تخطَّ إلى المحتوى
Nelum
قوانين النمسا

Austrian Protein Strategy

صدر في 2021 · النص بتاريخ 2026-10-01

القانون العام والإرشادات الرسمية منشورة بوصفها أبحاثاً. ليست مشورة قانونية أو ضريبية أو مالية.

البحث نفسه مكتوب بالإنجليزية. العناوين والوسوم مترجمة؛ أما النتائج والاقتباسات فغير مترجمة.

عن هذا القانون

العنوان الأصلي
Österreichische Eiweißstrategie.
اللغة
German
النوع
policy
الدولة
النمسا
الموضوعات
Agricultural and rural development, Environment, Food and nutrition, Cultivated plants
الكلمات المفتاحية
agroecology, biodiversity, genetically modified organism (GMO), fertilizers/nutrients, research, crops, agricultural development, farming, ecosystem conservation, sustainable development, climate change, emissions, environmental impact assessment (EIA), environmental planning, policy/planning, food security, biosecurity, vegetables/legumes, plant production, plant protection, plant variety, seeds/planting material
الفئات
agriculture

أين تقرؤه

    لا يوجد رابط مصدر مسجل لهذا القانون.

النص

نص القانون نفسه، مادةً مادة، كما هو محفوظ. لكل مادة رابطها.

  1. Österreichische Eiweißstrategie Abschlussbericht Impressum Medieninhaber und Herausgeber: Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus Stubenring 1, 1010 Wien Leitung und Redaktion: AL Monika Stangl unter der Mitarbeit von: Irene Povolny, Sonja Schantl, Marlene Tasser Grafikdesign: Leonie Fink Fotonachweis: BMLRT/Alexander Haiden (Deckblatt, S. 43), BMLRT/Paul Gruber (S. 5), BMLRT/Anna Schreiner (S. 13, 15, 26, 35), BMLRT/Sabine Grausgruber-Gröger (S. 24, 29). Wien, 2021. Copyright und Haftung: Auszugsweiser Abdruck ist nur mit Quellenangabe gestattet, alle sonstigen Rechte sind ohne schriftliche Zustimmung des Medieninhabers unzulässig. Es wird darauf verwiesen, dass alle Angaben in dieser Publikation trotz sorgfältiger Bearbeitung ohne Gewähr erfolgen und eine Haftung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus und der Autorin/des Autors ausgeschlossen ist. Rechtausführungen stellen die unverbindliche Meinung der Autorin/des Autors dar und können der Rechtsprechung der unabhängigen Gerichte keinesfalls vorgreifen. Rückmeldungen: Ihre Überlegungen zu vorliegender Publikation übermitteln Sie bitte an Abt-25@bmlrt.gv.at. mailto:Abt-25@bmlrt.gv.at In Zusammenarbeit mit Österreichische Eiweißstrategie 5 Vorwort Das Thema Eiweißpflanzen haben wir schon lange auf unserer Agenda und wir haben erfolgreich zu diesem Thema während unserer Ratspräsidentschaft gemeinsam mit der Europäischen Kommission die Eiweißkonferenz in Wien ausgerichtet. Diese Konferenz habe ich zum Startpunkt für unsere eigene Eiweiß strategie gesetzt. Der Ausbau der Produktion und die Versorgung mit heimischem pflanzlichem Eiweiß wurden auch im Regierungsprogramm für die Periode 2020 bis 2024 nachhaltig verankert. Mit der vorlieg enden Eiweißstrategie zollen wir diesem wichtigen und zentralen Anliegen Tribut. Wie wichtig ein möglichst hoher Grad an Eigenversorgung ist, hat uns nicht zuletzt die Aus nahmesituation rund um die Coronakrise mit eingeschränktem Handelsverkehr auf inter nationaler Ebene aber auch auf Binnenmarktebene drastisch vor Augen geführt. Ich erachte daher die Versorgungssicherheit speziell in Krisensituationen als einen der wichtigsten Faktoren. Aber Österreich ist bisher schon einen sehr erfolgreichen Weg bei Eiweißpflanzen gegangen. Den vielen Initiativen in Österreich sei daher auch mein Dank geschuldet. Der Anbau von Eiweißpflanzen und dessen Entwicklungspotential ist somit vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Situation aktueller denn je. Auch die Versorgungs sicherheit mit pflanzlichem Eiweiß wird in der heimischen und auch europäischen Landwirtschaft zukünftig noch stärker in den Fokus rücken. Daher ist die Schaffung von geeigneten Rahmenbedingungen für Eiweißpflanzen in der neuen GAP-Periode sowie deren Absicherung in den nationalen Strategieplänen eine große und wichtige Herausforderung für die Zukunft! Elisabeth Köstinger Bundesministerin für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus Elisabeth Köstinger Bundesministerin Österreichische Eiweißstrategie 6 Inhalt In Zusammenarbeit mit .................................................................................................. 3 Vorwort ......................................................................................................................... 5 1 Einleitung ................................................................................................................... 7 2 Hintergrund ................................................................................................................ 9 2.1 Entstehungsprozess ......................................................................................................... 9 2.2 Aufbau des Berichts ....................................................................................................... 10 3 Arbeitsgruppe 1: Klima, Umwelt und Ernährung ....................................................... 11 3.1 Problemstellung ............................................................................................................. 11 3.2 Klima .............................................................................................................................. 12 3.3 Umwelt........................................................................................................................... 14 3.4 Ernährung ...................................................................................................................... 16 4 Arbeitsgruppe 2: Produktion ..................................................................................... 19 4.1 Problemstellung ............................................................................................................. 19 4.2 Saatgut ........................................................................................................................... 22 4.3 Anbau und Fruchtfolge .................................................................................................. 25 4.4 Betriebsmitteleinsatz ..................................................................................................... 28 4.5 GAP ................................................................................................................................ 30 4.6 Risikomanagement ........................................................................................................ 32 5 Arbeitsgruppe 3: Wertschöpfungskette ..................................................................... 33 5.1 Problemstellung ............................................................................................................. 33 5.2 Lebensmittel .................................................................................................................. 35 5.3 Futtermittel .................................................................................................................... 37 5.4 Versorgungsbilanzen...................................................................................................... 40 5.5 Verarbeitung .................................................................................................................. 42 6 Arbeitsgruppe 4: Forschung und Entwicklung ............................................................ 45 6.1 Problemstellung ............................................................................................................. 45 6.2 Forschung und Entwicklung ........................................................................................... 46 7 Resümee und Schlussfolgerungen ............................................................................. 48 7.1 Weitere Vorgangsweise ................................................................................................. 50 Abbildungsverzeichnis .................................................................................................. 52 Österreichische Eiweißstrategie 7 1 Einleitung Eiweißpflanzen und ihre Ökosysteme sind ein wichtiger Baustein für eine nachhaltige Landwirtschaft. Sie tragen zu einer positiven Humus- bzw. Kohlenstoffbilanz und der biologischen Vielfalt unserer Agrarlandschaft bei, verbessern die Bodenfruchtbarkeit und verringern den Verbrauch an Stickstoffdünger. Zusätzlich ist eine nachhaltige Stärkung der Eigenversorgung und Verwendung von pflanzlichem und regionalem Eiweiß entlang der Wertschöpfungskette ein Thema mit großer Relevanz und ein wichtiger Beitrag zu einer gesunden Ernährung. Mit dieser Strategie soll auch ein Beitrag zur Erreichung der Nach haltigen Entwicklungsziele geleistet werden. Als Beispiel sei hier ein Beitrag zu Ziel 2 zur Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft erwähnt. Österreich zählt innerhalb der EU zu jenen Ländern, die sich bereits seit längerer Zeit intensiv mit dem Thema Eiweißpflanzen auseinandersetzen. Nun hat sich das Bundes ministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus zum Ziel gesetzt eine österreichische Strategie zu Eiweißpflanzen zu erarbeiten. Eine Gesamtstrategie für pflanzliches Eiweiß. In der Europäischen Union nimmt Österreich bei Eiweißpflanzen unzweifelhaft eine wichtige Rolle ein – beispielsweise bauen in der EU nur vier Länder mehr Sojabohnen an als Österreich. In Österreich ist der Anbau von Eiweißpflanzen regional durch gute klimat ische Bedingungen begünstigt. Die EU ist von Eiweißimporten abhängig, wobei die Importe zum überwiegenden Teil aus den drei großen Sojaanbauländern (Brasilien, Argentinien und USA) stammen. Bei Soja liegt der Selbstversorgungsgrad der Europäischen Union nur bei rund 5 %. Die Europäische Union ist Teil einer globalisierten Welt mit globalisierten Produktions ketten und Warenströmen, so auch bei Eiweißpflanzen. Die Herausforderungen sind aufgrund der weltweiten Verflechtungen groß. Eine möglichst nachhaltige und ausreichende nationale beziehungsweise EU Versorgung ist ein wichtiges Ziel. In Österreich gibt es bereits seit Jahren Initiativen, die den Ausbau und die Verwendung von heimischen Eiweißpflanzen vorantreiben. Die Eigenversorgung mit pflanzlichem Eiweiß liegt in Österreich bei über 80 Prozent. Speziell bei Sojabohnen ist es gelungen, die Anbaufläche erheblich auszuweiten. Auch der Bioanteil ist hier mit fast 40 % recht hoch. In Österreichische Eiweißstrategie 8 der nationalen Erzeugung von Eiweißpflanzen wird zur Gänze auf einen gentechnikfreien Anbau gesetzt. Mit der vorliegenden Eiweißstrategie werden einzelne Initiativen und Themen gebündelt und Wege für eine koordinierte und umfassende Vorgangsweise für pflanzliches Eiweiß aufgezeigt. Österreichische Eiweißstrategie 9 2 Hintergrund Mit der Österreichischen Eiweißstrategie entspricht das BMLRT den Forderungen des Regierungsprogramms, das die Erarbeitung einer nationalen Eiweißstrategie sowie die Einrichtung einer Arbeitsgruppe mit Einbindung aller relevanten Stakeholder unter Federführung des Landwirtschaftsministeriums vorsieht. 