Field Bean, Pea & Co. The Protein Crop Strategy of the Federal Ministry of Food and Agriculture for the Promotion of Legume Cultivation in Germany
صدر في 2020-01 · النص بتاريخ 2026-10-01
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- العنوان الأصلي
- Ackerbohne, Erbse & Co. Die Eiweißpflanzenstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zur Förderung des Leguminosenanbaus in Deutschland.
- اللغة
- German
- النوع
- policy
- الدولة
- ألمانيا
- الموضوعات
- Environment, Food and nutrition, Cultivated plants
- الكلمات المفتاحية
- environmental impact assessment (EIA), vegetables/legumes, nutrition, policy/planning, agricultural development, soil conservation/soil improvement, crops, plant production, ecological production/organic production
- الفئات
- agriculture
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Ackerbohne, Erbse & Co. Die Eiweißpflanzenstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zur Förderung des Leguminosenanbaus in Deutschland 2 | Grußwort der BM‘in Julia Klöckner Grußwort Liebe Leserinnen und Leser, Hülsenfrüchte, wie Ackerbohnen, Erbsen & Co. sind wesentliche Bestandteile einer nachhaltigen Land wirtschaft. Diese Pflanzen sind in der Lage, Stickstoff aus der Luft zu binden und als Nährstoff zu nutzen, wodurch CO2 eingespart und der Einsatz fossiler Brennstoffe verringert werden kann. Darüber hinaus fördern Hülsenfrüchte die Bodenfruchtbarkeit, enge Fruchtfolgen werden aufgelockert und die Blüten bieten Nahrung für Insekten. Aufgrund ihres hohen Eiweißgehalts sind Hülsenfrüchte zudem ein wertvoller Eiweißlieferant, der sowohl in der menschlichen als auch in der tierischen Ernährung eingesetzt wird. Um den Anbau heimischer Hülsenfrüchte auszuweiten, wurde im Jahr 2012 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die Eiweißpflanzen strategie veröffentlicht. Im Fokus der Strategie stehen die Forschung zur Erzeugung von Innovationen und der Wissenstransfer in die Praxis. Die größte Steigerung der Wertschöpfung der Hülsenfrüchte findet derzeit im Lebens mittel-Sektor statt. Die Nachfrage nach pflanzlichen Proteinen steigt kontinuierlich, so dass die Prognosen zu weiteren Entwicklungen sehr positiv sind. Aufgrund ihrer speziellen Inhaltsstoffe bieten die Hülsenfrüchte eine vielversprechende Rohstoffbasis für die Entwicklung innovativer Lebensmittelprodukte, wodurch sich neue Absatzwege eröffnen. Diese Broschüre soll Ihnen Informationen zum Hintergrund, den Zielen und Maßnahmen der Strategie liefern. Sie gibt Ihnen einen Überblick, was seit der Veröffent lichung der Strategie erreicht worden ist und was zukünftig im Mittelpunkt der BMEL Aktivitäten stehen wird. Herzlichst Ihre Julia Klöckner Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Inhalt | 3 Inhalt 4 Die Eiweißpflanzenstrategie des BMEL 6 Klima- und Umweltwirkungen der Leguminosen 8 Anbau von Leguminosen in Deutschland 10 Agrarpolitische Maßnahmen – Greening – Ökologische Vorrangflächen – Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen 12 Umsetzung der Strategie – Förderung von Wissenstransfer und Forschung – Dialogforum nachhaltigere Eiweißfuttermittel – Forschungsstrategie der DAFA 14 Internationaler Tag der Hülsenfrüchte am 10. Februar 15 Europa-Soja-Erklärung, EU-Proteinplan und Amsterdam-Erklärung 4 | Strategie Die Eiweißpflanzen strategie des BMEL Die Erweiterung der Fruchtfolgen in Deutschland und Europa um weitere Pflanzen, insbesondere um Leguminosen (botanisch Hülsenfrüchte), ist ein wichtiger Baustein für eine nachhaltigere Landwirtschaft. Leguminosen, das Wissen um ihren Anbau sowie die Verarbeitungs- und Verwendungsmöglichkeiten sollen für die Landwirtschaft erhalten und weiterentwickelt werden. Deshalb hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die Eiweißpflanzenstrategie entwickelt und Ende Dezember 2012 veröffentlicht. Entsprechend haben auch die Koalitionsparteien in ihrem Koalitionsver trag für die 19. Legislaturperiode festgehalten, dass die Eiweißpflanzenstrategie gestärkt werden soll. Auszug aus dem Koalitionsvertrag (Seite 85) „Die Attraktivität des Anbaus von Eiweißpflanzen wollen wir im Rahmen der Weiterentwicklung der Eiweißpflanzenstrategie erhöhen.