgütern und -dienstleistungen sowie Handel zum Klimaschutz zu fördern → Praktiken verantwortlicher Unternehmensführung zu stärken → internationale Umweltabkommen wie das Übereinkommen von Paris aus 2015 umzusetzen → die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation zu respektieren und umzusetzen: ⋅ Vereinigungsfreiheit und das Recht zu Kollektivverhandlungen, ⋅ Abschaffung von Zwangs- oder Pflichtarbeit, ⋅ Abschaffung von Kinderarbeit, ⋅ Beseitigung von Diskriminierungen in Beschäftigung und Beruf. Das BMEL unterstützt zudem die Europäische Kommission dabei, den am wenigsten entwickelten Ländern dauerhaft einen zoll- und quotenfreien Zugang zum EU-Markt zu gewähren. Dabei kommt das Allgemeine Präferenzsystem (APS) zum Einsatz: Entwicklungs länder mit geringerem Einkommen haben hierbei einen zollbe günstigten Zugang zum EU-Markt. Damit sich Handel positiv auswirkt, benötigen Länder auch entwicklungspolitische Unter stützung. Deshalb fördert das BMEL seit 2006 die „Standards and Trade Development Facility“ (STDF) der WTO. Zudem setzt es sich dafür ein, dass in die Freihandelsabkommen der EU Bezüge zu den Freiwilligen Leitlinien für die verantwor tungsvolle Regulierung von Eigentums-, Besitz- und Nutzungs rechten an Land, Fischgründen und Wäldern im Rahmen nationaler Ernährungssicherheit (VGGT) aufgenommen werden. Auch die Grundsätze über verantwortungsvolle Investitionen in die Land wirtschaft (RAI) sollen in die Abkommen integriert werden. STANDARDS AND TRADE DEVELOPMENT FACILITY (STDF) Die STDF ist eine gemein same Initiative der Weltbank, der Welthan delsorganisation, der Weltorganisation für Tiergesundheit, der Welt gesundheitsorganisation und der Welternährungs organisation. Sie hilft Ent wicklungsländern dabei, internationale Standards rund um Tiergesund heit, Pflanzenschutz und Lebensmittelsicherheit umzusetzen und einzu halten. So unterstützt die STDF derzeit zum Beispiel Behörden in Kamerun dabei, Kontrollstrukturen zu grenzübergreifenden Tierkrankheiten zu stärken. ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ VERANTWORTUNG IN DER WELT 27 PARTNERSCHAFTEN MIT VERANTWORTUNG ­ 5 Digitalisierung als Chance Digitale Innovationen können helfen, unsere Zukunft nachhaltig zu gestalten. Daher unterstützt das BMEL die Entwick lung neuer Lösungen für die Ernährung, den Ackerbau, das Tierwohl und die ländlichen Räume. Umwelt und Klima schützen, Tierwohl verbessern, gesund leben, Kosten sparen, Arbeit erleichtern und fair wirtschaften: Zu alldem können digitale Lösungen einen wichtigen Beitrag leisten. Auch Menschen in ländlichen Räumen erhalten durch die Digitalisierung die Chance auf gleichwertige Lebensverhältnisse und Teilhabe. Doch damit alle von der positi ven Wirkung des digitalen Wandels profitieren können, muss dieser in der Mitte der Gesellschaft verankert sein. Es gilt, alle gesellschaftlichen Gruppen einzubinden und über die neuen Möglichkeiten zu informieren. Auch ethische Fragen, etwa zu Sicherheit oder Arbeitsbedingungen, müssen berücksichtigt werden. Dafür setzt sich das BMEL in seinen drei Handlungsfeldern ein: LANDWIRTSCHAFT Eine Drohne scannt den Acker, um anschließend Pflanzenschutzmittel punktgenau und bedarfsgerecht an die Stellen zu bringen, an denen sie benötigt werden. Ein Traktor beseitigt Unkräuter mechanisch ohne den Einsatz von Pflanzen schutzmitteln – und wird dabei von einem Satelliten gesteuert. Über einen Chip im Schweineohr lässt sich das gesund heitliche Wohlbefinden des Tiers überprüfen, daraufhin können die Bedingungen im Stall angepasst werden. Beispiele, die zeigen, wie digitalisierte Technik eine nachhaltige Landwirtschaft erleichtern kann. Innovative Ideen wie diese werden vom BMEL gefördert. 