2.1 Entstehungsprozess Die Österreichische Eiweißstrategie wurde anlässlich der EU-Eiweißkonferenz in Wien im November 2018 von Frau Bundesministerin Köstinger initiiert und zielt auf eine Bündelung aller heimischen Eiweißinitiativen ab. Dabei stehen der Ausbau und die Verbesserung der Eigenversorgung sowie die Verwendung von heimischem pflanzlichem Eiweiß in den verschiedenen Verwendungsschienen im Vordergrund. Bereits während der EU Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2018 hat Österreich das Thema „Eiweißpflanzen in der Europäischen Union“ zu einem Schwerpunkt seines Rats vorsitzes gemacht und in diesem Kontext veranstaltete Österreich gemeinsam mit der Europäischen Kommission die EU-Eiweißkonferenz in Wien. Damit wurde EU-weit ein Prozess gestartet, der die Entwicklungspotentiale und Möglichkeiten von Eiweißpflanzen für die Lebens- und Futtermittelproduktion in der EU forcieren soll. Österreich gilt innerhalb der EU-Mitgliedstaaten als ein wichtiger Vorreiter, was den Anbau von Eiweißpflanzen betrifft. Für die Projektgestaltung wurden vier Arbeitsgruppen eingerichtet: • Klima, Umwelt und Ernährung • Produktion • Wertschöpfungskette, mit der weiteren Unterteilung für Lebens- und Futtermittel • Forschung & Entwicklung Österreichische Eiweißstrategie 10 2.2 Aufbau des Berichts Das Dokument gliedert sich in vier Abschnitte entsprechend den Themenbereichen der Arbeitsgruppen. Die Arbeitsgruppe Wertschöpfungskette wurde aufgrund der Komplexität in die Untergruppen „Lebensmittel“ und Futtermittel“ geteilt. Für jeden Abschnitt bzw. in jeder Arbeitsgruppe wurden gemeinsam mit relevanten Stakeholdern des Sektors die vorhandene Problemstellung sowie Maßnahmenbereiche erarbeitet. Als Ergebnis des über mehrere Monate laufenden Prozesses wurden in der Folge mit den Arbeitsgruppenleiterinnen und Arbeitsgruppenleitern (sowie den Leiterinnen und Leitern der Unterarbeitsgruppen) abgeleitete Maßnahmen formuliert. Österreichische Eiweißstrategie 11 3 Arbeitsgruppe 1: Klima, Umwelt und Ernährung Was wir essen hat nicht nur maßgeblichen Einfluss auf unsere Gesundheit beziehungs weise Leistungsfähigkeit, sondern auch auf Luft, Wasser, Boden und das Klima. Die Art und Weise wie wir uns ernähren, beeinflusst auch unseren Ressourcenverbrauch. 3.1 Problemstellung Eiweißpflanzen sind ein wertvoller Baustein für eine nachhaltige Landwirtschaft. Sie tragen zu einer positiven Kohlenstoffbilanz und der biologischen Vielfalt unserer Agrarlandschaften bei, verbessern die Bodenfruchtbarkeit und verringern den Verbrauch an Stickstoffdünger. Zwei Drittel des Eiweißes werden von den Österreicherinnen und Österreichern in Form von tierischen Proteinen zugeführt. Die meisten Proteine werden daher nicht direkt vom Menschen konsumiert, sondern als Futter zur Erzeugung tierischer Lebensmittel eingesetzt. Dieser Veredlungsschritt bedeutet eine geringere Eiweiß Umwandlungseffizienz und führt zu einem Proteinbedarf, welcher zum Teil über Importe gedeckt werden muss. Gerade in Verbindung mit Landnutzungsänderungen bzw. Urwaldrodungen in anderen Kontinenten kommt importierten Lebens- und Futtermitteln teilweise eine sehr negative Klima- und Umweltwirkung zu. Im Gegenzug kann sich die stärkere Erweiterung von Fruchtfolgen um Eiweißpflanzen in Österreich und der EU positiv auf den Umweltschutz und das Klima auswirken. Ziele: • Beitrag zur Verbesserung der Biodiversität durch vermehrten Anbau von Eiweißpflanzen Österreichische Eiweißstrategie 12 • Milderung der Auswirkungen des Klimawandels und Beitrag zur Klimawandelanpassung durch Nutzung der positiven Umweltwirkungen von Eiweißpflanzen • Verbesserung der Versorgung mit gesunden, regionalen, gentechnikfreien, eiweißreichen Nahrungsmitteln 3.2 Klima Der heimische Anbau von Leguminosen hinsichtlich seiner Auswirkungen auf das Klima ist positiv. Eine Ausweitung des Anbaus führt auch zu geringeren Treibhausgas (THG) Emissionen. Für einige importierte Futtermittel wie Soja bzw. Sojaextraktionsschrot sind vor allem THG-Emissionen aufgrund von Landnutzungsänderungen relevant. Heimischen bzw. europäischen Körnerleguminosen sowie Kuchen und Schroten von heimischen und europäischen Ölpflanzen ist diesbezüglich der Vorrang zu geben, weshalb eine Steigerung der europäischen Produktion anzustreben ist. Die Produktion in Österreich weist gegenüber Importware geringere Klima- und Umweltwirkungen im Hinblick auf die Produktion und den Transport auf. Für manche Futtermittel wie Trockenschlempe oder Luzernecobs kann auch der Energieeinsatz zur Trocknung nicht unerheblich zu THG-Emissionen führen. Werden allerdings Abwärme oder Biomasse-Energieträger genutzt, lassen sich die Emissionen der Be- und Verarbeitung deutlich reduzieren. Generell sollte eine effiziente und ertragsangepasste Stickstoff (N)-Düngung dafür sorgen, dass geringe (N-) Verluste auftreten, die Kulturen ausreichend versorgt sind und gute Erträge erreicht werden. Die Erweiterung einer Getreide- und Mais-dominierten Frucht folge um Körnerleguminosen kann, infolge deren Fähigkeit Luftstickstoff zu binden, zu einem deutlichen Rückgang der flächenbezogenen Treibhausgase führen. Wichtig dabei ist, dass die Vorfruchtwirkung bei der Düngung der Nachfolgekulturen entsprechend berücksichtigt wird. Österreichische Eiweißstrategie 13 Abbildung 1: Knöllchenbakterien zur Stickstofffixierung bei Sojabohnen Beim Abbau der Leguminosen-Ernterückstände wird allerdings Stickstoff freigesetzt, welcher ebenso wie Stickstoff aus Rückständen anderer Kulturen oder aus der Düngung zu Lachgasemissionen beiträgt. Die Klimawirkungen des Einsatzes von Stickstoffdüngern sind vergleichsweise hoch, jene von Phosphor (P) oder Kali (K) -Düngern sind kaum relevant. Heimische Körnerleguminosen sind betreffend Primärenergieverbrauch über den gesamten Lebenszyklus, d.h. inklusive Vorleistungen für die Bereitstellung von Betriebsmitteln, positiv zu bewerten. Körnerleguminosen weisen gegenüber Getreide 35 % weniger und Leguminosen-Feldfutter gegenüber Wiesen/Weiden bis 60 % weniger Primärenergieverbrauch auf. Dies resultiert vor allem aus dem fehlenden bzw. geringeren N-Düngerbedarf aufgrund der biologischen N-Fixierung. Österreichische Eiweißstrategie 14 Abgeleitete Maßnahmen: Maßnahmen Umsetzung/Weiter verfolgung durch Umsetzbarkeit (kurz-/mittel-/ langfristig) Verringerung bzw. Optimierung des Energieeinsatzes für die Herstellung von Futtermitteln sowie von Nebenprodukten in der Be- und Verarbeitungsindustrie (z.B. Abwärme nutzen) Be- und Verarbeitungs industrie Mittel- bis langfristig Einsatz einer Arbeitsgruppe zur Anreizsteigerung der Verwendung von GVO-freien heimischen und europäischen Futtermitteln BMLRT unter Einbeziehung der Stakeholder Kurzfristig Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit durch optimale Einbindung von Leguminosen in die Fruchtfolge im Rahmen der GAP BMLRT, LKÖ+LKs Kurz- bis mittelfristig Möglichkeit der Humusbilanzierung zur Bewusstseinsbildung Bioforschung, LFI, LKÖ+LKs Kurzfristig Förderung der Minimalbodenbearbeitung im Rahmen der GAP BMLRT, LKÖ+LKs, Bio Austria, FiBL Kurz- bis mittelfristig Vermeidung von Landnutzungsänderungen z.B. durch Grünlanderhalt BMLRT, LKÖ+LKs, Bio Austria Kurz-/mittel-/ langfristig 3.3 Umwelt Der wichtigste Luftschadstoff aus landwirtschaftlicher Tätigkeit ist Ammoniak (NH3). Weitere Schadstoffe sind Stickoxide (NOx) und Schwefeldioxid (SO2), die vor allem bei der Verbrennung fossiler Energieträger entstehen und mitsamt NH3 im Versauerungspotenzial bewertet werden. Die Ausweitung des Anbaus heimischer Körnerleguminosen führt zu geringeren flächen- und produktbezogenen Emissionen von Luftschadstoffen. Neben „Grundfutter“ wie Luzernesilage oder Weidegras weisen v.a. die Körnerlegum inosen ein geringes Versauerungspotenzial auf. Getreide und deren Produkte mit hohen Proteingehalten, Kuchen und Schrote von Ölsamen sowie andere Eiweißquellen wie Trockenschlempe zeigen dagegen ein etwas höheres Versauerungspotenzial. Bezogen auf die Flächen lassen sich bei der Erweiterung von Fruchtfolgen um Körnerleguminosen die NH3-Emissionen um ca. 25 % und die NOX-Emissionen um etwa 10 % vermindern. Österreichische Eiweißstrategie 15 Eine Ausweitung der Produktion von Eiweißpflanzen lässt keine gesteigerten flächen- und produktbezogenen Wasserentnahmen und keine Verschlechterung der Wasserqualitäten erwarten, wenn man deren Vorfruchtwirkung bei der N-Düngung der Folgekultur aus reichend berücksichtigt. Allerdings müssen dafür Erosionsereignisse (mit u.a. Phosphat Austrägen) sowie Stickstoffverluste aus Ernterückständen weitgehend verhindert werden. Dafür müssen eine passende Folgekultur und ein geeigneter Zeitpunkt für den Umbruch gewählt werden. Mit der Ausweitung der heimischen Fruchtfolgen um Körnerleguminosen geht ein zunehmendes Erosionsrisiko einher. Entsprechende Maßnahmen wie z.B. Mulch und Direktsaat können negative Umweltwirkungen (z.B. Gewässereutrophierung) deutlich vermindern. Abbildung 2: Eiweißfuttergemenge mit Rotklee und Luzerne Geringere Erträge bewirken einen erhöhten Flächenbedarf der Eiweißpflanzen, zumindest je kg (Trockenmasse) Produkt, teilweise auch je kg Protein. Viele Eiweißpflanzen weisen mit tiefreichenden Wurzeln aber auch ein hohes Potenzial zur Verbesserung der Boden Österreichische Eiweißstrategie 16 struktur oder der Erhöhung