“ Mit der Eiweißpflanzenstrategie des BMEL sollen – unter Berücksichtigung der inter nationalen Rahmenbedingungen – Wettbewerbsnachteile heimischer Eiweißpflanzen (Leguminosen wie Ackerbohne, Erbse und Lupinenarten sowie Kleearten, Luzerne und Wicke) verringert, Forschungslücken geschlossen und erforderliche Maßnahmen in der Praxis erprobt und umgesetzt werden. Leguminosen haben die Besonderheit, dass sie mit Hilfe von Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln, den sogenannten Rhizobien, Luftstickstoff binden und hochwertiges Eiweiß erzeugen können. Dieses Eiweiß kann sowohl für die menschliche Ernäh rung als auch für Tierfutter verwendet werden. Zudem reichern die Leguminosen Nährstoffe im Boden an und verbessern die Bodenfruchtbarkeit. Somit leisten diese Kulturen einen besonderen Beitrag für eine umweltgerechte und ressourcenschonende Landbewirtschaftung. Das Ziel der Strategie ist, den in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangenen Leguminosenanbau in Deutschland zu fördern und die Anbaufläche auszudehnen. Dabei sollen sowohl das Angebot als auch die Nachfrage nach heimisch erzeugten Legumi nosen gestärkt werden. Im Fokus stehen der konventionelle sowie der ökologische Anbau. Leguminosenanbau fördern Ressourcenschutz verbessern Strategie | 5 Darüber hinaus verfolgt die Eiweißpflanzenstrategie die folgenden Ziele: → Ökosystemleistungen und Ressourcenschutz verbessern, → regionale Wertschöpfungsketten stärken, → Eiweißversorgung aus heimischer Produktion steigern und mit gentechnisch nicht veränderten Eiweißträgern verbessern (der Anbau gentechnisch veränderter Leguminosensorten ist in Deutschland nicht zulässig). Die Eiweißpflanzenstrategie ist damit wichtiger Baustein einer nachhaltigeren Land wirtschaft. Sie wurde deshalb in die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie als Beitrag zum zweiten Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen „Den Hunger beenden, eine nach haltige Landwirtschaft fördern“ (SDG 2) aufgenommen. Darüber hinaus ist die Eiweiß pflanzenstrategie auch in der Zukunftsstrategie ökologischer Landbau (ZöL) verankert. In der Ökolandwirtschaft besteht ein wachsender Bedarf an biologisch erzeugten Eiweißfuttermitteln. In der ZöL wird festgestellt, dass gezielte Maßnahmen erforderlich sind, um die Eiweißlücke in der biologischen Tierfütterung zu schließen. Maßnahmen der Eiweißpflanzenstrategie beziehen den Ökolandbau daher explizit mit ein und zielen auch auf eine Verbesserung der Versorgung mit biologisch erzeugten heimischen Eiweiß futtermitteln ab. Da die Rechtsetzung vom ökologischen Landbau den Einsatz eines hohen Anteils regional erzeugter Futtermittel verlangt, hat die Ausdehnung der heimi schen Produktion für diese Form der Landbewirtschaftung eine besondere Bedeutung. Um den Landwirten Anreize zu bieten, neben Getreide und Ölsaaten auch Leguminosen anzubauen und zu nutzen, kommt ein Bündel geeigneter Maßnahmen zum Einsatz. So wurde bereits 2012 angestrebt, in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) günstigere Rahmenbedingungen für den Leguminosenanbau vorzusehen. Darüber hinaus werden weitere europäische und nationale Instrumentarien