28 5 Digitalisierung als Chance Digitale Innovationen können helfen, unsere Zukunft nachhaltig zu gestalten. Daher unterstützt das BMEL die Entwick lung neuer Lösungen für die Ernährung, den Ackerbau, das Tierwohl und die ländlichen Räume. LANDWIRTSCHAFT Ein wichtiger Baustein sind dabei die digitalen Experimentierfelder auf landwirtschaftlichen Betrieben und in ländlichen Räumen. Für sie sowie andere Projekte stellt das BMEL 2019 allein 15 Millionen Euro bereit, weitere 45 Millionen Euro sind bis zum Jahr 2022 eingeplant. Ziel ist es herauszufinden, wie mithilfe der Digitalisierung die Bedingungen vor Ort konkret verbessert werden können. So wird zum Beispiel untersucht, wie sich digitale Technologien in grünen Berufen optimal einsetzen lassen: zum Schutz der Umwelt, des Klimas, des Tierwohls, der Biodiversität und zur Arbeitserleichterung der Landwirtinnen und Landwirte. Künftig fördert das BMEL auch insbesondere die Entwicklung innovativer, wettbewerbs fähiger Produkte und Verfahren, die ressourceneffiziente Lösungen für Pflanzenanbau und Tierhaltung bieten. LÄNDLICHE RÄUME Ein leer stehendes Dorfgebäude wird zum Mehrfunktionshaus – zum Beispiel mit einem Dorfladen, einem Café und einer Post sowie Räumen für Veranstaltungen, ambulanter Pflege und frei verfügbaren mobilen Arbeitsplätzen mit WLAN. Eine Internet-Plattform vermarktet regionale Produkte, ehrenamtlich tätige Menschen vernetzen sich und Dienstleistungen wie Friseur, Pflegedienst und Musikunterricht werden online gebucht und organisiert. Digitale Technologien können das Leben und Arbeiten in ländlichen Regionen verbessern und damit für gleichwertige Lebensverhältnisse sorgen. Voraussetzung hierfür ist die technische Infrastruktur. Das BMEL fördert entsprechende Initiativen und Projekte, die das Leben der Menschen in den ländlichen Räumen erleichtern. Unter dem Stichwort „Land.Digital“ unterstützt das BMEL bundesweit Projekte in unter schiedlichen Bereichen: von Gesundheit und Pflege über Qualifizierung und Bildung, Wirtschaft und Arbeit bis hin zur Mobilität. Der Projektaufruf stieß auf große Resonanz. 237 Projekte wurden vorgeschlagen. Davon konnte über 60 Projekten eine Förderung zugesagt werden. Mit dem neuen Modellvorhaben „Smarte LandRegionen“ wird das BMEL die Digitalisierung vor Ort voranbringen. In bis zu sieben Modellregionen sollen mithilfe von Forschung und Entwicklung intelligente übertragbare Lösungen gefunden werden, damit mög lichst viele Regionen in Deutschland gleichermaßen von neu entwickelten digitalen Anwendungen profitieren. ERNÄHRUNG Digitale Lösungen können auch helfen, nachhaltiger mit Lebensmitteln umzugehen. Ein Beispiel: die vom BMEL geförderte „eco-Plattform“. Sie macht es Unternehmen aus Industrie und Handel leichter, sich mit den Tafeln zu