des Gehalts an organischer Masse in Böden (= Kohlenstoff Sequestrierungspotenzial) auf. Viele Leguminosenarten bereichern die Biodiversität und bieten eine Nahrungsressource für Insekten. Leguminosen fördern auch Insekten, welche direkt oder indirekt als Nütz linge auftreten können, wie z.B. Schlupfwespen. Ein artenreiches Ökosystem mit einem hohen Maß an Biodiversität bietet damit einen konkreten Nutzen für die heimische Landwirtschaft. Abgeleitete Maßnahmen: Maßnahmen Umsetzung/Weiter verfolgung durch Umsetzbarkeit (kurz-/mittel-/ langfristig) Biodiversitätsfördernde Maßnahme im Rahmen der GAP speziell im Hinblick auf Eiweißpflanzen BMLRT, LKÖ+LKs Kurz- bis mittelfristig Erosionsschutzmaßnahmen im Rahmen der GAP BMLRT, LKÖ+LKs Kurz- bis mittelfristig Verankerung von Nebenprodukten der Eiweißerzeugung im Rahmen der Bioökonomie BMK, Be- und Verarbeitungsindustrie Kurz- bis mittelfristig 3.4 Ernährung Eiweiß ist nicht nur eine wichtige Energiequelle, sondern ist auch essentiell für den Aufbau und zur Erneuerung von körpereigenem Eiweiß. Die Hauptei-weißquellen in der menschlichen Ernährung sind derzeit Fleisch (39,5 %), Getreide (23,1 %) sowie Milch und Milchprodukte (19,5 %). Hülsenfrüchte spielen in der Ernährung der Österreicherinnen und Österreicher eine untergeordnete Rolle. Sie liefern nur 0,2 % der Gesamteiweißmenge. Trotzdem ist seit dem Jahr 2006 ein Aufwärtstrend festzustellen; Österreicherinnen und Österreicher essen heute dreimal so viele Hülsenfrüchte wie im Jahr 2006. Die Ernährungsgewohnheiten der Österreicherinnen und Österreicher waren in den letzten 7 Jahren relativ konstant. 78 % der Bevölkerung - und damit tendenziell leicht rückläufig - gaben an, Fleischesser zu sein, 16 % Flexitarier (relativ stabil), 4 % Vegetarier (seit 4 Jahren unverändert) und 2 % (stabil) Veganer. Österreichische Eiweißstrategie 17 Der Fleischkonsum in Österreich blieb also in den letzten Jahren relativ konstant und liegt derzeit bei rund 64 kg pro Kopf, wobei im Vergleich zum Jahr 1995 heute etwa zwei Kilogramm weniger Fleisch pro Kopf und pro Jahr gegessen werden. Abbildung 3: Eiweißanteil in der menschlichen Ernährung in Österreich Quelle: Kiefer nach Österreichischer Ernährungsbericht 2017 In Österreich stammt die zugeführte Eiweißmenge zu zwei Drittel aus tierischen Quellen und zu einem Drittel aus pflanzlichen Quellen. Hülsenfrüchte stellen eine Alternative zu tierischen Eiweißquellen dar. In Österreich lag der Hülsenfrüchtekonsum in den letzten 25 Jahren bei weniger als 1 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Die biologische Wertigkeit von Hülsenfrüchten, als Indikator für die Eiweißqualität in der menschlichen Ernährung beziehungsweise dafür, wie gut ein Nahrungseiweiß in körpereigenes Eiweiß umgewandelt werden kann, beträgt beispielsweise bei Sojabohnen 86 %, bei Bohnen 55 – 65 %, bei Erbsen 50 – 60 % und bei Linsen 45 %. Als Vergleich, das hochwertigste Eiweiß liefert ein Hühnerei – das darin enthaltene Eiweiß kann vom menschlichen Organismus zu 100% aufgenommen und verwertet werden, ohne, dass der Körper Umbauprozesse vornehmen muss, die eine zusätzliche Energieaufbringung erfordern würde. Österreichische Eiweißstrategie 18 Dem Ernährungsbericht 2017 ist zu entnehmen, dass die Österreicherinnen und Österreicher 41 % der täglichen Energie außer Haus zu sich nehmen. Kantinen, Gasthäuser, Schulbuffets, Großküchen, etc. haben damit eine erhebliche Vorbildwirkung bewusst regionale, biologische und saisonale Produkte anzubieten. Durch dieses Angebot wird auch ein Beitrag für eine nachhaltige Landwirtschaft und zur Ressourcenschonung gesetzt. Die Erarbeitung von Aktionsplänen zur Förderung der ökologischen öffentlichen Beschaffung sind für die EU Mitgliedstaaten freiwillig. 2008 wurde in Österreich der Prozess „Österreichischer Aktionsplan zur nachhaltigen öffentlichen Beschaffung“ (naBe Aktionsplan) gestartet. Indem nachhaltige Produkte und Leistungen von öffentlichen Auftraggebern beschafft werden, entstehen auch nachhaltige Konsummuster als Vorbild für private Konsumentinnen und Konsumenten. Außerdem sollen die öffentlichen Auftraggeber dazu bewegt werden, ihr Angebot an nachhaltigeren Lösungen zu steigern. Die zentralen Maßnahmen des Aktionsplans aus dem Jahr 2010 wurden überarbeitet und am 23. Juni 2021 hat die Bundesregierung den aktualisierten naBe-Aktionsplan inklusive naBe-Kernkriterien im Ministerrat beschlossen. Der Fokus der Kriterien zur Beschaffung von Lebensmitteln liegt dabei auf Lebensmittelqualität, Tierwohl, Herkunft der Lebensmittel, Vermeidung von Lebensmittelabfällen und kurzen Transportwegen. Abgeleitete Maßnahmen: Maßnahmen Umsetzung/Weiter verfolgung durch Umsetzbarkeit (kurz-/mittel-/ langfristig) Bewusstseins- und Bildungskampagne zur Förderung einer gesunden, pflanzenbasierten Ernährung: Konzipierung eines Klimakochbuchs Zielgruppenspezifische Informationskampagnen z.B. Klimateller am Schulbuffet, Imagevideo-Kampagne Wettbewerb in Kooperation z.B. mit Foodbloggern Information für Lehrerinnen und Lehrer Initiativen gegen Lebensmittel-verschwendung BMLRT, BMSGPK, AGES, LKÖ+LKs, WKO, BMBWF, BMK Kurz- bis mittelfristig Österreichische Eiweißstrategie 19 4 Arbeitsgruppe 2: Produktion 4.1 Problemstellung Leguminosen sind eine artenreiche Pflanzenfamilie. Für den Bereich der Produktion werden sie in (Körner-)Leguminosen und kleinsamige Leguminosen beziehungsweise (kleeartige) Futterpflanzen eingeteilt. Körnerleguminosen spielen mit Ausnahme der Sojabohne, deren Anbaufläche sich in den letzten Jahren von rund 34.000 Hektar im Jahr 2010 auf über 75.700 Hektar im Jahr 2020 in Österreich mehr als verdoppelt hat, in Österreich im Bereich der Ackerfrüchte eine untergeordnete Rolle, weil sie sowohl bei der Anbaufläche als auch bei den Erträgen hinterherhinken. Abbildung 4: Anbaufläche von Sojabohne, Ackerbohne und Körnererbse in Österreich (in Hektar) Quelle: Eigene Darstellung nach AMA 0 10.000 20.000 30.000 40.000 50.000 60.000 70.000 80.000 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Anbaufläche in Hektar Sojabohne Ackerbohne Körnererbse Österreichische Eiweißstrategie 20 Österreich ist mittlerweile zum fünftgrößten Sojaproduzenten der EU - sowohl was die Fläche als auch die Menge anbelangt - aufgestiegen. Abbildung 5: Soja-Anbaufläche der größten fünf EU-Erzeugerländer in Hektar Quelle: Eigene Darstellung nach Eurostat Die Produktion bei den Körnerleguminosen findet hauptsächlich in den Ackerbaugebieten Niederösterreichs, Burgenlands und Oberösterreichs statt. Ackerbohne und Körnererbse werden großteils biologisch angebaut. Bei Soja wird auch bereits fast 40 % der Fläche bio logisch bewirtschaftet. Die Grünlandproduktion ist auf das ganze Bundesgebiet - mit unterschiedlichen Intensitäten in den einzelnen Regionen der Bundesländer - verteilt und spielt vor allem in den Berg- und benachteiligten Gebieten eine wichtige Rolle. Dies bringt sowohl für das Ackerland als auch das Grünland unterschiedliche topographische, geo logische, klimatische und produktionstechnische Bedingungen mit sich. Im Vergleich zu anderen Kulturen, wie Getreide und Mais, erzielen Körnerleguminosen einen geringeren und stärker schwankenden Ertrag. Auch das Anbaumanagement ist bei Leguminosen komplexer. 0 50.000 100.000 150.000 200.000 250.000 300.000 350.000 Italien Frankreich Rumänien Kroatien Österreich 2017 2018 2019 2020 2021 Österreichische Eiweißstrategie 21 Abbildung 6: Gesamternte von Sojabohne, Ackerbohne, Körnererbse in Österreich (in Tonnen) Quelle: Eigene Darstellung nach AMA Das Grünland liefert in Österreich den wesentlichsten und wertvollsten Beitrag zur Pro teinversorgung von Wiederkäuern. Klee und Kleegras können unter optimalen Beding ungen fast doppelt so viel Rohprotein wie Körnerleguminosen produzieren. Jedoch sind die Rohproteinerträge aus dem Grünland in den letzten Jahren rückläufig. Die Ursachen dafür liegen im Flächenrückgang von Grünland insgesamt beispielsweise durch Ver waldung und Verbauung oder Umbruch, im Rückgang der Ertragskraft von extensiv genutztem Grünland sowie in klimatischen Veränderungen. Der fortschreitende Klima wandel bringt für das Grünland ähnlich negative Auswirkungen wie für das Ackerland. Häufigeres Schädlingsauftreten (zum Beispiel Engerlinge) und geringere Niederschläge beziehungsweise eine ungünstige Niederschlagsverteilung in sensiblen Vegetations perioden beeinflussen den Pflanzenbestand und die Ertragskraft des Grünlandes. Um die heimische Nachfrage an pflanzlichem Eiweiß zu decken, bedarf es einer standort angepassten Züchtung und der entsprechenden Sortenentwicklung. Die optimale Veran kerung von Leguminosen in vielfältigen Fruchtfolgen ermöglicht die Ausnutzung der positiven Umwelt- und Vorfruchtwirkungen der Leguminosen. Darüber hinaus spielen Leguminosen eine wesentliche Rolle als Bestandteil in Zwischenfruchtmischungen. Im Rahmen des Umweltprogramms ÖPUL ist beabsichtigt auch in Zukunft die Artenvielfalt im Sinne der Biodiversität zu fördern und noch weiter auszubauen. 0 25.000 50.000 75.000 100.000 125.000 150.000 175.000 200.000 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 Sojabohne Ackerbohne Körnererbse Österreichische Eiweißstrategie 22 Eine ausschließlich österreichische Herkunft für pflanzliche Eiweißprodukte ist derzeit und in naher Zukunft nicht gegeben. Im Ackerbau ist Potenzial für eine Ausweitung des Anbaus von Leguminosen vorhanden. Im Bereich des Grünlands ist die Eiweißversorgung für die Wiederkäuerfütterung weitestgehend durch den wertvollen Beitrag der intensiven wie auch extensiven Bewirtschaftung des Grünlandes in Österreich sichergestellt. Potenzial ergibt sich im Grünland in Bezug auf die Aufrechterhaltung und Verbesserung der Rohpro teinerträge und -qualitäten. Österreich zeichnet sich im Anbau auch insbesondere durch seine Gentechnikfreiheit aus. Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU stellt das wesentliche Grundgerüst zur Ausgestaltung agrarpolitischer Maßnahmen dar. Eiweißpflanzen und deren pflanzenbaulich zu begrüß enden Effekte und positiven Auswirkungen auf Klima und Umwelt müssen auch im Zu sammenhang mit der GAP abgesichert werden. Allerdings stellt die Ausrichtung der Produktion auf die jeweiligen Marktgegebenheiten ab. Ziele: • Verbesserung des Anbaus und der Erträge von pflanzlichem Eiweiß durch ausge wogenen Ausbau der Produktion • Optimierung des Anbaus von Eiweißpflanzen durch geeignete Kulturarten, Sorten und Produktionsbedingungen (precision farming und hohe Ressourceneffizienz zur Steig erung der Wettbwerbsfähigkeit) • Bereitstellung von geeigneten eiweißreichen Ernteprodukten für die Verwendungs schienen Lebensmittel und Futtermittel • Verbesserung der Eigenversorgung mit heimischem, gentechnikfreiem, pflanzlichem Eiweiß • Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für Eiweißpflanzen in der neuen GAP • Absicherung von Eiweißpflanzen in den nationalen Strategieplänen der neuen GAP 4.2 Saatgut Die heimische österreichische Saatgutzüchtung hat in den letzten Jahren vermehrt auf die Züchtung von Sojabohnen gesetzt und diese forciert, was sich an der Anzahl der Neu zulassungen und am großen Sortenspektrum zeigt. Andere Körnerleguminosen wie beispielsweise Ackerbohne und Körnererbse, aber auch die in der menschlichen Österreichische Eiweißstrategie 23 Ernährung eingesetzten Kichererbsen oder Linsen wurden in den letzten Jahren durch heimische Saatzuchtunternehmen in geringerem Ausmaß beziehungsweise züchterisch gar nicht bearbeitet. Die heimische Züchtung von standortangepasstem und gesundem Saatgut wäre für die Ausweitung des Anbaus von Leguminosen jedenfalls förderlich. Bei Ackerbohne und Körnererbse ist dabei besonderes Augenmerk auf die Resistenzzüchtung im Bereich der Nanoviren zu legen. Sowohl im Acker- als auch im Grünland gibt es noch Potenzial in der Züchtung für eine Effizienzsteigerung sowie eine Verbesserung des Eiweißgehalts und der Eiweißqualität. Die aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels geänderten Witterungsbedingungen während der Vegetationsperiode führen zu neuen Anbaubedingungen und zu Verän derungen des Artenspektrums. Im Grünlandbereich führen längere und wärmere Trockenperioden zur Hemmung bestimmter Leguminosen. Körnerleguminosen im Ackerbau reagieren ebenfalls auf die zunehmend wärmeren und trockeneren Witterungs bedingungen. Die Sojabohne als wärmeliebende Kultur kann möglicherweise diesen geänderten Verhältnissen besser standhalten. Bei den kleinsamigen Leguminosen zeichnet sich insbesondere die Luzerne als trockenheitstolerante Kultur aus. Österreichische Eiweißstrategie 24 Abbildung 7: Auswirkungen von Nanoviren (PNYDV - Pea Necrotic Yellow Dwarf Virus) bei Erbsen Insbesondere im Hinblick auf die erforderliche Anpassung an den Klimawandel durch hitze- und trockenheitstolerante Sorten ist eine langfristige Versorgung mit geeigneten Sorten für den österreichischen Leguminosenanbau im Acker und Grünland unbedingt notwendig. In den letzten Jahren gab es auf internationaler Ebene im Bereich der Forschung große Fortschritte bei der Anwendung der Neuen Züchtungstechniken. In der EU sind aufgrund des EuGH-Urteils vom Juli 2018 dieselben strengen Zulassungs- und Kennzeichnungs bestimmungen wie auf gentechnisch veränderte Organismen anzuwenden. Ende April 2021 wurde eine Studie im Lichte des EuGH-Urteils über den Stand „neuer genomischer Techniken“ unter EU-Recht vorgelegt. Für Herbst 2021 ist eine öffentliche Konsultation sowie ein Impact Assessment geplant. Österreichische Eiweißstrategie 25 Abgeleitete Maßnahmen: Maßnahmen Umsetzung/Weiter verfolgung durch Umsetzbarkeit (kurz-/mittel-/ langfristig) Unterstützung für verstärkte Züchungsaktivitäten für ein breiteres Sortenspektrum Hitze- und trockenheitstolerante Sorten (Projekt Klimafit) Standortangepasste und gentechnikfreie Züchtung Züchtung im Bereich Gräser und Futterleguminosen Sicherstellung eines breiteren Spektrums an Leguminosenarten und Sorten sowie Raritäten für die menschliche Ernährung Erweiterung der Züchtung verstärkt auf Futterqualitätsmerkmale BMLRT, AGES, LKÖ+LKs, Saatgutwirtschaft Kurz-/mittel-/ langfristig Erhalt der heimischen Saatgutproduktion und des regionalen Versuchswesens sowohl im Acker- als auch im Grünland (Testung von Arten, die besser an den Klimawandel angepasst sind) BMLRT, AGES, LKÖ+LKs, Saatgutwirtschaft Kurz-/mittel-/ langfristig Intensive Beobachtung bezüglich der weiteren Vorgangsweise auf EU-Ebene im Hinblick auf Neue Züchtungstechniken BMLRT, AGES, LKÖ+LKs, Saatgutwirtschaft Kurz-/mittel-/ langfristig Verstärkter Wissenstransfer und verstärkte Weiterbildung BMLRT, AGES, LKÖ+LKs, Saatgutwirtschaft Kurz-/mittel-/ langfristig Stärkere Vernetzung mit Nachbarstaaten BMLRT, Saatgutwirtschaft, AGES Kurz-/mittel-/ langfristig Verstärkter Austausch zwischen Initiativen im Leguminosenbereich BMLRT, AGES, LKÖ+LKs, Saatgutwirtschaft Kurz-/mittel-/ langfristig 4.3 Anbau und Fruchtfolge Grünland liefert in Österreich das meiste tierisch verwertbare Eiweiß. In den letzten zehn Jahren ist der Rohproteinertrag allerdings rückläufig. Die Ursachen liegen im Rückgang von extensiv genutztem Grünland und dessen Ertragskraft, im Flächenrückgang insgesamt sowie in klimatischen Veränderungen (Niederschlagsverteilung und -häufigkeit). Im Grünland gilt es den Zielkonflikt und das Spannungsfeld zwischen einer extensiven Grünlandbewirtschaftung zur Biodiversitätssteigerung und einer intensiven Österreichische Eiweißstrategie 26 Grünlandbewirtschaftung zur Gewinnung eines hohen und effizienten Proteinertrags zu überwinden. Beide Bewirtschaftungsformen haben ihre Notwendigkeit. Im Ackerland ist der Anbau einzelner Körnerleguminosen wie Körnererbse und Ackerbohne in Österreich deutlich rückläufig. Ackerbohnen und Körnererbsen werden zu einem hohen Anteil biologisch kultiviert. Die Fläche bei Sojabohnen, die ja mittlerweile in Österreich zur Hauptkultur bei den Leguminosen aufgestiegen ist und nach Grünland/ Klee/Kleegras als wichtigster heimischer Eiweißlieferant gilt (jedoch zu den Ölsaaten gezählt wird), wurde in den letzten zehn Jahren erheblich ausgedehnt. Das Potenzial zur Ausweitung des Anbaus von Eiweißpflanzen ist jedenfalls vorhanden. Abbildung 8: Ackerbohne im Jugendstadium Eiweißpflanzen leisten einen wichtigen Beitrag zu vielfältigen und vielgliedrigen Frucht folgen und können somit durch Anbaudiversifizierung „zu enge“ (Getreide-Mais) Fruchtfolgen auflockern und die Agrobiodiversität fördern. Weiter gestellte Fruchtfolgen leisten einen Beitrag zum integrierten Pflanzenschutz, können den Einsatz bestimmter Österreichische Eiweißstrategie 27 Pflanzenschutzmittel reduzieren helfen und vermindern das Risiko von Resistenz bildungen. Die Fruchtfolge sollte bestmöglich an die klimatischen Verhältnisse und den Boden angepasst sein. Aufgrund der Selbstunverträglichkeit und einer gewissen Krankheits- und Schädlingsproblematik brauchen Körnerleguminosen eine weite Fruchtfolge. Leguminosen weisen große jährliche Ertragsschwankungen auf, weil sie vergleichsweise sensiblere Kulturen sind. Faktoren wie Trockenheit, Bodenverdichtungen, Sortenwahl spielen auch bei Leguminosen eine entscheidende Rolle; zusätzlich insbesondere auch die Inokulation. Zudem sind Leguminosen teilweise konkurrenzschwach gegenüber Bei kräutern. Die bisher gute Situation der Pflanzengesundheit ist durch ein nicht näher quantifizierbares Risiko hinsichtlich der in anderen Kontinenten beobachteten Blatt krankheiten, Viruskrankheiten, neuartiger Unkräuter/Beikräuter und einiger natürlicher Schädlinge zukünftig gefährdet. Bei Körnerleguminosen ist eine pfluglose Bodenbearbeitung sowie Mulch- und Direktsaat möglich, was insbesondere in Hinblick auf mehr Erosionsschutz in der Kulturführung bedeutend ist. Abgeleitete Maßnahmen: Maßnahmen Umsetzung/Weiter verfolgung durch Umsetzbarkeit (kurz-/mittel-/ langfristig) Bildung und Beratung: Optimierung der Kulturführung sowie der Erntetechnik bei Leguminosen zur Vermeidung von Verlusten Forcierung des Wissenstransfers beim Anbau von Leguminosen im Acker- und Grünland (pflanzenbauliche Broschüre, Pflanzenschutzwarndienst) Beratung in Bezug auf Gemengeanbau von Leguminosen mit Getreide Weitere Optimierung bezüglich der Sicherung bzw. Steigerung des Rohproteingehaltes und -ertrages im Grünland und Feldfutter Verstärkter Einsatz von Leguminosen und trockenheitstoleranten Gräserarten in Grünland- und Feldfuttermischungen (z.B. Luzerne) Forcierung der Minimalbodenbearbeitung Optimierung der Grünlandwirtschaft in Hinblick auf Ernte, Konservierung und Strategien zur Sicherung des Rohproteingehaltes und -ertrages Steigerung des Eiweißpflanzenanbaus auch in der biologischen Produktion LKÖ+LKs, Bio Austria, FiBL, Bioforschung Austria, LFI, AGES, BMLRT Kurz-/mittel-/ langfristig Österreichische Eiweißstrategie 28 Maßnahmen Umsetzung/Weiter verfolgung durch Umsetzbarkeit (kurz-/mittel-/ langfristig) Prüfung der Möglichkeit des Anbaus im Rahmen von Vertragsanbau und Branchenvereinbarungen für eine ausgewogene Rohstoffverfügbarkeit WKO, LKÖ+LKs, (BMLRT) Kurz-/mittel-/ langfristig Absicherung der Eiweißpflanzen im Rahmen der GAP zur Auflockerung zu enger Fruchtfolgen (z.B. Aufwertung von Leguminosen als Zwischenfrüchte, Verbindung des Ausbaus des Anbaus mit Erosionsschutz) BMLRT, LKÖ+LKs, Bio Austria Kurz- bis mittelfristig Prüfung der Möglichkeit der Verankerung von Elementen einer abgestuften Grünlandbewirtschaftung als Beitrag zum Ausgleich zwischen intensiver und extensiver Bewirtschaftung BMLRT, LKÖ+LKs Kurz- bis mittelfristig 4.4 Betriebsmitteleinsatz Körnerleguminosen sind Mähdruschfrüchte, die allgemein einen niedrigen Betriebsmittel einsatz verlangen. Aufgrund ihrer Fähigkeit mit Hilfe der Knöllchenbakterien Luftstickstoff zu binden, bedürfen sie keines oder eines geringen Einsatzes von Stickstoffdüngern. Dies führt zu einer Energie-, Kosten- und Arbeitszeitersparnis. Leguminosen weisen einen guten Vorfruchtwert für Nachfolgekulturen auf. Die Durchwurzelungsintensität vieler Leguminosen führt zu einer tiefreichenden Bodenlockerung und Porenbildung, was einer seits zu einer erhöhten Infiltration des Regenwassers und somit einer verminderten Erosion führt, andererseits die Nährstoffverfügbarkeit auch in tieferen Bodenschichten ermöglicht. Die laufend optimierten Empfehlungen zur sachgerechten Düngung bilden zusammen