eingesetzt, wie das Einstellen von Fördermitteln - nicht zuletzt für die Förderung geeigneter Forschungsvorhaben. Dabei nehmen → Leguminosenforschung, → Vorhaben zur Demonstration der Möglichkeiten entlang der gesamten Wertschöp fungskette vom Anbau bis zur Verwendung und → Maßnahmen im Rahmen der GAP insbesondere die für den Klima- und Umwelt schutz förderlichen Landbewirtschaftungsmethoden der 1. Säule sowie die Agrar umwelt- und Klimamaßnahmen der 2. Säule eine zentrale Rolle ein. Auch wenn, unterstützt durch die Instrumente der Eiweißpflanzenstrategie, die Produk tion von Leguminosen in Deutschland und Europa mittelfristig ausgedehnt werden kann, ist zu erwarten, dass die deutsche Veredlungswirtschaft weiterhin in starkem Maße auf Sojaimporte aus Süd- und Nordamerika angewiesen sein wird. Daraus leitet sich für die Bundesregierung eine globale umwelt- und ressourcenpolitische Verant wortung ab, die über die Ziele und Aktivitäten der Eiweißpflanzenstrategie im engeren Sinne hinausgeht. In der Nutztierhaltungsstrategie des BMEL wird diese politische Regionale Wertschöpfungskette stärken Eiweißversorgung aus heimischer Produktion steigern 6 | Strategie | Klima und Umwelt Verantwortung konkretisiert. Im Handlungsfeld „Internationaler Agrarhandel“ wird dazu festgestellt: „Die deutsche Tierhaltung basiert bei Eiweißkomponenten etwa zu einem Viertel auf dem Zukauf von Futtermitteln aus dem Ausland. Vor allem die großen Importmengen von Eiweißfuttermitteln nach Deutschland stehen wegen Auswirkungen auf die Weltwaldbestände, die Biodiversität und nicht zuletzt die Gesundheit und Entwicklungs möglichkeiten der heimischen Bevölkerung im Fokus der Kritik. Die Bundesregierung ist daher bestrebt, den Einsatz von umweltfreundlich produzierten Importeiweißfuttermitteln und einheimischen Eiweißfuttermitteln zu erhöhen.“ Klima- und Umweltwirkungen der Leguminosen Ein verstärkter Anbau von Leguminosen leistet einen wichtigen Beitrag zum Schutz, zum Erhalt und zur nachhaltigen Nutzung der biologischen und genetischen Vielfalt sowie der Vielfalt der Agrarökosysteme. Da Leguminosen in der Lage sind, in Symbiose mit den Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft zu binden und als Nährstoff zu nutzen, können Stickstoffdüngemittel eingespart werden. Der fixierte Stickstoff steht teilweise auch der nachfolgenden Kultur zur Verfügung. Somit kann ein erheblicher Energieaufwand, der im Rahmen der industriellen Produktion, des Transports und der Ausbringung von Stickstoffdüngemitteln aufgewendet werden muss, beim Anbau von Leguminosen und bei den Folgekulturen eingespart werden. Eine Steigerung des Leguminosenanbaus erweitert das Fruchtartenspektrum und lockert relativ enge Fruchtfolgen auf. Damit kann das Auftreten von Schadorganismen reduziert und die Wirksamkeit der Unkrautbekämpfung durch Wechsel zwischen Sommerung und Winterung sowie Blatt- und Halmfrüchten verbessert werden. Weiter gestellte Fruchtfolgen tragen zum integrierten Pflanzenschutz und zur Reduzierung des Risikos von Resistenzbildungen gegen Pflanzenschutzmittelwirkstoffe bei. Das kann zu einer Reduzierung der Pflanzenschutzmittelanwendungen führen und deren negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt verringern. Blühende Leguminosen bieten zudem eine ausgezeichnete Nahrungsgrundlage für nektarsammelnde, bestäubende Insekten. Eine entsprechende Erweiterung des Kulturartenspektrums ist daher geeignet, die Agro biodiversität insgesamt, d. h. die Artenvielfalt, die genetische Vielfalt sowie die Vielfalt der Ökosysteme in der Agrarlandschaft zu erhöhen und zum Klimaschutz beizutragen. Kapitel | 7 Vorteile des Anbaus von Leguminosen → Auflockerung enger