vernetzen und Lebensmittel zu spenden. Die digitale Plattform soll die Erhebung von Angebots- und Bedarfs daten vereinfachen. Der Bundespreis Zu gut für die Tonne! wurde 2019 um die Kategorie Digitalisierung erweitert. Ausgezeichnet wurde dieses Jahr unter anderem die App „Too Good To Go“. Verbraucherinnen und Verbraucher können damit überschüs sige Lebensmittel oder zubereitete Speisen aus Restaurants oder Bäckereien vergünstigt erwerben. Nominiert war zudem das Start-up Marktschwärmer. Es organisiert europaweit Bauernmärkte mit Online-Vorbestellung: So wird nur geerntet, was auch verkauft wird. Ebenfalls nominiert war noynum, ein Prognosesystem, das auf künstlicher Intelligenz basiert und die Absatzprognosen für die Hochschulgastronomie durchführt. Bereits mehr als 20 Mensen reduzieren so ihre Lebensmittelabfälle. Entsprechende Kennzeichnungen helfen Verbraucherinnen und Verbrauchern, Waren aus nachhaltiger Produktion zu erkennen – zum Beispiel fair produzierten Kakao. Mit digitalen Technologien können diese Informationen transparenter und fälschungssicherer übermittelt werden. Deshalb prüft das BMEL, inwiefern sich die Rückverfolgbarkeit im Agrar handel verbessern lässt, etwa mithilfe der Blockchaintechnologie. Über das Programm zur Innovationsförderung fördert das BMEL künftig unter anderem Projekte, die eine intelli gente Vernetzung von Maschinen und Abläufen in der Lebensmittelindustrie zum Ziel haben. Um arbeitnehmer- und benutzerfreundliche Lösungen zu entwickeln, sollen dabei insbesondere die Belegschaften der verschiedenen Unter nehmensbereiche berücksichtigt werden. DIGITALISIERUNG ALS CHANCE 29 LÄNDLICHE RÄUME ERNÄHRUNG 30 Unsere Ziele im Überblick Ernährung, Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft sowie ländliche Räume: In diesen drei Bereichen setzt sich das BMEL für eine nachhaltige Entwicklung ein – auf nationaler Ebene und weltweit. Ganz im Sinne der Agenda 2030 verfolgt das Ministerium klare Ziele: zum Beispiel die Sicherung der Arten vielfalt, den Kampf gegen Hunger und Lebensmittelverschwendung, faire Handelsbedingungen, lebendige Meere und mehr Umwelt- und Klimaschutz. ERNÄHRUNG Bewusster Konsum Ausgewogene Ernährung Kein Hunger Weniger Lebensmittel verschwendung TION ­ Verbessertes Tierwohl Fruchtbare Böden, sauberes Wasser, gesunde Luft UNSERE ZIELE IM ÜBERBLICK 30 POLITIK MIT VERANTWORTUNG FINANZIERUNG FORSCHUNG Nachhaltige Entwicklung basiert auf komplexen Zusammenhängen. Sie lässt sich nur gemeinsam und bereichsübergreifend meistern. Ein Beispiel: Maßnahmen für Klimaschutz und Artenvielfalt sichern landwirtschaftliche Produktion und bieten Chan cen für ländliche Räume. Gleichzeitig erfordern sie ressourcenschonendes Wirtschaften und bewussten Konsum. Es ist Aufgabe INFORMAFINANZIERUNG FORSCHUNG POLITIK MIT VERANTWORTUNG Nachhaltige Entwicklung basiert auf komplexen Zusammenhängen. Sie lässt sich nur gemeinsam und bereichsübergreifend meistern. Ein Beispiel: Maßnahmen für Klimaschutz und Artenvielfalt sichern landwirtschaftliche Produktion und bieten Chan cen für ländliche Räume. Gleichzeitig erfordern sie ressourcenschonendes Wirtschaften und bewussten Konsum. Es ist Aufgabe ERNÄHRUNG 31 LAND­, FORST­ UND FISCHEREIWIRTSCHAFT Lebendige Meere Nachhaltig