mit regelmäßig durchgeführten Bodenuntersuchen am Betrieb einen praxistauglichen Leitfaden für ein angepasstes Düngemanagement am Betrieb. Österreichische Eiweißstrategie 29 Abbildung 9: Erbse mit Grünen Erbsenblattläusen Der reduzierende Faktor für den Anbau von Ackerkulturen im Allgemeinen ist die aus reichende Verfügbarkeit von wirksamen Wirkstoffen im Pflanzenschutz. Im Bereich der Leguminosen spielen im Zusammenhang mit Pflanzenschutz und Pflanzengesundheit Schaderreger, Krankheiten und insbesondere die Unkrautbekämpfung eine wichtige Rolle. Bestimmte Leguminosenarten wie zum Beispiel Soja, Luzerne, Lupinen und Kichererbsen benötigen für eine gute Proteinertragsleistung eine Beimpfung des Saatgutes, die sogen annte Inokulation. Allerdings wird diese Beimpfung nicht flächendeckend angewendet. Das Wissen um die richtige Anwendung und den Mehrwert sollte jedenfalls besser in die Praxis getragen werden. Österreichische Eiweißstrategie 30 Abgeleitete Maßnahmen: Maßnahmen Umsetzung/Weiter verfolgung durch Umsetzbarkeit (kurz-/mittel-/ langfristig) Bildung und Beratung: Unterstützung bei der Umstellung auf eine herbizidfreie Produktion in der konventionellen Sojaproduktion Optimierung der Inokulation zur Ertragssteigerung sowohl im Acker- als auch im Grünland Optimierung des Nährstoffgehaltes im Boden durch Kenntnis der tatsächlichen Verfügbarkeiten (Bodenuntersuchungen) LKÖ+LKs, BMLRT Kurz-/mittel-/ langfristig Ausreichende Verfügbarkeit von wirksamen und notwendigen Wirkstoffen im Pflanzenschutz BAES, AGES Kurz-/mittel-/ langfristig 4.5 GAP In der bis 2022 verlängerten GAP-Periode 2014 – 2020 gibt es mehrere Instrumente, die die ökologischen Vorteile von Eiweißpflanzen berücksichtigen. Nach einer Übergangs periode soll ab 2023 die nachfolgende GAP-Periode in Kraft treten. Die Zahlungen aus der ersten Säule wurden durch das Greening noch stärker als bisher an Umweltmaßnahmen geknüpft. Greening umfasst die Anbaudiversifizierung, den Erhalt des Dauergrünlands und die Bereitstellung ökologischer Vorrangflächen. 5 % der Ackerflächen sind als ökologische Vorrangflächen (ÖVF) auszuweisen. In Österreich können beispiels weise Flächen mit stickstoffbindenden Pflanzen als ÖVF angemeldet werden. Seit 1.1.2018 ist die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln auf ÖVF verboten. Im Rahmen der Programme zur Entwicklung des ländlichen Raums wird das Erfordernis der ÖVF durch die Teilnahme an der gleichwertigen ÖPUL-Maßnahme „Umweltgerechte und biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung “ erfüllt. Auch bestand in der aktuellen GAP-Periode die Möglichkeit eine fakultativ gekoppelte Stützung für bestimmte Sektoren/Produkte, darunter auch Eiweißpflanzen, anzubieten. Österreich hat von dieser Möglichkeit nicht Gebrauch gemacht. Österreichische Eiweißstrategie 31 Das neu eingeführte Förderinstrument Europäische Innovationspartnerschaft „Land wirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit“ (EIP-AGRI) ist ein Konzept zur Förderung von Innovationen in der Land- und Forstwirtschaft. Mit diesem Programm kann Forschung, Züchtung, Anbau und Vermarktung von Eiweißpflanzen dann gefördert werden, wenn Forschungs- und Praxisebenen zusammenarbeiten. Darüber hinaus gibt es im Rahmen von Horizon 2020 des „EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation“ weitere Fördermöglichkeiten für Forschung und Züchtung auch für Eiweißpflanzen. Der Vorschlag der Europäischen Kommission zur Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2020 sieht eine Zusammenführung der bisherigen Cross Compliance (CC)-Bestimmungen und der bisherigen Greening Anforderungen vor. Ergänzt mit neuen Elementen (z. B. Wasserrahmenrichtlinie) bzw. einer angestrebten, erhöhten Umweltambition bilden diese sogenannten „Konditionalitäten“ die Basis der „neuen Umweltarchitektur“. Die jeweiligen Anforderungen und Standards sind von allen Betrieben, die an Direktzahlungen teilnehmen, verpflichtend einzuhalten. Darüberhinausgehend werden als neues Element sogenannte „Öko-Regelungen“ angeboten, die aus der ersten Säule finanziert werden und ebenso zu einer erhöhten Umweltambition beitragen werden. Die Ausgestaltung der Öko Regelungen wird gemeinsam und im Zusammenspiel mit den Maßnahmen des Agrarumweltprogramms ÖPUL konzipiert und wird unter anderem auch den Aspekt eines verstärkten Anbaus von Eiweißpflanzen (z. B. Körnerleguminosen oder Feldfutter) ansprechen. Die endgültige Ausgestaltung der Konditionalität bzw. der GAP-Strategieplan Verordnung befindet sich hinsichtlich der nationalen Umsetzung derzeit in der finalen Phase. Abgeleitete Maßnahmen: Maßnahmen Umsetzung/Weiter verfolgung durch Umsetzbarkeit (kurz-/mittel-/ langfristig) Bestmögliche Verankerung der Eiweißpflanzen im Rahmen der neuen GAP im Bereich der Konditionalität und im ÖPUL: Fruchtfolgemaßnahmen Erosionsschutzmaßnahmen Biodiversitätsmaßnahmen BMLRT, LKÖ+LKs Kurz- bis mittelfristig Österreichische Eiweißstrategie 32 4.6 Risikomanagement Der Eiweißertrag sowie die Rentabilität der Produktion wird sowohl im Acker- als auch im Grünland in zunehmendem Maße von Witterungsextremen beeinflusst. Die Österreichische Hagelversicherung bietet sowohl im Ackerbau als auch im Grünland innovative Dürreindexversicherungsvarianten an, die auf das Niederschlagsdefizit im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt abstellen. Im Ackerbau gibt es zusätzlich zur Hagelversicherung auch noch sogenannte Mehrge fahrenversicherungen. Damit ist die Möglichkeit gegeben, sich auch bei Eiweißpflanzen gegen andere widrige Witterungsverhältnisse wie Frost, Dürre, Stürme sowie starke oder anhaltende Regenfälle abzusichern. Abgeleitete Maßnahmen: Maßnahmen Umsetzung/Weiter verfolgung durch Umsetzbarkeit (kurz-/mittel-/ langfristig) Beibehaltung und Erweiterung des Spektrums versicher barer Schadbilder um jährliche Ertragsschwankungen durch Witterungsextreme und Schädlinge besser abzufedern ÖHV, BMLRT Kurz-/mittel-/ langfristig Absicherung des nationalen Versicherungssystems BMLRT, BMF Kurz-/mittel-/ langfristig Österreichische Eiweißstrategie 33 5 Arbeitsgruppe 3: Wertschöpfungskette Die Prozesse innerhalb von Wertschöpfungsketten sind einerseits eng miteinander verbunden, andererseits aber auch voneinander abhängig; beginnend bei der Pflanzen züchtung, dem Pflanzenbau, in der Primärproduktion sowie der Weiterverarbeitung zu Lebens- oder Futtermitteln, der Lagerung samt Logistik, dem Verkauf im Groß- oder Einzelhandel bis hin zu den Konsumentinnen und Konsumenten. Je höher ein Produkt veredelt ist, desto höher ist auch seine Wertschöpfung. Die Wertschöpfungskette im Segment Eiweiß ist ein volkswirtschaftlich sehr relevanter Faktor. 5.1 Problemstellung Dieses Kapitel beschäftigt sich mit den Segmenten der Versorgung mit heimischem pflanzlichem Eiweiß für die menschliche Ernährung und die Fütterung sowie der Verarbeitung bis hin zu den Konsumentinnen und Konsumenten. Spricht man von eiweißreichen pflanzlichen Lebensmitteln, denkt man unweigerlich an Soja. Der österreichische Sojabohnenanbau konnte in den letzten Jahren immer weiter gesteigert werden. Sojabohne ist mittlerweile zur Hauptkultur aufgestiegen und hinter Weizen, Mais und Gerste die viertgrößte Ackerkultur. Die in Österreich produzierten Sojabohnen finden zu ca. 50 % Verwendung in der Herstellung von Sojaprodukten für den menschlichen Verzehr. Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind, bieten eine breite Produktpalette an und produzieren teilweise auch für den Export. Soja-Lecithine werden in landwirtschaftlichen Verarbeitungsprodukten eingesetzt; hier sieht die österreichische Lebensmittelwirtschaft noch Potenzial. Sojalebensmittel werden zu 100 % gentechnikfrei erzeugt. Neben der Sojabohne – die den Ölsaaten zugeordnet wird – umfassen die Hülsenfrüchte ein großes Artenspektrum. Im österreichischen Pflanzenbau werden vor allem Körnererbsen, Ackerbohnen, Wicken, Linsen, Kichererbsen und auch andere Hülsenfrüchte angebaut. Ein erheblicher Teil der Leguminosenernte (z.B. Lupine, Klee) Österreichische Eiweißstrategie 34 verbleibt direkt auf den landwirtschaftlichen Betrieben zur Tierfütterung. Ein relevanter Teil der Ackerbohnen und Körnererbsen geht an Mischfutterwerke. Weltweit wird überwiegend gentechnisch verändertes Soja angebaut; die österreichische Produktion ist GVO-frei. Meinungsumfragen bestätigen, dass die GVO-Freiheit von Lebens mitteln ein wichtiges Mehrwertkriterium für Konsumentinnen und Konsumenten geworden ist. Regionales GVO-frei erzeugtes Soja erzielt einen höheren Preis. Der Roh proteinanteil ist jedoch niedriger als der Anteil bei Soja aus Übersee. Importe aus Dritt staaten sind zu einem großen Teil nicht gentechnikfrei. Die steigende Nachfrage nach nicht gentechnisch veränderten Sojabohnen bringt für die heimischen Anbauer positive Perspektiven. Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten möchten wissen, woher ihre Lebens mittel kommen, ob sie umweltfreundlich, gentechnikfrei bzw. biologisch hergestellt wurden und wie es den Menschen und Tieren geht, die entlang der Wertschöpfungskette an der Produktion des Lebensmittels beteiligt sind. Österreich setzt auf qualitativ hochwertig produzierte Lebensmittel. Das staatlich anerkannte AMA-Gütesiegel gibt verlässlich Auskunft über nachvollziebare Herkunft, hohe Qualität und darüber, dass unabhängig kontrolliert wurde. Tierwohl, Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit stehen hierbei im Vordergrund. In der Außerhausverpflegung (Gastronomie, Gemeinschaftsverpflegung) gibt es jedoch noch Aufholbedarf bei der Auslobung der Herkunft. Ziele: • Steigerung der Verwendung von heimischem Eiweiß in allen Verarbeitungs- und Produktionsschienen • Erhöhung der Verwendung von heimischem Eiweiß aus verschiedenen Quellen (z.B. Trockenschlempe = Dried Distillers Grains with Solubles, DDGS) • Bereitstellung geeigneter heimischer Eiweißprodukte für neue bzw. alternative Verwendungen • Erhöhung der Wertschöpfung durch Optimierung und Bedarfsanpassung der regionalen Verarbeitungsketten Österreichische Eiweißstrategie 35 5.2 Lebensmittel Der Sojaanbau nahm in den letzten Jahren kontinuierlich zu. Ungefähr die Hälfte der in Österreich geernteten Sojabohnen wird als Lebensmittel genossen. Die andere Hälfte wird wie auch andere Ölpflanzen-Extraktionsschrote in der Fleisch-, Milch- und Eiproduktion als Eiweiß-Futtermittel verwendet. Bei der Erzeugung von Sojaextraktionsschrot fallen auch Sojaöl und Lecithin an, beides Produkte, die in der Lebensmittelindustrie stark nachgefragt sind, quasi als vermarktbare Koppelungsprodukte. Abbildung 10: Reife Sojabohnen Herkunft, Qualität und Regionalität sind den Österreicherinnen und Österreicher beim Lebensmitteleinkauf wichtig, wie die RollAMA Motivanalyse (August 2019) zeigt; Konsumentinnen und Konsumenten sagten auch, dass Tierwohl, Umweltschutz und Biologische Produktion in der weiteren Folge für die Kaufentscheidung von Lebensmitteln Österreichische Eiweißstrategie 36 ausschlaggebend sind. Laut AMA-Marketing-Umfrage haben das AMA-Biosiegel 51 % der Befragten schon gesehen; das EU Biozeichen 33 %. Abgeleitete Maßnahmen: Maßnahmen Umsetzung/Weiter verfolgung durch Umsetzbarkeit (kurz-/mittel-/ langfristig) Sensibilisierung und Bewusstseinbildung der Gesellschaft: Information der Öffentlichkeit zur Förderung des Konsums von pflanzlichem Eiweiß Erhöhung des Bewusstseins sowie Initiativen im Bildungsbereich zur Förderung einer pflanzenbetonten Ernährung Innovationswettbewerb zur Erhöhung pflanzlicher Eiweißquellen in Lebensmitteln Ausbau und Weiterentwicklung von Best Practice Beispielen Forcierung der AMA-GENUSS-REGION für bäuerliche Direktvermarktung Transparenz der Preisgestaltung (LEH) Be- und Verarbeitungs industrie, BMSGPK, AGES, BMLRT, LEH, Fachverband der Lebensmittelindustrie Kurz-/mittel-/ langfristig Öffentliche Beschaffung und Gemeinschaftsverpflegung: Ausweitung des Angebots an pflanzlichem Eiweiß in öffentlichen Kantinen bzw. in der öffentlichen Verpflegung Ausweitung der Standards der öffentlichen Beschaffung auf Gentechnikfreiheit Herkunftskennzeichnung für heimische Produktion Verankerung des Bestbieterprinzips Erarbeitung von Einkaufstandards Informations-und Beratungskampagnen (z.B. Kindergärten, Schulen) Öffentliches Beschaffungswesen für den öffentlichen Bereich (Bund, Länder, Gemeinden) wie z.B. Heeresverpflegung, Spitalsverpflegung, Kindergarten- und Schulverpflegung, etc., Fachverband der Lebensmittelindustrie, BMSGPK, BMK Kurz-/mittel-/ langfristig Kennzeichnung, Gütesiegel und Auslobung: Bessere Kennzeichnung und Positionierung (bzw. Auslobung) von Eiweißprodukten mit europäischer Herkunft im Lebensmitteleinzelhandel und in der Gastronomie Kennzeichnung bei Herkunft, Gütesiegel für verarbeitete Eiweißprodukte und Futtermittel um größere Rückverfolgbarkeit für Konsumentinnen und Konsumenten sowie Abnehmerinnen und Abnehmer zu gewährleisten Forcierung des AMA-Gütesiegels für heimisches/europäisches Eiweiß AMA, AMA-Marketing, WKO, Fachverband der Lebensmittelindustrie, LKÖ+LKs, LEH, BMSGPK, BMLRT Kurz-/mittel-/ langfristig Kritische Betrachtung von Importen bei geplanten internationalen Handelsabkommen BMDW, BMLRT Kurz-/mittel-/ langfristig Österreichische Eiweißstrategie 37 5.3 Futtermittel Die Eigenversorgung mit pflanzlichem Eiweiß für die Tierfütterung ist in Österreich sehr hoch und betrug im Wirtschaftjahr (WJ) 2015/16 rund 82 %; rund 18 % Eiweiß für die Verfütterung mussten im selben Zeitraum jedoch importiert werden. Der Importbedarf bezieht sich in Österreich fast ausschließlich auf den Schweine- und Geflügelsektor, da in der Wiederkäuerfütterung aus dem Grünland und Feldfutter weitgehende Eigenversor gung besteht. Beinahe 47 % des Eiweißes für die österreichische Tierhaltung kommt aus dem Grundfutter (Grünland und Feldfutter, inklusive Silomais und Corn Cob Mix (CCM)) und rund 53 % aus Handelsfutter. Rund 12 % der Eiweißfuttermittel in der heimischen Fütterung sind importierter Sojaschrot. Bei Schweinen beträgt der Anteil an Protein importen (Soja) 24 % und bei Geflügel 29 %. Die österreichischen Zahlen zur Soja produktion weisen somit nach wie vor eine Unterversorgung und damit einhergehend eine Abhängigkeit von Importen aus. Die Hauptproduktionsländer von Sojabohne für Importe in die EU waren im Wirtschaftsjahr 2019/20 Brasilien und die USA; für Sojaschrot Brasilien und Argentinien. Rund 95 % des in die EU importierten Sojaextraktionsschrotes stammen von gentechnisch veränderten Sojabohnen. Abbildung 11: Die wichtigsten Eiweißfuttermittel in Österreich 2015/16 Quelle: Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen Milch, Eier und Geflügel (Masthühner und Puten) werden in Österreich gentechnikfrei produziert, also ohne den Einsatz von GVO-Futtermitteln. Österreichische Eiweißstrategie 38 Bei Schweinefleisch ist sowohl der Anteil der Bioproduktion als auch GVO-freier Produktion gering und dürfte im Marktanteil insgesamt unter 10 % liegen. Das AMA Gütesiegel für Schweinefleisch sieht in einem Zusatz-Modul bereits GVO-Freiheit vor. Als Richtwert für höhere Kosten galt über einen längeren Zeitraum ein Betrag von 10 € pro Mastschwein. Aufgrund der zuletzt stark angestiegenen Preisdifferenz liegen die Mehrkosten Mitte 2021 bei 25 € pro Mastschwein. Die Umsetzung einer GVO-freien Schweinefleischproduktion am Markt stellt seit Jahren einen kontrovers diskutierten Themenkomplex dar: Einerseits gibt es den Wunsch nach Ausbau von GVO-frei Programmen, andererseits werden die Mehrkosten nicht vom Markt ab abgedeckt. Dies erscheint besonder schwierig bei Verarbeitungsprodukten, im Außer Haus-Verzehr, beim Export oder auch bei der Tierernährung. Die tatsächliche Absatzmenge als GVO-frei erzeugtes und etikettiertes Erzeugnis ist gering, weil die Produkte aufgrund des Preisunterschiedes schwerer zu vermarkten sind. Abbildung 12: Soja-Erntemenge der größten EU-Erzeugerländer (in Tonnen) Quelle: Eigene Darstellung nach Eurostat In der öffentlichen Diskussion hört man immer wieder die Forderung, den Import von GVO-Soja zu verringern und in größerem Umfang heimische Rohstoffe einzusetzen. Sojaschrot ist wegen seines hohen Proteingehalts und der idealen Aminosäuren zusammensetzung eine wichtige Komponente im Mischfutter und anderen 0 200.000 400.000 600.000 800.000 1.000.000 1.200.000 Italien Frankreich Rumänien Kroatien Österreich Ungarn 2017 2018 2019 2020 Österreichische Eiweißstrategie 39 Eiweißfuttermitteln wirtschaftlich überlegen. Der Anbau von Leguminosen (Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen) ist nach wie vor wenig attraktiv; die Ernten werden oft direkt am Hof verfüttert. Rapsschrot, als Nebenprodukt bei der Rapsölproduktion, ist nicht beliebig einsetzbar; zudem sind die Anbauflächen seit Jahren rückläufig. Auch heimisch erzeugte Proteine, die als Nebenprodukte in der Lebens- und Genussmittelerzeugung (z.B. Raps) beziehungsweise bei der Erzeugung von Bioethanol aus Getreide (DDGS) entstehen, können nur zu einem gewissen Anteil als Alternative zu den Sojaimporten gesehen werden. Am ehesten ist dies im Wiederkäuersektor möglich, schwieriger ist es bei Geflügel und Schweinen umzusetzen. Im Handel ist eine Vielzahl von Futtermitteln erhältlich. Eine nicht unerhebliche Rolle spielt hier die passende Rezeptur der Futterrationen. Dabei spielt die Eiweißqualität, die sich in der Aminosäurenzusammensetzung zeigt, eine wesentliche Rolle. Eine gezielte Fütterungsstrategie zur Optimierung und Ergänzung der betriebseigenen Futtermittel ist unverzichtbar. Nicht genutzte Nährstoffe verursachen unnötige Kosten, eine Vergeudung von Rohstoffen und belasten zusätzlich noch die Umwelt. Eine verbesserte Ausgestaltung der Fütterung beeinflusst die Kosten der Landwirtinnen und Landwirte und die Leistung des Tieres erheblich. Der verstärkte Einsatz bzw. die Ergänzung synthetisch hergestellter Aminosäuren zur Optimierung von Futterrationen sowie zur Senkung des Eiweißanteils (insbesondere von Sojaschrot) ist eine aktuell diskutierte und in näherer Zukunft immer stärker zu diskut ierende Option. Dabei geht es um bessere Ressourceneffizienz durch weniger Eiweiß futtermittel je erzeugter Einheit tierischer Lebensmittel, dadurch sinken die Stickstoff- und Ammoniakemissionen der Tierhaltung und die bessere Ressourceneffizienz ermöglicht eine präzisere tierbedarfsangepasste Steuerung der Produktionsphasen. Abgeleitete Maßnahmen: Maßnahmen Umsetzung/Weiter verfolgung durch Umsetzbarkeit (kurz-/mittel-/ langfristig) Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der Gras- und Grünlandwirtschaft als Eiweißquelle für die Wiederkäuerfütterung durch Maßnahmen der neuen GAP BMLRT, LKÖ+LKs Kurz- bis mittelfristig Einsatz einer Arbeitsgruppe zur Anreizsteigerung der Verwendung von GVO-freien heimischen und europäischen Futtermitteln (ev. Richtlinienerarbeitung bzw. Zertifizierungssysteme wie z.B. Donau Soja) BMLRT unter Einbeziehung der Stakeholder kurzfristig Österreichische Eiweißstrategie 40 Maßnahmen Umsetzung/Weiter verfolgung durch Umsetzbarkeit (kurz-/mittel-/ langfristig) Beratung und Schulung der Landwirtinnen und Landwirte über Futtermittelanalysen und Rationsgestaltung im Hinblick auf die Optimierung des Proteingehaltes sowie der Proteinqualität; Verbesserungen in der Prozesstechnik LKÖ+LKs Kurz-/mittel-/ langfristig Evaluierung der zukünftig möglichen Bedeutung des Einsatzes synthetischer Aminosäuren zur Optimierung von Rationen und Senkung von Emissionen Forschungsinstitution en, LKÖ+LKs Kurz- bis mittelfristig Mögliche Folgenabschätzung für Proteine tierischen Ursprungs als Futtermittel im Falle grundlegender Änderungen der Rahmenbedingungen (derzeit Einsatz in EU/AT noch weitgehend ausgeschlossen) Tiersektor generell, Forschungsinstitution en, LKÖ+LKs Mittel- bis langfristig 5.4 Versorgungsbilanzen Die Versorgungsbilanz der Statistik Austria geht im Wirtschaftsjahr 2019/20 bei Hülsen früchten (ohne Sojabohne) von einem Selbstversorgungsgrad von 72 % aus; der pro-Kopf Anteil beträgt 1,2 kg. 38.794 t Hülsenfrüchte wurden in Österreich im Wirtschaftsjahr 2019/20 erzeugt, 19.879 t wurden importiert und 4.867 t wurden exportiert. Ausgehend von einer Inlandsverwendung von 53.807 t wurden 20 % für den Nahrungsverbrauch, 72 % für die Verfütterung und 6 % für die Erzeugung von Saatgut verwendet. Für Sojabohnen, die den Ölsaaten zugerechnet