Fruchtfolgen – Erhöhung der Agrobiodiversität → Lieferung zusätzlicher Trachten für Honig- und Wildbienen → Reduzierter Einsatz von Stickstoffdüngemitteln und dadurch CO2-Einsparung und höhere Energieeffizienz → Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit → Positive Humuswirkung → Positive phytosanitäre Einflüsse im Rahmen der Fruchtfolge → Positiver Beitrag zum integrierten Pflanzenschutz → Besseres Wasserhaltevermögen der Böden → Zunahme der Regenwurmpopulation → Tiefe Durchwurzelung, Aufschluss von Bodenschadverdichtungen 8 | Anbau Anbau von Leguminosen in Deutschland Der Leguminosenanbau hat in Deutschland aufgrund seiner geringen Wettbewerbs fähigkeit abgenommen. Die Gründe dafür waren vielfältig: Sie reichen von höheren physischen und monetären Erträgen bei den Konkurrenzfrüchten Getreide, Mais, Zuckerrüben und Raps über ein komplexeres Anbaumanagement, stärker schwankenden Erträgen, mangelnden Vermarktungs- und Aufbereitungsmöglichkeiten bis hin zum agrarpolitischen Förderrahmen. In der Folge schwanden produktionstechnische Kennt nisse, Züchtungsfortschritte bei neuen Sorten waren gering und auch die Verfügbarkeit von geeigneten und wirksamen Pflanzenschutzmaßnahmen sowie spezifischen Aufbe reitungs- und Verarbeitungsprozessen nahmen ab. Es entstand eine Negativ-Spirale sich weiter verringernder Wettbewerbsfähigkeit heimischer Eiweißpflanzen. Vor diesem Hintergrund will die Eiweißpflanzenstrategie des BMEL dazu beitragen, dass die Fruchtfolgen mit Leguminosen auf mittlere Sicht monetär mindestens ebenso gut abschneiden wie Fruchtfolgen ohne Leguminosen, in denen ausschließlich Getreide, Mais, Zuckerrüben oder Raps angebaut werden. Dabei müssen neben den ökonomischen Instrumenten zur Ermittlung der innerbetrieblichen Konkurrenzfähigkeit einzelner Kulturen (Direkt- und Arbeitskostenfreie Leistung, Deckungsbeitrag) beispielsweise auch Vorfruchtwirkungen oder phytosanitäre Effekte (z.B. Einsparung von mineralischen Anbau | 9 Stickstoffdüngemitteln oder von Pflanzenschutzmitteln) von Leguminosen berücksich tigt werden. Aus der Bodennutzungshaupterhebung sind folgende Anbauumfänge für die in der Abbildung genannten Hülsenfrüchte bekannt gegeben worden: Seit 2014 ist nun wieder ein Aufwärtstrend bei der Anbaufläche erkennbar. Die Zunahme ist insbesondere auf die Einführung des Greenings (ökologische Vorrangflächen) im Rahmen der GAP- Reform zurückzuführen sowie die in zahlreichen Bundesländern angebotenen Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen. Aber auch die Förderung von Wissenstransfer und die Intensivierung der Beratung, Forschungs- und Entwicklungs vorhaben tragen dazu bei. Nähere Informationen zu diesen Themen erhalten Sie in den nachfolgenden Kapiteln. 20 40 60 80 100 120 140 160 180 2010 2011 2012 2013 2014 2015Jahr Sonstige** Anbau�ächen in 1.000 ha 2016 * Soja wird ab 2016 in dieser Erhebung erfasst Ackerbohnen Erbsen Süßlupinen Soja* 20182017 2019 200 ** Andere Hülsenfrüchte und Mischkulturen zur Körnergewinnung Entwicklung der (Gesamt-)Anbaufläche von Ackerbohnen, Erbsen, Süßlupinen, Soja und sonstigen Leguminosen in Deutschland von 2010 bis 2019 (Quelle: Statistisches Bundesamt und BMEL) 10 | Agrarpolitik Agrarpolitische Maßnahmen Durch die Ende 2013 beschlossene Reform der GAP erhält die Landwirtschaft in Europa zum einen verlässliche und stabile Rahmenbedingungen für die kommenden Jahre und wird zum anderen ökologischer und nachhaltiger. Insgesamt stehen für die Agrarförde rung in Deutschland von 2014 bis 2020 jährlich rund 6,2 Milliarden Euro an EU-Mitteln zur Verfügung, mit denen sowohl die Landwirte als auch die ländlichen Regionen gefördert werden. Die EU-Förderung verteilt