genutzte Wälder Biologische Vielfalt LÄNDLICHE RÄUME Umfangreicher Umwelt­ und Klimaschutz Fairer Handel Zukunftsfähige ländliche Regionen UNSERE ZIELE IM ÜBERBLICK 31 INFORMATION GESETZGEBUNG DIALOG der Politik, die Voraussetzungen für verantwortungsvolles Handeln zu schaffen. Das BMEL treibt in seinen Kompetenzbereichen nachhaltige Entwicklung strategisch voran – und setzt dabei auf vielfältige Maßnahmen und Instrumente: So unterstützt das BMEL ausgewählte, zukunftsweisende Projekte und Forschungsvorhaben finanziell. Es erarbeitet nationale Gesetze und beteiligt sich an staatenübergreifenden Entscheidungsprozessen und Abkommen in der EU sowie weltweit. Zudem fördert es die Vermitt lung von Wissen, stellt umfassende Informationen bereit und tritt mit gesellschaftlichen Gruppen in den Dialog. LAND­, FORST­ UND FISCHEREIWIRTSCHAFT LÄNDLICHE RÄUME INFORMATION GESETZGEBUNG DIALOG der Politik, die Voraussetzungen für verantwortungsvolles Handeln zu schaffen. Das BMEL treibt in seinen Kompetenzbereichen nachhaltige Entwicklung strategisch voran – und setzt dabei auf vielfältige Maßnahmen und Instrumente: So unterstützt das BMEL ausgewählte, zukunftsweisende Projekte und Forschungsvorhaben finanziell. Es erarbeitet nationale Gesetze und beteiligt sich an staatenübergreifenden Entscheidungsprozessen und Abkommen in der EU sowie weltweit. Zudem fördert es die Vermitt lung von Wissen, stellt umfassende Informationen bereit und tritt mit gesellschaftlichen Gruppen in den Dialog. UNSER ANSPRUCH Nachhaltige Entwicklung zu fördern, ist eine komplexe Herausforderung. Es gilt, natürliche Lebensgrundlagen zu erhalten, wirtschaftliche Zusammenhänge stabil zu gestalten und faire Lebensbedingungen zu schaffen. Der behutsame Umgang mit der Erde und ihren Ressourcen ist Richtschnur für unser politisches Handeln. Eine Landwirtschaft, die welt weit gleichermaßen effizient und ressourcenschonend arbeitet, schafft Voraussetzungen dafür, dass auch kommende Generationen ein gutes Leben führen können – sowohl auf dem Land als auch in der Stadt. Dazu bedarf es eines ganzheitlichen Ernährungssystems. Nur wenn wir die gesamte Wertschöpfungskette betrachten, erreichen wir nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster vom Feld bis zum Teller. Dies ist der Anspruch des BMEL. 32 UNSER ANSPRUCH HERAUSGEBER Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) Referat 521 10117 Berlin STAND September 2019 GESTALTUNG neues handeln AG TEX T BMEL DRUCK BMEL BILDNACHWEIS Titel u. U2/U4: Christian Schwier/Adobe Stock; S. 1: Steffen Kugler/Bundesregierung; S. 4: myfoto7/Adobe Stock; S. 8: Biletskiy Evgeniy/Adobe Stock; S. 18: Hans Blossey/Alamy Stock Foto; S. 22: Ildar Abulkhanov/Adobe Stock; S. 28: ValentinValkov/Adobe Stock; S. 32: Hans Blossey/Alamy Stock Photo Diese Broschüre besteht zu 100 % aus Recycling-Papier. Diese Publikation wird vom BMEL kostenlos herausgegeben. Sie darf nicht im Rahmen von Wahlwerbung politischer Parteien oder Gruppen eingesetzt werden. Weitere Informationen unter www.bmel.de @bmel Lebensministerium http://www.bmel.de https://twitter.com/bmel https://www.instagram.com/lebensministerium/

Strategies for Food, Agriculture and Rural Areas with Responsibility for a Sustainable Development · Nelum