werden, führt die Statistik Austria in ihrer Versorgungsbilanz für das Wirtschaftsjahr 2019/20 einen Selbstversorgungsgrad von 92 % an. Hierbei ist der Selbstversorgungsgrad in den letzten Jahren stetig angestiegen - im Wirtschaftsjahr 2014/15 lag er noch bei 70 %. Österreichische Eiweißstrategie 41 Abbildung 13: Selbstversorgungsgrad für Hülsenfrüchte in Prozent für die Wirtschaftsjahre 2009/10 bis 2018/19 Quelle: Eigene Darstellung nach Statistik Austria Die Besonderheit bei der Wertschöpfungskette für Futtermittel ist, dass sich diese in der Betrachtung aus „marktgängigen und nichtmarktgängigen Futtermitteln“ zusammensetzt. Laut AMA-Getreidebilanz werden von der heimischen verwendbaren Getreide-Produktion von 5,3 Mio. t im Wirtschaftsjahr 2019/20 bereits rund 48 % direkt auf dem Hof verbraucht (nichtmarktgängig). Ausgehend von einer verfügbaren Getreide-Menge für den Markt von 3,4 Mio. t - hier werden auch die Lagerbestände miteingerechnet - werden weitere 22 % für die Verfütterung eingesetzt. Die Energiefutterkomponente Getreide liefert durch den insgesamt hohen Einsatz jedenfalls einen beachtlichen Anteil an heimischem Eiweiß. In Österreich ist Grünfutter das wichtigste Eiweißfuttermittel, gefolgt von Sojaextraktions schrot, Körnermais, Rapsextraktionsschrot, Silomais, Gerste, Weizen, Kleegras, Wechsel grünland, Tritikale, DDGS, Rotklee und anderen Kleearten sowie Luzerne. Große Rohproteinimporte sind bei Soja- und Rapsextraktionsschrot notwendig. Die Eiweißfuttermittelbilanz für das Wirtschaftsjahr 2015/16 der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen weist für Rinder einen Selbstversorgungsgrad an Rohprotein von rund 91 % aus, bei Schweinen beträgt der Selbstversorgungsgrad rund 64 %; bei Geflügel 56 % und bei sonstigen Tieren 89 %. Die Erhebung und 70% 75% 80% 85% 90% 95% 100% 2009/10 2010/11 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 2018/19 2019/20 Österreichische Eiweißstrategie 42 dementsprechend die Aktualisierung dieser Daten wird nur in größeren Zeitabständen vorgenommen. Laut Futtermittelbilanz wird die gesamte Rohproteinmenge für Österreich mit 1,415 Mio. t angegeben. Beinahe 82 % werden aus inländischer Produktion und 18 % durch Importe gedeckt. Fast 47 % der Rohproteinmenge kommen aus dem Grundfutter und rund 53 % sind Handelsfutter. Generell werden bei der Eiweißfuttermittelbilanz exportierte Protein mengen nicht berücksichtigt. Auf Nachfrage bei heimischen Futtermittelproduzenten werden die Exportmengen an Rohprotein auf rund 100.000 t geschätzt, was mehr als ein Drittel des importieren Rohproteins wäre. Abgeleitete Maßnahmen: Maßnahmen Umsetzung/Weiter verfolgung durch Umsetzbarkeit (kurz-/mittel-/ langfristig) Regelmäßige Marktanalyse und Marktbeobachtung im Bereich der Ölsaaten- und Eiweißmärkte auf nationaler und internationaler Ebene AMA, Handel generell Kurz-/mittel-/ langfristig Verbesserung der Darstellung und Aufbereitung der österreichischen Versorgungsbilanzen Statistik Austria, BAB, AMA Kurz- bis mittelfristig 5.5 Verarbeitung Die Verwendung von Eiweißpflanzen unterliegt laufenden Veränderungen. Technische Neuerungen in der Verarbeitung und ein anhaltender Trend zu geänderten Essgewohn heiten spielen dabei eine erhebliche Rolle. Österreich ist nicht nur bei bei der Produktion von Eiweißpflanzen im europäischen Spitzenfeld, sondern weist auch eine hohe Produktionsmenge an proteinreichen Nebenprodukten im Laufe der Wertschöpfungskette auf. Österreichische Eiweißstrategie 43 Abbildung 14: Raps Über 1 Mio. t Mais werden in der Stärke- und Zitronensäureindustrie verarbeitet. Dabei entstehen an Nebenprodukten ca. 150.000 t Maiskleberfutter, als proteinreiches Futtermittel und 47.000 t Maiskleber, als hochwertige Ergänzung in Futtermittelmischungen. In Österreich finden auch 650.000 t Getreide in der Bioethanol produktion Verwendung. Dabei fallen rund 210.000 t proteinreiches DDGS (Distillers' Dried Grains with Solubles) an; dieses weist die Proteinwertigkeit von Rapsschrot auf. Im Zuge der heimischen Verarbeitung von Raps (360.000 t) und Sonnenblumen (120.000 t) zu Öl werden erhebliche Mengen an Raps- und Sonnenblumenschrot produziert. Bei der Erzeugung von Sojaöl und Sojalecithin wird als Nebenprodukt gentechnik-freier Sojaextraktionsschrot erzeugt. Österreichische Eiweißstrategie 44 Abgeleitete Maßnahmen: Maßnahmen Umsetzung/Weiter verfolgung durch Umsetzbarkeit (kurz-/mittel-/ langfristig) Analyse der Verarbeitungskapazitäten und Logistik ströme im Bereich der Ölsaaten und Eiweißpflanzen AMA, BAB kurzfristig Einsatz einer Arbeitsgruppe zur Analyse der Nebenprodukte der Stärke- und Ethanolproduktion AMA kurzfristig Einsatz einer Arbeitsgruppe zur Förderung des Einsatzes gentechnikfreier, hofeigener und/oder biologischer Futtermittel BMLRT unter Einbeziehung der Stakeholder kurzfristig Optimierung der technologischen Behandlung von Soja (Toasten, Expandieren, Extrudieren) zur Steigerung des Futterwerts Be- und Verarbeitungsindustrie, Forschungsinstitutionen Kurz-/mittel-/ langfristig Optimierung der Verarbeitungsschritte im Hinblick auf die Vermeidung von Schäden und zur Steigerung der Ressourceneffizienz Be- und Verarbeitungsindustrie, Forschungsinstitutionen Kurz-/mittel-/ langfristig Österreichische Eiweißstrategie 45 6 Arbeitsgruppe 4: Forschung und Entwicklung 6.1 Problemstellung Die Forschungslandschaft ist so weitläufig wie - zumindest für die Laien - unübersichtlich. Es gibt zahlreiche Forschungsschienen und Wege Forschungsförderung zu beantragen. Dies passiert auf verschiedensten Ebenen - angefangen von der ressortinternen, ressort übergreifenden, nationalen, überregionalen bis hin zur EU-weiten und internationalen Ebene. So breit gefächert die Förderungsmaßnahmen sind, so sind es ebenso die Forschungseinrichtungen und -kooperationen, die zu pflanzlichem Eiweiß Forschung betreiben. Forscherinnen und Forscher haben in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren bereits intensiv im Bereich der Eiweißpflanzen geforscht, insbesondere in Sparten wie Saatgut, Sorten, Kulturarten und Pflanzenschutz, die in diesem Abschlussbericht unter Produktion fallen. Es hat sich herauskristallisiert, dass in einigen anderen Bereichen allerdings noch erheblicher Forschungsbedarf besteht. Was sich gezeigt hat - da sind sich die Expertinnen und Experten sowie Forscherinnen und Forscher einig - ist die Notwendigkeit das vorhandene Wissen und die erzielten Forschungsergebnisse besser aufzubereiten und das gewonnene Wissen und die Innovationen besser zu transportieren. Das Wissen und die Ergebnisse sollen auch über die Forschungsgruppe hinaus dem interessierten (Fach-)Publikum zugänglich sein und vor allem den wichtigen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zur Verfügung stehen. Daher ist es wichtig, dass das in den letzten Jahren bereits gewonnene wertvolle Wissen und die erstaunlichen Fortschritte der Forschung zu pflanzlichem Eiweiß speziell für die landwirtschaftliche Praxis aufbereitet werden, beispielsweise als praxistaugliche Beratung sunterlage. Ebenfalls von Bedeutung ist nicht nur die Vernetzung der Wissenschaft mit der Praxis, sondern auch die Vernetzung der Forschungseinrichtungen und insbesondere der Forscherinnen und Forscher untereinander. Österreichische Eiweißstrategie 46 Zukünftig erscheint es unerlässlich die Forschungsaktivitäten, auch aufgrund begrenzt verfügbarer Forschungsmittel, zielgerichtet auf die Forschungsbedarfe zu pflanzlichem Eiweiß hinsichtlich relevanter Aspekte wie Klima, Umwelt, tierische und menschliche Ernährung sowie der Wertschöpfungskette - unter Berücksichtigung einer ressourcen schonenden Herangehensweise - abzustellen. Ziele: • Verbesserung der zielgerichteten Forschungstätigkeit für pflanzliches Eiweiß • Verbesserung des Wissenstransfers und der Vernetzung des Sektors auf nationaler und EU-Ebene 6.2 Forschung und Entwicklung Es hat sich, insbesondere auch durch die Ergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen, gezeigt, dass der Forschungsbedarf in Richtung Effizienzsteigerung, bessere Nutzung oder Nutzbarmachung und Schonung bzw. geringerer Einsatz der benötigten Ressourcen in Bezug auf pflanzliches Eiweiß entlang der gesamten Wertschöpfungskette abzielt. Die Themenvielfalt möglicher zukünftiger Forschungsprojekte ist breit. Im Rahmen der Österreichischen Eiweißstrategie soll ein erster Anstoß in jenen Forschungsbereichen gesetzt werden, wo ein (vor)dringlicher, unmittelbarer und explizit praxisrelevanter Bezug gegeben ist oder Wissens- und Informationslücken identifiziert wurden. Auf europäischer Ebene werden im Rahmen von Horizon Europe, dem 9. EU-Rahmen programm für Forschung und Innovation, unter anderem gemeinsame Forschungs aktivitäten zur Bewältigung globaler Herausforderungen und zur Stärkung der indust riellen Wettbewerbsfähigkeit Europas forciert. Im Arbeitsprogramm des Cluster 6 „Food, Bioeconomy, Natural Resources, Agriculture and Environment“ werden auch Projekte rund um den Themenbereich pflanzliches Eiweiß gefördert. Österreichische Eiweißstrategie 47 Abgeleitete Maßnahmen: Maßnahmen Umsetzung/Weiter verfolgung durch Umsetzbarkeit (kurz-/mittel-/ langfristig) Forschungsprojekte im Rahmen von DaFNE, EIP sowie der Arbeitsprogramme der Dienststellen: Erhebung der Reduktion des Proteinverbrauchs sowie Prüfung einer zukünftigen Möglichkeit einer Proteinreduzierung in Futterrationen Prüfung von neuen heimischen Proteinquellen für verbesserten ressourcenschonenden Einsatz bei Futtermitteln (z.B. Luzernekonserven) Erarbeitung von einfachen Analysemethoden zur richtigen Bewertung des Protein- und Aminosäuregehalts der Futtermittel Angewandte und praxisorientierte Forschung im Bereich Grünland (z.B. Seedmix-Projekt) Verbesserung der Stickstofffixierleistung von Leguminosen Alternative Leguminosen und Nischenkulturen im Anbau für die menschliche und tierische Ernährung Selektionszüchtung bei Leguminosen (insb. Soja) Anbausysteme mit reduziertem Betriebsmitteleinsatz Anbau von Mischkulturen sowie Herbstsaat traditioneller Sommerungen bei Leguminosen Grüne Bioraffinerie Prüfung der Bedeutsamkeit von Proteinen mit bzw. aus Insekten, die auf Basis von