sich dabei auf zwei Säulen: → Die erste Säule bilden die Direktzahlungen an die Landwirte. Sie sind ein wesent liches Element der GAP und werden durch die Einführung des sogenannten Gree nings noch stärker als bisher an Umweltmaßnahmen geknüpft. → Die zweite Säule umfasst gezielte Förderprogramme für die nachhaltige und umweltschonende Bewirtschaftung und die ländliche Entwicklung. Greening – Ökologische Vorrangflächen Ein Kernelement der Reform der GAP ist das Greening (1. Säule). Dieses umfasst die Anbaudiversifizierung (Vielfalt beim Anbau von Kulturen auf Ackerflächen), den Erhalt des Dauergrünlands (Wiesen und Weiden) sowie die Bereitstellung ökologischer Vorrangflächen (ÖVF) auf mindestens 5 Prozent des Ackerlandes. Die ÖVF müssen im Umweltinteresse genutzt werden, wobei eine landwirtschaftlich produktive Nutzung unter bestimmten Bedingungen zulässig bleibt. In Deutschland ist grundsätzlich die Anwendung aller im EU-Recht aufgezählten Typen an ÖVF möglich, zu denen auch Flächen mit stickstoffbindenden Pflanzen (Legu minosen) zählen. Über Gewichtungsfaktoren wird die unterschiedliche ökologische Wertigkeit der verschiedenen Arten von ÖVF berücksichtigt. Der Gewichtungsfaktor für Leguminosen beträgt 1,0. Neben Leguminosen in Reinsaat, können auch Mischungen von Leguminosen mit anderen Pflanzen als ÖVF ausgewiesen werden. Dies bedeutet, dass zum Beispiel der Anbau von Leguminosen mit Getreide als Stützfrucht ebenso wie der Anbau von Klee- oder Luzernegras als ÖVF möglich ist, sofern der Anteil der Leguminosen überwiegt. Seit dem 01. Januar 2018 dürfen auf ÖVF allerdings keine Pflanzenschutzmittel mehr eingesetzt werden. In 2019 wurden knapp 90.000 Hektar stickstoffbindende Pflanzen als ÖVF beantragt. Stickstoffbindende Pflanzen sind damit der drittwichtigste ÖVF-Typ nach Zwischen früchten/Untersaaten und Brachflächen. Direktzahlungen an Landwirte Greening 1 2 1 1 1 Agrarpolitik | 11 Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) sind ein wesentliches Instrument zur Erreichung von Umweltzielen im Rahmen der GAP (2. Säule). AUKM werden in Deutschland mit finanzieller Beteiligung der EU, des Bundes und der Länder gefördert. Rechtsgrundlage der EU für die Förderung in der Förderperiode 2014-2020 ist die ELER-Verordnung. Zu den AUKM, die im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrar struktur und des Küstenschutzes“ (GAK) gefördert werden (markt- und standortange passte sowie umweltgerechte Landbewirtschaftung einschließlich Vertragsnaturschutz und Landschaftspflege), zählt unter anderem die Fördermaßnahme „Vielfältige Kulturen im Ackerbau“. Zentrale Förderverpflichtung dabei ist der Anbau von jährlich mindestens fünf verschiedenen Hauptfruchtarten in Kombination mit einem Leguminosenanteil von mindestens 10 Prozent der Ackerfläche des Betriebes. Der Planungsausschuss für Agrarstruktur und Küstenschutz (PLANAK) hat für die AUKM „Vielfältige Kulturen im Ackerbau“ im GAK-Rahmenplan 2019 folgende Zahlungen beschlossen: → Anbau von Leguminosen oder Gemengen mit Leguminosen auf mind. 10 Prozent der Ackerfläche » 90 Euro pro Hektar (€/ha) Ackerfläche, wenn ÖVF: 70 €/ha » 55 €/ha Ackerfläche für Öko-Betriebe → Anbau von Leguminosen oder Gemengen mit Leguminosen auf mind. 10 Prozent der Ackerfläche, wenn davon mind. 5 Prozent großkörnige Leguminosen sind » 100 €/ha Ackerfläche, wenn ÖVF: 80 €/ha » 65 €/ha Ackerfläche für Öko-Betriebe → Anbau von großkörnigen Leguminosen auf mind. 10 Prozent der Ackerfläche » 110 €/ha Ackerfläche, wenn ÖVF: 90 €/ha » 75 €/ha Ackerfläche für Öko-Betriebe Die Länder können die Sätze um bis zu 30 Prozent anheben oder absenken. Zahlreiche Bundesländer (Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Thüringen) bieten die AUKM „Vielfältige Kulturen“ an. Bayern bietet die Maßnahme außerhalb der GAK an. Ergänzend zum Greening der GAP gibt diese Fördermaßnahme einen weiteren Impuls für den Anbau von Körnerleguminosen in Deutschland, zumal die Länder für die Finanzierung dieser AUKM über den EU-Kofinanzierungsanteil (bis zu 75 Prozent) hinaus, 60 Prozent des nationalen Anteils im Rahmen der GAK aus dem Bundeshaushalt erstattet bekommen können. Weitere Informationen → www.bmel.de Nachhaltige und umweltschonende Bewirtschaftung Gezielte Förderprogramme 2 2 12 | Umsetzung Umsetzung der Strategie Förderung von Wissenstransfer und Forschung Die Projektträgerschaft, d.h. die Umsetzung und Koordinierung der BMEL-Eiweiß pflanzenstrategie in den Bereichen Wissenstransfer sowie Forschung und Entwicklung, wurde der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung übertragen, bei der hierfür eine Geschäftsstelle eingerichtet worden ist. Zu den Aufgaben der Geschäftsstelle zählen auch die Abstimmung der Aktivitäten zwischen Bund und Bundesländern und die Beratung des BMEL. Mit Beschluss des Bundestages zum Haushaltsgesetz 2020 sind im Bundeshaushalt 2020 Mittel für die Eiweißpflanzenstrategie des BMEL in Höhe von 5,8 Millionen Euro vorgesehen. Von 2014 bis einschließlich 2020 wurden somit Fördergelder in Höhe von insgesamt 36,8 Millionen Euro für die Finanzierung der Eiweißpflan zenstrategie zur Verfügung gestellt. Das BMEL setzt sich für eine längerfristige Titel Ausstattung in Höhe von knapp 6 Millionen Euro pro Jahr ein. Von Beginn an war die Förderung in den Bereichen Wissenstransfer sowie Forschung und Entwicklung der zentrale Baustein bei der Umsetzung der Eiweißpflanzenstra tegie. Daher wurden für die Kulturarten Soja, Lupine und Erbse/Bohne modellhafte Demonstrationsnetzwerke mit konventionell und ökologisch wirtschaftenden Betrieben eingerichtet. Ein viertes Netzwerk für feinsamige Leguminosen befindet sich derzeit im Aufbau, es ist Mitte 2019 gestartet. Im Mittelpunkt der Netzwerke stehen der Wissen stransfer sowie die Intensivierung der Beratung. Wichtig dabei sind die Demonstrati onsbetriebe, auf denen aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung in die Praxis umgesetzt und Demonstrationsanlagen zu verschiedenen produktionstechnischen Fragestellungen angelegt werden. Anhand der auf den Betrieben erhobenen Daten werden u.a. produkti onstechnische und ökonomische Auswertungen vorgenommen. Darüber hinaus werden entlang der gesamten Wertschöpfungskette beispielhaft Möglichkeiten vom Anbau bis zur Verwertung aufgezeigt. Bundesweit wurden bisher zahlreiche Veranstaltungen für Landwirte, Berater und Unternehmen durchgeführt, die große Resonanz fanden. Im Dezember 2018 endete das erste geförderte Netzwerk der Eiweißpflanzenstrategie, das Soja-Netzwerk. Nach der fünfjährigen Laufzeit konnte eine positive Bilanz gezogen werden. So hat die Arbeit des Netzwerks wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Sojaanbaufläche von 2013 bis 2018 mehr als verdreifacht hat und die Anzahl an Aufberei tungsanlagen deutlich erhöht wurde. Des Weiteren wurden drei modellhafte Wertschöp fungsketten für den Bereich Lebens- und Futtermittel aufgebaut sowie Unterrichtsmate rialien für allgemeinbildende, Berufs- und Fachschulen entwickelt. Begleitend zu den Netzwerken werden verschiedene Forschungsprojekte zu den Themen Züchtung, Anbau, Aufbereitung, Fütterung, Lebensmittel und Ökosystemleistungen gefördert. Mit diesen sollen bestehende Verfahren verbessert, Innovationen erzeugt und Impulse für einen ökonomisch erfolgreichen Anbau von Leguminosen und deren Verwertung gegeben werden. Umsetzung | 13 Nachdem in den letzten Jahren die großkörnigen Leguminosen Soja, Lupine, Erbse und Bohne im Mittelpunkt der Eiweißpflanzenstrategie standen, wird nun ein weiterer Fokus auf die feinsamigen Leguminosen wie Klee und Luzerne gelegt. Die Projekte hierzu werden sukzessive starten. Parallel dazu werden neue Schwerpunktthemen identifiziert und entsprechend Bekanntmachungen vorbereitet. Weitere Informationen → www.ble.de/eps → www.sojafoerderring.de → www.lupinen-netzwerk.de → www.demoneterbo.agrarpraxisforschung.de → www.demonet-kleeluzplus.de Dialogforum nachhaltigere Eiweißfuttermittel Das Dialogforum „Nachhaltigere Eiweißfuttermittel“ läuft seit August 2018 unter Federführung der Geschäftsstelle Eiweißpflanzenstrategie. Zuvor wurde es während der fast vierjährigen Projektlaufzeit vom World Wide Fund For Nature (WWF) Deutsch land koordiniert. Ziel ist es, gemeinsam mit allen Akteuren der Wertschöpfungskette Lösungsstrategien zum Einsatz von nachhaltigeren Eiweißfuttermitteln in Deutschland zu entwickeln. Im Forum sind rund 65 Unternehmen, Verbände, wissenschaftliche Einrichtungen und Behörden aus den Bereichen Landwirtschaft, Naturschutz, Futtermittel- und Lebens mittelproduktion sowie Handel vertreten. Beraten und unterstützt wird das Forum von einem Lenkungskreis, in dem die wichtigsten Akteursgruppen (Erzeuger, Verarbeiter/ Handel, LEH, Naturschutz) vertreten sind. Als Ergebnis des Dialogprozesses haben rund 30 Akteure im Oktober 2017 ein gemein sames Positionspapier mit acht Thesen verabschiedet. Hierin haben sie sich dazu bekannt, den Anteil von Leguminosen im Anbau und in der Fütterung zu erhöhen und dafür die Wettbewerbsfähigkeit der Leguminosen zu stärken. Auch sprechen sie sich dafür aus, in Zukunft nur zertifiziert nachhaltiges Soja einzusetzen. Das Dialogforum und seine Mitglieder senden damit ein klares Signal, dass die Akteure in Deutschland ihre Verantwortung in den globalen Lieferketten wahrnehmen und die sozialen, ökonomischen und ökologischen Bedingungen in der gesamten Wertschöpfungskette von Eiweißfuttermitteln verbessern wollen. Weitere Informationen → www.eiweissforum.de 14 | Umsetzung | Internationaler Tag der Hülsenfrüchte Forschungsstrategie der DAFA Die Deutsche Agrarforschungsallianz (DAFA) hat ein Fachforum zum Thema Legumi nosen durchgeführt und daraus 2012 eine Forschungsstrategie entwickelt mit dem Ziel, Forschungsbedarf zu identifizieren, um das Potenzial der Leguminosen im Rahmen einer zukunftsfähigen Land- und Ernährungswirtschaft konsequent zu erschließen. Das BMEL hat die von der DAFA aufgezeigten Forschungsthemen bei der Umsetzung seiner Strategie soweit als möglich berücksichtigt. Weitere Informationen → www.dafa.de Internationaler Tag der Hülsenfrüchte am 10. Februar Am 20.12.2018 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen, dass der 10. Februar der Internationale Tag der Hülsenfrüchte (World Pulses Day) wird. Damit werden vor allem die Bedeutung von Hülsenfrüchten für eine ausgewogene und gesunde Ernährung und die positiven Umweltwirkungen für eine nachhaltige Landwirtschaft gewürdigt. Mit dem Tag soll an die große Aufmerksamkeit des Internationalen Jahres der Hülsenfrüchte (International Year of Pulses IYP) im Jahr 2016 angeknüpft werden. Ziel des IYP war eine Stärkung des Bewusstseins der Öffentlichkeit für den Nutzen von Hülsenfrüchten und eine Förderung der nachhaltigen Landwirtschaft. Die Begehung des Internationalen Jahres der Hülsenfrüchte 2016 bot eine einzigartige Gelegenheit, um die weltweite Produktion von Hülsenfrüchten zu stimulieren, ihre Anwendung in Fruchtfolgen besser zu nutzen und die Herausforderungen beim Handel mit Hülsen früchten