Reststoffen, Abfällen bzw. anderweitig unverwendbaren Substanzen produziert werden BMLRT und alle wesentlichen Stakeholder wie z.B. Forschungsinstitutionen, LKÖ+LKs, Be- und Verarbeitunsindustrie etc. Kurz-/mittel-/ langfristig Studien: Erhebung des Potenzials von Eiweißpflanzen sowie der Be- und Verarbeitungssituation in Österreich Evaluierung der Ökosystemleistungen und Einfluss der Leguminosen auf die Biodiversität BAB, AMA, AGES Kurz-/ mittel-/ langfristig Österreichische Eiweißstrategie 48 7 Resümee und Schlussfolgerungen Im Rahmen der Österreichischen Eiweißstrategie wurden Eiweißpflanzen von den positiven Klima- und Umweltwirkungen, über die Produktion bis hin zur menschlichen und tierischen Ernährung - also entlang der gesamten Wertschöpfungskette - beleuchtet. Darüber hinaus wurde der Bereich Forschung und Entwicklung näher betrachtet. In vier Arbeitsgruppen wurden Handlungsbereiche identifiziert und Maßnahmen erarbeitet. Diese Maßnahmen wurden entsprechend ihrer Relevanz für die Aufnahme in den Abschlussbericht diskutiert. Nicht alle besprochenen Maßnahmen wurden seitens der Arbeitsgruppen weiterverfolgt. Die Arbeitsgruppe Klima, Umwelt und Ernährung betrachtete die positiven Auswirkungen der Eiweißpflanzen im Vergleich zu anderen Kulturpflanzen. Die Optimierung des Energie einsatzes bei der Herstellung von Futtermitteln sowie Nebenprodukten in der Be- und Verarbeitungsindustrie leistet ebenso einen Beitrag zum Klimaschutz, wie die Erhöhung von Bodenfruchtbarkeit durch eine optimale Einbindung von Leguminosen in die Frucht folge. Generell trägt der vermehrte Anbau von Leguminosen in der Fruchtfolge zum Humusaufbau bei und somit zu einer positiven Humusbilanz. Damit ist auch die Speicher ung bzw. Erhaltung von Kohlenstoff bzw. des Treibhausgases CO2 im Boden verbunden. Die Vermeidung von Landnutzungsänderungen - insbesondere durch den Erhalt des Dauergrünlandes oder auch durch Verhinderung der Verwaldung - stellt einen wichtigen Faktor dar. Im Zusammenhang mit Umwelt stehen biodiversitätsfördernde und die Bodenfruchtbarkeit verbessernde Maßnahmen - speziell im Hinblick auf Eiweißpflanzen im Mittelpunkt. Im Bereich der menschlichen Ernährung werden Bewusstseins- und Bildungskampagnen als zielführend zur Förderung einer gesunden, pflanzenbasierten Ernährung gesehen. Im Fokus der Arbeitsgruppe Produktion standen die Maßnahmenbereiche Saatgut, Anbau und Fruchtfolge, Betriebsmitteleinsatz, GAP und Risikomanagement. Verstärkte Züchtungsaktivitäten für ein breites Sortenspektrum bei den Leguminosen und gleichzeitig der Erhalt der heimischen Saatgutproduktion stellen wichtige Schwerpunkte in diesem Bereich dar. Die wesentlichste Maßnahme im Bereich der Produktion für praktizierende Landwirtinnen und Landwirte sowohl im Ackerbau als auch in der Grünlandbe wirtschaftung beschäftigt sich mit Bildung und Beratung hinsichtlich Steigerung des Eiweißpflanzenanbaus, Kulturführung und Erntetechnik, Konservierung des Erntegutes Österreichische Eiweißstrategie 49 sowie Wissenstransfer. Die bestmögliche Verankerung der Eiweißpflanzen im Rahmen der neuen GAP im Bereich der Konditionalität und im ÖPUL ist prioritär umzusetzen. Die Ab sicherung des nationalen Versicherungssystems und die Erweiterung des Spektrums versicherbarer Schadbilder zur besseren Abfederung von Ertragsschwankungen sind wichtige Maßnahmen im Risikomanagement. Die Arbeitsgruppe Wertschöpfung betrachtete insbesondere die Bereiche Lebensmittel, Futtermittel, Versorgungsbilanzen und die Verarbeitung. Im Fokus dieser Arbeitsgruppe stehen Maßnahmen zur Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung der Gesellschaft durch Informationen der Öffentlichkeit, ebenso im Bereich der öffentlichen Beschaffung und Gemeinschaftsverpflegung, sowie durch bessere Kennzeichnung, Gütesiegel und Aus lobung von pflanzlichen Eiweißprodukten. Der Bereich Futtermittel orientiert sich am Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit, der Anreizsteigerung zur Verwendung von heimischen und europäischen Futtermitteln, verstärkter Einsatz von Futtermittelanalysen sowie einer Evaluierung einer möglichen zukünftigen Bedeutung des Einsatzes von synthetischen Aminosäuren. Eine Verbesserung der Darstellung und Aufbereitung der österreichischen Versorgungsbilanzen im Bereich der Eiweißpflanzen sowie eine regelmäßige Marktanalyse und Marktbeobachtung wird als erforderlich angesehen. Um die vorhandenden Potenziale besser abschätzen zu können bedarf es einer Analyse der Verarbeitungskapazitäten in Österreich. Zur Steigerung des Einsatzes von Nebenprodukten der Verarbeitungsindustrie soll eine Arbeitsgruppe eingesetzt werden, um die Verwendung von gentechnikfreien, hofeigenen und wenn möglich biologischen Futtermitteln zu fördern. Darüber hinaus besteht die Notwendigkeit der Optimierung der Verarbeitungsschritte bei der techno logischen Behandlung von Eiweißernteprodukten im Hinblick auf die Vermeidung von (thermischen) Schäden und zur Steigerung der Ressourceneffizienz. Die Arbeitsgruppe Forschung und Entwicklung fokussierte sich darauf einen Überblick über die Forschungslandschaft und bereits beendete, laufende und geplante Forschungs vorhaben und -projekte zu schaffen. Insbesondere wurde der Schwerpunkt auf den zukünftigen Forschungsbedarf gelegt. Dabei kristallisierte sich heraus, dass im Bereich der Verareitung und Verwendung von eiweißhaltigen Futtermitteln verstärkter Forschungs bedarf besteht. Österreichische Eiweißstrategie 50 7.1 Weitere Vorgangsweise Die erarbeiteten Maßnahmen sollen in alle derzeit laufenden sowie zukünftig zu erarbeitenden Strategien einfließen und von allen Stakeholdern weiterverfolgt werden. Die globale COVID-19-Krise ist in der Endphase der Erarbeitung der Eiweißstrategie eingetreten und hat eindrucksvoll vor Augen geführt, wie wichtig die heimische Versorgung mit Lebens- und Futtermitteln ist und wie sehr eine weitestgehende Unabhängigkeit von Importen anzustreben ist. In diesem Lichte wurden aus all den erarbeiteten Maßnahmen fünf Empfehlungen und Schwerpunkte für die unmittelbare Umsetzung identifiziert: • Gemeinsame Agrarpolitik Die bestmögliche Verankerung von Eiweißpflanzen im nationalen Strategieplan zur neuen GAP steht hier im Mittelpunkt. Insbesondere im Agrarumweltprogramm ÖPUL werden hier verstärkte Ansätze wie die Unterstützung von Feldfutter oder Körnerleguminosen mit niedrigen Deckungsbeiträgen erfolgen. Auch die Rolle des Grünlands als wichtige Eiweißquelle wird verstärkt angesprochen. • Wissenstransfer Die Wichtigkeit das gewonnene und vorhandene Wissen und Know-how zu verbreiten und den interessierten Personen zur Verfügung zu stellen zeigt sich insbesondere auch im Bereich der Eiweißpflanzen. Die Landwirtschaftskammer hat im Jahr 2020 ein Buch über Eiweißpflanzen veröffentlicht, das einen wertvollen Beitrag zum Wissenstransfer leistet. • Wertschöpfungskette Für eine Aktualisierung der grundlegenden Daten zu Versorgungsbilanzen soll eine Erhebung und Analyse der Be- und Verarbeitungskapazitäten im Bereich der Eiweißpflanzen in Österreich erfolgen. • Futtermittel Die Diskussionen zur Prüfung einer möglichen Anreizsteigerung der Verwendung von GVO-freien heimischen und europäischen Futtermitteln in der Nutztierfütterung sollen im Rahmen eines Runden Tisches der AGES angestoßen und von allen Seiten beleuchtet sowie analysiert werden. Die verbesserte Verwendung von heimischen und europäischen Futtermitteln leistet einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit der österreichischen Landwirtschaft und in weiterer Folge der österreichischen Bevölkerung und reudziert den Importbedarf von Futtermitteln aus Übersee. Dabei sollen auch mögliche Zertifizierungssysteme auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden. Österreichische Eiweißstrategie 51 • Forschung Ein wesentlicher Faktor und Schlüsselbereich zur Reduzierung des Proteineinsatzes sind die Futtermittel. Hier sollen im Rahmen eines praxisorientierten Forschungsprojektes die bedarfsgerechte und optimierte Proteinfütterung erarbeitet werden und das Potenzial – auch neuer – heimischer und gentechnikfreier Futtermittel miteinbezogen werden. Österreichische Eiweißstrategie 52 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Knöllchenbakterien zur Stickstofffixierung bei Sojabohnen ........................... 13 Abbildung 2: Eiweißfuttergemenge mit Rotklee und Luzerne ............................................. 15 Abbildung 3: Eiweißanteil in der menschlichen Ernährung in Österreich ........................... 17 Abbildung 4: Anbaufläche von Sojabohne, Ackerbohne und Körnererbse in Österreich (in Hektar) ..................................................................................... 19 Abbildung 5: Soja-Anbaufläche der größten fünf EU-Erzeugerländer in Hektar ................. 20 Abbildung 6: Gesamternte von Sojabohne, Ackerbohne, Körnererbse in Österreich (in Tonnen) ...................................................................................................... 21 Abbildung 7: Auswirkungen von Nanoviren (PNYDV - Pea Necrotic Yellow Dwarf Virus) bei Erbsen ............................................................................................. 24 Abbildung 8: Ackerbohne im Jugendstadium ...................................................................... 26 Abbildung 9: Erbse mit Grünen Erbsenblattläusen .............................................................. 29 Abbildung 10: Reife Sojabohnen .......................................................................................... 35 Abbildung 11: Die wichtigsten Eiweißfuttermittel in Österreich 2015/16 .......................... 37 Abbildung 12: Soja-Erntemenge der größten EU-Erzeugerländer (in Tonnen) ................... 38 Abbildung 13: Selbstversorgungsgrad für Hülsenfrüchte in Prozent für die Wirtschaftsjahre 2009/10 bis 2018/19 .......................................................... 41 Abbildung 14: Raps ............................................................................................................... 43 Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus Stubenring 1, 1010 Wien bmlrt.gv.at

Austrian Protein Strategy · Nelum