anzugehen. Auch ging es darum, Eiweiß aus Hülsenfrüchten weltweit besser zu nutzen, beispielsweise indem deren Verwendung innerhalb der gesamten Nahrungskette gefördert wird. Die Resolution betont, dass Hülsenfrüchte für die Menschen auf der ganzen Welt eine wichtige Quelle für pflanzliches Eiweiß und Aminosäuren sowie für Tiere eine Quelle für wertvolles Futter sind. Weitere Informationen → www.fao.org/world-pulses-day/en/ → www.fao.org/pulses-2016/en/ Europäische Initiativen | 15 Europa-Soja-Erklärung, EU-Proteinplan und Amsterdam-Erklärung Leguminosen sind eine hochwertige pflanzliche Proteinquelle, sowohl für Futter- als auch für Lebensmittel. Besonders regional erzeugte Leguminosen können einen wichtigen Beitrag zu einer vielfältigen und nachhaltigeren Landwirtschaft leisten. Am 17. Juli 2017 haben 14 EU-Agrarminister (Deutschland, Ungarn, Österreich, Frank reich, Niederlande, Italien, Polen, Kroatien, Rumänien, Slowenien, Slowakei, Finnland, Griechenland, Luxemburg) die Europa-Soja-Erklärung unterzeichnet. Sie setzen sich damit für die nachhaltige und zertifizierte Produktion, Verarbeitung und Vermarktung von Eiweißpflanzen - insbesondere von Soja - in Europa ein. In der Erklärung werden Maßnahmen aufgeführt, wie dieses Ziel als Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit in der europäischen Landwirtschaft erreicht werden kann. Hierzu zählen zum einen die Förderung eines lokal angepassten Leguminosenanbaus sowie die Unterstützung einer optimierten Fütterung. Zum anderen ist es von Bedeutung, Konsumenten über eine pflanzenbasierte proteinreiche Ernährung zu informieren sowie die Zertifizierung von Importen zu unterstützen. Am Rande der Internationalen Grünen Woche 2018 haben sich Agrarminister aus vier osteuropäischen Staaten (Moldawien, Montenegro, Kosovo, Mazedonien) der Erklärung angeschlossen, im Jahr 2019 folgte die Schweiz. Zur Entwicklung von Proteinpflanzen in der Europäischen Union hat die EU-Kommis sion in 2018 einen Bericht zum EU-Proteinplan erarbeitet. Darin werden Angebot und Nachfrage bei pflanzlichem Eiweiß wie zum Beispiel Soja, Erbsen, Bohnen und Raps überprüft und untersucht sowie ein möglicher Ausbau der Erzeugung. Mit der Eiweiß pflanzenstrategie des BMEL werden bereits viele der von der Kommission vorgeschla genen Instrumente und Programme zur Förderung der Erzeugung von Pflanzenprote inen umgesetzt. Dazu zählen u.a. die Intensivierung von Forschung und Wissenstransfer sowie die Entwicklung von Wertschöpfungsketten. Darüber hinaus bestehen Synergien der Eiweißpflanzenstrategie mit den Zielen der sogenannten „Amsterdam-Erklärung“, speziell mit Blick auf die Nutzung von mit Entwaldung verbundenen Agrarrohstoffen in Europa. Seit 2015 haben sich Deutschland, die Niederlande, Großbritannien, Dänemark, Norwegen, Frankreich und Italien in der „Amsterdam-Partnerschaft“ als Vordenker zum Thema „entwaldungsfreie Lieferketten“ zusammengeschlossen und fördern grenzüberschreitende Initiativen zu Palmöl, Kakao und Soja sowie den Wissensaustausch zwischen ihnen. Weitere Informationen → www.bmel.de Impressum Herausgeber Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Referat 712 Wilhelmstraße 54 10117 Berlin Stand Januar 2020 Gestaltung Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung Referat 411 – Medienkonzeption und -gestaltung Bildnachweis stock.adobe.com (luigi giordano, kootek, Dusan Kostic) BPA (Steffen Kugler) Druck Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Diese Publikation wird vom BMEL kostenlos herausgegeben. Sie darf nicht im Rahmen von Wahlwerbung politischer Parteien oder Gruppen eingesetzt werden. Weitere Informationen unter www.bmel.de @bmel Lebensministerium